FOCUS ist bereits seit Jahren im E-Mountainbike-Markt aktiv und bietet eine Vielzahl spannender Produkte. Die große Revolution blieb bislang jedoch noch aus. Das könnte sich in Zukunft ändern.

„Von Bikern für Biker“ ist vermutlich einer der meist gehörten Marketing-Slogans in der Bike-Industrie. Dicht gefolgt von „Made in Germany“, UK oder Canada. Beinahe jede Marke zeigt sich stolz auf ihre Herkunft, ihre enthusiastischen Mitarbeiter und letzten Endes natürlich auf die daraus resultierenden Produkte. Und Fakt ist, die meisten Firmen sind voller passionierter Biker. Das Problem: Da diese Begrifflichkeiten geradezu inflationär verwendet werden, verlieren sie ihre Wirkung und dadurch ihre Unterscheidungskraft. Bei FOCUS ist man daher froh, zusätzlich zu den oben genannten, noch über ein weiteres Alleinstellungsmerkmal zu verfügen: einen eigenen Antrieb.

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FOCUS gehört zu Derby Cycles, genau wiedie Marken Kalkhoff, Rixe, Raleigh, UNIVEGA und seit Kurzem auch die kalifornische Kult-Schmiede Santa Cruz. Was FOCUS mit den ersten vier gemeinsam hat: Alle nutzen den eigens entwickelten Impulse-Antrieb, der vor Ort in Cloppenburg konstruiert wird. Mittlerweile gibt es ihn in der dritten Evolutionsstufe und mehr als 450.000 Exemplare – in Worten: vierhundertfünfzigtausend – davon sind mittlerweile weltweit unterwegs.

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Produktion und Antriebs-Entwicklung bei FOCUS im Norden

Insgesamt sechs Stunden sitzen Andi, Senior Brandmanager bei FOCUS, und ich gemeinsam im Auto, als wir von Stuttgart nach Cloppenburg fahren. Viel Zeit, sich kennenzulernen, sich auszutauschen und schon einmal etwas über die Firma zu erfahren. Gegründet wurde FOCUS 1993 vom frischgebackenen Cyclocross-Weltmeister Mike Kluge. Und innerhalb kurzer Zeit wurde aus Leidenschaft FOCUS Bikes. Die Marke wuchs in den folgenden Jahren rasant, wurde in die Derby Cycles-Unternehmensgruppe integriert und verlegte ihren Standort nach Cloppenburg – wo wir wider Erwarten irgendwann auch tatsächlich ankommen.

Unser Rundgang vor Ort führt uns von der Motorenentwicklung zu den verschiedenen Montagestationen und ich bin zugegebenermaßen erstaunt, wie viel bei FOCUS noch „inhouse“ gefertigt wird. Von der Nachbereitung der frisch geschweißten Rahmen über die Lackierung, das Anbringen der Decals und die Laufradmontage bis hin zum Zusammenbau sämtlicher Räder findet alles an einem Standort statt. Das schafft nicht nur Unabhängigkeit und einen größeren Handlungsspielraum, es ermöglicht auch eine konsequente Qualitätskontrolle. Von stichprobenartigen Kontrollen an sämtlichen Montage-Einheiten bis hin zu einem kompletten Prüflabor – FOCUS setzt auf Konsequenz. Das zeigt sich auch bei der konsequenten Einzelfertigung hochwertiger Bikes. „Ein Mitarbeiter, ein Bike“ lautet hier die Devise. In den ehrwürdigen roten Backsteinhallen der ehemaligen Kalkhoff-Werke werden rund 500.000 Räder pro Jahr produziert. Das sind bis zu 3.500 Stück am Tag. Eine enorme Zahl und natürlich nicht nur E-Mountainbikes.

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Rad-Entwicklung und Design bei FOCUS im Süden

Trotz der schieren Masse an Bikes, die FOCUS mittlerweile produziert, ist sie dennoch allgegenwärtig: die Identifikation mit dem Produkt. Das wird sofort klar, als ich wenige Tage später das Entwicklungsbüro in Stuttgart betrete. Deutschrap schallt aus den Boxen, dreckige Radschuhe stehen in der Ecke und die Putzfrau verzweifelt, nachdem mal wieder 10 eingeschlammte Bikes in den Keller getragen wurden. Hier ist die Entwicklungs- und Marketing-Abteilung von FOCUS Bikes mit insgesamt runde 16 Mitarbeitern beheimatet. Über zwei Etagen verteilt sitzen nahezu ausschließlich Bike-Enthusiasten, darunter unter anderem zwei Deutsche Meister im Cyclocross und Enduro. Auf den Schreibtischen liegen Bikehelme, über manchen Stühlen hängen benutzte Regenjacken der letzten Tour und kurz vor der Mittagspause wird hier nicht diskutiert, ob man Döner oder Currywurst isst, sondern ob man mit dem Rennrad oder E-Mountainbike zum Lunchride aufbricht.
Sämtliche Bikes des Produktportfolios werden hier entwickelt und designt und zwar so, wie die Jungs sie selbst am liebsten fahren wollen.

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In Zeiten digitaler Kommunikationsmittel ist die räumliche Trennung einzelner Abteilungen kein Problem, sondern vielmehr eine große Chance: Für das kreative Team von FOCUS bedeutet das ein offenes und entspanntes Arbeitsklima, Trails zum Testen neuster Prototypen direkt vor der Haustür und ein vielfältiges kulturelles Angebot.

Dass die Zusammenarbeit zwischen dem Motoren-Team im Norden und den Bike-Entwicklern im Süden funktioniert, belegt das brandneue Jarifa Integrale (I29). Mit seinem schicken, in den Rahmen integrierten und dennoch herausnehmbaren, leistungsstarken 612-Wh-Akku, einer App-Anbindung und smarten Details wie dem einstellbaren Shift-Sensor zeigt es, welche ungeheuren Vorteile die enge Vernetzung von Bike- und Motoren-Entwicklern bietet. Sie ist ein echtes Alleinstellungsmerkmal und könnte langfristig der Schlüssel zum Erfolg für FOCUS sein. Das Unternehmen muss ihn nur richtig nutzen!

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Weitere Informationen zu FOCUS Bikes: focus-bikes.com

Text: Christoph Bayer Fotos: Christoph Bayer, Sebastian Herrmann, Robin Schmitt

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Christoph Bayer