Wenn man sich überlegt, sein Bike zu pimpen, fallen einem meist direkt einige Klassiker ein: ein leichter Carbonlenker, kraftvolle Bremsen, die jeden LKW stoppen könnten, oder ein feinfühliges Fahrwerk, neben dem jedes Formel-1-Auto an einen zehn Jahre alten Gebrauchtwagen erinnert. Pedale dagegen stehen selten auf der Einkaufsliste – zu Unrecht!

Klickpedale sind eine entscheidende Verbindung zwischen Fahrer und Bike, sie definieren den Fahrstil und wie das Rad sich auf dem Trail verhält. Die Art und Weise, wie man Anlieger, Kompressionen, Sprünge oder Kurven fährt, wird durch die Interaktion an nur zwei Kontaktpunkten definiert, den Griffen und den Pedalen. Sobald hier etwas schiefläuft, leidet das Fahrerlebnis. Wenn die Füße schon bei geringen Erschütterungen von den Pedalen fliegen oder sich die Knie beim Fahren anfühlen, als gehörten sie einem 70-Jährigen, sollte man die Pedal-Wahl überdenken.

Ihr seid euch nicht sicher, ob ihr Klickpedale oder doch lieber Plattformpedale fahren solltet? Ihr fragt euch, auf was es bei einem guten Pedal wirklich ankommt? Dann verpasst nicht den Hauptartikel Plattform- vs. Klickpedale: 12 Pedale im Vergleichstest und werft einen Blick in den Vergleichstest mit 8 Plattformpedalen.

Übersicht

Klickpedale Preis Gewicht Float Halt des Cleats Auslöseschwierigkeit Selbstreinigung
Shimano XT PD-M8020+ 135 € 407 g ★★★★★ ★★☆☆☆ ★★☆☆☆
Crankbrothers Mallet E 165 € 427 g ★★★☆☆ ★★★★★ ★★★★★
HT T1 Enduro 135 € 370 g ★★★★☆ ★★☆☆☆ ★★☆☆☆
Mavic Crossmax XL 160 € 373 g ★★★★☆ ★★★★☆ ★★★★☆

Shimano XT PD-M8020 – 135 €

EMTB Pedal Group Test -63

Shimano hat das SPD-System erfunden – man kann also davon ausgehen, dass sie wissen, wie man eine gute Verbindung zwischen Fahrer und Rad herstellt. Die XT-Klickpedale gehören wahrscheinlich zu den bekanntesten auf dem Markt und standen schon immer für den „wahren“ Fahrer, der in gleichem Maße Wert auf Exklusivität und Verlässlichkeit legt und bei jedem Wetter mit seinem Bike unterwegs ist. Es ist schön zu sehen, dass Shimano inzwischen auch etwas Zeit für das Design aufbringt und sowohl die neuen Grafiken als auch die Designsprache überzeugen. Die Veränderungen an den neuen XT gehen allerdings noch etwas tiefer und so ist die Plattform 3,3 mm breiter und hat somit 11,7 % mehr Kontakt zu den Schuhen. Diese Veränderungen werden wohl kaum einen dramatischen Effekt auf die Performance auf dem Trail haben, aber da die Ausgangsversion schon gut war, können Verbesserungen nur noch besser sein.

Mit 407 g sind die Shimanos etwas schwerer als die (teureren) Mitbewerber, aber die XT-Linie ist schon immer die verlässlichste von Shimano und die geschmiedeten Aluminiumkörper sind unzerstörbar. Ein Einstieg ist zu beiden Seiten möglich, man hat 4° Float (mit den beiliegenden SH51-Cleats) und die Spannung ist mittels 3-mm-Inbus einstellbar. Uns hat nicht gefallen, dass man nirgendwo ablesen kann, wie die Auslösehärte gerade ist, sodass ein Einstellen der gleichen Härte auf beiden Seiten fast unmöglich ist. Die Pedale drehen sich auf gedichteten Kugellagern und die Plattformen sind offen gehalten, um Matsch möglichst wenig Angriffsfläche zu bieten, vermitteln aber auch geringen Grip, wenn man nicht eingeklickt ist.

Die Shimano XT quittieren das Einklicken mit dem metallischen Klacken eines Maschinengewehrs und ähneln in ihrer festen und direkten Verbindung sehr den HT. Wenn man am Limit fährt, bieten die Shimanos einen festeren Halt als die anderen Pedalen, sodass man hier ordentlich Gas geben kann – die Kehrseite ist, dass sie sich etwas steif anfühlen und nur wenig Fußrotation zulassen. Anfänger könnten diese sehr definitive Verbindung angenehm finden. Das Einklicken selbst empfanden wir als leicht, außer bei Matsch, denn der setzte sich schnell an den Cleats fest und machte die XT dann zu den am schwersten einzuklickenden Pedalen. Ein paar kurze Tritte gegen den Käfig lösen das Problem aber schnell. Die XTs sind perfekt für jeden, der eine direkte Verbindung zu seinem Bike braucht. Wer aber mehr Float möchte, sollte andere Pedale wählen. Dank ihrer Stabilität und Verlässlichkeit ziehen viele Fahrer die XT der teureren XTR-Variante vor. Wer einen kleineren Geldbeutel hat, findet in den M530 Deore eine schwerere Variante mit schlechteren Lagern bei gleicher Performance und günstigerem Preis.

Tops:

+ Sehr guter Halt
+ Sexy Look und sexy Preis

Flops:

Bei Matsch schwer einzuklicken
bedingter Halt, wenn ausgeklickt

Weitere Informationen findet ihr auf der Shimano-Website.

Crankbrothers Mallet E – 165 €

EMTB Pedal Group Test -27

Beim Kampf der Klickpedal-Giganten gab es schon immer zwei Favoriten: Shimano und Crankbrothers. Seit der Vorstellung des Eggbeater-Systems mit zwei Federbügeln von Crankbrothers sind diese die Wahl der Kenner, wenn es um matschige Bedingungen geht. Mit vier Eintrittspunkten bieten sie doppelt so viele wie die Konkurrenz und damit einen guten Weg, Matsch loszuwerden. Die Federspannung ist zwar fest eingestellt, die Cleats können aber getauscht werden, sodass man zwischen 15° und 20° Auslösewinkel wählen kann. Wenn es um Langlebigkeit geht, hatten die älteren Crankbrothers Probleme mit mangelhaften Lagern, aber gilt das immer noch? Das Team von Crankbrothers will zu dem Thema ein neues Kapitel beginnen und hat die Innereien der Mallets E komplett überarbeitet. Die Pedale drehen sich nun auf einer Igus LL-Gleitbuchse und äußeren Enduro-Kugellagern und verfügen außerdem über eine verbesserte Doppeldichtung, um den Dreck draußen zu halten. Da die Mallet E neu auf dem Markt sind (wir haben nur knapp 400 km mit ihnen geschafft), lässt sich zur Langlebigkeit noch nichts sagen.

Beim Fahren fühlen sich die Crankbrothers sehr speziell an. Im Vergleich zur festen Verbindung bei Shimano erlauben die Mallet E deutlich mehr seitliche Rotation der Ferse (Float). Das Einklicken fällt sehr leicht, was Anfängern und Fahrern, die in Kurven gerne mal den Fuß raushalten, entgegenkommt. Man kann auch bei untypischen Fußstellungen einklicken, was besonders dann praktisch ist, wenn man mal wieder unfreiwillig mitten im Steinfeld ausgeklickt hat. Fahrer, die sich auf ihren Pedalen bewegen wollen, werden diese Pedale lieben. Für Fans der straffen Verbindung sind sie hingegen nichts, bei uns kamen teilweise unfreiwillige Auslösungen vor. Die offene Bauweise lässt Dreck keine Chance, der große Käfig der Mallets bietet bei harter Action angenehm viel Halt. Die konkave Plattform mit gerillter Oberfläche und sechs Pins gibt Unterstützung, wenn man doch einmal ausgeklickt auf dem Pedal steht. Der Pedalkörper ist zudem leicht abgeschrägt, um Steinkontakte besser zu wegzustecken. Was uns besonders gefallen hat, waren die Traction-Pads in verschiedenen Höhen, mit denen man das Gefühl einstellen kann, das die Klickpedale unter den Sohlen vermitteln.

Die neuen Mallet E werden Crankbrothers-Fans gefallen, sie sind 12 % kleiner als das beliebte Vormodell und mit 427 g perfekt für harte Trail-Action. Für 165 € möchte man lange Zeit Spaß mit seinem Produkt haben und die Fünf-Jahres-Garantie scheint hier genau richtig. Es gibt sie in Schwarz und „Electric Blue“. Wir waren von den Mallet E beeindruckt und wenn sie sich als haltbar erweisen, werden sie zum Liebling der Fahrer werden, die etwas mehr Bewegungsspielraum mögen.

Tops:

+ viel Float für dynamische Fahrer
+ hervorragende Selbstreinigung

Flops:

Sehr teuer
Auslösehärte nicht einstellbar

Weitere Informationen findet ihr auf der CrankBrothers-Website.

HT T1 ENDURO Race – 135 €

EMTB Pedal Group Test -67

Wenn ein Pedal HT T1 ENDURO Race heißt, lässt sich dahinter leicht eine Marketingstrategie ablesen. Entdeckt man dann, dass diese Pedale Jerome Clementz zu einer Vielzahl von EWS-Siegen verholfen haben, verdienen sie Respekt. Die 370 g schwere Chromoly-Version, die wir getestet haben, sieht aus wie das uneheliche Kind von Shimano XT und Crankbrothers Mallet, da sie das Klick-System beider in sich vereint.

Vorne und hinten befindet sich auf dem Pedal je eine 3-mm-Schraube zur Einstellung der Auslösehärte und die beiden müssen aufeinander abgestimmt sein, um ein gleichmäßiges Auslösen zu gewährleisten. Uns hat gefallen, dass man die eingestellte Härte an einer kleinen Skala ablesen kann. Zwei unterschiedliche Cleats bieten entweder 4° (wie getestet, X1) oder 8° (X1F) Float. Man könnte die HT auch mit Shimano-Cleats fahren. Die Härteeinstellung hatte direkten Einfluss auf die nötige Auslösekraft und die Einstellung selbst war einfach zu bewerkstelligen. Der extrudierte Aluminiumkörper ist CNC-gefräst und schön offen, um Matsch schnell loszuwerden. Die Pedale drehten sich im Rahmen unseres Tests unauffällig auf Evo-Nadellagern und einer DU-Buchse.

Auf dem Trail vermitteln die HT ein sehr individuelles Gefühl, das Einklicken wird mit einem metallischen „Klack“ bestätigt und die Verbindung fühlt sich sehr sicher an. Die angegebenen 4° Float sind nicht so frei wie bei den Crankbrothers, man hat eher einen konstanten Widerstand beim Drehen des Fußes. Das Auslösen verlangt eine deutliche Drehung, ist aber intuitiv. Die HT sind perfekt für alle, die eine starke Verbindung zu ihrem Bike brauchen, um die Power direkt auf den Trail zu bringen. Sie sind perfekt für Rennen und auch größte Anstrengungen brachten kein unerwünschtes Auslösen. Auch wenn sich Matsch nicht im Pedal festsetzte, sammelte er sich doch am Cleat, was das Einklicken erschwerte, wenn es nass wurde. Die beiden Pins an der Front boten, wenn man nicht eingeklickt war, kaum zusätzlichen Grip und das Einklicken selbst erfordert mehr Präzision als bei anderen Pedalen. Die H1 sind am besten für Fortgeschrittene und Racer geeignet, die ihre Kraftübertragung und Effizienz optimieren wollen.

Tops:

+ starke Verbindung zum Pedal
+ perfekt für aggressive Fahrer

Flops:

Cleats setzen sich im Matsch schnell zu
guter Halt bedeutet hier weniger Float

Weitere Informationen findet ihr auf der HT-Website.

Mavic Crossmax XL – 160 €

EMTB Pedal Group Test -69

Die Franzosen wissen einiges über Enduro und als sich das Team von Mavic entschloss, gegen Mächte wie Crankbrothers und Shimano anzutreten, fand es einen potenten Verbündeten: TIME. Mavic nahm das ATAC-Pedal von TIME und baute darauf seine eigene Linie auf, vom 75 € günstigen Crossride XL bis zum dekadenten Crossmax XL Pro Ti mit Titanachse für 290 €. Die 160 € teuren Crossmax XL nutzen die einfachen Federbügel aus rostfreiem Stahl der ATAC, die Spannung ist nicht einstellbar, dafür kann man die Cleats tauschen und so zwischen 13° oder 17° Auslösewinkel mit jeweils 5° Float wählen.

Auf dem Trail waren wir von den Crossmax XL beeindruckt. Der carbonverstärkte Plastikkörper hat Finnen, die den Fuß in den Klickmechanismus führen sollen. Wir empfanden das Ein- und Ausklicken in jeder Situation als sehr intuitiv und einfach, auch Matsch änderte nichts daran. Beim dynamischen Fahren glänzten die Crossmax XL besonders, wenn die Grenze zwischen Ein- und Ausklicken sehr schmal war. Der gleichbleibende Gegendruck machte die Crossmax XL zu einem Testerliebling bei Sprüngen und schnellen Richtungswechseln, besonders weil blitzschnelle Rettungsmanöver à la „foot out flat out“ immer gelangen. Wenn man nicht eingeklickt ist, geben die Mavic zwar nicht so viel Halt wie die Crankbrothers. Es reicht aber, um die Kontrolle zu behalten.

Mit 373 g, Chromoly-Achse und abgedichteten Lagern gewinnen die Crossmax XL sicher keinen Gewichtswettbewerb, sind aber auch nicht zu schwer. Zugegebenermaßen waren wir etwas skeptisch, wie es um die Stabilität des carbonverstärkten Kunststoffkäfigs bestellt sein würde. Aber nach 3.000 km und einigen EWS-Rennen sehen sie zwar mitgenommen aus, sind aber, was entscheidend ist, immer noch an einem Stück und funktionieren perfekt. Obwohl sie öfter mit einem Hochdruckreiniger gesäubert wurden, drehen sich die Lager immer noch leichtgängig und entwickelten auch kein seitliches Spiel.

Die Mavic Crossmax XL wurden der Liebling unserer Tester, gerade durch den einfachen Einstieg und die gute Balance zwischen fester Verbindung und genug Flexibilität für dynamisches Fahren. Sie sind zwar teuer – aber nachdem sie ihre Haltbarkeit bereits unter Beweis gestellt haben, sind sie ganz klar unsere Testsieger.

Tops:

+ super für dynamisches Fahren
+ funktionieren unter allen Bedingungen

Flops:

der Kunststoffkäfig sieht schnell mitgenommen aus
teuer

Weitere Informationen erhaltet ihr auf der Mavic-Website.

Fazit Klickpedale

Wer auch ausgeklickt mehr Grip und generell etwas mehr Float haben will, wird bei den Crankbrothers Mallet E fündig. Das neue Modell bietet super Halt und ein gutes Gefühl, ein Langzeittest zum Thema Haltbarkeit steht aber noch aus. Die leichten >strong>HT T1 sind im Gegensatz dazu eher etwas für Fahrer, die auf eine direkte Verbindung stehen. Sie bieten einen sehr festen und sicheren Halt, allerdings auf Kosten des einfachen Einklickens. Die Shimano XT PD-M8020 wurden gut upgedated und werden sicher auch dank der etwas vergrößerten Plattformen ihre treue Fangemeinde behalten. Letztlich kann es nur einen Gewinner geben und das sind in diesem Fall die Mavic Crossmax XL. In Kooperation mit TIME hat das Team von Mavic ein Pedal entwickelt, in das einfach einzuklicken ist, das sich super anfühlt und bei allen Bedingungen hervorragend funktioniert – Testsieg!

Ihr seid euch nicht sicher, ob ihr Klickpedale oder doch lieber Plattformpedale fahren solltet? Ihr fragt euch, auf was es bei einem guten Pedal wirklich ankommt? Dann verpasst nicht den Hauptartikel Plattform- vs. Klickpedale: 12 Pedale im Vergleichstest und werft einen Blick in den Vergleichstest mit 8 Plattformpedalen.

Words & Photos: Trevor Worsey

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Text & Fotos: Trev Worsey

Über den Autor

Trev Worsey