Der Markt an E-Mountainbikes wächst schneller und schneller. Beinahe jeder namenhafte Hersteller hat mittlerweile Mountainbikes mit E-Unterstützung im Programm. Beim Kunden sorgt dieses enorme Angebot jedoch häufig für Verunsicherung. Wir verraten euch nun in unserer dreiteiligen Kaufberatung was es bei der Anschaffung zu beachten gilt und geben Tipps damit am Ende jeder, das für sich geeignete Rad findet.

Während wir euch im ersten Teil grundlegendene Informationen rund ums Thema E-Mountainbike gegeben haben, folgen nun im zweiten Teil Tipps, mit denen ihr das richtige E-Mountainbike für euch findet. Im dritten Teil folgen dann nützliche Hinweise, was es beim Kauf des Rades zu beachten gilt.

Hardtail oder Fullsupsension-Bike?

Grundsätzlich lassen sich E-Mountainbikes grob nach zwei Federungskonzepten unterteilen. So unterscheidet man – wie bei Mountainbikes ohne E-Unterstützung – zwischen Hardtails (nur vorn gefedert) und vollgefederten Modellen (Fullsuspension Bikes).

Links Hardtail, rechts Fully. Deutlich ist die Umlenkung der Hinterradfederung zu erkennen.
Links Hardtail, rechts Fullsuspension (Fully). Deutlich ist die Umlenkung der Hinterradfederung zu erkennen.

Hardtail

Bei Mountainbikes ohne E-Antrieb findet das Hardtail besonders im Ausdauer-Rennsport und im niedrigen Preissegment Anwendung. Aufgrund des starren Rahmens garantiert es maximale Kraftübertragung, gleichzeitig ist es aufgrund von fehlenden Lagern leichter und weniger wartungsintensiv. Entsprechend sind Hardtails auch günstiger in der Anschaffung.
Der geringere Wartungsaufwand bezieht sich hierbei natürlich lediglich auf das Fehlen von zusätzlichen Lagerpunkten am Hinterbau. Ein Hardtail benötigt in Sachen Antrieb, Schaltung und bei der Federgabel den gleichen Service wie ein vollgefedertes Modell.

Der Verzicht auf die Federung des Hinterbaus erleichtert die Produktion des Rades enorm. Dies beginnt bei der Konstruktion des Rahmens, geht über die Fertigung, bei der weniger Frästeile und Lager benötigt werden, und endet bei der Montage.

E-Mountainbike Hardtails sind deshalb bei gleicher Ausstattung im Schnitt circa 1.000 € günstiger als das gleichwertige vollgefederte Modell.

Fullsuspension Bikes

Lässt man den höheren Preis und das leicht erhöhte Gewicht einmal außer Acht, so bieten vollgefederte E-Mountainbikes nur Vorteile. Dazu zählen unter anderem:

  • höherer Fahrkomfort
  • mehr Fahrsicherheit
  • mehr Traktion
  • höherer Fahrspaß

Speziell abseits geteerter und gut befestigter Wege spielt das Fully all seine Stärken aus. Die enorme Mehrleistung durch den E-Antrieb erfordert mehr Traktion am Hinterrad, damit die eingesetzte Energie auch tatsächlich in Vortrieb umgewandelt werden kann. Die Heckfederung gleicht Unebenheiten sowie Hindernisse aus und ermöglicht dem Hinterrad so deutlich mehr Bodenkontakt.
Außerdem sorgt der Dämpfer dafür, dass Schläge vom Untergrund nicht direkt an den Fahrer weitergegeben werden, dies erhöht den Fahrkomfort.

Letzen Endes liegt das vollgefederte Rad ruhiger und sicherer auf dem Trail, bietet dadurch mehr Sicherheit, ermöglicht höhere Geschwindigkeiten und letzten Endes auch mehr Fahrspaß.

Wie viel Federweg ist sinnvoll?

Eines vorweg:
Anders als bei Mountainbikes ohne E-Antrieb spielt bei E-Mountainbikes die Effizienz des Fahrwerks nur eine untergeordnete Rolle!

Der Grund hierfür ist denkbar einfach, aufgrund des kraftvollen Motors steht dem Fahrer bereits mehr als genug Leistung zur Verfügung. Ein leichtes Wippen oder einige Gramm Mehrgewicht sind daher meist zu vernachlässigen.

Aus diesem Grund, und da bei 25 km/h meist sowieso abgeriegelt wird, ist eine sportlich gestreckte Sitzposition ebenso unnötig wie besonders straffe und auf Vortrieb getrimmte Fahrwerke.

Der Fahrspaß steht bei E-Mountainbikes klar im Vordergrund!

Trotz 140 mm Federweg sprintet das Cube Stereo Hybrid leichtfüßig bergauf!
Trotz 140 mm Federweg sprintet das Cube Stereo Hybrid leichtfüßig bergauf!

Wir empfehlen daher Räder mit mindestens 120 mm Federweg an Front und Heck. Dank des tiefen Schwerpunkts aufgrund des Mittelmotors liegen auch diese Bikes schon sehr sicher auf dem Trail. Mit zunehmendem Federweg steigt dann zusätzlich der Fahrspaß bergab, ohne dass sich dabei die Performance bergauf deutlich verschlechtert.

Einen ausführlichen Test verschiedener Räder findet ihr in der Ausgabe #001 des E-Mountainbike Magazin.

Welches Antriebskonzept ist das Beste?

Mittlerweile haben sich speziell bei vollgefederten E-Mountainbikes Mittelmotoren etabliert. Die zentrale Gewichtsverteilung sorgt für das beste Fahrverhalten im Gelände. Nur bei Hardtails sind noch vereinzelt Heckmotoren zu finden.

Heckmotor

Heckmotoren finden nur noch bei Stadträdern und bei manchen Hardtails Anwendung. Durch das hohe Gewicht (mind. 4kg) im Bereich des Hinterrades ist die Anwendung im Gelände nicht sinnvoll. Zu groß sind die Beeinträchtigungen bezogen auf das Fahrverhalten, welche die ungleiche Gewichtsverteilung mit sich bringt.

Größtes Problem bei Rädern mit Heckantrieb ist die ungleiche Gewichtsverteilung aufgrund des Motors im Hinterrad.
Größtes Problem bei Rädern mit Heckantrieb ist die ungleiche Gewichtsverteilung aufgrund des Motors im Hinterrad.

Der größte Vorteil von Heckmotoren ist, dass sie anders als Mittelmotoren meist über einen Rekuperationsmodus verfügen. Dabei wird der Elektromotor als eine Art Dynamo genutzt, um den Akku wieder aufzuladen.

Mittelmotor

Am Markt sind mittlerweile einige unterschiedliche Mittelmotoren verfügbar. Der derzeit bekannteste Antrieb ist zweifelsohne das BOSCH Performance System. Doch auch Brose, Yamaha und Impulse haben interessante Antriebe zu bieten. Alle Systeme haben den Vorteil, tief im Bereich des Tretlagers angebracht zu sein. Dadurch ist nicht nur der Schwerpunkt optimal gewählt, es ermöglicht auch die Nutzung handelsüblicher Schaltungen. Zusätzlich bietet jeder Antrieb noch ganz individuelle Vor- und Nachteile. Diese haben wir in der Ausgabe #001 für euch zusammengefast (kostenlos & digital natürlich).

Die Leistungsunterschiede der einzelnen Motoren sind geringer als oftmals vermutet. Vielmehr unterscheiden sich die System aufgrund kleinerer Details und Features.
Die Leistungsunterschiede der einzelnen Motoren sind geringer als oftmals vermutet. Vielmehr unterscheiden sich die Systeme aufgrund kleinerer Details und Features.

Fakt ist: Der Motor hat wie beim Auto auch Einfluss auf das Fahrverhalten eines Rades, jedoch sollte die Wahl des Bikes nicht vom verbauten Motor abhängig gemacht werden. Geometrie und Fahrwerk beeinflussen das Handling und die Sitzposition in deutlich größerem Maße und sind so maßgeblich für den Fahrspaß und die Fahrsicherheit verantwortlich.

Welches E-Mountainbike passt zu mir?

Um dir die Entscheidung zu erleichtern, haben wir hier noch einmal die verschiedenen Konzepte gegenüber gestellt.

Hardtail mit Heckmotor

Das Hardtail mit Heckmotor empfiehlt sich vor allem für Pendler und Fahrer, welche überwiegend auf befestigten und sehr gemäßigten Trails unterwegs sind. Die unausgewogene Gewichtsverteilung macht die Anwendung im anspruchsvollen Terrain nicht möglich. Dank Rekuperationsmodus lässt sich die Reichweite des Rades verlängern. Der günstige Preis macht das Hardtail für den E-MTB-Einstieg interessant.

Mehr als gemäßigte Wege sind mit Hardtails mit Heckmotor nicht drin. Der Grund: Die unausgewogene Gewichtsverteilung beeinflusst das Fahrverhalten.
Mehr als gemäßigte Wege sind mit Hardtails mit Heckmotor nicht drin. Der Grund: Die unausgewogene Gewichtsverteilung beeinflusst stark das Fahrverhalten.

Hardtail mit Mittelmotor

Das Hardtail mit Mittelmotor ist dank der guten Gewichtsverteilung deutlich Gelände-gängiger als ein Rad mit Heckantrieb. Allerdings muss der Fahrer für den Preisvorteil verglichen mit einem E-Fully auch hier Traktions- und Komforteinbußen in Kauf nehmen.

Mit einem Mittelmotor ausgestattet bietet auch ein Hardtail viel Fahrspaß auf dem Trail
Mit einem Mittelmotor ausgestattet bietet auch ein Hardtail viel Fahrspaß auf dem Trail.

Vollgefederte E-Mountainbikes um 120 mm Federweg

Vollgefederten E-Mountainbikes um die 120 mm Federweg bieten meist bereits sehr gute Fahreigenschaften, sowohl bergauf wie bergab. Sie sind wie gemacht für ausgiebige Touren und meistern selbst anspruchsvolles Terrain.

Auch mit wenig Federweg bieten E-Mountainbikes häufig schon sehr gute Fahreigenschaften. Hier entscheidet vor allem die Wahl der Komponenten, aber dazu mehr in Teil 3 unserer Kaufberatung.
Auch mit wenig Federweg bieten E-Mountainbikes häufig schon sehr gute Fahreigenschaften. Hier entscheidet vor allem die Wahl der Komponenten, aber dazu mehr in Teil 3 unserer Kaufberatung.

Vollgefederte E-Mountainbikes mit 140 und mehr Millimeter Federweg

Diese Räder sind Spaßbikes erster Güte! Auch sie klettern dank E-Unterstüzung noch sehr gut bergauf, bieten bergab aber maximalen Fahrspaß! Einziger Nachteil ist der meist hohe Einstiegspreis.

Push the Limits! Moderne E-MTBs mit viel Federweg kennen keine Grenzen!
Push the Limits! Moderne E-MTBs mit viel Federweg kennen keine Grenzen!

In Teil drei der Kaufberatung verraten wir euch, worauf ihr beim Kauf von E-Mountainbikes wirklich achten solltet und wie ihr die Fahrperformance der Räder einfach und günstig direkt beim Händler optimieren lassen könnt.

Text & Fotos: Christoph Bayer