Wir haben das heiß ersehnte Bosch Nyon-Display 2021 mit eigenständiger Navigationsfunktion und Touchdisplay bereits exklusiv testen können. Was sich zum Vorgänger verändert hat, was es kann und ob sich eine Umrüstung auf das neue Modell lohnt, verraten wir euch in unserem ersten Test.

Bevor wir in den Testbericht einsteigen, möchten wir dich noch kurz auf unsere frisch erschienene Jahresausgabe hinweisen. Die E-MOUNTAINBIKE Print-Edition 2020 ist die ultimative Testbibel, mit der wir dir helfen das perfekte E-Mountainbike zu finden. Auf 250 Seiten im hochwertigen Print-Format findest du eine umfassende Kaufberatung und Tests von 35 Bikes sowie der 7 wichtigsten Motoren. Außerdem gibt es jede Menge Know-how, Tipps und die aufregendsten E-MTB-Trends. Hier klicken für mehr Infos oder direkt in unserem Shop bestellen!

Im Zuge der Präsentation des Bosch eBike Systems im Juni 2020, bei dem das Software-Update für den Bosch Performance CX-Motor vorgestellt wurde, haben die Schwaben auch das neue Bosch Nyon 2021 präsentiert, fahrbare Test-Samples gab es damals jedoch leider noch nicht. Als erstes Magazin hatten wir nun die exklusive Möglichkeit, das neue Bosch Nyon-Display auf einem Canyon Pathlite:ON zu testen. Entsprechend haben wir die letzten Tage und Wochen damit verbracht, zahlreiche Routen zwischen Leonberg, Zürich und Usbekistan zu planen und natürlich auch zu fahren – mit teils skurrilen, teils verblüffenden Ergebnissen. Dazu später mehr.

Was ist neu am Bosch Nyon 2021 Display?

Das Bosch Nyon-Display ist nicht nur ein Display, sondern ein selbstständiger Bordcomputer mit 3,2 Zoll großem Touchdisplay. Im Vergleich zum alten Modell hat sich das neue Nyon-Display vom Querformat ins Hochformat gedreht, ist aber mit 384 x 454 Pixeln etwas quadratischer als das Kiox-Display. Zudem hat das Bosch Nyon 2021 von den Bosch-Ingenieuren ein Touchdisplay spendiert bekommen und die Navigationsfunktion wurde aufgestockt.

Das neue Bosch Nyon-Display (Mitte) zwischen altem Nyon (links) und Kiox (rechts)

Halterung und Befestigung des Bosch Nyon 2021

Die Lenkerhalterung ist so aufgebaut, dass sie an den meisten Lenkern über dem Vorbau Platz finden wird. Die zweiteilige Befestigungsart kennt man bereits vom alten Nyon, dem Bosch SmartphoneHub und dem Bosch Intuvia-Display, die Halterungen sind jedoch nicht miteinander kompatibel. Im Falle des Bosch Nyon 2021 fällt die Halterung recht klobig aus und steht etwas über dem Vorbau ab. An unserem Canyon Pathlite:ON war das Nyon-Display hinter dem Lenker versetzt aufgebaut. Die aus einer Halteplatte und zwei Schellen bestehende Halterung kann um 180° gedreht werden, um das Bosch Nyon-Display weiter vor den Lenker zu montieren. Für Tourenfahrer wäre diese Position wegen ihrer leichteren Ablesbarkeit von Vorteil. E-MTB-Fahrer, die ihr Display möglichst wenig exponieren wollen, um Beschädigungen bei Stürzen zu vermeiden, werden die nach hinten gedrehte Variante bevorzugen.

Das Display in der vorderen Position …
… und in der nach hinten versetzten Position

Bosch bietet eine weitere Halterung an, bei der das Display vertikal über dem Lenker sitzt und die Position nicht mehr getauscht werden kann. Das Display selbst wird von zwei Haken gehalten, die von einer Feder gespannt werden. Im Vergleich zum Kiox, das nur durch Magneten gehalten wird (und optional mit einer Schraube fixiert werden kann), sitzt das neue Nyon-Display fest auf seiner Montageplatte. Im Falle eines Sturzes kann es deshalb gut vorkommen, dass die Montageplatte Schaden nimmt.

Zwischen dem Vorbau und dem Nyon-Display klafft im Falle des Canyon Pathlite:ON mit integrierter Vorbau-Lenkereinheit eine ordentliche Lücke. Bei Cockpits sollen so die Schrauben zur Verstellung des Lenkers zugänglich bleiben.
Das Nyon-Display wird auch mit einer nicht verstellbaren Halterung auf dem Markt kommen

Über einen Knopf unter dem Display betätigt man den Entriegelungsmechanismus. Beim ersten Mal mag das etwas fummelig erscheinen, aber mit nur wenig Übung kann das Display genauso leicht entnommen werden, wie es eingesetzt wird. Das Gehäuse besitzt im Vergleich zum alten Nyon nur noch zwei Knöpfe: einen für die Fahrradbeleuchtung und eine Ein-/Aus-Taste. Durch kurzes Drücken auf die Ein-/Aus-Taste lässt sich das Nyon-Display jetzt in einen Standby-Modus versetzen, aus dem es in Sekundenschnelle bei erneutem Betätigen der Taste wieder erwacht. Betätigt man die Taste länger, fährt das Nyon-Display komplett herunter. Alle weiteren Funktionen werden entweder über die Fernbedienung am Lenker, das Touchdisplay oder per Smartphone gesteuert. Zwischen den zwei Tasten am Bordcomputer befindet sich eine USB-Buchse. Sie dient zum Laden des Displays. Andere Geräte können nicht mehr über das Nyon-Display während der Fahrt mit Strom versorgt werden. Das Nyon-Display verfügt über einen eigenen 1.000 mAh Lithium-Ionen-Akku und kann auch für wenige Stunden als Fußgänger-Navigationsgerät genutzt werden. Zur neuen Navigationsfunktion erfahrt ihr weiter unten mehr. Zurück in der Halterung wird das Nyon-Display bei eingeschaltetem E-Bike über den Hauptakku wieder aufgeladen.

Das Nyon-Display kann auch für wenige Stunden vom E-Bike losgelöst als Navi verwendet werden

Solltet ihr im Besitz eines Bosch E-Bikes sein, haben wir gute Neuigkeiten für euch: Unabhängig von eurem bisherigen Bordcomputer soll sich das neue Nyon-System auf allen aktuelleren Bosch E-Bikes nachrüsten lassen. Das gesamte Nachrüstkit soll für 349 € über die Ladentheke gehen.

Die Steuerung des neuen Bosch Nyon 2021

Die Lenker-Remote ist uns bereits vom Kiox-Display bekannt. Über die Remote werden mit der Plus- und Minus-Taste die Unterstützungsstufen des Motors wie gewohnt gewählt. Mit den Pfeiltasten wird zwischen den Screens nach links und rechts gewechselt. Der Wechsel zwischen den Screens funktioniert auch per Touch-Funktion auf dem Display. Die Motorunterstützungsstufen hingegen lassen sich nicht auf dem Display wechseln, die Funktion bleibt weiterhin der Remote vorbehalten.

Die Remote ist uns bereits vom Kiox bekannt
Mit der Remote kann man zwischen den einzelnen Screens durchwechseln. Alternativ kann man den Touchscreen benutzen und mit dem Finger nach links oder rechts swipen.

Will man mit der Remote am Lenker mehr Einfluss auf das Nyon-Display nehmen, kann man über die Auswahltaste unter den Pfeiltasten das Schnellmenü aufrufen. Das Schnellmenü umfasst mehrere vereinfachte Einstellungen, die sich ohne Touch-Funktion steuern lassen, dazu gehören:

  • die aktuellen Fahrdaten zurücksetzten
  • bekannte Ziele für eine schnelle Navigation auswählen
  • Zoomen des Kartenausschnitts
  • die Display-Helligkeit einstellen
  • Auswahl des Farbschemas
  • Rückkehr aus dem Schnellmenü

Während man sich im Schnellmenü befindet, steuern die Plus- und Minus-Tasten nicht den Support-Level, sondern wechseln zusammen mit den Links- und Rechts-Tasten zwischen den Schnellmenü-Punkten durch.

Nur im Schnellmenü kann man mit der Remote navigieren
Im Schnellmenü sind die Auswahloptionen logischerweise deutlich eingeschränkter als auf dem Touchdisplay

Das Nyon-Display hat zwei Farbschemata zur Auswahl, die sich in der Präsentation der Unterstützungsstufe unterscheiden. Im voreingestellten Modus wird das ganze Display-Layout in der Farbe des aktuellen Unterstützungsmodus angezeigt: grau-Off, grün-Eco, blau-Tour, violett-eMTB und rot-Turbo. Im zweiten Farbschema wird nur am oberen Displayrand mit Farbe und kleinem Schriftzug auf den aktuellen Unterstützungsmodus hingewiesen.

Im ersten Farbschema leuchtet das ganze Layout in der Farbe des aktuellen Unterstützungsmodus
Im anderen Farbschema erkennt man den gewählten Unterstützungsmodus durch den farbig unterlegten Text am oberen Rand

Auf dem Homescreen lässt sich die Display-Helligkeit in 4 Stufen einstellen. Stellt man die Helligkeit in den Automatik-Modus, sorgt ein Umgebungslichtsensor oberhalb des Displays automatisch für die Regulierung der Display-Helligkeit. Der Bildschirm ist in den meisten Fahrsituation leuchtstark genug, um gut ablesbar zu sein. Ist er vom Fahrer zu weit abgeneigt, gerät die Ablesbarkeit unter direkter Sonneneinstrahlung jedoch an ihre Grenzen.

Eigenständige Navigation und Offline-Karten

Das für viele vermutlich wichtigste Feature des neuen Bosch Nyon-Displays ist, wie beim Vorgänger, die eigenständige Navigation. Das Nyon besitzt einen internen 4 GB großen Speicher, auf dem kostenlos heruntergeladenes Kartenmaterial gespeichert werden kann. Über einen GPS-Empfänger wird die eigene Position schnell ermittelt. Die komplette Deutschlandkarte nimmt etwas mehr als 1,4 GB des Speichers in Anspruch. Über eine entsprechend schnelle WLAN Verbindung hat das Nyon-Display das Kartenmaterial zügig runtergeladen. Für Reisende empfehlen wir, das jeweilige Kartenmaterial zuvor im heimischen WLAN zu laden.

Das Kartenmaterial kann man kostenlos in den Offline-Speicher laden
Schon mal über einen Trip ins Gebirgsmassiv von Usbekistan nachgedacht?

Fast alle europäischen und die meisten gebräuchlichen Karten weiterer Länder stehen ebenfalls kostenlos zur Verfügung. Ist das Kartenmaterial erst einmal geladen (die Deutschlandkarte war bei uns bereits vorinstalliert), gibt es mehrere Möglichkeiten, die Navigation zu starten. In den meisten Fällen wechselt man per Links-Rechts-Tasten an der Remote zum Navigationsbildschirm und kann dann in der linken oberen Ecke auf dem Lupen-Symbol das Suchfenster öffnen. Es lassen sich Ziele per Hand eintippen, abgespeicherte Orte aufrufen, Punkte von Interesse (POI) durchstöbern oder zuletzt gesuchte Ziele anwählen. Tippt man per Touch-Feld-Tastatur ein Ziel ein, macht das Nyon relativ zügig Vorschläge für übereinstimmende Orte aus dem gespeicherten Kartenmaterial.

Schön, aber nicht leicht
Das Bosch Nyon-Display betrachtet die meisten Wege als Fahrradwege
Das Bosch Nyon-Display navigiert gerne über den direktesten Weg

Wählt man einen Vorschlag aus, lässt sich die Route direkt starten oder vorher noch planen. Über die Planen-Funktion kann man die Art der Route aus drei Kategorien wählen: Schnell, Schön und MTB. Die „schnelle“-Variante ist die kürzeste Strecke und wird als erste angezeigt. Nach kurzer Berechnung sind die anderen zwei Varianten ebenfalls wählbar. Nomen est omen: Das Problem der drei Kategorien Schnell, Schön und MTB ist, dass sie genauso sind wie ihre Namen – sehr undefiniert. Quasi alles und nichts. Entsprechend kommt es teils zu überraschenden Hindernissen oder gar Tragepassagen. Beim Navigieren in der Stadt kam es zu unnötigen Abkürzungen, bei denen man mehrmals den Verkehr kreuzen musste, nur um eine um 70 Meter kürzere Route zu nehmen. Dass die Navigation in dieser Hinsicht etwas umständlich ist, hat einen weiteren, nicht zu verachtenden Grund: Das Kartenmaterial basiert auf den im Netz frei verfügbaren OpenStreetMap-Karten (OSM), die sich bisher auch in anderen Navigationsgeräten bewährt haben. Leider hat dieses Kartenmaterial den Nachteil, dass es für E-Bikes auch ungeeignete Wege vorschlägt, die Schiebepassagen beinhalten können.

Dieser vermeintliche Weg rechts auf der Karte …
… entpuppt sich als eine Rennstrecke für ferngesteuerte Autos

Top – und fast schon überlebensnotwendig: neben der aktuell gewählten Routenvariante lässt sich das Höhendiagramm der Strecke anzeigen. Dieses Feature sollte wirklich zur Standardausführung eines E-Bike Navigationsgerätes gehören und kann den Reisenden oder Pendler vor bösen Überraschungen bewahren. Die maximal planbare Route darf nicht länger als 200 km sein, das überfordert das Nyon-Display (und die Mehrheit aller E-Mountainbiker). Will man längere Strecken zurücklegen, muss man näher gelegene Zwischenstationen ansteuern, und von dort die nächsten Ziele ins Navi einspeisen.

Das Navi schlägt die Routenoptionen Schnell, Schön und MTB vor
Ein Höhendiagramm gibt über Anstieg und Gefälle der gewählten Route Auskunft

Während der Navigation wird die Karte entweder zweidimensional aus der Vogelperspektive angezeigt oder in 3-D. Bei der 2-D-Anzeigeoption lässt sich die Kartenausrichtung nach Norden oder in Fahrtrichtung auswählen. In beiden Anzeige-Modi wird die ausgewählte Route vorgezeichnet und es fällt dem Fahrer leicht, der Route zu folgen. Damit erfolgt die Navigation deutlich genauer und einfacher als bei Konkurrenten oder dem hauseigenen Bosch Kiox-Display, die nur eine Turn-by-Turn-Navigation beherrschen oder die Route nicht auf einer Landkarte vorzeichnen.

Die Navigation kann zweidimensional aus der Vogelperspektive …
… oder dreidimensional dargestellt werden

Verlässt man während der Navigation den Navigations-Screen, werden Hinweise über anstehende Abzweigungen eingeblendet. Auch ein akustisches Signal lässt sich zuschalten, das den Fahrer auf die nächste Abzweigung hinweisen soll. Wir zumindest haben die Ausfahrten selten verpasst, denn die visuellen und akustischen Signale für bevorstehende Abzweigungen werden rechtzeitig ausgegeben. Verfährt man sich dennoch und ignoriert die Anweisungen des Nyon-Displays, hat das Navi in wenigen Sekunden eine neue Route berechnet: Aufgrund eines schnelleren Prozessors im Vergleich zum Vorgänger gelingt dem Nyon-Display die Berechnung von Routen bis zur maximalen Entfernung von 200 km in unter einer Minute.

Intelligente Reichweitenberechnung

Entscheidend ist auch, dass man während der Routenplanung das Höhendiagramm aufrufen kann, um die Reichweite des aktuellen Ladezustands der Akkus abzulesen. Befindet sich das Nyon auf dem E-Bike, schätzt es anhand des aktuell gewählten Unterstützungsmodus, des Akku-Ladezustands, der Entfernung des Ziels und der Topografie der Route die Reichweite des E-Bikes ab. Auch das im Bosch eBike Connect-Portal hinterlegte Fahrergewicht und der Fitness-Level sollen Einfluss auf die Reichweitenberechnung haben. In unserem Test hat sich dieser Einfluss aber nicht gezeigt. Sollte ein Ziel außerhalb der Reichweite liegen, warnt das Display vor dem Start den Fahrer mit einer Meldung. Das rote Batteriesymbol bedeutet, dass das Ziel mit großer Wahrscheinlichkeit außerhalb der Reichweite des E-Bikes liegt, ein oranges Symbol soll den Fahrer darauf hinweisen, dass die gewählte Strecke am Limit der aktuellen Reichweite liegt. Bleibt die Batterie grün, sollte das Ziel bei aktuell gewähltem Unterstützungsmodus erreichbar sein. Das Display passt seine Vorhersage dynamisch an und gibt unter dem Höhendiagramm eine Schätzung über die verbleibende Reichweite auf der Route an. Es lohnt sich, einmal kurz durch alle Unterstützungsstufen zu wechseln, um auf Nummer sicher zu gehen und verschiedene Szenarien einzukalkulieren. Denn sollte einen die Kraft auf der Route im Eco-Modus mal verlassen, kann man sich so noch sicher sein, dass genug Saft im Akku steckt, um die restliche Route im Turbo-Modus zu absolvieren.

Hat der Akku genug Saft für die geplante Route, wird der Balken unter dem Höhendiagramm grün dargestellt
Ist der Balken orange, könnte es gegen Ende der Tour eng werden
Reicht die Akkukapazität nicht aus, wird der Balken rot dargestellt. Außerdem gibt die farbliche Untermalung des Balken an, wie weit der Akku auf der geplanten Route bei der gewählten Unterstützungsstufe ausreichen würde.
Sollte der Akku für die geplante Route nicht ausreichen, erscheint vor dem Start eine Warnung

Bereits vor der eigentlichen Navigation zeichnet das Bosch-Nyon einen Radius um den aktuellen Standpunkt, der der Reichweite im aktuell gewählten Unterstützungsmodus entspricht. Ist die Reichweite entsprechend klein, kann das Bosch-Nyon sogar einen konkreten Kartenausschnitt aufzeichnen, der anzeigt, bis wohin einen der Akku trägt.

Navigation über das Bosch eBike Connect-Portal und Komoot

Die eigenständige Routenplanung des Nyon-Displays kann immer nur vom aktuellen Standort aus gestartet werden, der über GPS ermittelt wird. Will man hingegen einen Rundkurs fahren oder einer vorgegebenen Route folgen, muss man diese vorher auf das Bosch Nyon-Display laden. Dazu stehen mehrere Möglichkeiten zur Verfügung. Nach der Anmeldung im Bosch eBike Connect-Portal lässt sich das Nyon-Display mit dem Bosch-Account koppeln. Erstellt man in der Routenplanung auf dem Bosch-Portal eine Strecke, wird diese bei der nächsten Synchronisierung des Bosch Nyon-Displays automatisch auf den Bordcomputer aufgespielt. Im Navigationsmenü lassen sich die Routen dann einfach auswählen. Auch im Bosch-Portal werden die Wegpunkte nach dem bekannten Schema Schnell, Schön oder MTB von Bosch zu einer Strecke verbunden.

Das Bosch Nyon-Display bietet dem Fahrer zwei Alternativen, die Routen anzusteuern: Entweder navigiert es den Fahrer zum Startpunkt der vorgefertigten Route oder es sucht den nächstgelegenen Punkt auf der Route in Relation zur eigenen Position und navigiert den Fahrer dorthin. Besonders erwähnenswert ist die Schnittstelle zu den Navigations-Portalen von Drittanbietern. Neben Outdooractive lässt sich das angelegte Bosch eBike Connect-Konto auch mit einem Komoot-Konto koppeln. Alle in Komoot geplanten Routen werden automatisch in das Bosch-Konto übertragen und werden bei der nächsten Synchronisierung des Bosch Nyon-Displays in den Speicher übertragen. Portale wie Komoot bieten auch eine Vielzahl von vorgefertigten Community-Routen an, bei der man sich nicht so sehr auf böse Überraschungen einstellen muss. Voraussetzung dafür ist, dass ihr das Regionen-Paket eurer Route in Komoot besitzt. Wie die Routenplanung mit Komoot abläuft, haben wir euch in einem weiteren Artikel in unserem Schwester-Magazin ENDURO erklärt.

Auch im Bosch-Portal werden die Routen in den Kategorien Schnell, Schön oder MTB vorgeschlagen
Alle Aktivitäten mit dem Nyon-Display lassen sich kostenlos auswerten. Die Fahrerleistung und der geschätzte Kalorienverbrauch werden auch angegeben.
Nach der Einbindung eines Komoot-Kontos in das Bosch-Portal lassen sich die Komoot-Routen auf dem Nyon-Display auswählen

Nach einer gefahrenen Tour können die Aktivitäten von dem Nyon-Display zurück in das eBike Connect-Portal übertragen werden. Dort lassen sich viele Daten wie der Routenverlauf, die Tritt- und Herzfrequenz und die Motorunterstützung nach der Tour ablesen, exportieren und mit Strava oder Facebook teilen. Ist das Bosch-Konto mit einem Komoot-Konto verbunden, werden absolvierte Fahrten auch zu Komoot übertragen.

Bildschirm-Anpassungen am neuen Bosch Nyon-Display

Abgesehen vom Startbildschirm lassen sich die weiteren Bildschirme frei wählen und konfigurieren. Ein Bildschirm setzt sich aus bis zu sechs kleinen, drei mittelgroßen oder einer großen Kachel zusammen. Neben vorgefertigten Screens bietet Bosch eine Vielzahl an Kacheln zu den Themen Geschwindigkeit, Tour, Navigation, Fitness und System an und erlaubt die Darstellung von insgesamt bis zu 25 Kacheln über alle Bildschirme hinweg. Die Individualisierung lässt hier keine Wünsche offen.

Die Reihenfolge der Screens ist – bis auf den Startbildschirm – frei wählbar …
… ebenso wie die Kacheln auf den einzelnen Informationsbildschirmen

Weitere Funktionen des Bosch Nyon 2021: Kalorienverbrauch, Lock-Funktion, Individualisierung der Fahrmodi

Das Nyon-Display bietet dem E-Biker über die eigenständige Navigation noch weitere interessante kostenfreie und kostenpflichtige Funktionen. Fitness-Freaks werden sich über die Bluetooth-Schnittstelle zu Herzfrequenzmessern und die kostenlose Messung der Trittfrequenz, Eigenleistung sowie Ermittlung des daraus resultierenden Kalorienverbrauchs freuen. Die vom Kiox-Display bekannte Lock-Funktion bleibt weiterhin eine kostenpflichtige Premium-Option, auch bei Nyon. Hat man sie in der eBike Connect-App einmalig erworben, wird beim Abziehen des Nyon-Displays die Motorunterstützung deaktiviert, bis exakt dasselbe Nyon-Display den Motor wieder freischaltet. Das soll E-Bikes für Diebe uninteressanter machen, ersetzt aber natürlich kein vernünftiges Fahrradschloss. Eine weitere Premium-Funktion ist die Anpassung der individuellen Fahrmodi. Dass sich die Unterstützungsstufen der Bosch-Motoren bis dato nicht individualisieren lassen, haben wir immer wieder kritisiert. Auch wenn die Abstimmung der einzelnen Fahrmodi exzellent ist und in vielen Bereichen als Benchmark gilt, ist für uns eine Individualisierung in einigen Fällen mehr als sinnvoll: Vor allem sehr leichte und sehr schwere Personen können davon profitieren, gleiches gilt für spezielle Einsatzbedingungen. Mit der neuen Premium-Funktion lässt sich die Motorunterstützung in Abhängigkeit der Geschwindigkeit innerhalb des jeweiligen Unterstützungsbereichs (für Performance Line CX-Motoren zwischen 50 % und 340 %) über die eBike App konfigurieren.

Unser Fazit

GPS-Nachrüstgeräte wie ein Garmin oder Generalisten wie ein Smartphone funktionieren für viele als Navigationshilfen. Wer jedoch verhindern möchte, dass das Cockpit mit Gadgets überquillt und eine integrierte Lösung sucht, der findet mit dem Bosch Nyon-Display einen spannenden Kandidaten. Mit dem neuen Bosch Nyon 2021-Display haben die Schwaben den deutlich in die Jahre gekommenen Vorgänger in würdiger Weise abgelöst und stellen eine gute Option für alle dar, für die das Bosch Kiox-Display zu wenige Funktionen besitzt oder schlichtweg zu klein ist.

Das neue Bosch Nyon-Display mit Touchdisplay bietet umfangreiche Features, die in das E-Bike-Ökosystem eingebettet sind, sowie übersichtliche Darstellungsoptionen vieler Fahrparameter. Vor allem Touren- und Trekking-Fahrer werden sich über das neue Nyon freuen. Kinderkrankheiten wie Navigation durch unwegsames Gelände sowie Unklarheiten bei den drei Navigations-Kategorien Schnell, Schön und MTB waren während unseres ersten Tests auffällig und bedürfen noch einiger Verbesserungen. Doch die Bedienung, die Positionierungsoptionen auf den Lenker, die schnelle Prozessorleistung, die Integration in das Bosch Öko-System sowie die Schnittstelle zu Komoot wissen zu gefallen. Mit einem voraussichtlichen Preis von 349 € ist es erschwinglicher als ein Garmin Edge 1030 und kann eine attraktive Nachrüstoption darstellen. Wie sich das Bosch Nyon-Display im Vergleich zur Konkurrenz schlägt, erfahrt ihr demnächst in unserem großen Navigations-Special.


Endlich da: Die E-MOUNTAINBIKE Print-Edition 2020 ist die ultimative Testbibel, mit der wir dir helfen das perfekte E-Mountainbike zu finden. Auf 250 Seiten im hochwertigen Print-Format findest du eine umfassende Kaufberatung und Tests von 35 Bikes sowie der 7 wichtigsten Motoren. Außerdem gibt es jede Menge Know-how, Tipps und die aufregendsten E-MTB-Trends. Hier klicken für mehr Infos oder direkt in unserem Shop bestellen!

Text & Fotos: Rudolf Fischer