Mit dem Uproc X will FLYER die Universalantwort im E-Mountainbike-Segment auf so gut wie jedes Szenario gefunden haben – von steilen technischen Uphills bis schnellen groben Downhillpassagen. Dafür setzt FLYER auf einen Panasonic-Motor mit beachtlichen 95 Nm Drehmoment und ein umfassendes Softwarepaket. Aber passt die Trail-Performance?

FLYER Uproc X 9.50 | Panasonic GX Ultimate Pro FIT/750 Wh | 150/150 mm (v/h)
24,58 kg in Größe M | 10.249 € | Hersteller-Website

Die Schweizer Marke FLYER hat nur E-Bikes im Sortiment und seit 2015 auch E-Mountainbikes. Mit dem Uproc 6 feierte FLYER das Debut im elektrischen Mountainbike-Segment. 2021 hat uns das FLYER Uproc 6 9.50 im großen Vergleichstest von den Qualitäten als Abfahrtsprofi überzeugt. Das neu vorgestellte Uproc X 9.50 für 10.249 € hat mit 150 mm Federweg bis zu 20 mm weniger als das Uproc 6, eine veränderte Geometrie und ein neues Motorsystem. So soll es nicht nur in der Abfahrt glänzen, sondern auch im Uphill und damit zum absoluten Allrounder werden. Wir haben getestet, ob das Mullet-Bike mit Laufradgrößenmix und Vollcarbonrahmen diesen Spagat schafft.

Das FLYER Uproc X 9.50 mit Panasonic GX Ultimate-Motor und cleverer FIT-Motorsoftware

Das FLYER Uproc X hat eine sehr hochwertige Anmutung und zeigt ein hohes Maß an Motor- und Systemintegration. Die komplette Software, Akku und Display kommen aus dem Hause Fit. Fit wurde 2015 von FLYER geboren und 2020 mit dem Namen Biketec GmbH als Tochtergesellschaft von FLYER ausgegliedert und ist seither auch für andere Hersteller zugänglich. Im Herzen des Bikes dreht ein exotischer Panasonic-Motor, der zumindest nominal starke 95 Nm Drehmoment liefert. Der Motor wiegt 2,95 kg und die 750-Wh-Batterie wiegt rund 4,3 kg.

Kraftpaket: Der Panasonic GX Ultimate Motor mit der smarten Software von FIT.

Damit liegt das Gewicht gleichauf mit dem Bosch Smart-System bei 10 Nm mehr Drehmoment. Die Integration bei der FIT-Software ist schon sehr weit fortgeschritten und lässt einige Verbindungen mit peripheren Systemen zu. So lassen sich beispielsweise Reifendruckkontrollventile installieren und der Luftdruck wird, wie beim PKW, im E-Bike-Display angezeigt. Ebenso kann der Pulsmesser über ANT+ oder Bluetooth verbunden werden und schon seht ihr euren Herzschlag ebenfalls im FIT-Display. Ebenso wie bei Bosch ist auch eine Funktion zum Abschließen erhältlich, bei FIT nennt sie sich Lock. Das geht via Handy oder ihr bestellt einen E-Bike-Key dazu: Das Teil sieht aus wie ein Autoschlüssel und verriegelt den Motor auf Knopfdruck. Wenn ihr mal die Orientierung verliert, kommt mit dem nächsten Update noch die Komoot Navi-Kompatibilität, damit startet ihr die Navigation einfach auf dem Smartphone und habt dann die richtungsweisenden Pfeile und Entfernungen auf dem E-Bike-Display.

Coming soon! Die Navigationsfunktion lässt noch etwas auf sich warten.
Ebenfalls zum Testzeitpunkt noch nicht verfügbar war das einteilige Cockpit, das den Display- und MonkeyLink-Halter clean integrieren soll. Außerdem laufen hier alle elektrischen Leitungen intern durch den Lenker.
Am seidenen Faden: Der Vorserien-Ladeport war nicht besonders robust, aber zum Glück nur am Test-Bike so verbaut.
Besser! Der finale Ladeport wird durch einen Deckel unter ordentlich Federspannung zu gehalten.

Ansonsten bietet das FIT-System noch einige Spielereien, wie die Temperaturwarnung via Schneeflockensymbol oder die Neigungsmessung, mit der man beim Stammtisch gut vergleichen kann, wer die steilste Rampe raufgekommen ist. Das Display ist für die ganzen Funktionen nicht größer als beispielsweise ein Bosch Kiox 300 und schafft es, euch alle relevanten Infos parallel zu präsentieren. Um über die ganzen Funktionen verwalten zu können, fällt auch die Remote etwas größer aus und kommt mit sechs Tasten, darunter ein kleiner Joystick. Nach kurzer Eingewöhnungszeit ist die Bedienung aber intuitiv und die wichtigsten Tasten sind groß genug, um sie während der Fahrt zu betätigen. Das Besondere: Die Tasten geben ein geschwindigkeitsabhängiges Vibrationsfeedback, so spürt ihr auch mit Handschuhen und bei hohen Geschwindigkeiten, ob ihr die jeweilige Taste wirklich getroffen habt. Mehr Tasten, mehr Features, mehr Vernetzung … Dass die Biketec GmbH aka FIT neben Software auch alle elektrischen Anbauteile und Add-ons aus einer Hand bietet, finden wir top.

Tinder am E-Bike?! Der Multifunktions-Joystick zum rechts/links Swipen und Drücken zum Bestätigen. Unten ist die grau abgesetzte Taste für die Schiebehilfe ergonomisch richtig positioniert.

FLYER Uproc X 9.50 2022 im Detail – Swiss assembly und Highend-Parts

Neben dem exklusiven Motoren- und Softwarekonzept setzt das 10.249 € teure E-Bike auf Komponenten, die zum Einsatzgebiet passen, und kombiniert diese am Uproc X mit hoher Verarbeitungsqualität. Die elektrischen Bauteile sind gut integriert und alle Leitungen sauber verlegt.

Entlang dem entnehmbaren Akku ist der Rahmen doppelwandig ausgeführt: Das kapselt die Leitungen sauber vom Akku ab und erhöht die Steifigkeit des Rahmens im Bereich dieses großen Ausschnitts.

Der Akku ist via 6-mm-Inbus zur Seite entnehmbar und das Akkucover fest mit dem Energiespeicher verbunden. Auch die Schraube bleibt einfach im Gehäuse, so ist alles kompakt einteilig und es kann nichts verloren gehen. Das Praktische: Der 6-mm-Inbus ist samt dem Torx T 25 in der Hinterachse verstaut. Das Werkzeug zur Akkuentnahme fährt also immer mit.

Die dreiteilige Motorabdeckung hüllt den Panasonic-Motor gut ein. Die mittlere Verkleidung ist aus Aluminium, während die beiden Flanken aus Plastik bestehen. Bei einem Aufsetzer während des Tests wurde das Alu-Cover allerdings schon etwas in Mitleidenschaft gezogen.

Ausstattung unseres FLYER Uproc X 9.50 2022 Test-Bikes

Die Ausstattung unseres FLYER Uproc X 9.50 entspricht in puncto FOX 36 Factory-Fahrwerk mit FLOAT X-Dämpfer und den SRAM AXS-Komponenten an Schaltwerk sowie Vario-Sattelstütze dem Serien-Bike. Aufgrund von Lieferschwierigkeiten gab es allerdings auch einige Abweichungen zu den Serien-Specs: Die Mavic Deemax-Laufräder mit Onza Porcupine-Reifen an unserem Test-Bike sind dann im Serien-Bike DT Swiss HXC 1501 mit einer Magic Mary-/Big Betty-Reifenkombi von Schwalbe. Außerdem kommt dann die Shimano XTR-Bremse vorn in Serie mit der größtmöglichen 220-mm-Bremsscheibe.

FLYER Uproc X 9.50

10.249 €

Ausstattung

Motor Panasonic GX Ultimate 95 Nm
Akku FLYER FIB 750 Wh
Display FIT Display Compact
Federgabel FOX 36 Factory 150 mm
Dämpfer FOX Float X 150 mm
Sattelstütze RockShox Reverb AXS 150 mm
Bremsen Shimano XTR 200/200 mm
Schaltung SRAM X01 Eagle AXS 1x12
Vorbau Satori Ursa 35 mm
Lenker FLYER 780 mm
Laufradsatz Mavic Deemax 29"/27,5"
Reifen ONZA Porcupine 2,4"/2,6"

Technische Daten

Größe S M L XL
Gewicht 24,58 kg
Zul. Gesamtgewicht 140 kg
Anhänger-Freigabe nein
Ständeraufnahme nein

Besonderheiten

MonkeyLink Halterung

FLYER Uproc X 2022 – X verschiedene Ausstattungsvarianten?!

Das FLYER Uproc X ist in vier verschiedenen Ausstattungsvarianten erhältlich, die sich in einigen Punkten nicht unterscheiden: Alle setzen auf den gleichen Vollcarbonrahmen mit MX-Laufrad-Setup und kommen mit einer MonkeyLink-Vorbereitung für einen Scheinwerfer. Ob das an der kürzlich eingeführten Licht-Pflicht für E-Bikes in der Schweiz liegt, sei dahingestellt – sinnvoll ist es in jedem Fall, auch außerhalb der Schweiz. Das FLYER Uproc X 2.10 mit kleinerem 630-Wh-Akku und RockShox 35-Federgabel bildet mit 5.449 € den günstigen Einstieg ins Uproc-Sortiment. Es kommt außerdem mit einer kleineren, unauffälligen Display-Remote Kombination.

Die Display-Remote hat die gleiche umfangreiche Anzeige wie das externe Display, aber kombiniert beides mit der Remote auf der linken Lenkerseite.

Bereits ab dem Uproc X 6.10 kommt das FLYER mit einem einsteigerfreundlichen FOX-Fahrwerk, bestehend aus 36 Rhythm-Federgabel und FLOAT X Performance-Dämpfer. Antriebsseitig kommt eine Shimano DEORE 12-fach-Schaltung zum Einsatz. Für das Bike, das wie alle weiteren Modelle mit dem großen 750-Wh-Akku ausgestattet ist, werden 6.449 € fällig. Für exakt 1.000 € mehr bekommt ihr das Uproc X 8.70 mit FOX 36-Federgabel in der Performance-Variante und Bremsen sowie Schaltung vollständig aus der Shimano XT-Linie. Die beiden Spitzenmodelle FLYER Uproc X 8.70 und 9.50 kommen in Serie mit einem einteiligen Carbon-Cockpit, das MonkeyLink- und Displayhalterung sauber integriert und alle Leitungen in sich aufnimmt. Dieses war zum Testzeitpunkt noch nicht lieferbar. Alle Modelle können in beiden verfügbaren Farben konfiguriert werden: in einem auffälligen Enzianblau oder einem grauen Understatement.

Die Geometrie des FLYER Uproc X 2022

Im Vergleich zum sehr abfahrtsorientierten FLYER Uproc 6 kommt das Uproc X mit einem um 2° steileren Sitzwinkel. Außerdem ist das Sitzrohr nicht mehr so sehr geknickt, dadurch flacht der Sitzwinkel bei langem Sattelauszug nicht übermäßig ab und begünstigt einen guten Tourenkomfort. Trotz des Laufradmix aus 29” am Vorderrad und kleinen 27,5” hinten sind die Kettenstreben mit 460 mm recht lang und bleiben über alle Größen gleich. Alle Modelle sind von Rahmengröße S bis XL erhältlich und decken damit eine Körpergröße von 155 bis 195 cm ab. In allen Größen des Uproc X könnt ihr unabhängig vom verbauten Dämpfer eine große Flasche im Rahmen befestigen.

Größe S M L XL
Oberrohr 576 mm 589 mm 619 mm 645 mm
Sattelrohr 400 mm 415 mm 450 mm 485 mm
Steuerrohr 100 mm 110 mm 120 mm 140 mm
Lenkwinkel 64,5° 65° 65° 65°
Sitzwinkel 77° 77° 77° 77°
Kettenstrebe 460 mm 460 mm 460 mm 460 mm
BB Drop 12 mm 12 mm 12 mm 12 mm
Radstand 1221 mm 1229 mm 1261 mm 1291 mm
Reach 435 mm 445 mm 473 mm 495 mm
Stack 612 mm 622 mm 631 mm 650 mm

FLYER Uproc X 2022 on Trail – Was kann das E-MTB der Schweizer?

Am auffälligsten ist der super starke Motor des Uproc X. Dieser bringt in der höchsten Stufe auch schon bei niedrigen Kadenzen richtig Zug auf die Kette und lässt einen geradezu die Forststraße hochfliegen. Damit sind 25 km/h auch auf steilen Forstautobahnen kein Problem. Verlässt man den breiten Feldweg für technische Anstiege, sollte man die Power allerdings etwas drosseln – sonst schiebt der Motor mit seinem langen Nachlauf im höchsten Modus einen aus engen Kehren einfach raus oder sorgt für frühen Traktionsverlust am Hinterrad. Hier empfiehlt sich der Auto-Modus, der sich zwar in der Ebene etwas unnatürlich und abrupt anfühlt, auf dem Uphill-Trail aber genau richtig funktioniert: Die Pedalkraft wird exakt weitergegeben und sensibel verstärkt.

Tritt man stärker, generiert der Motor mehr Vortrieb, nimmt man vor einem Gegenhang viel Schwung auf, schiebt der Motor noch schneller an. Und hört man auf, zu treten, hört der Motor ebenfalls früher auf und verzichtet auf den langen Nachlauf aus dem High-Modus. So lassen sich technische Climbs auch mit Kehren gut bewältigen und die Power optimal dosieren. Wer es gleichmäßiger mag, dem wird auch schon der Standard-Unterstützungsmodus genügen. Dieser gibt die Kraft sehr linear frei und das Drehmoment bringt euch auch steile Rampen noch gut rauf. Durch die langen Kettenstreben neigt das FLYER Uproc X im steilen Terrain nicht zum Umkippen und die Front bleibt am Boden kleben.

Steil, steiler, Uproc X – Der starke Panasonic-Motor fordert einen geradezu auf, jede Kletter-Challenge anzunehmen, und das Bike meistert selbst anspruchsvolle Schlüsselstellen.

Biegt man in die wohlverdiente Abfahrt ein, bietet das Fahrwerk gut Feedback vom Untergrund und lädt zum Spielen ein. Auf flowigen Strecken durch Anlieger pushen oder an Kanten abziehen steht dem Bike gut und das poppige Fahrwerk bietet einen guten Support. Man hat nicht das Gefühl, dass viel Fahrerinput im Bike verloren geht und dennoch werden grobe Schläge sauber geglättet. Ist der Trail eng und verblockt, machen sich die langen Kettenstreben vom Uphill bemerkbar. Um enge Kehren geht das Uproc X nicht so spontan und man muss dann auch mal das Hinterrad versetzen. Hier fehlt es ein wenig an Agilität. Wird das Tempo höher und die Kurven weitläufiger, blüht das Bike mit dem Laufradmix und den 150 mm Federweg dagegen auf. Das Bike kann erstaunlich grob und schnell gefahren werden und vermittelt dabei durch die relativ hohe Front ein gutes Sicherheitsgefühl. Hier sind wohl noch die Gene des großen Bruders Uproc 6 zu spüren.

Die von der Serienausstattung abweichenden Onza Porcupine-Reifen boten uns auf den trockenen Test-Trails lange sehr guten Grip, doch kommt man in den schmalen Grenzbereich, wird man von der plötzlich nachlassenden Traktion überrascht. Dann muss man das Bike allerdings schon sehr flott und sportlich bewegen. Hier lassen sich die serienmäßig aufgezogenen Schwalbe Magic Mary und Big Betty aus Erfahrung im Grenzbereich intuitiver fahren und besser einschätzen.

Fazit zum neuen FLYER Uproc X 2022

FLYER bringt mit dem Uproc X 9.50 einen guten Allrounder mit exklusivem, kraftvollem Motor und potentem Fahrwerk. Es vereint ein gelungenes Gesamtpaket mit runder Ausstattung, die euch steile Uphills rauf bringt und auch auf ruppigen Abfahrten eine gute Figur macht. Außerdem bietet es mit der FIT Soft- und Hardware ein vernetztes Ökosystem von Komponenten zum Informieren und Spielen – der Allrounder für alle Dieselfahrer, die auf viel Drehmoment stehen und das Reifendruckkontrollsystem aus dem PKW nicht missen wollen ;).

Helm POC Tectal | Brille POC Devour | Hippack Camelbak Podium Flow 4 | Shirt POC Resistance Ultra | Shorts POC Resistance | Knieschoner POC Joint VPD | Schuhe ION Scrub Amp | Socken STANCE | Handschuhe POC Resistance

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Words: Julian Schwede Photos: Julian Schwede, Nicola Damonte

Über den Autor

Julian Schwede

Juli ist es gewohnt, mit großen Kalibern umzugehen. Er schraubt nicht nur gerne an seinem Bike, sondern hat nach seiner Ausbildung zum KFZ-Mechatroniker an der Königsklasse der Kraftfahrzeuge – Omnibussen – getüftelt und gewerkelt. Als ihm die Entwicklung auf Elektroantriebe im Großformat zu langsam ging, hat er technische BWL studiert und nebenher Tische aus Carbon gebaut. Während sein Dirtbike aus dicken Alu Rohren geschweißt ist, besteht sein Fully ebenfalls aus den schwarzen Fasern und hat ihn schon auf einige Gipfel gebracht. Doch auch angeseilt erklimmt er Berge gern über Klettersteige oder senkrecht an der Wand. Mittlerweile fährt er statt seinem eigenen Bike fast nur noch Bikes aus dem Office-Keller und testet sie auf Leib und Lenker. Neben Bike Reviews kümmert Juli sich auch um das tägliche Newsgeschäft und bezeichnet sich selbst als rasenden Reporter “Carlos Columbus”.