Was ist das Beste am Winter? Für viele die Gewissheit, dass er ganz sicher irgendwann wieder durch den Frühling abgelöst wird! Klirrende Kälte, vereiste Autoscheiben und eine dicke Schneeschicht auf den Trails nerven. Doch es gibt ein Rezept gegen die Winterdepression: E-Fatbiken.

Jedes Jahr ist es das gleiche Spiel: Gefühlt war noch vor wenigen Tagen Hochsommer und ehe man sich versieht, haben sich die Blätter an den Bäumen gelb gefärbt und sind dann schlagartig mit den sinkenden Temperaturen abgefallen. Doch Schmuddelwetter und Neuschnee in höheren Lagen sind kein Grund, nicht zu biken. Vor allem dann nicht, wenn man ein E-Fatbike in der Garage stehen hat. Bei den Bikes mit ihren bis zu 4,8″ breiten Reifen handelt es sich aber keineswegs ausschließlich einzig und allein um Winterfahrzeuge, mit denen man durch den Schnee pflügen kann – die Vorteile liegen noch ganz woanders.

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Die Besonderheiten eines E-Fatbikes

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  • fette 4,0″–4,8″ breite Reifen, die mit 0,4–0,7 bar Luftdruck gefahren werden
  • bekannter Bosch Performance CX-Antrieb mit nach außen versetzter Kettenlinie
  • RockShox Bluto-Federgabel mit 80–120 mm Federweg
  • extra breite und gelöcherte Felgen für beste Kontrolle und geringe rotierende Masse

E-Fatbikes sind die SUVs der Bikeszene: fett, prollig, aber doch auch ziemlich geil!

Es ist ein klassisch nassgrauer Tag Mitte November, an dem sich Antonia, Flo und Gregor zum Biken verabreden. Doch keinem der drei fällt es schwer, die gemütliche Couch im wohltemperierten Wohnzimmer gegen den Sattel eines E-Fatbikes zu tauschen. Raus aus der Jogginghose, rein in die Bike-Short. Statt um die Teetasse legen sich die Hände um die kühlen Griffe am Lenker und auf Knopfdruck startet nicht der Fernseher, sondern der Antrieb ihrer fett bereiften Ungetüme. Geplant ist eine zweistündige Biketour, schließlich muss man es bei Temperaturen um den Gefrierpunkt auch nicht übertreiben und auf abgestorbene Zehen verzichten sie gerne.

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Bayerisch für Anfänger

Im beschaulichen Ort Aschau herrscht bayerisches Alpenidyll. Fluss, Berge, Fensterläden – Urlauberherz, was willst du mehr? Ein Wahrzeichen der 6.000-Seelen-Gemeinde ist der Berg Kampenwand, zu dem jedem Einwohner sofort folgender Spruch einfällt: „Ich gang so gern auf’d Kampenwand, wenn I mit meina Wamp’m kannt.“ Ins Hochdeutsche übersetzt: „Ich würde gern auf die Kampenwand gehen, wenn mein Bauch nur nicht so dick wäre“ Für die drei stellt der Aufstieg zur Kampenwand an diesem Tag jedoch kein Problem dar. Rückenwind spendiert jedem der 250 Watt starke Antrieb seines E-Fatbikes. Der Bosch Performance CX-Antrieb ist nicht die einzige Gemeinsamkeit der Bikes. Sie verfügen außerdem alle über eine RockShox Bluto-Federgabel und 4,0″–4,8″ fette Schwalbe Jumbo Jim-Reifen. Der Grip und der Komfort, den diese Reifen bei einem Luftdruck von ca. 0,5 bar erzeugen, ist grandios.

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Treffpunkt Eiskeller

Losgewalzt sind die drei mit ihren fetten Schlappen direkt von einem Parkplatz in der Ortsmitte, nur wenige Meter von der legendären Diskothek Eiskeller entfernt, die wohl jeder unter 35 Jahren im Umkreis von fast 80 km kennt. Vom Eiskeller geht es dann erst über eine steile Forststraße hinauf zum Reitweg. Dieser im Schnitt gut einen Meter breite Wanderweg schlängelt sich entspannt den Berg hinauf und ist mit den fetten Reifen problemlos als Uphill fahrbar. Mit knapp 14 km/h schießen die drei auf ihren Bikes über Steine und Wurzeln und werden nur durch zwei enge Spitzkehren gebremst. Hier zählt dann Technik statt Kraft. Mit etwas Überzeugung, der richtigen Linie, vorausschauender Blickführung und etwas Gespür in den Beinen klappt’s jedoch und so entsteht tatsächlich der vom Motorenhersteller Bosch propagierte Uphill-Flow. Unglaublich.

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Planänderung

Mit steigender Höhe fallen die Temperaturen und so sehen sich die drei nach rund 700 Höhenmetern mit einem ernsten Problem konfrontiert: weicher, rund 30 cm hoher Schnee. Wer glaubt, für Fatbikes gäbe es im Winter keine Grenzen, der irrt. Denn trotz fetter Auflagefläche versinken die Räder auf zu softem Untergrund frühzeitig. Auf eine kurze Pause an einer Berghütte folgt also eine Planänderung! Statt weiter bergauf geht es wieder bergab. Und zwar mit Vollgas, denn wer bremst, verliert – vor allem an Momentum. Im Schnee ist Geschwindigkeit entscheidend, um die Spur halten zu können. So richtig enttäuscht ist an diesem Tag niemand, den Gipfel nicht zu erreichen, denn trotz warmen Handschuhen ist es zwischenzeitlich schon etwas frisch an den Fingern geworden und nach einer kurzen Schiebepassage im Schnee sind auch die Füße nass und drohen, sich in Eisklumpen zu verwandeln.

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Das einzig Heiße sind die Bremsscheiben. Sie glühen auf dem steilen Trail, den die drei in Angriff nehmen. Hier zeigen die E-Fatbikes dann noch einmal, was in ihnen steckt. Durch die Kombination aus breiter Auflagefläche, geringem Luftdruck und griffiger Gummimischung behält man selbst auf fiesen, glitschigen Wurzeln volle Kontrolle. Das verleitet vor allem Gregor zu einigen waghalsigen Fahrmanövern. Kleine Kanten im Gelände verwandeln sich in Absprünge, aus denen er trotz des satten Gewichts seines Bikes in die Höhe schießt.

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Grip, Grip und noch mehr Grip – E-Fatbikes nehmen auch den glitschigsten Wurzeln ihren Schrecken

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Innerhalb kürzester Zeit sind die drei zurück im Tal und strahlen trotz oder gerade wegen der Schlammpackung im Gesicht über beide Ohren. Jetzt ist es an der Zeit, sich aufzuwärmen. Dafür geht es nach einer heißen Dusche auf die gemütliche Couch, die noch wenige Stunden vorher links liegen gelassen wurde, und von dort dann in die Jogginghose. Statt um den Lenker legen sich die Hände nun doch um die warme Tee-Tasse und mit einem Klick wird der Fernseher gestartet – nach der Tour hat man sich das schließlich verdient.

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Text & Fotos: Christoph Bayer