Dieser Artikel gehört zu unserem großen Motoren-Vergleichstest 2026. Klickt hier, um alle elf getesteten Systeme, die neuesten Trends und umfangreiche Ergebnisse aus dem Labor und der Praxis zu lesen.

Mit dem Vorgänger HPR50 hat das bayerische Technologieunternehmen vor ein paar Jahren einen Volltreffer im Light-MTB-Segment gelandet: superkompakte Bauform, extrem leise und auch auf dem Trail auffällig unauffällig. Die geringe Leistung und das Drehmoment brachten einen zwar auf steilen Anstiegen ordentlich ins Schwitzen, passten aber ins Grundkonzept eines Minimal-Assist-Motors. Doch bei der Effizienz zeigte der HPR50 Schwächen. Seine kompakte Bauweise rächte sich mit einer großen Wärmeentwicklung, was die Effizienz bei hoher Dauerlast messbar reduzierte. Vor allem mit kleinem 360-Wh-Akku war die Reichhöhe damit unnötigerweise begrenzt.
Der neue HPR60 verspricht gerade in diesem Aspekt einiges an Verbesserung – und mehr Power. Der Trend nach gesteigerter Motorleistung hat auch bei TQ nicht halt gemacht: Mit dem HPR60-Motor legen die Bayern in Sachen Leistung und Drehmoment nach – ob das den natürlichen Charakter zerstört? Wir verraten euch außerdem, ob TQ die Schwächen des Vorgängers ausmerzen konnte und wie er sich gegen seine Konkurrenz aus dem Light-Assist/Minimal-Segment schlägt.
Der TQ HPR60 im Detail – Evolution mit kühlem Kopf
Auf den ersten Blick könnte man den neuen HPR60 fast mit seinem Vorgänger HPR50 verwechseln. Kein Wunder: Die charakteristische runde Bauform mit dem patentierten, namensgebenden Harmonic-Pin-Ring-Getriebe bleibt erhalten. Wie gewohnt sitzen Motor und Getriebe kompakt um die Kurbelachse – ein Ansatz, der sich von Konkurrenten wie FAZUA oder maxon unterscheidet, die beide Komponenten hintereinander anordnen und damit eine längere Bauform in Kauf nehmen.
Diese Kompaktheit verschafft Rahmenherstellern sichtbare Freiheiten im Design und ermöglicht es, den Akku für einen tieferen Schwerpunkt weiter unten im Rahmen zu platzieren. Ganz identisch ist die neue Version aber nicht: Der HPR60 benötigt etwas mehr Bauraum als sein Vorgänger – verantwortlich dafür sind die neuen Kühlrippen an der Unterseite, die die thermische Stabilität verbessern und die Effizienz unter Dauerlast steigern sollen. Das Gewicht ist hingegen kaum gestiegen – gemessene 1,94 kg machen den HPR60 zum leichtesten Motor im Testfeld und nur ca. 70 g schwerer als den Vorgänger.
Trotzdem hat TQ es geschafft, dem neuen HPR60 eine Leistungsspitze zu verpassen. Mit 350 Watt bietet der HPR60 gegenüber dem HPR50 17 % mehr Maximalleistung und zieht damit mit dem FAZUA Ride 60 gleich, welcher im Overboost-Modus allerdings bis zu 450 Watt leisten kann. Mit 60 Nm hat der HPR60 allerdings auch beim Drehmoment nochmal 20 % zugelegt, wodurch er auch hier mit dem Konkurrenten aus Ottobrunn gleichzieht. Der maßgeblich zum natürlichen Fahrgefühl beitragende Unterstützungsfaktor ist mit maximal 200 % unverändert zum Vorgänger HPR50 geblieben.
Neuigkeiten gibt es auch bei den Akkuoptionen: Ein neuer 290-Wh-Akku stellt zu den bereits bekannten 360- und 580-Wh-Optionen nun eine dritte Option für leichte Aufbauten dar. Der 960 g schwere 160-Wh-Range-Extender bleibt unverändert im Programm und ist mit allen drei Hauptakkus kompatibel.
Der HPR60 befindet sich für unseren Praxistest im 12.500 € teuren Yeti MTE T3, das mit der 580-Wh-Akkuvariante ausgestattet ist.
Auch am User-Interface hat TQ gearbeitet: Das neue 2” große Display ist wie gehabt bündig im Oberrohr integriert, leuchtet nun aber farbig und bietet endlich eine intuitive Fahrmodus-Anzeige. Bei der Bedienung zeigt sich das neue Display gewohnt reduziert: Ein einziger Button sorgt für ein aufgeräumtes Erscheinungsbild und übernimmt mehrere Funktionen gleichzeitig. Langes Drücken schaltet das System an und aus, einmaliges Drücken schaltet die verschiedenen Anzeigeseiten durch und ein Doppelklick wechselt zwischen den Fahrmodi.
Drei unterschiedliche Menüseiten lassen sich per App individuell nach Belieben konfigurieren. Das Display punktet mit einer angemessenen Größe, guter Auflösung und einer übersichtlichen Darstellung.
Als Haupt-Bedieneinheit setzt TQ auf eine schlanke, gummierte Lenker-Remote, die zwar guten Grip, aber keine sonderlich ergonomische Formgebung bietet. Auch die Beschriftungssymbole könnten noch etwas klarer und intuitiver ausfallen. Optisch passt die Remote jedoch gut ins reduzierte Gesamtbild.
Die übersichtlich strukturierte TQ-App gehört zu den besten im Test. Neben der schnellen und unkomplizierten Kopplung gefällt uns die Möglichkeit, diverse technische Insights abzurufen: So ist es möglich, die Anzahl der Ladezyklen, die Selbstentladungsrate oder die Zeit in extremen Temperaturen abzurufen. Solche Faktoren sind gerade beim Gebrauchtkauf superhilfreich.
Gut gefallen uns außerdem die Optionen zur Nachhaltigkeit des Akkusystems. Die App ermöglicht die Aktivierung einer schonenden Ladung und den sogenannten Lagerungsmodus – beide Einstellungen sind getrennt voneinander wählbar und ein sinnvolles Feature für eine langfristige Nutzung – ein Ansatz, den wir uns bei allen Motorsystemen wünschen.
Auch die Möglichkeit, alle drei Modi (Eco, Mid & High) individuell einzustellen, überzeugt in der TQ-App. Maximale Leistung, Unterstützungsfaktor, die Reaktionsfreudigkeit sowie die Maximalgeschwindigkeit lassen sich hier sehr präzise über Schieberegler justieren. Nur eine Sache vermissen wir derzeit: Eine Funktion zur Aufzeichnung der Fahrdaten. An den Funktionsumfang der Specialized- oder Avinox Ride-App kommt die TQ-App nicht heran.
Für die Ladung der Akkus stellt TQ einen 4A-Charger bereit. Das System unseres Yeti-Testbikes kam mit 580-Wh-Batterie, die mit knapp 200 Watt durchschnittlicher Ladeleistung in 205 Minuten von 0 auf 100 % geladen wurde. Ein starker Wert, denn damit lädt das TQ-System schneller als die meisten anderen Systeme.
| Parameter | Unsere Messung | Herstellerangabe |
|---|---|---|
| Gewicht des Motors (kg) | 1,943 kg | 1,924 kg |
| (nominelle) Akkukapazität (Wh) | 561,5 Wh | 580 Wh |
| Ladezeit von 0 auf 100 % SOC | 3 h 25 min | – |
| Unterstützungsverhältnis (%) | – | 200 % |
| Maximalleistung (W) | – | 350 W |
| Maximales Drehmoment (Nm) | – | 60 Nm |
| Reichweite* | 25,9 km | – |
| Reichhöhe* | 2.189 hm | – |
*Die Werte wurden auf einer identischen Strecke mit durchschnittlich 8,5 % Steigung ermittelt – bei maximaler Unterstützungsstufe, einer konstanten Fahrerleistung von 150 W, einem Fahrergewicht von 72 kg sowie mit standardisierten Reifen: vorne MAXXIS HighRoller (DD, MaxxGrip) und hinten MAXXIS Minion DHR II (DD, MaxxTerra)
Der TQ HPR60 im Test – It’s you, only slightly faster
Der TQ HPR60-Motor auf dem Trail
Entspannt am Anstieg zurücklehnen und den Motor die Arbeit machen lassen, ist nicht drin, denn trotz einem Plus an Leistung und Drehmoment seid ihr mit dem HPR60-Motor am Anstieg wegen des niedrigen Unterstützungsfaktors nach wie vor sportlich gefordert. Gerade in steilen oder technischen Climbs verlangt er nach viel eigener Anstrengung. Wer bereit ist, in die eigenen Körner zu investieren, wird jedoch belohnt: Der Motor spricht schnell an, bietet stets hohe Traktion und schiebt immer vorhersehbar bei gleichzeitig flüsterleise Geräuschkulisse. Einen klaren Nachlauf gibt es weiterhin nicht – was einerseits das Überrollen von Hindernissen und das Meistern technischer Kletterpassagen anstrengender macht. Andererseits bleibt TQ damit seiner Philosophie treu: Das Fahrerlebnis wirkt besonders natürlich, ohne unnatürliche Leistungsschübe.
Der HPR60 ist kein Motor, der euch „hochzieht“, sondern einer, der eure eigene Leistung spürbar verstärkt – was für sportliche Fahrer am Berg durchaus seinen Reiz hat. Die berechenbare Leistungsentfaltung und das insbesondere im direkten Vergleich zum Bosch SX gutmütige Anfahrverhalten sorgen dafür, dass der HPR60 bei sportlichen Fahrern trotz der niedrigen Leistung subjektiv die besten Klettereigenschaften in der Light-Assist-Klasse erzielt – ein Paradebeispiel dafür, dass die reinen Eckdaten nicht immer alles sind.
Wer Geduld hat, wird belohnt: Beim Reichhöhentest kann der TQ glänzen. Er bewegt euch zwar langsam den Berg hinauf, doch dafür sehr weit! Mit 1.911 Höhenmetern schafft er eine der größten Reichhöhen im Praxistest – die niedrige Motorleistung in Kombination mit einem verhältnismäßig großen Akku trägt hierzu bei. Doch auch die gesteigerte Motoreffizienz macht sich bezahlt. So berechenbar der Motor auf dem Trail war, so unberechenbar war die fehlerfreie Funktion der bisherigen Drive Units in unserer Testbikes: Leider haben wir teils spürbare Motorunwuchten und fehlerhafte Fahrerleistungsanzeigen erlebt, die in geringer Unterstützungsleistung resultieren. Das trübte leicht den ansonsten sehr positiven Fahreindruck. Das soll sich aber nun in der Serie deutlich verbessert haben.
Der TQ HPR60 auf dem Prüfstand
Der TQ konnte auf dem Prüfstand nicht vermessen werden, da sein Drehmomentsensor bei den Prüfbedingungen nicht angesprochen hat und der Motor somit nicht anlief. Wir klären mit dem Hersteller, wie wir solche Messungen künftig trotzdem durchführen können.
In der Geräuschanalyse hatten wir Mühe, das Motorengeräusch vom Hintergrund zu unterscheiden. Einzig der sehr leise tonale Anteil machte ihn hörbar.
Tuning-Tipp für den Hersteller: Ride-Aufzeichnungsfunktion in der App ermöglichen.
Für wen ist der TQ HPR60, für wen nicht?
Trotz Mehrleistung bleibt der TQ HPR60 ein Motorsystem für alle, die keine körperliche Anstrengung scheuen und gleichzeitig großen Wert auf Integration und ein besonders natürliches MTB-Feeling legen. Wer Power in den Beinen hat, schafft trotz kleinem Unterstützungsfaktor schwierige technische Passagen.
Mit der großen Akkuoption eignet sich der HPR60 zudem sehr gut für ausgedehnte Touren mit viel Beineinsatz. Die kleineren Akkuoptionen ermöglichen darüber hinaus sehr leichte Gesamtbikes mit agilem Handling. Wer ein kräftiges, stark unterstützendes Motorsystem mit Shuttle-Feeling sucht, ist beim TQ HPR60 aber an der falschen Stelle.
Fazit zum TQ HPR60
Mehr Power und eine bessere Effizienz, aber ohne den ausbalancierten Charakter mit hoher Natürlichkeit zu verlieren – mit dem HPR60 bleibt TQ seiner Linie treu. Und das ist auch gut so! Der Motor liefert das natürlichste Antriebserlebnis im Test, das passenderweise mit exzellenter Integration und flüsterleisem Auftritt kombiniert wird. Wer stets bereit ist, selbst kräftig mitzutreten, erhält eine sensible und vor allem berechenbare Unterstützung. Nur die bei uns teils aufgetretenen Probleme trüben das ansonsten sehr starke Gesamtbild eines für uns besten Light-Assist-Motoren am Markt.
Tops
- sehr leicht und kompakt
- gesteigerte Effizienz und gute Ladegeschwindigkeit
- leise im Betrieb
- starke App mit sinnvollen Akku-Features
Flops
- anfänglich auftretende Probleme
Alle weiteren Informationen findet ihr auf der Website von TQ.
Das Testfeld
Einen Überblick über diesen Vergleichstest erhaltet ihr hier: Was ist der beste E-Bike-Motor 2026? E-Bike-Motoren-Test mit 11 Modellen im Vergleich
Alle Motoren im Test:
Avinox M1, Bosch Performance Line CX Gen5, Bosch Performance Line CX-R, Bosch Performance Line SX, FAZUA Ride 60, Mahle M40, maxon Air S, Pinion MGU E1.12, Shimano EP801, S-Works 3.1, TQ HPR60
Words: Lars Engmann Photos: Peter Walker



