Die SRAM MAVEN hat sich längst im Gravity-Segment etabliert – doch ein spürbarer Losbrechmoment und nervige Entlüftungsprobleme sorgten immer wieder für Kritik. Jetzt reagiert SRAM mit einem SwingLink-Tuning, neuem Hebel und angepasster Übersetzung. Wir haben die neue MAVEN bereits getestet und klären, ob das Update die Bremse spürbar verbessert.

MY27 Maven Embargo CW E MTB WEB 1 2

Die SRAM MAVEN-Bremse hat sich seit ihrem Launch Anfang 2024 fest im Gravity-Segment etabliert. Mit ihrem massiven Vierkolben-Design, den großen Belägen und klarer Ausrichtung auf maximale Bremsleistung findet sie sich an vielen Enduro-Bikes, E-MTBs und Downhill-Bikes. Auch in unseren Vergleichstests ist sie die am häufigsten vertretene Bremse, die allerdings auch zu einigen Problemen geführt hat. Gerade in unserem letzten Enduro-Vergleichstest und dem kommenden E-MTB Vergleichstests unseres Schwestermagazins E-MOUNTAINBIKE mussten wir über die Hälfte der verbauten MAVEN neu entlüften: Aufgrund von Luft im System hatte sie mit einem ungleichmäßigen Druckpunkt zu kämpfen. Zudem weisen die MAVEN beim Ziehen des Hebels einen leichten Widerstand auf, der überwunden werden muss. Genau dieses Problem will SRAM mit der Neuauflage der MAVEN beheben.

MY27 Maven Embargo CW E MTB WEB 7462

Für die neue MAVEN Ultimate-Bremse ist ein Preis von 325 € veranschlagt, während das Silver-Modell für 290 € über die Ladentheke geht.

Die neue SRAM MAVEN im Detail

Im Zentrum der Überarbeitung steht klar der neue SwingLink, also die Anlenkung des Bremshebels. Ziel war es, ein leichteres Hebelgefühl ohne Losbrechmoment zu erreichen, was die Dosierbarkeit verbessern soll. Der hydraulische Weg wurde verkürzt, gleichzeitig wird am Ende des Hebelwegs mehr mechanischer Weg erzeugt. Dadurch soll der Ramp-up definierter stattfinden und es der Bremse ermöglichen, im letzten Drittel des Hebelwegs einen deutlicheren Druck aufzubauen. Das Losbrechmoment des Hebels soll so von 8 auf 4,25 Nm reduziert werden.

MY27 Maven Embargo CW E MTB WEB 72

Am Ultimate-Modell kommt zusätzlich ein neuer Carbon-Hebel zum Einsatz. Optisch unterscheiden sich die neuen Modelle kaum, beim genauen Hinschauen sind sie aber an der goldenen SwingLink-Umlenkung zu erkennen. Das Silver-Modell erhält einen schwarzen Aluminium-Hebel mit Aussparung und ebenfalls den neuen Swing-Link.

MY27 Maven Embargo CW E MTB WEB 1

Auch am Bremssattel wurden kleine Änderungen vorgenommen, die Grundarchitektur aber ist unverändert. Allerdings wurden die Durchmesser der vier Kolben auf jeweils 18 mm angepasst. Das bisherige MAVEN-Modell verwendet zwei Kolben mit 18 mm und zwei Kolben mit 19,5 mm. Das war nötig, um das hydraulische Übersetzungsverhältnis an die neuen SwingLinks anzupassen.

MY27 Maven Embargo CW E MTB WEB 3

Abgesehen davon hat sich an der MAVEN nichts Grundlegendes geändert. Alle weiteren Details zur Konstruktion, Einordnung und Performance der MAVEN findet ihr im großen Bremsen-Vergleichstest unseres Schwestermagazins.

Das SRAM MAVEN Upgrade-Kit

Auch bestehende MAVEN-Modelle der A1-Generation lassen sich auf den neuen Stand bringen. Der neue goldene B1-SwingLink ist vollständig rückwärtskompatibel, sodass Fahrerinnen und Fahrer von MAVEN Ultimate, Silver und Bronze ihre Bremse mit dem neuen Hebelgefühl nachrüsten können. Ultimate- und Silver-Kits sind untereinander kompatibel, die Bronze-Version erhält ein eigenes Set. Der Umbau dauert rund zehn Minuten und erfordert kein erneutes Entlüften – cool! Das Upgrade-Kit der Ultimate- und Silver-Version kostet 120 €.

MY27 Maven Embargo CW E MTB WEB 73

Beim Upgrade-Kit bleibt die ursprüngliche Sattelarchitektur mit zwei 18-mm- und zwei 19,5-mm-Kolben natürlich erhalten. Damit entspricht das hydraulische Übersetzungsverhältnis nicht exakt dem der neuen B1-Generation mit vier 18-mm-Kolben, was in der Praxis aber kaum eine Rolle spielen sollte. Das verbesserte Hebelgefühl entsteht vor allem durch den neuen SwingLink, nicht durch die Kolben-Dimensionen.

Die SRAM MAVEN Ultimate-Bremse im ersten Test

Wir konnten die neue SRAM MAVEN Ultimate-Bremse bereits seit Anfang Dezember sowohl an einem Enduro-Bike als auch an einem Downhill-Bike im neuseeländischen Queenstown testen. Mit dem neuen SwingLink fühlt sich das Betätigen des Bremshebels spürbar leichter an, der bisherige kleine Widerstand zu Beginn ist weitgehend verschwunden. Ob man das braucht, ist am Ende Geschmackssache. Wer beispielsweise ohnehin mit leicht gezogenem Hebel unterwegs ist, befindet sich auch beim bisherigen Modell meist bereits hinter dem Losbrechmoment. Trotzdem ist das Update willkommen, denn die Dosierbarkeit verbessert sich etwas und viele Fahrer werden Fan vom geringeren Losbrechmoment sein. Denn man überwindet keinen spürbaren Widerstand mehr, der zuvor dazu verleiten konnte, ungewollt mehr Kraft aufzubringen und dann plötzlich zu stark zu bremsen. Ob in Zukunft die Montage-Probleme der OEM-Bremsen, die zum häufigen Entlüften der Bremse geführt haben, behoben werden, bleibt allerdings noch abzuwarten.

MY27 Maven Embargo CW E MTB WEB 6 600x400 MY27 Maven Embargo CW E MTB WEB 4 600x400

Das Fazit zur neuen SRAM MAVEN Ultimate-Bremse

Mit dem SwingLink-Tuning bekommt die neue SRAM MAVEN ein spürbar leichteres, homogeneres Hebelgefühl. Der harte Widerstand zu Beginn ist weitgehend verschwunden, was die Dosierbarkeit verbessert – auch wenn diese in der Vergangenheit nicht unbedingt ein Problem war. An der grundsätzlichen Charakteristik und Power ändert sich nichts. Kein radikaler Neustart, sondern ein sinnvolles Feintuning, das eine der stärksten Gravity-Bremsen etwas runder macht.

Tops

  • geringere Hebelkräfte
  • kein spürbarer Losbrechmoment mehr

Flops

  • OEM-Bremsen teils unsauber montiert/entlüftet

Alle weiteren Infos findet ihr auf der Website von SRAM.


Words: Peter Walker Photos: Sven Martin, Callum Wood

Wer schreibt hier?

Peter Walker

Peter ist als Chefredakteur von ENDURO nicht nur ein Mann der Worte, sondern auch der Taten. Mit ernsthaften Bike- und Schrauber-Skills, seiner Motocross-Historie, diversen EWS-Teilnahmen und über 150 Bikepark-Tagen in Whistler – ja, der Neid der meisten Biker auf diesem Planeten ist ihm gewiss – ist für Peter kein Bike zu kompliziert und kein Trail zu steil. Gravel und Rennrad kann er übrigens auch! Das für unsere redaktionelle Arbeit wichtige Thema Kaufberatung hat Peter in Vancouvers ältestem Bike-Shop von der Pike auf gelernt und setzt sein Know-how auch im journalistischen Alltag um. Wenn er nicht gerade die Stuttgarter Hometrails auf neuen Test-Bikes unsicher macht, genießt er das Vanlife mit seinem selbst ausgebauten VW T5. Dass er dazu noch ausgebildeter Notfallsanitäter ist, beruhigt seine Kollegen bei riskanten Fahrmanövern. Zum Glück mussten wir Peter bislang nie bei seinem Spitznamen „Sani-Peter“ rufen. Wir klopfen auf Holz, dass es dazu auch nie kommen wird!