
24,02 kg in Größe L | 9.999,00 € | Hersteller-Website
Velduro betritt als neuer Name den E-Mountainbike-Kosmos. Ein kleines, international aufgestelltes Team aus Neuseeland und China treibt die Marke voran. Aus Frust über hype-getriebene E-MTBs entwickelte das Team die Idee für seine eigenen Bikes. In Neuseeland entwerfen die Entwickler Design und Rahmen, unterstützt durch Input aus Australien, produziert wird in China.
Mit dem Rogue R positioniert Velduro sein erstes E-Mountainbike als Modell für das ultimative Enduro-Erlebnis, das die ruppigsten und steilsten Trails meistern soll, ohne dabei auf gute Klettereigenschaften zu verzichten. High-Pivot-Hinterbau, Vollcarbon-Rahmen, Avinox M1-Motor und ein fest integrierter 800-Wh-Akku bilden das technische Fundament für diesen Marketing-Claim.
Mit 24,02 kg Systemgewicht gehört das Rogue R nicht zu den leichtesten Avinox E-MTBs am Markt. Modelle wie das AMFLOW oder das UNNO Mith bringen spürbar weniger Gewicht auf die Waage, verzichten dafür aber auf einen High-Pivot-Hinterbau. Ob das rund 10.000 € teure Velduro Rogue R seine ultimative Ausrichtung rechtfertigt, haben wir auf unseren Hometrails in Stuttgart und auf den ruppigen Trails in Spanien getestet.
Das neue Velduro Rogue R im Detail
Optisch wirkt das Velduro Rogue R clean, schlicht und gut proportioniert. In der Mitte des Bikes bündelt sich viel Material, das sich zu Front und Heck hin klar verjüngt. Zwar fallen die Unterrohre bei Avinox E-MTBs meist schlanker aus, angesichts der Integration des 800-Wh-Akkus bleibt das Volumen hier aber im Rahmen. Das großzügige Rahmendreieck schafft zudem Platz für eine große Trinkflasche sowie Anschraubpunkte unter dem Oberrohr, etwa für einen Toolmount.
Züge und Leitungen führen seitlich am Steuersatz in den Rahmen – sehr service-freundlich! Zusätzliche Klemmen fehlen zwar, dennoch bleiben die Leitungen selbst auf ruppigen Trails angenehm leise. Weniger aufgeräumt wirkt lediglich der Bereich oberhalb des Motors, wo die Züge kurz sichtbar werden, bevor sie wieder in der Kettenstrebe verschwinden.
Zusätzlich trägt ein großzügiger Kettenstrebenschutz dazu bei, das Rogue R angenehm leise zu halten. On top gibts einen integrierten Bashguard für das Kettenblatt.
Herzstück des Bikes ist der viergelenkige Mid-High-Pivot-Hinterbau, dessen Kinematik auf dem patentierten i-Track-System basiert. Das Konzept kennt man von High-Pivot-Bikes von Norco. Es zielt auf hohe Laufruhe und viel Traktion bei hohen Geschwindigkeiten ab – bei gleichzeitig reduziertem Pedal-Kickback.
Die Kehrseite des High-Pivot-Konzepts liegt im konstruktiven Mehraufwand: Eine zusätzliche Umlenkrolle führt die Kette über einen längeren Weg, erhöht die Komplexität und macht die Wartung aufwändiger als bei klassischen Viergelenker-Hinterbauten.
Das Avinox M1-Motorsystem im neuen Velduro Rogue R
Im Tretlagerbereich des Velduro Rogue R arbeitet der Avinox M1, ein Full-Power-E-MTB-Antrieb mit beeindruckenden Leistungsdaten. Der Motor stellt bis zu 120 Nm Drehmoment bereit und erreicht eine Peak Power von 1.000 W. Damit zählt das System zu den leistungsstärksten Antrieben am Markt.
Zum Antriebssystem gehören zwei kabellose Remotes, ein fest im Oberrohr integriertes 2″ OLED-Touch-Display sowie eine App mit umfangreichen Einstelloptionen. Unterstützungsstufen, maximales Drehmoment und weitere Parameter lassen sich individuell anpassen. Geliefert wird das System nur mit einem 4A-Ladegerät und verzichtet somit auf die Schnellladefunktion. Den Ladeport auf der Oberseite des Unterrohrs schützt eine eher fummelige Gummiabdeckung. Sie erfüllt ihren Zweck, bleibt optisch und haptisch jedoch hinter dem Performance-Anspruch zurück.

Welche Rolle der Avinox M1 aktuell im Markt spielt und wie er sich im direkten Vergleich mit etablierten Systemen schlägt, haben wir im großen E-MTB-Motoren-Vergleichstest analysiert.
Die Ausstattung unseres neuen Velduro Rogue R
Beim Rogue R setzt Velduro auf eine konsequent gravity-orientierte Ausstattung ohne Experimente. Geschaltet wird mit einem SRAM GX Eagle Transmission AXS-Schaltwerk, das direkt am Rahmen montiert ist und auch bei hoher Belastung zuverlässig schaltet. Die Schaltung ist nicht kabelgebunden, sondern wird über den kleinen aufladbaren AXS-Akku mit Strom versorgt. Aufgrund der damit fehlenden Datenverbindung zum Motor-System bleiben Avinox-Features wie SmoothShift außen vor – funktional arbeitet die Transmission jedoch ohne Einschränkungen.
Für die Verzögerung vertraut das Rogue R auf SRAM MAVEN-Bremsen in Kombination mit HS2-Bremsscheiben in 220 mm vorne und 200 mm hinten. Die MAVEN liefert ihre Bremskraft wie ein Anker im Steilhang: konstant, standfest und auch dann noch kontrollierbar, wenn die Abfahrt länger wird als geplant.


Auch beim Fahrwerk greift Velduro nicht halbherzig ins Regal. An der Front arbeitet eine FOX 38 Factory-Federgabel mit GRIP-X2-Kartusche, die mit umfangreichen Einstellmöglichkeiten ausgestattet ist. Am Heck kommt ein FOX FLOAT X2 Factory-Dämpfer zum Einsatz, der mit Einstelloptionen für High- und Lowspeed-Druck- und Zugstufe ebenfalls eine sehr feine Abstimmung erlaubt. Der hohe Setup-Spielraum richtet sich an Fahrer, die bereit sind, Zeit in das Fahrwerk zu investieren, um das Potenzial des Bikes voll auszuschöpfen.


Am Velduro Rogue R kommen in der von uns getesteten Variante Velduro e-Enduro Carbon-Laufräder im Mullet-Setup zum Einsatz, auf die wir Michelin E-MTB-Reifen aufgezogen haben. Ab Werk ist das Bike mit einer MAXXIS-Bereifung ausgestattet: Vorne rollt ein MAXXIS ASSEGAI in 29 × 2.5″ mit MaxxGrip-Gummimischung und robuster Doubledown-Karkasse, hinten ein MAXXIS Minion DHR II in 27.5 × 2.4″ mit MaxxTerra und ebenfalls Doubledown-Aufbau. Die Kombination passt zum Bike und bietet guten Durchschlagschutz und setzt am Hinterrad dank der härteren Gummimischung dennoch auf Haltbarkeit.
Rund macht die Ausstattung OneUp mit einem 42-mm-Vorbau, einem 800er Alu-Lenker und der OneUp V3 Dropper mit 210 mm Hub bei Rahmengröße L.
Velduro Rogue R
9.999 €
Ausstattung
Motor Avinox M1 105 Nm
Akku Avinox 800 Wh
Display Avinox 2" OLED
Federgabel FOX 38 Factory GRIP X2 170 mm
Dämpfer FOX FLOAT X2 Factory 165 mm
Sattelstütze OneUp V3 210 mm
Bremsen SRAM MAVEN Silver 220/200 mm
Schaltung SRAM GX Eagle AXS Transmission 1x12
Vorbau OneUp Stem 42 mm
Lenker OneUp Aluminium Bar 800 mm
Laufradsatz Velduro e-Enduro carbon 29"/27,5"
Reifen MAXXIS ASSEGAI, MaxxGrip, DoubleDown/ Minion DHR II, MaxxTerra, DoubleDown 2,5"/2,4"
Technische Daten
Größe S M L XL
Gewicht 24,02 kg
Zul. Gesamtgewicht 144 kg
Anhänger-Freigabe nein
Ständeraufnahme nein
Besonderheiten
Flip Chips
Konnektivität
Weitere Ausstattungsvarianten des neuen Velduro Rogue R
Neben dem von uns getesteten Topmodell bietet Velduro das Bike auch als Rogue X sowie als Frameset an. Die Rogue-X-Variante rollt für 6.999 € über die Ladentheke und setzt auf denselben Rahmen sowie das identische Avinox M1-Motorsystem wie das Rogue R.
Beim Fahrwerk geht Velduro einen pragmatischeren Weg. An der Front arbeitet eine FOX 38 Performance Elite-Federgabel mit GRIP X2-Kartusche, am Heck ein FOX FLOAT Performance-Dämpfer. Dieser bietet zwar weniger Einstelloptionen, lässt sich dafür aber umso einfacher abstimmen und richtet sich an Fahrer, die ein unkompliziertes Setup bevorzugen. Auch bei Bremse und Schaltung bleibt Velduro einfach: Die MAGURA MT5 liefert etwas zu wenig Power, was unser Schwestermagazin in einem Bremsen-Vergleichstests für euch getestet hat, während eine mechanische SRAM Eagle 70 Transmission-Schaltung präzise und zuverlässig die Gangwechsel übernimmt.
Das Velduro Rogue wird laut Hersteller ab April in Europa verfügbar sein und die Preise, die wir hier angegeben haben, gelten für den deutschen Markt.
Die Geometrie des neuen Velduro Rogue R
Das Velduro Rogue R ist in vier Rahmengrößen von S bis XL erhältlich und deckt laut Hersteller Körpergrößen von 1,60 bis 1,95 m ab. Die Reach-Werte fallen in allen Größen recht lang aus und reichen von 440 mm in Größe S bis 515 mm in XL. Kombiniert wird das mit einem sehr flachen 63,5°-Lenkwinkel.
Der Sitzwinkel liegt bei 78° und soll trotz der klaren Abfahrts-DNA eine ausgewogene Sitzposition bergauf ermöglichen. Die Stack-Höhe bewegt sich mit 634 (S) bis 648 mm (XL) im Mittelfeld und fällt weder extrem niedrig noch übermäßig hoch aus.
Auffällig ist die über alle Größen konstant gehaltene Kettenstrebenlänge von 440 mm.
Velduro verzichtet bewusst auf ein größenabhängiges Hinterbau-Längenkonzept und setzt stattdessen auf einen einheitlichen Wert.
Das Velduro Rogue R verfügt über einen Flip-Chip im Rocker Link. Dieser Flip-Chip ermöglicht den Wechsel zwischen Mullet-Setup und „Full-29“-Konfiguration – und das in allen Rahmengrößen.
Ein zweiter Flip-Chip an der unteren Dämpferaufnahme arbeitet unabhängig davon und beeinflusst die Progression des Hinterbaus. Damit lässt sich das Fahrwerk gezielt an Einsatzbereich und persönliche Vorlieben anpassen.
| Grösse | S | M | L | XL |
|---|---|---|---|---|
| Sattelrohr | 390 mm | 410 mm | 430 mm | 465 mm |
| Oberrohr | 582 mm | 604 mm | 623 mm | 647 mm |
| Steuerrohr | 110 mm | 110 mm | 120 mm | 125 mm |
| Lenkwinkel | 63,5° | 63,5° | 63,5° | 63,5° |
| Sitzwinkel | 78° | 78° | 78° | 78° |
| Kettenstreben | 440 mm | 440 mm | 440 mm | 440 mm |
| BB Drop | 10 mm | 10 mm | 10 mm | 10 mm |
| Radstand | 1229 mm | 1255 mm | 1276 mm | 1311 mm |
| Reach | 440 mm | 466 mm | 485 mm | 515 mm |
| Stack | 634 mm | 634 mm | 643 mm | 648 mm |
With the Rebel Yell – Das neue Velduro Rogue R auf dem Trail
Ob in Spanien oder rund um Stuttgart, wir haben das Velduro Rouge R gnadenlos rangenommen. Wir haben das Bike dabei mit dem Progression-Flip-Chip im progressiven Setting und dem Geo-Flip-Chip im 27,5-Zoll-Setup über unsere Test-Trails gejagt.
Setzt man sich auf den Rebell, verteilt das Bike das Gewicht ausgewogen zwischen Händen und Gesäß. Trotz seines Baller-Bike-Images vermittelt das Velduro überraschend viel Komfort. So lassen sich auch längere Etappen entspannt im Sattel abspulen.
Wechselt der Untergrund vom Transfer in den Trail und aktiviert man den Avinox Turbo-Modus, marschiert das Aggregat kompromisslos nach vorne. Bergauf drückt der Motor mit fein dosierbarer Power an und schiebt einen selbst bei niedrigen Trittfrequenzen effizient den Trail hinauf. Die Leistungsentfaltung erfolgt dabei bereitwillig, und der Motor gibt bei mehr Druck auf dem Pedal schnell seine Power frei. Dennoch reagiert der Motor nie ungestüm, sondern liefert exakt dann Leistung, wenn man sie abruft.
Dadurch entschärft das Velduro selbst anspruchsvolle Uphills und öffnet sie auch weniger erfahrenen Ridern. Allerdings fordert die Front bergauf Aufmerksamkeit: In unseren Tests stieg das Vorderrad regelmäßig, während sich der Hinterbau mit starker Traktion am Boden festkrallte.
Sein volles Potenzial schöpft das Bike erst aus, sobald der Gipfel hinter einem liegt und der Trail nach unten zeigt. Hält man im Steinfeld oder auf Wurzelteppichen kompromisslos drauf, bügelt das Velduro gnadenlos drüber. Der Hinterbau klebt am Boden, das Bike zieht stabil seine Spur, und der Kopf bleibt frei für die Linienwahl. Das satte Fahrgefühl zaubert sofort ein Grinsen ins Gesicht.
Lediglich bei sehr steilen und ruppigen Abfahrten wünscht man sich eine etwas höhere Front. Mehr Stack würde es erlauben, aggressiver Druck auf das Vorderrad zu geben, ohne den Oberkörper zu weit über den Lenker zu bringen. Negativ fiel die Geräuschkulisse auf, die sich vor allem im Motorbereich bemerkbar gemacht hat. Bei vielen kleinen aufeinanderfolgenden Schlägen klappert der Avinox M1-Motor deutlich hörbar. Ärgerlich, zumal der Rest des Bikes auf dem Trail unauffällig leise ist.
Trifft man die Linie sauber und hält das Tempo hoch, zeigt sich ein weiterer kleiner Wermutstropfen: Das Handling ist spürbar träge und erschwert schnelle Richtungswechsel und abrupte Manöver ein wenig. Mitverantwortlich dürfte das für ein E-MTB mit leichtem Avinox M1-Motor dennoch stattliche Gesamtgewicht von 24 kg sein. Das mag einige Rider zunächst irritieren, verzeiht im Gegenzug Fahrfehler in hektischen Situationen. Ein Kurvenräuber ist das Velduro aber nicht.
Aufgefallen ist uns, dass das Velduro bei sehr matschigen Bedingungen deutlich mit Schmutz im Bereich von Hinterbau und Umlenkrolle zu kämpfen hat. Hier sammelt sich schnell zu viel Dreck. Wir würden uns deshalb einen kleinen Fender wünschen, wie ihn zum Beispiel MERIDA verbaut, damit nicht der komplette Schmodder den Hinterbau zusetzt. Klar lässt sich das Problem entschärfen, wenn man einfach schnell genug fährt.
Bei Sprüngen oder verpatzten Landungen überzeugt das Fahrwerk mit satten Reserven und ausreichend Gegenhalt, selbst wenn man sich beim Absprung einmal verschätzt.
Für wen ist das neue Velduro Rogue R?
Das Velduro Rogue R ist eine echte Ballerbude, die den Fokus klar auf den Downhill legt. Wer gerne Druck macht, schnell fährt und auch im Groben nicht vom Gas geht, fühlt sich hier zu Hause. Verspielt im klassischen Sinne ist das Bike nicht: Das Handling bleibt eher träge als agil. Ganz emotionslos fährt es aber nicht. Wer die hohe Laufruhe des Rogue R nutzt, beendet seinen Ride mit einem Lächeln im Gesicht.
Fazit zum Velduro Rogue R
Mit dem Rogue R liefert Velduro einen erwachsenen Erstling ab, zumindest im Downhill. Das High-Pivot-Fahrwerk sorgt für ein extrem sattes Fahrgefühl, frisst sich durch Steinfelder und Wurzelteppiche. Unterstützt wird das Ganze vom Avinox M1, der bergauf mit enormer Power und gleichzeitig fein dosierbarer Unterstützung überzeugt. Doch die kompromisslose DNA hat ihren Preis: Das hohe Gewicht und das träge Handling lassen etwas Agilität vermissen, während Details wie Motor-Klappern und ein im Matsch schnell zusetzender Hinterbau zeigen, dass noch Luft nach oben bleibt. Wer ein kompromissloses Ballergerät für harte Abfahrten sucht, findet im Rogue R einen starken Erstling, auch wenn Velduro bei den Details noch nachlegen muss, um ganz vorne mitzuspielen.
Tops
- High-Pivot-Fahrwerk mit hoher Laufruhe bergab
- robuste Ausstattung
- schlichtes Design
Flops
- träges Handling
- Ladeport-Abdeckung und Kabelführung im Motorbereich unsauber gelöst
- Motor-Klappern im ruppigen Gelände
Mehr Infos unter velduro.com
Words: Robin Ulbrich Photos: Lars Engmann



