Love it or hate it: Der neue Yamaha PW-X2 ist ein Motor mit einem ganz eigenen, kernigen Charakter. Mit dem Update hat er nicht nur eine neue Software und Sensorik bekommen, sondern auch einen smarten progressiven Modus. Wie schlägt er sich im Vergleich mit den anderen Motoren im Test?

Bevor wir in den Testbericht einsteigen, möchten wir dich noch kurz auf unsere frisch erschienene Jahresausgabe hinweisen. Die E-MOUNTAINBIKE Print-Edition 2020 ist die ultimative Testbibel, mit der wir dir helfen das perfekte E-Mountainbike zu finden. Auf 250 Seiten im hochwertigen Print-Format findest du eine umfassende Kaufberatung und Tests von 35 Bikes sowie der 7 wichtigsten Motoren. Außerdem gibt es jede Menge Know-how, Tipps und die aufregendsten E-MTB-Trends. Hier klicken für mehr Infos oder direkt in unserem Shop bestellen!

Hier geht’s zu den Kriterien unseres Vergleichstests des besten E-MTB-Motors 2020

Letztes Jahr hat Yamaha seinen E-Mountainbike-Motor neu aufgelegt. Der 3,06 kg schwere Yamaha PW-X2 ähnelt seinem Vorgänger äußerlich sehr, steckt aber voller smarter Features, die das Fahrverhalten verbessern sollen. Motor, Freilauf, Gehäuse und interne Übersetzung sind baugleich mit dem PW-X. Der PW-X2 hat aber eine neue Platine mit ausgereifter Sensorik und eine neue Motorsoftware verpasst bekommen. Dadurch erweitern die Japaner das nutzbare Drehzahlband des Motors. Soll heißen, dass der PW-X2 – anders als sein Vorgänger oder der Shimano-Motor – seine Leistung auch bei höheren Trittfrequenzen abrufen kann. Erstmals setzt Yamaha auf einen smarten progressiven Modus, der die Unterstützungsstufe zwischen den drei mittleren der insgesamt fünf normalen Fahrmodi reguliert. Der Automatic Support Mode erfasst dabei auch die Hangneigung, um vor allem beim Anfahren an steilen Rampen ab dem ersten Pedalkontakt ausreichend Support zu bieten. Das gelingt ihm zwar, allerdings reagiert der Motor in allen Modi so sensibel, dass das Bike schon bei der geringsten Berührung des Pedals wild nach vorne prescht. Besonders ungeübte Fahrer kann das nicht nur auf dem Trail, sondern auch im Straßenverkehr vor sicherheitsrelevante Probleme stellen. Im Extra Power Mode – der stärksten Unterstützungsstufe – schiebt der Yamaha-Motor mit 80 Nm und 360 % auch an steilen Rampen richtig kräftig an.

Cruisen
Der Yamaha-Motor ist schon bei niedriger Kadenz sehr kraftvoll. Wie mit einem großen Diesel-Motor cruist man mit ihm noch so steile Rampen hoch.

In den niedrigeren Fahrmodi stellt er maximal 70 Nm Drehmoment zur Verfügung, mit denen er auch schon bei geringen Trittfrequenzen ausreichend Power entfaltet. Dadurch besitzt der PW-X2 auch bei komfortabler Fahrweise ordentlich Durchzug und verleitet bergauf zum Cruisen, indem er dem Fahrer je nach Unterstützungsstufe den Hauptteil der Arbeit abnimmt. Bei kurzzeitig hohen Trittfrequenzen – z. B. beim Beschleunigen vor einer Stufe – geht dem neuen Modell die Puste ebenfalls nicht aus. Der Automatic Support Mode erkennt solche Fahrsituationen blitzschnell und regelt die Power entsprechend nach oben. Anders als Shimano Trail- oder Bosch eMTB-Modus drosselt er die Leistung aber nur zaghaft. Ein richtig natürliches Fahrgefühl lässt er deshalb nicht aufkommen. Hinzu kommt der sehr lange Nachlauf des Motors im High und Extra Power Mode, der vor engen Kehren oft mit der Bremse reguliert werden muss. Ebenfalls wenig natürlich und vor allem laut ist das Einrasten des relativ groben Freilaufs, wenn man nach kurzer Tretunterbrechung energisch und kraftvoll in die Pedale tritt. An der 25-km/h-Schwelle reduziert der Yamaha PW-X2 seine Leistung hingegen angenehm sanft und generiert darüber hinaus nur einen geringen Tretwiderstand.

Bedienungsanleitung gefällig?
Yamaha stellt mit dem PW-X2 auch den progressiven Automatic Support Mode vor. Um ihn zu starten, muss man aber zuerst die Bedienungsanleitung konsultieren. Auch mit der Remote bei Bikes von Giant ist er alles andere als intuitiv zu aktivieren.
Buckel
Anders als z. B. Bosch-Motoren benötigt der PW-X2 viel Bauraum rund um die Tretachse. So stellt er die Entwickler von vollgefederten Mountainbikes vor kinematische Herausforderungen.

Bei Yamaha können die Bike-Hersteller auf ein Komplett-System zurückgreifen. Zur Auswahl stehen zwei Displays mit zusätzlicher Remote und das Kombi-Display A mit integrierten Tasten, ähnlich dem Bosch Purion. Letzteres eignet sich noch am besten für E-Mountainbikes. In Sachen Haptik und Ergonomie ist es aber schlechter als der direkte Konkurrent von Bosch. Auch die Bedienung des Automatic Support Mode ist wenig intuitiv. Er wird durch langes Drücken einer Taste aktiviert und deaktiviert. Möchte man dann – beispielsweise vor einer Rampe – in den Extra Power Mode schalten, dauern die Deaktivierung und der Wechsel in den höheren Modus viel zu lang. Bei den Akkus bietet Yamaha drei interne Optionen mit 400, 500 und 600 Wh an. Genauso wie bei Brose können die Bike-Hersteller auf das Yamaha-Sortiment zurückgreifen, müssen es aber nicht. Giant ist einer der größten Abnehmer des neuen Motors und setzt nicht nur auf eigene interne 500-Wh-Akkus und optionale 250-Wh-Range-Extender, sondern auch auf die minimalistische RideControl One mit Status-LEDs für Fahrstufe und Akkustand. Dazu kommt noch ein neuer Name: Aus dem PW-X2 wird bei Giant der SyncDrive Pro. Zu ihm wurde auch eine eigene App entwickelt, mit der ihr die Unterstützungsstufen ähnlich wie bei Shimano individuell anpassen könnt.

Unser Fazit

Der Yamaha PW-X ist bereits bei geringer Trittfrequenz bärenstark! Entspanntes Cruisen und steile Rampen meistert man mit ihm problemlos. Auf ein super natürliches Fahrgefühl muss man aber verzichten – auch die progressive Fahrstufe kann daran nichts ändern. Die hohe Sensibilität im Stand bzw. beim Anfahren kann für unerfahrene Fahrer ein Problem darstellen. Die Standard-Komponenten (z. B. Displays) sind nur mittelmäßig, die Bike-Hersteller dürfen aber auch Eigenentwicklungen oder Drittanbieter-Produkte verwenden.

Tops

  • sehr kraftvoll bei niedriger Kadenz
  • kein abrupter Leistungsabfall
  • freie Wahl bei der Integration ins Bike

Flops

  • schiebt schon bei leichtem Druck auf das Pedal im Stand ungewollt an
  • grober Freilauf
  • Bedienung des progressiven Modus an der Remote

Mehr Informationen findet ihr unter yamaha-motor.com

Alle Motoren in diesem Vergleichstest: Brose Drive S Mag | Bosch Performance Line CX | FAZUA Evation Firmware 2.0 | Yamaha PW-X2 | Shimano STEPS E8000 | TQ HPR 120S | Specialized SL 1.1


Endlich da: Die E-MOUNTAINBIKE Print-Edition 2020 ist die ultimative Testbibel, mit der wir dir helfen das perfekte E-Mountainbike zu finden. Auf 250 Seiten im hochwertigen Print-Format findest du eine umfassende Kaufberatung und Tests von 35 Bikes sowie der 7 wichtigsten Motoren. Außerdem gibt es jede Menge Know-how, Tipps und die aufregendsten E-MTB-Trends. Hier klicken für mehr Infos oder direkt in unserem Shop bestellen!

Text: Felix Stix Fotos: E-MOUNTAINBIKE-Team

Über den Autor

Felix Stix

Felix ist Testchef und unbestritten einer der besten Testfahrer der Welt. Mit seinem abgeschlossenen Sports-Engineering-Studium, exzellenten MTB-Skills, einer Bike-Guide-Ausbildung und seiner Liebe zur Technik hat Felix alles, was es für eine umfassende und faire Beurteilung von Bikes braucht. Seine legendären Vergleichstests sind international bekannt und gefürchtet, werden aber aufgrund der ausführlichen Erläuterungen und technischen Erklärungen gerne mal ein bisschen länger. Pro Jahr testet er rund 100 Bikes, seine Spezialgebiete sind Reifen, Motoren, Fahrwerke – und im Winter auch Ski! Sein Know-how fließt in jeden unserer Tests mit ein und trägt so zur hohen redaktionellen Qualität bei.