Abgefahrene Bremsbeläge, verschlissene Reifen oder gerissene Speichen – wer viel mit dem E-Mountainbike unterwegs ist, verbringt oft auch viel Zeit in der Werkstatt. Das ist nicht nur nervig, sondern auch teuer. Doch das muss nicht sein, entscheidend ist die richtige Ausstattung.

Die Belastungen, denen das Material beim E-Mountainbiken ausgesetzt ist, sind enorm. E-Mountainbikes sind nicht nur schwerer als klassische Mountainbikes, durch den kraftvollen Motor wirken auch bei der Fahrt permanent deutlich höhere Kräfte auf das gesamte System. Man bremst mehr Gewicht ab, schaltet unter mehr Last und fährt dabei auch noch generell größere Strecken. Falsch gewählte Komponenten erhöhen nicht nur den Verschleiß, sie reduzieren auch den Fahrspaß und beeinträchtigen trotz Prüfzertifikat im schlimmsten Fall sogar die Fahrsicherheit.

Die Komponenten an eurem E-MTB haben es nicht leicht.

Dank des kraftvollen Motors spielt das Thema Leichtbau bei E-Mountainbikes nur eine nebensächliche Rolle und es lohnt sich, ein paar Gramm mehr Gewicht für ein deutliches Plus an Performance in Kauf zu nehmen. Wir verraten euch die besten Tipps, um euer Bike schwerer und besser zu machen!

Warum ein Hardtail, wenn es auch ein Fully sein kann?

Beim E-Mountainbike tritt der Faktor Effizienz dank des kraftvollen Antriebs in den Hintergrund. Im Gelände ist es entscheidend, die Kraft in Vortrieb zu verwandeln – das Zauberwort hierfür lautet Traktion. Aus diesem Grund sind vollgefederte Modelle nicht nur bergab, sondern auch bergauf klar im Vorteil. Für ein Hardtail sprechen lediglich der geringere Wartungsaufwand und der günstigere Preis. Für das Fully hingegen spricht das Plus an Performance, Fahrsicherheit, Komfort und natürlich Fahrspaß. Optimal sind Modelle mit mind. 140 mm Federweg.

Kraftvolle Bremsen mit großen Bremsscheiben

Hohes Gewicht und dadurch größere Kräfte wollen angemessen in Zaum gehalten werden. Dementsprechend sind Bremsen grundsätzlich und vor allem beim E-MTB ein entscheidendes Bauteil. Für sichere Verzögerung sorgen kraftvolle Vier-Kolben-Modelle wie z. B. die MAGURA MT7/MT5, die Shimano Saint/Zee, oder die SRAM CODE bzw. Guide Re. Um eine optimale Standfestigkeit zu garantieren, sollte man definitiv 200-mm-Bremsscheiben verbauen. Wir haben acht der besten Scheibenebremsen für E-Mountainbikes in Labor und Praxis verglichen.

Stay cool – kraftvolle Bremsen sind auch sicherheitsrelevant.

Stabile Reifen mit ausreichend Profil

Leichte Reifen mit dünner Karkasse und wenig Profil haben an einem E-MTB nichts verloren. Rollwiderstand spielt eine untergeordnete Rolle, da man auf die Unterstützung durch den Motor zurückgreifen kann. Wer hier Gewicht spart, hat ständig Platten und verliert Fahrstabilität. Ein aggressives Profil sorgt für Traktion. Klassische Reifen sollten mind. 2,35″ breit sein. Ein Gewicht von über 800 g ist bei ihnen ein guter Indikator für ausreichend Pannenschutz. Besonders gut funktionieren z. B. der Kenda Honey Badger EDC, der MAXXIS Minion DHR II Double Down oder der Schwalbe Magic Mary Super Gravity. Bei Plus-Reifen ist eine Breite von 2,8″ optimal, auch hier ist Gewichtstuning fehl am Platz – selbst wenn man das E-Mountainbike nur selten abseits befestigter Wege bewegt. Oder schon mal einen SUV mit dünnen Schlappen gesehen?

Der Maxxis Minion DHR II 2,8″ ist derzeit das Nonplusultra.

Stabile Laufräder

Neben den richtigen Reifen sind auch entsprechend stabile Laufräder extrem wichtig, um Haltbarkeit, gutes Handling und somit entsprechenden Spaß am E-MTB-Fahren zu garantieren. Erste Lösungen speziell fürs E-MTB werden hier von DT Swiss angeboten. Die DT Swiss Hybrid-Laufradsätze verfügen über dickere Speichen mit einer größeren Schnittstelle zur Nabe, breite Felgenringe mit mehr Wandstärke und eine Nabe, die mit einer stabileren Achse und einem verstärkten Freilauf überzeugt. Zusätzlich werden größere Lager, und Sperrklinken sowie ein Freilauf aus gehärtetem Stahl verbaut, um die Haltbarkeit zu erhöhen. Sie sind für ein Systemgewicht bis 150 kg ausgelegt und halten somit von Haus aus schon 35 kg mehr aus als ein herkömmlicher Laufradsatz.

Die DT Swiss Hybrid-Laufräder wurden speziell für die höheren Belastungen am E-Mountainbike entwickelt.

Bandbreite, Baby – der richtige Antrieb

Viel wichtiger als das verbaute Schaltwerk ist beim E-Mountainbike die montierte Kassette. Je größer ihre Übersetzungsbandbreite, umso besser lassen sich auch steile Rampen erklimmen. Von 2-fach-Antrieben können wir nur abraten, da sie am E-Mountainbike leider nicht zufriedenstellend funktionieren. SRAM hat die EX1-Schaltung speziell fürs E-Mountainbike entwickelt. Sie besitzt trotz lediglich acht Gängen nicht nur eine riesige Bandbreite, sondern zeigte sich auch in der Praxis verschleißärmer. Einen Kettenriss, wie er bei anderen Antrieben regelmäßig auftritt, hatten wir mit ihr noch nie. Die großen Gangsprünge sind allerdings nicht jedermanns Sache.

Eine große Bandbreite verbessert nicht nur die Klettereigenschaften, sie spart auch Akku-Kapazität.

Komfortwunder – eine gute Federgabel

Eine Federgabel hat kein leichtes Leben. An vorderster Front prügeln ständig Schläge auf sie ein, von hinten drückt das hohe Gewicht des Bikes inkl. Fahrer. Die Kräfte, die beim E-Mountainbike auftreten, sind entscheidend höher als an einem MTB ohne Antrieb. Das ist vor allem auf die Hebelwirkung des verlängerten Unterrohrs zurückzuführen, schließlich sitzt. an dessen Ende aufgrund des Motors deutlich mehr Gewicht. Für ein präzises Handling ist eine ausreichend steife Federgabel mit konstanter Dämpfung entscheidend. Eine Steckachse und mind. 34-mm-Standrohre sind daher Pflicht – egal in welchem Einsatzgebiet. FOX bietet spezielle fürs E-Bike optimierte Federgabeln an, aber auch RockShox PIKE, Yari oder Lyrik funktionieren zuverlässig.

FOX bietet spezielle fürs E-Bike optimierte Federgabeln an, aber auch RockShox PIKE, Yari oder Lyrik funktionieren zuverlässig.

Eine Teleskopsattelstütze ergibt immer Sinn

Absolut unverzichtbar an jedem Bike ist eine Teleskopsattelstütze – gerade auch beim E-Mountainbike. Selbst wenn ihr nur ein Bike zum Pendeln oder für den Radweg braucht, sollte es immer über eine Teleskopsattelstütze verfügen, da sie bei Abfahrten, auf dem Trail oder auch nur beim Ampelstopp mehr Sicherheit, Komfort und Spaß auf dem Bike ermöglicht. Auch bei technisch, steilen Uphills ist ein leicht abgesenkter Sattel optimal.

Kurz und breit – das optimale Cockpit

Das richtige Cockpit hat entscheidenden Einfluss auf das Handling des Bikes. Ist der Vorbau zu lang, fährt sich das Rad indirekt. Ein zu schmaler Lenker reduziert die Kontrolle. Optimal ist ein Vorbau mit 40–60 mm Länge und ein 740–780 mm breiter Lenker. Doch das Handling ist nur ein Faktor. Am Cockpit sollten außerdem alle Hebel und Schalter ergonomisch platziert und intuitiv zu bedienen sein, damit man sich permanent auf den Trail konzentrieren kann.

Nicht nur die Maße des Cockpits sind entscheidend,…
…dasselbe gilt für auch die Ergonomie.
SCOTT und MERIDA wissen bereits worauf es ankommt…
…und spendieren ihren Bikes durchdachte Ausstattungen.

Die von uns vorgestellten Empfehlungen haben alle eines gemeinsam: Sie maximieren den Fahrspaß, reduzieren den Verschleiß und erhöhen die Sicherheit – und zwar für jedes Fahrerlevel! Dass man dafür ein paar Gramm (oder ein halbes Kilo) Mehrgewicht in Kauf nehmen kann, haben glücklicherweise auch immer mehr Hersteller verstanden. Beim E-Mountainbike ist mehr einfach mehr!

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Text: Felix Diehl Fotos: Christoph Bayer