Der brandneue Shimano EP8 ist der jüngste Motor in unserem Vergleichstest. Macht ihn das automatisch zum modernsten und besten E-Bike-Motor? Wir haben ihn im direkten Vergleich mit der aktuellen Motorengeneration der Konkurrenz auf Herz und Nieren bzw. Fahrverhalten auf dem Trail getestet.

Bevor wir in den Testbericht einsteigen, möchten wir dich noch kurz auf eine aktuelle Aktion hinweisen: Zur Zeit bieten wir die 2020er und 2019er Ausgabe der E-MOUNTAINBIKE Print-Edition im stark reduzierten Kombi-Paket an - nur solange der Vorrat reicht! Auf insgesamt knapp 500 Seiten erwarten dich Inspiration, Kaufberatung, jede Menge E-MTB-Know-how und natürlich unzählige E-MTB-Tests. Klicke hier, um dir das Angebot zu sichern!

Shimano is back! Nachdem sich der alte STEPS E8000 der Konkurrenz in diesem Vergleichstest geschlagen geben musste, spielt der neue EP8 auf dem Trail ganz vorne mit (alle Infos zum neuen Shimano EP8-Motor findet ihr hier). Mit 85 Nm Drehmoment liefert der neue Shimano genauso viel Motorpower wie ein Bosch Performance Line CX nach dem Softwareupdate. Dabei ist der Charakter des EP8 grundlegend anders. Denn auch wenn der Motor selbst ähnlich kräftig ist, erfordert der EP8 mehr Input vom Fahrer, um die maximale Kraft und auch die maximale Leistung abzurufen. Das macht ihn besonders für sportliche Fahrer attraktiv, die sich nicht den Berg hinaufziehen lassen wollen, wie man das z. B. mit einem Yamaha- oder TQ-Motor machen kann. Statt mit übermäßiger Power glänzt der neue EP8 vor allem mit maximaler Kontrolle in allen drei Unterstützungsstufen. Während der Boost-Modus beim STEPS E8000 noch zu ungestüm für technische Uphills war, lässt sich der EP8 auch bei maximaler Unterstützung intuitiv am Pedal dosieren. Auch das Anfahren gelingt – selbst bei besonders schnell eingestelltem Ansprechverhalten – viel gefühlvoller und kontrollierter als beim STEPS E8000 oder beim Yamaha-Motor, ohne dass er dabei träge reagiert. Am 25-km/h-Übergang gibt sich der EP8 viel geschmeidiger als sein Vorgänger, kann aber nicht ganz mit dem nahtlosen Übergang des Specialized SL1.1 mithalten. Schuld daran ist unter anderem das metallische Klackern, das beim Ein- und Aussetzen der Motorunterstützung nervt.

Legales Tuning
Die E-TUBE PROJECT-App bietet die Möglichkeit, alle Unterstützungsstufen in drei Fahrparametern anzupassen und in zwei individuellen Fahrprofilen zu speichern.

Wie auch beim STEPS E8000 lässt sich die Motorcharakteristik des EP8 mit der überarbeiteten E-TUBE PROJECT-App anpassen. Der EP8 bietet aber deutlich mehr Einstelloptionen und einen ähnlichen Funktionsumfang wie Specialized. Euch stehen zwei Fahrprofile zur Auswahl, zwischen denen während der Fahrt gewechselt werden kann und die unabhängig voneinander eingestellt werden können. Alle drei Fahrstufen Eco, Trail und Boost lassen sich in ihrem Anfahrverhalten, dem Unterstützungsverhältnis und der maximalen Motorkraft im sinnvollen Rahmen individualisieren. Obendrauf lässt sich auch die maximale Geschwindigkeit der Unterstützung auf bis zu 15 km/h reduzieren. Das ist z. B. für Kinder-E-Mountainbikes oder zu Trainingszwecken sinnvoll.

Volle Freiheit
Shimano erlaubt den Bike-Herstellern, auch Akkus zertifizierter Dritthersteller zu verwenden und übernimmt dafür sogar den Service. Das sorgt für bessere, an den jeweiligen Einsatzzweck und das Bike-Design angepasste Bikes.

Bei Shimano haben die Bike-Hersteller freie Wahl: Sie können zwischen dem modularen Komplettsystem aus EP8-Motor und diversen Displays, Remotes und internen wie externen Akkus mit 504 Wh oder 630 Wh wählen. Beim Akku haben die Bikehersteller sogar noch mehr Optionen – hier erlaubt Shimano den Herstellern, Akkus zertifizierter Dritthersteller zu verwenden und übernimmt dafür sogar den Service. Das ermöglicht den Bike-Herstellern deutlich mehr Freiheiten im Bike-Design, da die Dimensionen und Integrationsmöglichkeiten des Akkus hierbei entscheidend sind. Kurzum: Die Akkukonzepte reichen bei Shimano-Bikes von kleinen 375-Wh-Akkus über modulare Konzepte mit externem Zusatzakku bis hin zu integrierten Akkus mit Kapazitäten jenseits der 700 Wh. Die neue kompakte Remote integriert sich ebenso unauffällig ins Cockpit wie das neue Farbdisplay, das jetzt volle Konnektivität zu Smartphones bietet. Typisch Shimano, könnt ihr die unterschiedlichen Cockpit-Einheiten (teilweise mit Kabeladapter) frei miteinander kombinieren. Für mehr Informationen während der Fahrt sorgt das Smartphone, das mit der E-TUBE RIDE-App zum Navi und Bike-Display wird; eine zusätzliche Smartphone-Halterung ist jedoch nötig. Wünschenswert wäre hier eine ins Ökosystem integrierte Halterung, damit man wie bei dem Bosch SmartphoneHub die E-TUBE RIDE-App per Remote steuern kann. Dank dünnerer Kabel, zahlreicher Sensor-Optionen und großer Freiheiten beim Akku lässt sich der EP8 von den Bike-Herstellern sehr gut in den Rahmen integrieren. Außerdem lassen sich Motorcharakteristik und Power des EP8 in einem gewissen Rahmen einstellen, dadurch können die Bike-Entwickler ihn an das Konzept des jeweiligen E-Mountainbikes anpassen. So lassen sich mit dem neuen EP8 nicht nur Allrounder, sondern auch spannende Light-E-MTBs umsetzen.

Unser Fazit

Shimano is back! Der neue Shimano EP8-E-Bike-Motor kann problemlos mit der aktuellen Konkurrenz mithalten, behält dabei aber seinen sportlichen Charakter bei. Tolle Möglichkeiten für die Integration und Individualisierung machen es den Bike-Herstellern einfacher, ihr maßgeschneidertes Bike-Konzept umzusetzen. In Sachen Connectivity und Individualisierung der Fahreigenschaften müssen sich – bis auf Specialized – alle anderen Hersteller ein Vorbild an Shimano nehmen. Ärgerlich sind die lauten Klappergeräusche und die – vorerst – ungewisse Verfügbarkeit des EP8, weil Shimano gerade mit unvorhergesehenen Lieferproblemen kämpft.

Tops

  • exzellente Dosierbarkeit in allen Unterstützungsstufen
  • individuelle Motor-Einstellungen
  • klasse Integrierbarkeit und Freiheiten in der Bike-Gestaltung

Flops

  • Klappergeräusche
  • ungewisse Verfügbarkeit

Mehr Informationen findet ihr unter shimano-steps.com

Alle Motoren in diesem Vergleichstest: Brose Drive S Mag | Bosch Performance Line CX | FAZUA Evation Firmware 2.0 | Yamaha PW-X2 | Shimano STEPS E8000 | TQ HPR 120S | Specialized SL 1.1


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Text: Felix Stix Fotos: Robin Schmitt

Über den Autor

Felix Stix

Felix ist Testchef und unbestritten einer der besten Testfahrer der Welt. Mit seinem abgeschlossenen Sports-Engineering-Studium, exzellenten MTB-Skills, einer Bike-Guide-Ausbildung und seiner Liebe zur Technik hat Felix alles, was es für eine umfassende und faire Beurteilung von Bikes braucht. Seine legendären Vergleichstests sind international bekannt und gefürchtet und werden aufgrund der ausführlichen Erläuterungen und technischen Erklärungen gerne mal ein bisschen länger. Pro Jahr testet er weit über 100 Bikes, seine Spezialgebiete sind Reifen, Motoren, Fahrwerke – und im Winter auch Ski! Sein Know-how fließt in jeden unserer Tests mit ein und trägt so zur hohen redaktionellen Qualität bei.