Die Albrecht-Route ist die am häufigsten gefahrene Transalp für Mountainbikes. Was lag also näher als der Gedanke, diese klassische Alpenüberquerung auch mit dem E-Mountainbike zu bewältigen? Im vergangenen Jahr hat Andreas Albrecht seine Route für Bikes mit Motorunterstützung angepasst, hier geht es zur Übersicht!

Aktuelle Akkus mit einer Kapazität von 500 Wh lassen unter idealen Bedingungen Fahrleistungen von deutlich über 1.200 Höhenmetern im Anstieg zu. Die technischen Voraussetzungen für den Alpencross sind also mittlerweile gegeben – denn schon lange schon spukte in meinem Kopf die Idee herum, für E-Mountainbikes eine Variante der Albrecht-Route zu konzipieren. Ein erster Ansatz hierzu war im vergangenen Jahr meine große Olperer-Umrundung, die ich noch mit einem Reserve-Akku im Rucksack unternommen habe. Bevor ich mich an die Transalp machte, hatte ich außerdem im Vorfeld mit verschiedenen E-Mountainbikes kleinere Touren unter anderem im Norden und Südosten des Gardasees unternommen. Natürlich habe ich mir Gedanken gemacht, was bei der Transalp geht und was nicht. Im Prinzip fallen nur die Strecken aus, die mit langen bzw. häufigen Schiebe- und Tragepassagen verbunden sind. Grenzen setzt dabei das höhere Gewicht der E-Mountainbikes. Das Befahren der Trails ist prinzipiell mit E-Mountainbikes gut möglich und hängt im Wesentlichen von der eigenen Fahrtechnik ab.

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Letztendlich fallen von der Albrecht-Route nur das Verwalltal mit Übergang über Heilbronner Hütte und der Fimberpass aus. Diese Streckenabschnitte lassen sich via Inntal (siehe Tag #002) leicht umfahren. Da diese beiden Übergänge auch die mit dem höchsten Schneerisiko sind, ergibt sich durch die Routenwahl gleichzeitig eine fabelhafte Alternative für die normale Albrecht-Route, wenn es wieder einmal Schnee im Hochsommer geben sollte.
Auch den Übergang über die Montozzo-Scharte bin ich zu Testzwecken mit einem FLYER Uproc6 gefahren, ebenso den Trail hinab zum Lago Pian Palu. Die ca. 140 Höhenmeter von der Bozzi-Hütte hinauf zur Montozzo-Scharte sind schon sehr heftig. Deshalb habe ich mich dagegen entschieden – auch und vor allem, weil es die wirklich sehenswerte Alta Via Camuna gibt. Doch dazu mehr im Bericht von Tag #005. Ansonsten setzt sich die Albrecht-Route für E-MTBs zusammen aus den schönsten und passendsten Abschnitten der klassischen Route nebst ausgewählten v2-Varianten. Insbesondere habe ich auf weitgehende Fahrbarkeit der Strecken geachtet. Die Trailabschnitte bewegen sich weitgehend im S0- bis S1-Niveau nach der Kategorisierung durch die Singletrail-Skala. S2-Passagen gibt es kaum und das ist auch so gewollt. Das heißt nun nicht, dass die Strecke vollkommen anspruchslos ist: Grobe und steile Passagen gibt es im hochalpinen Bereich immer.
Damit ist eine nahezu komplett fahrbare Transalp entstanden mit nur sehr wenigen Schiebestücken (max. ca. 1 km auf einer Gesamtdistanz von 427 km der Hauptroute).

Der längste Anstieg ohne sichere Nachlademöglichkeit des Akkus ist die Strecke von Grosio zum Passo Foppa/Mortirolo (siehe Tag #004). Das sind gut 1.200 Höhenmeter. Die muss man schaffen, wenn man neben dem normalen Inhalt des Rucksacks nur noch zusätzlich ein Ladegerät mit sich führen will. Das wiegt ca. 740 g, ist also wohl zu verschmerzen.

Im Folgenden stellt Andreas seine Transalp in einer Übersicht vor.

Strecke:

Garmisch – Fernpass – Inntal – Rifenal – Martina – Pass da Costainas – Münstertal – Val Mora – Passo Verva – Grosio – Passo Foppa/Mortirolo – Ponte di Legno – Alta Via Camuna – Passo Tonale – Val di Sole – Madonna di Campiglio – Gardasee

Länge: 427 km (Nebenroute 415 km)
Höhenmeter: ca. 11.000 hm (Nebenroute ca. 7.900 hm)
Etappen: 6, jeweils Hauptroute und Nebenroute mit leichteren Varianten.

Zwischen der Hauptroute und den Varianten der Nebenroute kann gewechselt werden. Hinweise dazu werden in den Tagesberichten angegeben.

Übersicht Hauptroute

Tag #001: 78,1 km, 1.742 hm

Garmisch – Eibsee – Hochthörle Hütte – Ehrwald – Biberwier – Fernpass – Fernstein – Nassereith – Strad – Imst – Ried – Kronburg – Rifenal

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Tag #002: 95,8 km, 2.247 hm

Rifenal – Fließ – Prutz – Pfunds – Kajetansbrücke – Martina – Sur En – S-charl – Pass da Costainas – Lü – Tschierv (Münstertal)

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Tag #003: 76 km, 1.364 hm

Tschierv – Val Vau – Döss Radond – Val Mora – Lago Cancano – Torri di Fraele – Arnoga – Passo di Verva – Eita – Fusino – Grosio

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Tag #004: 45,9 km, 2.087 hm

Grosio – Passo Foppa/Mortirolo – Col Carette – Vezza d’Oglio – Ponte di Legno – Pezzo

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Tag #005: 63,2 km, 2.187 hm

Pezzo – Case di Viso – Alta Via Camuna – Passo Tonale – Vermiglio – Fucine – Mezzana – Dimaro – Madonna di Campiglio

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Tag #006: 68,1 km, 1.322 hm

Madonna di Campiglio – Val d’Agola – Passo Bregn de l’Ors – Val d’Algone – Stenico – Ponte Arche – Passo Ballino – Tennosee – Riva – Torbole

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Höhenprofil

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Nebenroute mit leichteren Varianten

Länge: 415 km
Höhenmeter: ca. 7.900 hm

Höhenprofil

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Landkarten*

Kompass: Digitale Karte Über die Alpen, Digitale Karte Schweiz,
Wanderkarten: WK 5, WK 35, WK 42, WK 072, WK 73, WK 94, WK 98, WK 101
Übersichtskarte: Kompass: Straßenkarte 358 Tirol–Trentino
*Karte bei Amazon bestellen durch Klicken auf die jeweilige Nummer

Die Antworten auf die wichtigsten Fragen

  • Ja, es ist eine Transalp für Mountainbikes.
  • Ja, sie ist für E-MTBs geeignet.
  • Ja, es ist eine tolle, landschaftlich überragende Transalp, die in hochalpine Regionen führt. Gleichzeitig ist sie eine nahezu komplett fahrbare Transalp auch für normale Mountainbikes. Mit ihren leichten Varianten ist sie eine hervorragende Ergänzung der Albrecht-Route (z. B. als Variante bei Wettersturz, wenn es Schnee auf dem Fimberpass gibt).

Und noch einmal

  • Nein, sie ist auf keinen Fall geeignet für E-Bikes, die keine Mountainbikes sind.
  • Nein, sie ist auf keinen Fall geeignet für Radfahrer, die keinerlei Erfahrung mit dem Fahren im Gelände haben.
  • Nein, sie ist auf keinen Fall geeignet für Radfahrer, die keine Schotterpisten, geschweige denn Trails bergab fahren können und/oder wollen.
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Shuttle, Gepäcktransport

Folgende deutschsprachige Anbieter organisieren Rücktransport vom Gardasee und auch individuellen Gepäcktransport auf der Strecke

  • bikeshuttle.it mit Sitz in Mals am Reschenpass, Tel: 0039-320-3114552
  • bikeshuttle.at mit Sitz in Nauders am Reschenpass, TRANSALP-HOTLINE: 0043-664-1217050

Ein besonders toller Service wird hier angeboten

PKW-Überführung vom Start- zum Zielort transalp-shuttle.com
Tel: 0049-171-3240804 oder 0043-676-6877008

Das klappt bestens, wie ich selbst erleben konnte. Rechtzeitige Anmeldung ist sinnvoll, sie sind in der Sommersaison schnell ausgebucht.

GPS-Tracks etc., um die Tour nachzufahren, gibt es im Webshop unter:
shop.transalp.info/emountainbike/albrecht-route-emtb

 

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Fazit

Die Albrecht-Route wird zu Recht als Klassiker der Alpenüberquerung mit dem Mountainbike bezeichnet und wir sind uns sicher, dass diese für E-Mountainbikes angepasste Route ebenfalls ein Klassiker wird. Der Erlebniswert einer Alpenüberquerung mit dem E-MTB dürfte wesentlich höher liegen als mit einem normalen Mountainbike, da man dank der E-Unterstützung nicht an seine volle Leistungskapazität gehen muss. So bleibt mehr Raum für den Blick in die Berge und das, was sich am Wegesrand abspielt.

Trotzdem darf man die körperlichen Anforderungen nicht unterschätzen. Eine konditionelle und fahrtechnische Vorbereitung ist genauso wichtig wie bei einer Transalp mit einem regulären Mountainbike. Nur wer sein E-Mountainbike auf unbefestigten Wegen, auch in Bergab-Passagen, sicher handhaben kann, sollte sich an das unvergessliche Abenteuer einer Alpenüberquerung machen.

Die detaillierte Tourbeschreibung der Tagesetappen der Albrecht-Route findet ihr: hier.

Text & Fotos: Andreas Albrecht