Die perfekte Challenge für alle, die eine Herausforderung suchen, aber keine Lust auf Rennstress haben: Dem Stoneman-Trail Dolomiti in der Südtiroler Region Drei Zinnen eilt sein Ruf voraus. Stoneman-Gründer Roland Stauder hat nun den deutschen Ableger Stoneman Miriquidi im Erzgebirge angelegt – und Andreas Albrecht hat ihn getestet.

Wiesentrail nach Cunersdorf

Natürlich ist der Stoneman in Südtirol absolut legendär – aber ich war dennoch ziemlich ziemlich skeptisch gegenüber der geplanten Ablegerroute im Erzgebirge. Wen interessiert denn so etwas in einem deutschen Mittelgebirge? Ich war sicher, dass das eine Luftnummer werden würde. Doch weit gefehlt! Inzwischen hat sich der Stoneman Miriquidi voll in der MTB-Szene etabliert. Um herauszufinden, ob der Hype begründet ist, sind wir die Strecke einfach mal abgefahren.

Trail am tschechischen Plessberg
Dirk an der ersten Stempelstelle unserer Tour auf dem Scheibenberg.

Das Panorama am Fichtelberg gibt einen guten ersten Eindruck davon, was einen auf der Rundtour erwartet: eine durchdachte Streckenführung, tolle Aussichten, grandiose Landschaften und ausgesuchte Trails in homöopathischen Dosierungen. Die Strecke weist als Rundtour eine Länge von 162 km auf und führt über neun der höchsten Gipfel des Erzgebirges – in Deutschland und Tschechien immer entlang der kulturellen, geschichtlichen und geografischen Highlights. Dabei muss man 4.400 Höhenmeter überwinden. Zu gewinnen gibt es auch was: Wer den Stoneman Miriquidi an einem Tag fährt, wird als offizieller Finisher mit der handgefertigten Stoneman-Trophäe in Gold ausgezeichnet. Für zwei Tage gibt es Silber, für drei Tage Bronze – und das alles ist unabhängig davon, ob man mit oder ohne Antrieb unterwegs ist. Man kann sich aber natürlich auch mehr Zeit lassen, der Individualität sind keine Grenzen gesetzt.

Das Panorama am Fichtelberg.

Gestartet werden kann von jedem beliebigen Ort an der Strecke. Perfekte Rahmenbedingungen gibt es z. B. auf der Mehrtagestour vom Tourismusverband Erzgebirge e.V.: Dabei kann man sein Gepäck von Hotel zu Hotel transportieren lassen und sich auch kurzfristig bei der Streckenplanung entscheiden, wenn man Schönwetterperioden nutzen möchte. Mein Bikefreund Dirk Kersken und ich haben den Stoneman als Zwei-Tages-Tour gefahren mit Start in Annaberg-Buchholz und Übernachtung in Johanngeorgenstadt. Das teilt die Strecke nahezu glatt in zwei Teilabschnitte mit ähnlichen Kilometern und Höhenmetern (jeweils ca. 82 km und 2.200 Höhenmeter).Wir sind die Strecke ausdrücklich und bewusst mit modernen E-Mountainbikes gefahren; Dirk mit einem Haibike-Hardtail, ich mit einem Fully FLYER Uproc6.

Die Strecke

Tag 1: Annaberg-Buchholz – Johanngeorgenstadt
Streckenlänge: 84,7 km, Höhenmeter: 2.098, Tiefenmeter: 1.872

Nach dem Start auf dem Marktplatz von Annaberg-Buchholz fuhren Dirk und ich in Richtung Pöhlberg, wo wir in die Strecke einstiegen. Bald waren wir aus der Stadt draußen und es ging auf einem schönen Wiesentrail in Richtung Cunersdorf.

Wiesentrail bei Annaberg-Buchholz – im Hintergrund Pöhlberg.

Kurz die Aussicht genossen vom Turm auf dem Scheibenberg und weiter Richtung Pumpspeicherwerk Markersbach. Wir passierten das Unterbecken und folgten dem Anstieg hinauf zum Oberbecken. Die Abfahrt erfolgte rasant auf einer Forstautobahn in Richtung Pöhla. Mag sein, dass die Verantwortlichen hier noch einen besseren Wegabschnitt finden oder in Verhandlungen mit dem Staatsforst Sachsen den Bau eines Singletrails durchsetzen können, schließlich wird die Strecke permanent optimiert.

Knackiger Wurzeltrail beim Anstieg zum Scheibenberg.

Weiter ging es durch einsames Gelände in Richtung Rittersgrün. Auf der Hälfte unserer Tagesetappe hat Familie Bleyl, die dort eine Ferienwohnung anbietet, in ihrem Garten einen Boxen-Stopp angelegt. Es gibt Liegestühle, einen Kühlschrank mit kalten Getränken und Snacks und sogar eine Steckdose. Wir nutzten die Gelegenheit und luden unseren Akku nach, man weiß ja nie – getreu dem Motto: von Steckdose zu Steckdose auf dem Stoneman. Macht doch, Watt ihr Volt! Die Pause tat gut, man konnte hier auch seine Vorräte auffüllen und dafür einen angemessenen Obolus in die Vertrauenskasse legen.

Boxenstopp in Rittersgrün im Garten der Familie Bleyl.

Die nächste – und auch die einzige sichere – Verpflegungsstelle ist das Trailzentrum am Rabenberg. Dorthin wurden wir über einen der vielen Trails geleitet, eine sehr angenehme Abwechslung zu den Forstwegen.

Trail am Rabenberg.

Am Trailcenter Rabenberg erwischten wir gerade so den Rest des Mittagsbuffets und legten eine ausgiebigere Pause ein. Danach wurden wir weiter auf einen der vielen Trails geführt, ehe die lange und einsame Fahrt zum begann. Das wurde trotz E-MTB zäh. Die Erkenntnis am Ende: Die Gaststätte am Berg für den Belohnungskaffee hat leider nur sporadisch geöffnet, wir haben die Öffnungszeiten zielsicher verpasst. Zum Glück ist der super Blick auf die Talsperre Sosa aber immer da.

Es blieb einsam und langsam näherten wir uns dem Tagesziel Johanngeorgenstadt. Wir nahmen die Schleife zur tschechischen Grenze noch mit und fuhren dann hinauf in die gemütliche Pension Schanzenblick. Unser kleines Handgepäck war schon da und bald saßen wir frisch geduscht im Gastraum und schwatzten mit der freundlichen Wirtin, die uns erzählte, wie viele neue Gäste durch den Stoneman in die Region kommen. Beim Feierabendbier ging draußen ein Regenschauer nieder, kurz darauf zog sich ein Regenbogen über den Himmel – wir hatten alles richtig gemacht und freuten uns auf den nächsten Tag.

Tag 2: Johanngeorgenstadt – Annaberg-Buchholz
Streckenlänge: 87,8 km, Höhenmeter: 2.206, Tiefenmeter: 2.477

Nach dem Frühstück brachen wir auf und rollten über die Grenze nach Tschechien. Dort begann eine einsame, dünn besiedelte Gegend, wir trafen kaum eine Menschenseele.

In den tschechischen Teil des Stoneman.

Unterwegs fragte ich mich, warum der GPS-Track einen scheinbar etwas weiteren Schlenker als nötig machte, zumal das mit einem leichten Gegenanstieg verbunden war. Das Rätsel löste sich bald auf, als wir die Hochebene bei Abertamy erreichten und eine gute Rundumsicht auf viele der Gipfel hatten, die den Reiz des Stoneman Mirquidi ausmachen.

Urige Raststation bei Aberamy.

Am Wegesrand überraschte uns kurz darauf eine urige Raststelle: eine Holzhütte, umringt von vielen Schnitzereien im Großformat. Leider waren wir zu früh dran und sie war noch nicht geöffnet, sonst hätten wir einen Kaffee getrunken.

Trail am tschechischen Plessberg.

Immer wieder grüßte der Klínovec (dt. Keilberg) aus der Ferne. Der mit 1.244 m höchste Berg des Erzgebirges überragt den gegenüberliegenden Fichtelberg um knapp 30 m. Die Auffahrt ist ein grober Wurzeltrail, den wir auch auf dem Rückweg ein Stück befuhren. Wir passierten danach Boži Dar und kurz danach die Grenze nach Deutschland, ehe der Schlussanstieg zum letzten Tausender-Gipfel begann, dem 1.215 m hohen Fichtelberg. Dort ging es gleich wieder in die Abfahrt, die teilweise auf der alten Bobbahn erfolgte.

Abfahrt vom Fichtelberg auf der alten Bobbahn.

Der vorletzte Kontrollposten unserer Fahrt war auf dem Bärenstein. Auf dem Weg dorthin kann man optional noch die Talsperre Cranzahl umrunden. wir folgten jedoch dem GPS-Track und erreichten den Berg auf direktem Weg. Am Bergrestaurant befindet sich kein Aussichtspunkt, die offizielle Strecke dreht hier um und geht auf demselben Weg wieder den Berg hinunter. Mein Gefühl und ein Blick auf meine GPS-Gerät sagten mir aber, dass es noch eine andere Variante geben musste. Wir fuhren also zum Aussichtspunkt und wurden nicht enttäuscht: Vor uns lagen noch einmal in ganzer Pracht die beiden höchsten Berge unserer Tour, der Klínovec und der Fichtelberg, und unter uns schimmerte das Wasserbecken der Talsperre Cranzahl in der Tiefe. Ein Wegweiser machte uns auf einen Pfad aufmerksam, der sich als schöner kleiner Trail entpuppte. Wir waren ja sozusagen privat unterwegs und durften uns diesen Pfad erlauben – im offiziellen Genehmigungsverfahren, so sagte mir Streckenscout Philipp später, war dieser Wanderpfad bis dato nicht durchsetzbar. Wir fuhren also diesen S1-Trail nach unten und trafen auf keinen Wanderer. Und wären uns welche begegnet, hätten wir uns natürlich defensiv und rücksichtsvoll verhalten und hätten gegrüßt, wie es sich in den Bergen gehört. Am Fuße des Bärensteins trafen wir dann wieder auf die offizielle Route.

Großes Panoramakino am Bärenstein.

Der letzte Abschnitt führte uns hinab ins Tal der Pöhla zur Brettmühle. Oberhalb von Königswalde verlief die Route nun mit viel Panorama zum letzten Scharfrichter unserer Tour, dem Pöhlberg. Hinauf ging es zum Teil auf der alten Bobbahn und die ist steil. Was war ich froh, auf einem E-MTB unterwegs zu sein und noch genügend Saft im Akku zu haben! Wenn mich in dem Moment einer nach drei Gründen gefragt hätte, warum ich jemals wieder ein herkömmliches MTB benutzen sollte – mir wäre keiner eingefallen. Aber dann war es vollbracht: Wir freuten uns über den Stoneman in Silber, den uns Doreen Burgold vom Tourismusverband Erzgebirge e.V. nach unserer Zweitagestour am Pöhlberg, dem Hausberg von Annaberg-Buchholz, überreichte. Wir möchten aber auch allen unseren Respekt und unsere Hochachtung aussprechen, die diesen Stoneman mit einem regulären MTB und ausschließlich mit Muskelkraft bezwungen haben. Hut ab! Diese schöne Strecke verdient es, genutzt und genossen zu werden, egal wie.

Fazit

Der Stoneman Miriquidi bietet eine tolle, stimmige Rundtour im Erzgebirge, die zeigt, was Mountainbiken eben auch ausmacht: Die ausgewogene Streckenführung abseits der Straßen bietet traumhafte Aussichtspunkte, gemütliche Raststätten und ein wohltuendes Gefühl von Ruhe und Einklang mit der Umgebung. Auf dem Stoneman liegt der Anteil von Singletrails bei 8 % – das ist sicher nicht viel und manch einer mag das monieren. Da die Strecke aber von Tausenden gefahren wird und es unzählige Wiederholungstäter gibt, hat man bei der Auswahl der Route wohl doch den Nerv vieler Mountainbiker getroffen. Wir hatten jedenfalls viel Spaß!

Ende der Stoneman-Runde am Pöhlberg.

Infos

Die Strecke ist sehr gut beschildert, für die einzelnen Abschnitte gibt es jeweils Verantwortliche, die während der Saison nach dem Rechten sehen. Es ist trotzdem hilfreich, einen GPS-Track dabeizuhaben, den man auf der offiziellen Website des Stoneman Miriquidi downloaden kann. Die Kontrollstellen befinden sich auf den neun Gipfeln, die man anfahren muss:

Bärenstein 898 m
Pöhlberg 832 m
Scheibenberg 807 m
Rabenberg 913 m
Auersberg 1.019 m

Plešivec 1.028 m
Blatenský vrch 1.043 m
Klínovec 1.244 m
Fichtelberg 1.215 m

Dort muss man jeweils an den Infotafeln die Karten ablochen. Die Stoneman-Saison geht von Ende April bis Ende Oktober, danach werden die Kontrollstellen und Infotafeln über den Winter abgebaut.


Es gibt verschiedene Buchungspauschalen. Sie werden zentral gesteuert und organisiert über:

Tourismusverband Erzgebirge e.V.
Tel. 03733/18 80 02 8 · Fax 03733/18 80 02 0
Webseite: erzgebirge-tourismus.de


Text & Fotos: Andreas Albrecht