Wenn man sich überlegt, sein Bike zu pimpen, fallen einem meist direkt einige Klassiker ein: ein leichter Carbonlenker, kraftvolle Bremsen, die jeden LKW stoppen könnten, oder ein feinfühliges Fahrwerk, neben dem jedes Formel-1-Auto an einen zehn Jahre alten Gebrauchtwagen erinnert. Pedale dagegen stehen selten auf der Einkaufsliste – zu Unrecht. Deshalb haben wir 12 Pedale im Vergleichstest!

Sie sind eine entscheidende Verbindung zwischen Fahrer und Bike, sie definieren den Fahrstil und wie das Rad sich auf dem Trail verhält. Die Art und Weise, wie man Anlieger, Kompressionen, Sprünge oder Kurven fährt, wird durch die Interaktion an nur zwei Kontaktpunkten definiert, den Griffen und den Pedalen. Sobald hier etwas schiefläuft, leidet das Fahrerlebnis. Wenn die Füße schon bei geringen Erschütterungen von den Pedalen fliegen oder sich die Knie beim Fahren anfühlen, als gehörten sie einem 70-Jährigen, sollte man die Pedal-Wahl überdenken.

Flats vs. Klicks: 12 Pedale im Vergleichstest

Bevor wir weitermachen, gilt es noch eine Klippe zu umschiffen. Es gibt zwei Arten von Pedalen: in der einen Ecke die „Flats“, die Plattformpedale mit Pins, und in der anderen die „Klicks“ (oder Klickies), bei denen der Schuh mittels Cleat mit dem Pedal verbunden ist. Dazwischen die uralte Frage: Flats oder Klicks? Sie schürt immer wieder Emotionen und verwandelt Internetforen in Schlachtfelder. Letztlich geht es aber wie so oft um persönliche Präferenzen. Mit beiden kann man es krachen lassen und eine gute Zeit haben, bei beiden gibt es Vor- und Nachteile. Die meisten Rennfahrer schwören auf Klicks, weil die Effizienz beim Treten deutlich höher ist. Klick-Fahrer mögen die feste Bindung zum Rad, die allerdings die Fahrtechnik speziell bei Bunny Hops verschlechtern kann, da man einfach mit den Füßen das Hinterrad hochziehen kann.

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Bei der Verteidigung von Flats werden viele rufen: „Schaut euch Sam Hill an!“ Aber lasst uns dieses Argument vernachlässigen – Sam Hill ist ein Ausnahmetalent, das auch in High-Heels ein Rennen gewinnen könnte. Trotzdem werden wir die Flats nicht abschreiben. Sie helfen nicht nur bei der Verbesserung eurer Technik, da ihr beim Treten und in der Luft das Bike entsprechen ausbalancieren müsst, sie sorgen auch für einen höheren Spaßfaktor. Abgesehen davon profitieren Kniegeschädigte ebenfalls von der Freiheit der Flats. Letztlich gibt es keine definitive Antwort, welches System besser ist, und so hilft nur ein Test, um die persönliche Präferenz herauszufinden.

Der Testprozess

In den letzten vier Monaten haben wir so ziemlich alle Pedale auf dem Markt gefahren, getestet und analysiert und präsentieren euch hier unsere 12 Favoriten. Nach Tausenden Trailkilometern, harten Einschlägen und einer nicht gerade zimperlichen Behandlung durch unser Testteam aus Abenteurern, Pro-Racern und Ingenieuren sind die zwölf Pedale übrig geblieben, die uns am meisten beeindruckt haben.

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Der Aufbau eines Pedals

Float-Winkel

Der Float-Winkel beschreibt die seitliche Bewegungsfreiheit des Fußes, wenn man im Pedal eingeklickt ist. Der Wechsel vom Sitzen ins Stehen verändert auch eure Fußstellung, der Grad des Float-Winkels erlaubt dabei eine entsprechende Anpassung. Biomechaniker empfehlen hier einen Rotationswinkel von mindestens 4°.

Austauschbare Pins

Sowohl Flat- als auch Klickpedale verfügen häufig über austauschbare Pins, die eine individuelle Anpassung des Grips und den Ersatz bei Beschädigung erlauben. Bei Pins, die von unten eingeschraubt werden, ist das einfacher, da die Schraubenköpfe geschützt sind. Lange, dünne und scharfe Pins erhöhen den Grip ungemein, hinterlassen aber auch entsprechende Spuren an Schuhen und Schienbeinen, wenn man abrutscht – hier zählt die richtige Balance.

Lager und Buchsen

Bei manchen Pedalen sind (Kugel-)Lager verbaut, bei anderen sind es Buchsen (bei denen Materialien mit geringem Reibungswiderstand übereinander gleiten), bei vielen findet sich ein Hauptlager am Lastpunkt mit unterstützenden Buchsen entlang der Achse. Alle guten Pedale lassen sich zu Hause warten, viele haben sogar einen Abschmiernippel zum Fetten. Für eine konstant gute Performance müssen Pedale gut abgedichtet sein, weshalb einige Modelle mit O-Ringen ausgestattet sind, um den Dreck draußen zu halten.

Die Achse

Sie kann aus den unterschiedlichsten Materialien gefertigt werden, meistens kommen Stahl, Chromoly (eine Stahllegierung mit Chrom und Molybdän) oder Titan zum Einsatz. Stahl ist dabei die billigste und schwerste Variante, Titan ist extrem leicht und extrem teuer. Chromoly bietet eine hervorragende Balance zwischen Preis und Leistung.

Abgeschrägte Frontkante

Um nicht an Steinen oder Wurzeln hängen zu bleiben, haben viele Pedale eine abgeschrägte Frontkante, die sie auf und dann über das Hindernis führen soll. Das soll Aufprallkräfte minimieren und dem Fahrer helfen, die Kontrolle zu behalten.

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Plattformgröße

Die Größe der Plattform ist für beide Pedalvarianten wichtig. Bei Flat-Pedalen bietet eine große Plattform zwar guten Halt für alle mit großen Füßen. Ist die Plattform aber zu groß, fühlt sich das Pedal schnell klobig an und erhöht die Wahrscheinlichkeit eines Steinkontakts. Bei Klicks hilft die Plattform beim Anfahren und gibt Halt, sollte man doch einmal versehentlich ausklicken. Sie erhöht aber auch das Gewicht.

Cleats

Alle Klickpedale benötigen eine Metallplatte, die am Schuh befestigt wird, um eine feste Verbindung mit dem Bike zu ermöglichen – die Cleats. Viele Hersteller bieten verschiedene Cleats für verschiedene Float-Winkel an. Bei anderen kann der Ausklick-Winkel durch die Montage der Cleats auf der anderen Seite verändert werden.

Dicke

Die Dicke des Pedalkörpers ist ebenfalls wichtig: Je dünner das Pedal, desto näher ist der Fuß an der Achse und desto effizienter wird jede Kurbelumdrehung. Außerdem hat man eine höhere Bodenfreiheit und im Steinfeld können 5 mm mehr Platz unter den Pedalen einen riesigen Unterschied machen. Doch es gibt einen Nachteil: Die Lager um die Achse müssen entsprechend kleiner werden, was die Haltbarkeit reduzieren kann.

Auslösehärte

Manche Pedal-Systeme wie die von Shimano und HT bieten eine einstellbare Auslösehärte, wodurch man die Kraft zum Lösen des Fußes nach Belieben einstellen kann. Eine geringe Härte macht das Lösen gerade für Beginner einfacher. Fortgeschrittene Fahrer werden sie erhöhen, da man bei einem aggressiveren Fahrstil sonst unbeabsichtigt ausklickt. Systeme wie die von Crankbrothers oder Mavic sind nicht einstellbar.

Schuhe

Egal welches Pedal man fährt, der Schuh dazu ist entscheidend. Schuhe für Klickpedale haben eine härtere Sohle, um die Kräfte besser zu übertragen. Flat-Schuhe haben dagegen eine griffige, weiche Sohle, um dem Fahrer einen bestmöglichen Halt auf den Pins zu bieten.

Alle 12 Pedale im Vergleichstest

Wir haben 4 der beliebtesten Klickpedalen getestet: Klickpedale im Vergleichstest
Bevorzugt ihr Plattformpedale? Kein Problem: Plattformpedale im Vergleichstest

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Text & Fotos: Trev Worsey

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Trev Worsey