Konnichiwa 2021! Der neue Shimano EP8 löst den Shimano STEPS E8000 ab und wartet mit spannenden Neuerungen auf. Welche neuen App-Tuning-Möglichkeiten gibt es? Kann man den EP8 nachrüsten? Wie fährt er sich im direkten Vergleich zum Vorgänger STEPS E8000 – und wie in den heißen E-MTBs 2021? All das und die Top-10-Facts findet ihr in diesem exklusiven Special.

Bevor wir in den Testbericht einsteigen, möchten wir dich noch kurz auf eine aktuelle Aktion hinweisen: Zur Zeit bieten wir die 2020er und 2019er Ausgabe der E-MOUNTAINBIKE Print-Edition im stark reduzierten Kombi-Paket an - nur solange der Vorrat reicht! Auf insgesamt knapp 500 Seiten erwarten dich Inspiration, Kaufberatung, jede Menge E-MTB-Know-how und natürlich unzählige E-MTB-Tests. Klicke hier, um dir das Angebot zu sichern!

Shimano EP8 (DU-EP800) | 85 Nm | 2,6 kg | 3 Unterstützungsstufen | Hersteller-Website

Es ist so weit: Vier Jahre, nachdem der Shimano STEPS E8000-Motor vorgestellt wurde, kommt der Nachfolger – der Shimano EP8 2021. Wir haben den neuen Shimano EP8-E-Bike-Motor exklusiv vor dem offiziellen Launch im direkten Vergleich mit seinem Vorgänger E8000 in zwei Husqvarna Mountain-Cross-E-Mountainbikes getestet, um die kleinen wie großen Unterschiede unter realen Bedingungen herauszukristallisieren und um euch sagen zu können, was der neue Motor tatsächlich besser kann. Darüber hinaus haben wir zahlreiche weitere 2021er-Bikes mit EP8 exklusiv für euch getestet und unzählige Kilometer in den Alpen, auf unseren Hometrails und in der schönen Pfalz sammeln können, inklusive typisch lokalem Flammkuchen und Wein. Bei einem Besuch des Shimano Europa-Teams bei uns im Headquarter konnten wir zudem mit den Shimano-Entwicklern alle Einzelheiten und technischen Details kritisch diskutieren – und sind natürlich weitere Testrunden gefahren. Um es auf den Punkt zu bringen: Wir haben uns die letzten Tage und Wochen die Finger wundgetippt, um euch in diesem Special alle relevanten Insider-Infos zum neuen EP8 und den neuen Bikes zu liefern! Viel Spaß beim Lesen!

Inhaltsverzeichnis

Husqvarna Mountain-Cross 7 | Shimano EP8/630 Wh | 150/150 mm (v/h) | 6.799 €
Alle neuen Husqvarna-Shimano-Bikes | Hersteller-Website
Das perfekte Setting für eine ausgiebige Testsession: luftgekühlter Fahrspaß auf dem Weg zum Testen…
… EP8 im direkten Vergleich zum STEPS E8000 auf geilen Trails testen …
… und danach natürlich feiner Flammkuchen mit einem lieblichen Tropfen.
So lässt es sich auch an einem Sonntag arbeiten während unser Office Dog Leo schön zuschaut!

Der neue Shimano STEPS EP8 2021-Motor im Detail

Der neue Shimano-Motor ist so vielseitig wie nie zuvor. Dank zahlreicher Optionen zur Individualisierung soll der leichte und dennoch kraftvolle Motor in einer Reihe von E-Bikes vom urbanen bis hin zum sportiven MTB-Einsatz genutzt werden können. Dank des geringen Gewichts und der freien Akkuwahl für den Bike-Hersteller sind auch E-Mountainbikes der Light-Kategorie möglich, die Bikes wie dem Specialized Levo SL mit Specialized-Motor oder dem NOX HeLIUM mit FAZUA-Motor nahekommen.

Der neue Shimano EP8 2021 soll die Lücke zur Konkurrenz schließen durch ein neues Magnesiumgehäuse, bessere Unterstützung in einem breiteren Trittfrequenzbereich, mehr Einstellmöglichkeiten, 10 % weniger Gewicht und 20 % mehr Power. Bezüglich des Drehmoments gelingt das schon mal: Mit 85 Nm ist der neue Motor der Japaner gleichauf mit dem Bosch Performance Line CX-Motor mit 85 Nm, etwas stärker als der Yamaha PW-X2 mit 80 Nm und etwas schwächer als der Brose Drive S Mag mit 90 Nm. Aber Achtung, das Drehmoment ist nur eine Kennzahl – allein hat es keine Aussage. Es kommt vielmehr auf das Gesamtkonzept von Antriebseinheit, Motor-Abstimmungen und Software sowie das E-Bike als Gesamtsystem an.

Es gab viele Gründe, die den Shimano STEPS E8000 so beliebt gemacht haben: seine kompakte Bauart und die damit verbundene einfache Integration in E-Bikes, sein geringes Gewicht und die konfigurierbaren Fahrmodi. Außerdem konnten Hersteller und Endkunden mit seinem modularen Cockpit-Konzept zwischen zahlreichen Display- und Remote-Optionen wählen. Dass der neue Motor die gleichen Anschraubpunkte wie der E8000 hat, macht den Bike-Herstellern den Wechsel leichter. Mit dem neuen EP8 2021 kann man die Unterstützungsstufen in der E-TUBE PROJECT-App noch besser an die eigenen Vorlieben anpassen. Dadurch soll der Motor nicht nur am E-MTB überzeugen, sondern mit gemäßigterer Leistungsabgabe auch für Trekking-Bikes und den urbanen E-Bike-Einsatz geeignet sein.

Was ist neu? Top-10-Facts zum Shimano EP8 2021-E-Bike-Motor

  1. Stärker: Der neue Shimano EP8 verfügt über 85 Nm Drehmoment und damit über 15 Nm mehr als sein Vorgänger, der Shimano STEPS E8000. Das sind ganze 21 % mehr Power und genauso viel Drehmoment wie der Bosch Performance Line CX-Motor.
  2. Kleiner: Im Vergleich zum Vorgängermodell wurde das Volumen reduziert. Die Motoraufhängung ist dabei gleich geblieben, weshalb das geringere Volumen vor allem für mehr Bodenfreiheit sorgt.
  3. Leichter: Der EP8 mit dem neuen Gehäuse aus Magnesium wiegt 2,6 kg und ist ca. 300 g (10 %) leichter als der STEPS E8000 aus Aluminium
  4. Geschmeidiger: Das Innenleben des neuen Motors wurde komplett überarbeitet und der Tretwiderstand über der 25-km/h-Schwelle wurde reduziert.
  5. Kürzerer Nachlauf: Zwar ist der Nachlauf von den Motoreinstellungen abhängig, insgesamt wurde er spürbar reduziert.
  6. Mehr Bodenfreiheit: Shimano gibt 160-mm-Kurbeln für den neuen Motor frei. In Zukunft gibt es also bis zu 5 mm mehr Bodenfreiheit beim Pedalieren.
  7. Leiser? Nein. Zwar hat Shimano das Surren des Motors selbst unter Volllast um ein Vielfaches reduziert. Dafür klappert der EP8 aber metallisch aus dem Inneren des Getriebes.
  8. Neue Apps: Mit dem neuen Motor stellt Shimano auch überarbeitete Apps vor. Mit der Shimano E-TUBE PROJECT-App könnt ihr die Fahrmodi Eco, Trail und Boost nach euren Vorlieben abstimmen, das Drehmoment begrenzen und vieles mehr. Mit der Shimano E-TUBE RIDE-App wird euer Smartphone zum E-Bike-Display und Navigationsgerät.
  9. Individuelle Motorabstimmung: Der neue EP8 verfügt über zwei Fahrprofile, die auf dem Trail über das Display gewechselt werden können und in denen man die Parameter der Unterstützungsstufen unterschiedlich einstellen kann.
  10. Fehlercode W013: Endlich! Druck auf dem Pedal während des Einschaltvorgangs führte beim alten Shimano STEPS E8000 stets zu einem Fehlercode. Beim neuen EP8 ist dieses Problem nun technisch gelöst. Auf Nimmerwiedersehen, Fehlercode W013!

Die neuen E-Bike-Akkus von Shimano: 504 Wh, 630 Wh und mehr

Die neuen Akku-Optionen mit 504 und 630 Wh wurden bereits im Frühjahr vorgestellt, alle Infos hierzu findet ihr in diesem separaten Artikel. Wichtig zu erwähnen ist, dass Shimano den Service von zertifizierten Fremdakkus von BMZ, Simplo und Darfon übernehmen will und teilweise schon übernimmt. Dadurch sind auch Akkukapazitäten jenseits von 700 Wh möglich. Aber Achtung: Der Service ist aktuell noch vom Shimano-Service-Center vor Ort abhängig, hier kann es von Land zu Land deutliche Unterschiede geben. Informiert euch am besten beim Shimano-Vertrieb in eurem Land über den aktuellen Stand.

Kann ich den Shimano EP8 2021 an meinem E-Bike nachrüsten?

In der Theorie geht das, denn der neue EP8 teilt sich das Rahmen-Motor-Interface mit seinem Vorgänger. In der Praxis ist das aber nicht nur aus rechtlichen Gründen nicht möglich (Gewährleistung, CE-Zertifizierung, EMV-Prüfung etc.). Denn der EP8 setzt auf neue Schnittstellen und dünnere Kabel, weshalb auch Teile des Kabelbaums ersetzt werden müssten. Hinzu kommt die Beschaffung eines EP8-Motors, die für Privatpersonen nicht vorgesehen ist.

Neue Shimano-Displays und -Remotes für den EP8

Der neue EP8-Motor kommt auch mit einem neuen SC-EM800-Display. Es ist die Weiterentwicklung des kompakten Farbdisplays der STEPS E8000-Serie und sieht rein optisch fast genauso aus, lässt sich ebenso gut auch bei starker Sonneneinstrahlung ablesen und ist dank seiner identischen Positionierung neben dem Vorbau auch bei Stürzen gut geschützt. Die Änderungen stecken in der verbauten Technik: Das neue Display erhält einen schnelleren Chip und bessere Konnektivität mit Smartphones und anderen Geräten von Drittherstellern wie einem Garmin oder Wahoo.

Sieht aus wie das alte: Das SC-EM800-Display hat aber mehr Funktionen und vor allem eine verbesserte Konnektivität.

Bereits seit der Einführung der kompakten STEPS E7000-Remote verbauen fast alle Hersteller auch an den Topmodellen die günstigere Remote-Einheit. Der Grund: Die teure E8000-Daumen-Remote ist nicht nur klobig, sondern auch so positioniert, dass es immer wieder zu Kompatibilitätsproblemen mit den Hebeln der Variostützen kommt. Der Taster der neuen SW-EM800-L-Remote ist jetzt ebenfalls neben statt unter dem Griff positioniert und sorgt so für eine gute Ergonomie und ein aufgeräumtes Cockpit.

Die alte E8000-Remote war schon lange nicht mehr zeitgemäß und wird …
… im Design der günstigeren E7000-Remote ersetzt. Allerdings mit einer noch besseren Haptik.

Auch das erst im Frühjahr vorgestellte Kombi-Display SE-E5000 ist mit dem neuen EP8 kompatibel und vereint sowohl Display als auch Remote in einer kompakten Einheit, die am linken Griff auf dem Lenker sitzt. Sie ist auch zum Nachrüsten für alle Systeme erhältlich und kostet ca. 110 €.

Sind alte Shimano STEPS-Displays und -Remotes weiterhin kompatibel?

Sowohl das alte STEPS E8000-Display als auch die Remote, die mit ihrer Positionierung schon Probleme mit vielen Variostützen verursacht hat, können die heutigen Anforderungen an ein Cockpit-System nicht mehr bedienen. Deshalb werden sie durch das neue EM8000-Display und die SW-EM800-L-Remote ersetzt. Die STEPS E7000-Serie mit kompakter Remote und Schwarz-Weiß-Display bleibt durch einen Adapter für die dünneren Kabel mit dem EP8 kompatibel. So bleibt das modulare System um die Bedienelemente erhalten und damit auch eine freie Gestaltung des Cockpits – nicht nur vonseiten des Bike-Herstellers, sondern auch nach euren Vorlieben.

Die kompakte STEPS E7000-Remote ist ebenso …
… mit dem EP8 kompatibel wie das E7000er Schwarz-Weiß-Display

Individuelle Motorcharakteristik und Navigation durch E-TUBE-Apps

Der Shimano STEPS E8000 war einer der ersten E-Mountainbike-Motoren, der es ermöglichte, die Unterstützungsstufen direkt von einer App aus den persönlichen Vorlieben anzupassen. Dieses Feature ist in Kombination mit der überarbeiteten E-TUBE PROJECT-App auch am Shimano EP8-Motor verfügbar und wurde sogar noch erweitert: Denn der neue Motor verfügt über zwei Fahrprofile, die sich vom Display auswählen und mit der App individuell in ihrer Power, dem Unterstützungslevel und dem Ansprechverhalten konfigurieren lassen.

Für den täglichen Einsatz ist die Shimano E-TUBE RIDE-App gedacht. Sie ist als euer Begleiter während der Fahrt konzipiert, zeichnet eure Route auf, zeigt euch die relevanten Fahrdaten und Live-Karten. So dient das Smartphone als ergänzendes E-Mountainbike-Display und Navigationsgerät. Wer will, kann in Kombination mit dem kompakten EW-EN100-Dongle auch ganz auf ein Shimano-Display und eine Remote am Lenker verzichten und nur das Handy nutzen. Allerdings sind dann Funktionen wie die Schiebehilfe oder der Wechsel zwischen den Fahrprofilen nicht mehr verfügbar. Wer sein Smartphone nutzen möchte, sollte sich unseren großen Vergleichstest mit den besten Smartphone-Halterungen für E-Bikes anschauen, denn auch hier gibt es riesige Unterschiede.

Wo geht’s lang? Mit der E-TUBE RIDE-App habt ihr Routentracking, Navi und E-Bike-Display in eurem Handy vereint.

Der neue Shimano EP8-Motor im Test

Nicht nur die Hardware rund um den Shimano EP8 lässt sich vom Bike-Hersteller – und im Falle des Cockpits von euch – individuell gestalten. Auch die Motorcharakteristik lässt sich an die individuellen Bedürfnisse oder den Einsatzzweck des Bikes anpassen: Mit den zwei voneinander unabhängigen Fahrprofilen lassen sich jeweils der Eco-, Trail- und Boost-Modus nach den Vorstellungen der Bike-Hersteller oder euren persönlichen Vorlieben individualisieren. Dadurch haben die beiden Profile einen erheblichen Einfluss auf das Fahrverhalten des EP8 auf dem Trail. Dennoch lässt sich der Charakter des neuen Shimano-Motors grundlegend beschreiben.

Die individuellen Motor-Setups haben einen erheblichen Einfluss auf das Fahrverhalten des EP8 auf dem Trail. Seinen grundlegenden Charakter zeigt er aber in jedem Setting.

Der Eco-Modus ist für E-Mountainbikes selbst bei maximal wählbarer Unterstützung und Drehmoment (max. 49 Nm) zu schwach. Er eignet sich eher für Trekking- und Touren-Bikes. Wenn lange Distanzen überwunden werden sollen und man Akku sparen will oder man mit nur minimaler Unterstützung unterwegs ist, macht er als dynamische Fahrstufe fürs Gelände aber wenig Sinn. Dafür kommen vor allem der Trail- und Boost-Modus infrage. Obwohl sich die Charakteristik der Fahrstufen anpassen lässt, ist der Boost-Modus immer die stärkste Unterstützungsstufe und überzeugt auch in der kraftvollsten Einstellung mit guter Dosierbarkeit sowohl beim Anfahren als auch bei schwierigen Bedingungen bergauf. Dadurch lässt sich der EP8 sehr gut kontrollieren, trotz spürbarer Leistungssteigerung vor allem im unteren Trittfrequenzbereich. Auch der Trail-Modus ist im sportlichen E-Mountainbike-Einsatz sinnvoll, denn auch er kann das volle Drehmoment von 85 Nm abrufen, fordert dafür aber mehr Eigenleistung vom Fahrer. Das macht den Modus noch natürlicher und progressiver.

Der neue EP8 ist kraftvoll, erfordert aber dennoch ordentlich Input vom Fahrer, um seine volle Leistung abzurufen. Das passt ideal zum sportlichen Einsatzbereich in E-Mountainbikes.

Hindernisse und technische Herausforderungen bergauf meistert der EP8 ohne Probleme. Die Dosierung der Motorpower am Pedal gelingt intuitiv.

In der Ebene und bei Teillast bergauf ist der Shimano EP8 sehr leise. Das unauffällige Summen des Elektromotors geht nahezu vollständig unter den anderen Fahrgeräuschen unter. Erst wenn es richtig steil wird und man das maximale Drehmoment abruft, macht sich der EP8 akustisch bemerkbar, bleibt dabei aber deutlich leiser als sein Vorgänger. Trotzdem kann die Geräuschkulisse des neuen Motors störend sein: Denn je nach Resonanzkörper und Hinterbaukinematik des E-Mountainbikes kommt es auch beim EP8, ähnlich wie beim aktuellen Bosch Performance Line CX, zu einem metallischen Klackern aus dem Inneren des Motors.

Gleich wird’s laut: Bei Schlägen, z. B. von Landungen, Wurzeln oder auch Kopfsteinpflaster, klackert der neue EP8 laut – super nervig!

Störend laut wird das Geräusch besonders bergab auf dem Trail, beim Fahren auf Kopfsteinpflaster oder beim Ein- und Aussetzen der Unterstützung, z. B. an der 25-km/h-Schwelle. Trotz Geräuschkulisse gelingt dem EP8 der Übergang an dieser Schwelle gut. Denn auch über 25 km/h arbeitet er – natürlich im gesetzlich zulässigen Toleranzbereich – noch minimal und lässt seine Unterstützung sanft auslaufen und wieder einsetzen. Auch ein nennenswerter Tretwiderstand lässt sich nicht feststellen.

Was ist los mit den Motoren-Herstellern? Auch der neue Shimano EP8 klackert beim Überrollen von Hindernissen metallisch, genau wie der erst letztes Jahr vorgestellte Bosch Performance Line CX-Motor. Klapperfrei verlegte Züge und immer bessere Lösungen beim Kettenstrebenschutz – alle Mühe der Bike-Hersteller, Geräusche am Rad zu verringern, scheint vergeblich.

Jenseits der 25 km/h lässt sich der EP8 ohne feststellbaren Tretwiderstand pedalieren

Welche Fahreigenschaften lassen sich am EP8-Motor tunen?

Der Shimano EP8 gibt euch die Möglichkeit, unterwegs über das Display zwischen zwei Fahrprofilen zu wählen, die ihr unabhängig voneinander einstellen könnt. Für jedes Profil könnt ihr in der E-TUBE PROJECT-App jeweils drei Parameter der drei Unterstützungsstufen Eco, Trail und Boost tunen: Fahrcharakteristik, maximales Drehmoment, Fahrcharakteristik beim Start. Doch wie wirken sich diese Tuning-Parameter tatsächlich auf dem Trail aus?

Fahrcharakteristik
… beschreibt das Level an Unterstützung, also wie stark der Motor die von euch eingebrachte Leistung am Pedal vervielfacht. Bei einem hohen Wert schiebt der Motor bereits bei wenig Eigenleistung sehr kraftvoll an, während ihr bei einem geringen Wert viel Druck aufs Pedal bringen müsst, um das maximale Drehmoment bzw. die Leistung des Motors abzurufen. Die Fahrcharakteristik hat von allen Parametern den größten Einfluss auf das Fahrverhalten auf dem Trail.

Maximales Drehmoment
… beschreibt die Kraft des Motors – jedoch nicht zwangsläufig die maximale Leistung des EP8, denn die erreicht er bei höheren Trittfrequenzen auch mit weniger Drehmoment. Stattdessen machen sich Veränderungen des maximalen Drehmoments immer dann bemerkbar, wenn die Trittfrequenz niedrig ist. Auf dem Trail zeigt sich das z. B. beim Beschleunigen oder an steilen Rampen (vor allem bei falscher Gangwahl) sowie beim Ziehen schwerer Lasten.

Fahrcharakteristik beim Start
… beschreibt die Startsensibilität bzw. das Einsetzen des Motors unmittelbar beim Anfahren und bezieht sich dabei wirklich nur auf den Moment, an dem ihr den Fuß aufs Pedal bringt und erstmalig Druck ausübt. In der schnellen Einstellung reagiert der Motor zügig und bereits bei relativ wenig Eigenleistung und minimalem Pedalweg: ideal für geübte Fahrer. Je geringer das eingestellte Level, desto träger reagiert der EP8 auf den Input am Pedal. Das gilt sowohl in Relation zur ausgeübten Kraft als auch in Relation zur Rotation der Kurbel. Auf den Akkuverbrauch hat die Fahrcharakteristik beim Start einen verschwindend geringen Einfluss – schließlich wirkt sie sich noch nicht mal über die Dauer einer ganzen Pedalumdrehung aus.

Die E-TUBE PROJECT-App ermöglicht das kabellose Setup der EP8-Fahrprofile

Mit diesen drei Parametern könnt ihr alle drei Unterstützungsstufen individualisieren, allerdings natürlich nur in einem sinnvollen Rahmen. Schließlich sollte der Eco-Modus am Ende nicht auf einmal kraftvoller und stürmischer sein als der Boost-Modus! Trotzdem kann die Vielzahl an Parametern schnell zu Verwirrung und Ratlosigkeit führen. Deshalb konfigurieren die meisten Bike-Hersteller ihre Räder bereits ab Werk mit zwei sinnvoll nutzbaren Fahrprofilen vor, die zum Einsatzzweck des Bikes passen, damit ihr auch ohne „Tuning“ und ohne die App zu öffnen maximalen Fahrspaß auf eurem Bike haben könnt. Wer dennoch mit den Parametern spielen möchte, sollte sich überlegen, welches Problem er auf dem Trail beheben will. Ist die Reichweite zu gering, gibt es Probleme beim Anfahren am Hang oder kommt ihr viel zu verschwitzt ins Büro? Auf dem Weg zum perfekten Setup haben wir einige Tipps für euch:

  • Ändert immer nur einen Parameter und testet danach den Effekt auf dem Trail.
  • Der Parameter „Fahrcharakteristik“ hat den größten Einfluss auf das Fahrverhalten des Motors und den Akkuverbrauch.
  • Das maximale Drehmoment bleibt für den Trail-Einsatz am besten immer auf der höchsten Stufe, da es euch beim Beschleunigen und an sehr steilen Rampen unterstützt. Gleiches gilt, wenn ihr eher mehr als weniger Kilos auf den Rippen habt.
  • Für den sportlichen Einsatz eignet sich bei der „Fahrcharakteristik beim Start“ eine schnelle Einstellung: Stufe 1 und 2 reagieren für sportive Fahrer zu träge und erschweren das Anfahren unnötig.
  • Nutzt die zwei möglichen Profile, um auf dem Trail auch die ganz feinen Details zu erfahren, indem ihr die Profile erst einmal ähnlich programmiert und dann immer wieder zwischen ihnen hin und her wechselt.
Wenn ihr euch nicht sicher seid, wie sich ein Parameter auf das Fahrverhalten ausübt, könnt ihr mitten auf dem Trail zwischen den Profilen wechseln und so z. B. das „alte“ mit eurem „neuen“ Setup vergleichen

Alt vs. Neu – Wie schlägt sich der EP8 im Vergleich zum STEPS E8000?

Wie deutlich sind die Unterschiede wirklich? Hat der neue Motor nur Vorteile oder gibt es auch Nachteile? All diese Fragen beantworten wir euch in einem separaten Artikel, in dem es nur um den Vergleich Alt gegen Neu geht, Shimano STEPS E8000 vs. Shimano EP8.

Kleiner, leichter, kraftvoller: Auf dem Papier ist der EP8 klarer Favorit im Duell alter gegen neuer Shimano-Motor. Doch was zählt, ist die Performance auf dem Trail.

Soll ich mir jetzt überhaupt noch ein Bike mit altem Shimano-Motor kaufen?

So viel können wir aus dem Duell des alten gegen den neuen Shimano-Motor bereits verraten: Auf dem Trail hat der EP8 klar die Nase vorn und kann vor allem im steilen und technischen Terrain punkten. Wer aber generell bergauf etwas gemächlicher unterwegs ist, kann im Handel mit einer ordentlichen Portion Glück ein Schnäppchen mit dem STEPS E8000 schlagen. Das Problem: Richtig gute E-Mountainbikes sind im Handel gerade ohnehin so gut wie nicht verfügbar, weil alles ausverkauft ist. Wer erst vor Kurzem ein neues Bike mit STEPS E8000 gekauft hat, sei insofern besänftigt, als sich ein Großteil der Bikes in Sachen Geometrie, Kinematik und Fahrverhalten bergab durch den neuen EP8 kaum verändert hat.

Shimano, Bosch, Brose, Yamaha und Co. – Welcher Motor ist der beste?

Wer eine einfache Antwort auf die Frage nach dem besten Motor sucht, den müssen wir enttäuschen: „Den“ besten Motor schlechthin gibt es nicht mehr. Dennoch haben wir den neuen EP8 bereits im direkten Vergleich gegen die etablierten Motorensysteme wie den Bosch Performance Line CX, den Yamaha PW-X2 und den Brose Drive S Mag getestet. Welcher Motor bzw. welches Motoren-Konzept am besten zu euch und eurem Bike passt, erfahrt ihr in unserem großen Motoren-Vergleichstest.

Wie schlägt sich der neue Shimano EP8 gegen den Bosch Performance Line CX, den Yamaha PW-X2 oder den Brose Drive S Mag?

Welche E-Bikes sind mit dem neuen Shimano EP8 erhältlich?

Mit dem EP8 macht Shimano den Bike-Herstellern das Leben einfach, denn das Interface zwischen Motor und Rahmen hat sich gegenüber dem STEPS E8000 nicht geändert. Obwohl der neue Motor kleiner ist, sollte es für die Bike-Hersteller also ein Leichtes sein, ihre bestehende Rahmenplattform mit dem EP8 zu kombinieren. Schwieriger wird es beim Einsatz der größeren internen Akkus mit 630 Wh Kapazität – denn sie benötigen mehr Platz im Rahmen, eine größere Öffnung zum Entnehmen im Unterrohr und haben entsprechend großen Einfluss auf Steifigkeit, Gewicht und Gewichtsverteilung des Rahmens bzw. Bikes. So gibt es Hersteller wie Husqvarna, Propain und FOCUS, die ihre bestehende Plattform weiter verwenden und auf die neuen Displays und Motoren setzen, während andere Hersteller wie z. B. MERIDA ihre Rahmen anpassen, um mehr Platz für die größeren Akkus zu schaffen. Der EP8 wird aber auch Anlass zu vielen komplett neu entwickelten Rahmenplattformen sein, wie man bei ROTWILD und Kellys sieht. Wir hatten bereits exklusiv die Möglichkeit, einige E-Mountainbikes mit dem neuen EP8 für euch zu testen und stellen euch weitere interessante Bikes vor.

Husqvarna – Cooles Update für den Großteil der Modellpalette

Husqvarna Mountain-Cross 7 | Shimano EP8/630 Wh | 150/150 mm (v/h) | 6.799 € | Zu den Infos

Husqvarna zieht es konsequent durch: Alle Husqvarna-E-Mountainbikes kommen 2021 mit dem neuen Shimano EP8-Motor. Extreme Cross, Hard Cross, Mountain Cross – alle sind mit dem neuen Shimano-Motor 2021 und einer 630-Wh-Batterie von Simplo ausgestattet. Die ersten Infos zu den neuen E-MTBs findet ihr hier.


MERIDA eONE-SIXTY 10K im Test

MERIDA eONE-SIXTY 10K | Shimano EP8/630 WH | 160/150 mm (v/h) | 22,98 kg in Größe L | zum Test

Für 2021 hat MERIDA den Rahmen des eONE-SIXTY-E-Mountainbikes angepasst, um den neuen internen 630-Wh-Akku unterzubringen. Außer dem Motorsystem haben auch weitere Anbauteile ein Update bekommen: Das Fahrwerk mit der neuen FOX 38-Federgabel lässt ebenso keine Wünsche offen wie die klasse gewählte Reifen-Kombination. Doch mit größerem Akku und robusterer Ausstattung ist das eONE-SIXTY trotz leichterem Motor schwerer geworden. Wie macht sich das auf dem Trail bemerkbar? Die Antwort findet ihr in unserem ausführlichen Test zum neuen eONE-SIXTY mit EP8.


FOCUS JAM² 9.9 DRIFTER im Test

FOCUS JAM2 9.9 DRIFTER | Shimano EP8/378 Wh intern + 378 Wh T.E.C. Pack | 150/150 mm (v/h) | 20,96 kg in Größe L (ohne T.E.C. Pack) | 6.299 € | Zum Test

Das FOCUS JAM2 9.9 DRIFTER 2021 kommt mit neuem Shimano EP8-Motor und setzt auf das bewährte T.E.C. Pack-System mit einem internen und einem externen 378-Wh-Akku. Was hat sich geändert? Und überzeugt das JAM2 9.9 DRIFTER auf dem Trail? Wir konnten das neue FOCUS als erstes Magazin testen und liefern euch die Antworten.


Kona Remote 160 DL im exklusiven Test

Kona Remote 160 DL | Shimano EP8/504 Wh | 160/160 mm (v/h) | 24,56 kg in Größe L | 6.999 € | zum Test

Kona ist eine Marke mit Geschichte: Es ist noch gar nicht so lange her, da war das Kona Stinky in den Bike-Parks dieser Welt omnipräsent. Letztes Jahr haben die Kanadier das vollgefederte Remote 160-E-Mountainbike vorgestellt und mit dem Remote 160 DL präsentieren sie nun eine neue Top-Version mit Shimano EP8-Motor und 29”-Laufrädern. Wir haben es bereits exklusiv für euch getestet.


Alle Infos zum Kellys THEOS F

Kellys THEOS F90 | Shimano EP8/720 Wh | 180/170 mm (v/h) | ca. 22 kg in Größe M | 7.999 € | zu den Infos

200 % schlagfester, 200 % langlebiger und ohne Gewichtsnachteile gegenüber herkömmlichen Carbonrahmen – der Rahmen des neu entwickelten Kellys THEOS F 2021 wird aus einem thermoplastischen Stahl-Carbon-Verbundwerkstoff alias FEATHER hergestellt und möchte eine neue Technologie-Ära im E-Bike-Segment einläuten. Was hinter dem vielversprechenden E-Mountainbike mit Shimano EP8-Motor inkl. 720-Wh-Akku steckt, erfahrt ihr hier.


Alle Infos zum super leichten ROTWILD R.X375

Rotwild R.X375 Ultra | Shimano EP8/375 Wh | 150/150 mm (v/h) | ca. 18,2 kg | 11.499 € | Zu den Infos

Das neue ROTWILD R.X375 ist eines der spannendsten E-MTBs mit dem neuen Shimano EP8-Motor! Die deutsche Edelschmiede nutzt all ihr Know-how und integriert das neue Kraftpaket in ein möglichst leichtes und agiles Bike. Wir haben es uns genauer angesehen und liefern euch alle Infos zu ROTWILDs neuem Konzept.


Mondraker Dusk RR im Test

Mondraker Dusk RR | Shimano EP8/630 + 360 Wh Range Extender Wh | 150/150 mm (v/h)
n/a kg in Größe L | 6.499 € | zum Test

Auch Mondraker hat den Shimano-Generationenwechsel genutzt, um das Dusk für das neue Modelljahr aufzufrischen. Das 6.499 € teure Touren E-Mountainbike bringt es mit einem optionalen 360 Wh Range-Extender auf bis zu 990 Wh Akkukapazität und soll so auch lange Touren ohne Zwischenladen ermöglichen. Mit 150 mm Federweg an Front und Heck und 29” Laufrädern soll es ambitionierten Touren und Trailfahrern ausreichend Komfort und Reserven in der Abfahrt bieten.

Ab wann sind die Bikes und der neue Shimano EP8 verfügbar?

Die genaue Verfügbarkeit der neuen E-Mountainbikes lässt sich zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht abschätzen. Obwohl viele Bike-Hersteller bereits alle Weichen gestellt haben und fast fertig montierte Bikes in ihren Lagerhäusern auf den neuen Motor warten, verzögert sich bei Shimano die Auslieferung des EP8-Motors gerade unvorhergesehen. Wir halten euch auf dem Laufenden, wann und wie Shimano diese Verzögerungen in den Griff bekommt.

Unser Fazit

Der neue Shimano EP8-Motor sorgt im Modelljahr 2021 für zahlreiche Updates, Upgrades und spannende Bike-Modelle, die teils neue Wege gehen. In Sachen Trailperformance, Integration und Connectivity spielt der neue Shimano EP8-Motor ganz vorne mit und lässt seinen Vorgänger weit hinter sich: ein riesiger Performance-Sprung! Aktuell trüben den sehr positiven Gesamteindruck nur die nervigen Klappergeräusche und die ungewisse Verfügbarkeit des Motors und damit der neuen Bikes. Aber wir sind uns sicher, die Japaner bekommen auch das in den Griff!


Noch mehr Informationen zum Shimano EP8 gefällig?


Endlich da: Die E-MOUNTAINBIKE Print-Edition 2020 ist die ultimative Testbibel, mit der wir dir helfen das perfekte E-Mountainbike zu finden. Auf 250 Seiten im hochwertigen Print-Format findest du eine umfassende Kaufberatung und Tests von 35 Bikes sowie der 7 wichtigsten Motoren. Außerdem gibt es jede Menge Know-how, Tipps und die aufregendsten E-MTB-Trends. Hier klicken für mehr Infos oder direkt in unserem Shop bestellen!

Text: Felix Stix, Jonas Müssig Fotos: Robin Schmitt, Felix Stix