Im Sommer 2019 hat Bosch den Performance Line CX neu aufgelegt und so für eine Flut an neuen E-Mountainbikes rund um den kompakten, kraftvollen Motor gesorgt. Ein Jahr später hat der schwäbische Konzern nun ein Software-Update mit neuen Features, einem neu abgestimmten eMTB-Modus und zusätzlichen 10 Nm Drehmoment vorgestellt. Bis zu 1.250 Wh Akkukapazität, 85 Nm und ein geringes Gewicht sorgen auf dem Papier für Top-Werte. Ist der Hype um den Performance Line CX Gen4 berechtigt?

Bevor wir in den Testbericht einsteigen, möchten wir dich noch kurz auf unsere frisch erschienene Jahresausgabe hinweisen. Die E-MOUNTAINBIKE Print-Edition 2020 ist die ultimative Testbibel, mit der wir dir helfen das perfekte E-Mountainbike zu finden. Auf 250 Seiten im hochwertigen Print-Format findest du eine umfassende Kaufberatung und Tests von 35 Bikes sowie der 7 wichtigsten Motoren. Außerdem gibt es jede Menge Know-how, Tipps und die aufregendsten E-MTB-Trends. Hier klicken für mehr Infos oder direkt in unserem Shop bestellen!

Hier geht’s zu den Kriterien unseres Vergleichstests des besten E-MTB-Motors 2020

Ein Jahr nach der Vorstellung des komplett neu designten Performance Line CX legt Bosch mit einem Software-Update nach – alle Details und den Vergleich “alt” gegen “neu” findet ihr in diesem separaten Artikel. Das Update steigert nicht nur das Drehmoment auf 85 Nm, sondern verbessert auch das Fahrverhalten auf dem Trail spürbar. Mit seinem maximalen Unterstützungslevel von 340 % und einer hohen Maximalleistung bleibt er auch an steilen Rampen am noch stärkeren Brose Drive S Mag dran. Das absolute Highlight des 2,79 kg schweren Motors ist aber nicht die Power, sondern der nach dem Update noch besser abgestimmte eMTB-Modus: Der dynamisch-progressive Modus stellt je nach Fahrsituation und Druck auf dem Pedal die Unterstützung zwischen den Modi Tour (140 %) und Turbo (340 %) zur Verfügung. Dabei trifft der Modus fast immer ins Schwarze, liefert stets genug Power und ist dabei jederzeit sanft und kontrollierbar. Einzig für ganz leichte Fahrer ist er mit seinem gesteigerten Drehmoment in der Ebene etwas zu kraftvoll und stürmisch abgestimmt. Hier wäre eine Individualisierung via App wünschenswert, wie es z. B. bei Brose oder Shimano möglich ist. Dank Extended Boost erkennt der eMTB-Modus Fahrsituation vor Stufen und Hindernissen und unterstützt dann mit einem besonders kraftvollen und längeren Nachlauf. Dadurch lassen sich technische Uphills mit keinem anderen Motor so einfach und gelassen meistern wie mit dem Bosch Performance Line CX! Der Übergang an der 25-km/h-Grenze gelingt dem Performance CX nahtlos. Tretwiderstand? Fehlanzeige! Dafür hat der neue Bosch-Motor ein Problem mit der Lautstärke. Wir meinen hier nicht das recht laute und hohe Surren unter Volllast, sondern die grobe Verzahnung im Inneren des Motors. Der Bosch-Motor klackert nämlich metallisch, sobald Kettenkräfte, die z. B. beim Einfedern des Fahrwerks entstehen, am Kettenblatt ziehen.

Bereit für jedes Abenteuer
Mit dem DualBattery-System sind bis zu 1.250 Wh Akkukapazität möglich. Der Rahmen muss dafür aber vorbereitet sein.

Typisch Bosch, erhalten die Bike-Hersteller auch beim neuen Performance Line CX ein nahezu geschlossenes System und müssen auf die serienmäßige App sowie die regulären Remotes, Displays, Akkus und die Standard-Motorenabstimmung zurückgreifen. Dank DualBattery-Kombination aus internem PowerTube- und externem PowerPack-Akku sind bis zu 1.125 Wh Akkukapazität möglich – mit zwei PowerTube-Akkus sind es sogar 1.250 Wh. Trotz fünf potenzieller Display-Optionen sind für E-Mountainbikes nur das Purion- und das Kiox-Display sinnvoll. Das Kiox ist mit seiner sehr schicken, aber klein(teilig)en Darstellung auf dem Trail allerdings nur schlecht ablesbar und auch die Standard-Halterung auf dem Vorbau ist für sportliche E-Mountainbiker nicht ideal. Ein Software-Update soll ab Sommer 2020 auch die Navigation – in Kombination mit dem Smartphone – direkt auf dem Kiox-Display ermöglichen. Das Purion-Display mit der integrierten Remote ist gut zu bedienen und liefert die wichtigsten Basis-Informationen. Im Vergleich mit der kompakten Lösung von Shimano wirkt es aber überaltert und klobig. Individuelles Tuning der Unterstützungsstufen ist weder für den E-Mountainbiker – via App – noch für Händler oder Bike-Hersteller vorgesehen. Sie haben lediglich die Möglichkeit, den eMTB-Modus an die Kurbellänge anzupassen.

Exponiert
Der Standard-Halter positioniert das Kiox-Display auf dem Vorbau. Hier kann es schnell beschädigt werden. Deshalb setzen die meisten Bike-Hersteller auf eigene Sonderlösungen.
Funktioneller Favorit
Das Purion-Display ist unser Favorit für den sportlichen Einsatz auf dem Trail. Alles ist gut erreich- und ablesbar. Gemessen am Funktionsumfang ist es aber klobig.

In Sachen Gewicht und Baugröße spielt der Bosch-Motor bei den Allroundern ganz vorne mit: „Leicht und kompakt“ bringt es auf den Punkt. Er lässt den Bike-Herstellern viel Spielraum bei der Gestaltung des Hinterbaus, stellt die Designer wegen des markanten Knicks an der Front aber vor neue Herausforderungen bei der optischen Integration in den Rahmen – zumindest, wenn man ohne Motor-Cover auskommen will. Auch die Integration des Geschwindigkeitssensors stellt die Hersteller vor Probleme: Bosch bietet lediglich einen Sensor mit pannenanfälligem Speichenmagnet an, weshalb einige Hersteller ebenso wie bei der Ladebuchse zu selbst entwickelten Speziallösungen greifen.

Unser Fazit

In Sachen Fahr-Performance ist der Bosch Performance Line CX spitzenmäßig! Das jüngste Software-Update verbessert den eMTB-Modus noch einmal und festigt seine Stellung als der beste progressive Modus, den es auf dem Markt gibt. Aufgrund des gesteigerten Drehmoments wären individuell anpassbare Unterstützungsstufen sinnvoll, um auch ganz leichten Fahrern das super natürliche Fahrgefühl des eMTB-Modus zu bieten. Remotes, Displays und Sensoren lassen sich meist nur aufwendig in das Bike integrieren und schmälern den positiven Gesamteindruck genauso wie das markante Klappern.

Tops

  • kompakt und leicht
  • eMTB-Modus ist phänomenal
  • kraftvoll und gut dosierbar zugleich

Flops

  • Klappergeräusche
  • erschwerte Integration (Display, Remote, Sensor)
  • Keine individuellen Unterstützungsstufen

Mehr Informationen findet ihr unter bosch-ebike.com

Alle Motoren in diesem Vergleichstest: Brose Drive S Mag | Bosch Performance Line CX | FAZUA Evation Firmware 2.0 | Yamaha PW-X2 | Shimano STEPS E8000 | TQ HPR 120S | Specialized SL 1.1


Endlich da: Die E-MOUNTAINBIKE Print-Edition 2020 ist die ultimative Testbibel, mit der wir dir helfen das perfekte E-Mountainbike zu finden. Auf 250 Seiten im hochwertigen Print-Format findest du eine umfassende Kaufberatung und Tests von 35 Bikes sowie der 7 wichtigsten Motoren. Außerdem gibt es jede Menge Know-how, Tipps und die aufregendsten E-MTB-Trends. Hier klicken für mehr Infos oder direkt in unserem Shop bestellen!

Text: Felix Stix Fotos: E-MOUNTAINBIKE-Team

Über den Autor

Felix Stix

Felix ist Testchef und unbestritten einer der besten Testfahrer der Welt. Mit seinem abgeschlossenen Sports-Engineering-Studium, exzellenten MTB-Skills, einer Bike-Guide-Ausbildung und seiner Liebe zur Technik hat Felix alles, was es für eine umfassende und faire Beurteilung von Bikes braucht. Seine legendären Vergleichstests sind international bekannt und gefürchtet, werden aber aufgrund der ausführlichen Erläuterungen und technischen Erklärungen gerne mal ein bisschen länger. Pro Jahr testet er rund 100 Bikes, seine Spezialgebiete sind Reifen, Motoren, Fahrwerke – und im Winter auch Ski! Sein Know-how fließt in jeden unserer Tests mit ein und trägt so zur hohen redaktionellen Qualität bei.