Die SRAM MAVEN-Bremse hat sich seit ihrem Launch Anfang 2024 fest im Gravity-Segment etabliert. Mit ihrem massiven Vierkolben-Design, den großen Belägen und klarer Ausrichtung auf maximale Bremsleistung findet sie sich an vielen Enduro-Bikes, E-MTBs und Downhill-Bikes. Auch in unseren Vergleichstests ist sie die am häufigsten vertretene Bremse, die allerdings auch zu einigen Problemen geführt hat. Gerade in unserem letzten Enduro-Vergleichstest und dem kommenden E-MTB Vergleichstests unseres Schwestermagazins E-MOUNTAINBIKE mussten wir über die Hälfte der verbauten MAVEN neu entlüften: Aufgrund von Luft im System hatte sie mit einem ungleichmäßigen Druckpunkt zu kämpfen. Zudem weisen die MAVEN beim Ziehen des Hebels einen leichten Widerstand auf, der überwunden werden muss. Genau dieses Problem will SRAM mit der Neuauflage der MAVEN beheben.
Für die neue MAVEN Ultimate-Bremse ist ein Preis von 325 € veranschlagt, während das Silver-Modell für 290 € über die Ladentheke geht.
Die neue SRAM MAVEN im Detail
Im Zentrum der Überarbeitung steht klar der neue SwingLink, also die Anlenkung des Bremshebels. Ziel war es, ein leichteres Hebelgefühl ohne Losbrechmoment zu erreichen, was die Dosierbarkeit verbessern soll. Der hydraulische Weg wurde verkürzt, gleichzeitig wird am Ende des Hebelwegs mehr mechanischer Weg erzeugt. Dadurch soll der Ramp-up definierter stattfinden und es der Bremse ermöglichen, im letzten Drittel des Hebelwegs einen deutlicheren Druck aufzubauen. Das Losbrechmoment des Hebels soll so von 8 auf 4,25 Nm reduziert werden.
Am Ultimate-Modell kommt zusätzlich ein neuer Carbon-Hebel zum Einsatz. Optisch unterscheiden sich die neuen Modelle kaum, beim genauen Hinschauen sind sie aber an der goldenen SwingLink-Umlenkung zu erkennen. Das Silver-Modell erhält einen schwarzen Aluminium-Hebel mit Aussparung und ebenfalls den neuen Swing-Link.
Auch am Bremssattel wurden kleine Änderungen vorgenommen, die Grundarchitektur aber ist unverändert. Allerdings wurden die Durchmesser der vier Kolben auf jeweils 18 mm angepasst. Das bisherige MAVEN-Modell verwendet zwei Kolben mit 18 mm und zwei Kolben mit 19,5 mm. Das war nötig, um das hydraulische Übersetzungsverhältnis an die neuen SwingLinks anzupassen.
Abgesehen davon hat sich an der MAVEN nichts Grundlegendes geändert. Alle weiteren Details zur Konstruktion, Einordnung und Performance der MAVEN findet ihr im großen Bremsen-Vergleichstest unseres Schwestermagazins.
Das SRAM MAVEN Upgrade-Kit
Auch bestehende MAVEN-Modelle der A1-Generation lassen sich auf den neuen Stand bringen. Der neue goldene B1-SwingLink ist vollständig rückwärtskompatibel, sodass Fahrerinnen und Fahrer von MAVEN Ultimate, Silver und Bronze ihre Bremse mit dem neuen Hebelgefühl nachrüsten können. Ultimate- und Silver-Kits sind untereinander kompatibel, die Bronze-Version erhält ein eigenes Set. Der Umbau dauert rund zehn Minuten und erfordert kein erneutes Entlüften – cool! Das Upgrade-Kit der Ultimate- und Silver-Version kostet 120 €.
Beim Upgrade-Kit bleibt die ursprüngliche Sattelarchitektur mit zwei 18-mm- und zwei 19,5-mm-Kolben natürlich erhalten. Damit entspricht das hydraulische Übersetzungsverhältnis nicht exakt dem der neuen B1-Generation mit vier 18-mm-Kolben, was in der Praxis aber kaum eine Rolle spielen sollte. Das verbesserte Hebelgefühl entsteht vor allem durch den neuen SwingLink, nicht durch die Kolben-Dimensionen.
Die SRAM MAVEN Ultimate-Bremse im ersten Test
Wir konnten die neue SRAM MAVEN Ultimate-Bremse bereits seit Anfang Dezember sowohl an einem Enduro-Bike als auch an einem Downhill-Bike im neuseeländischen Queenstown testen. Mit dem neuen SwingLink fühlt sich das Betätigen des Bremshebels spürbar leichter an, der bisherige kleine Widerstand zu Beginn ist weitgehend verschwunden. Ob man das braucht, ist am Ende Geschmackssache. Wer beispielsweise ohnehin mit leicht gezogenem Hebel unterwegs ist, befindet sich auch beim bisherigen Modell meist bereits hinter dem Losbrechmoment. Trotzdem ist das Update willkommen, denn die Dosierbarkeit verbessert sich etwas und viele Fahrer werden Fan vom geringeren Losbrechmoment sein. Denn man überwindet keinen spürbaren Widerstand mehr, der zuvor dazu verleiten konnte, ungewollt mehr Kraft aufzubringen und dann plötzlich zu stark zu bremsen. Ob in Zukunft die Montage-Probleme der OEM-Bremsen, die zum häufigen Entlüften der Bremse geführt haben, behoben werden, bleibt allerdings noch abzuwarten.
Das Fazit zur neuen SRAM MAVEN Ultimate-Bremse
Mit dem SwingLink-Tuning bekommt die neue SRAM MAVEN ein spürbar leichteres, homogeneres Hebelgefühl. Der harte Widerstand zu Beginn ist weitgehend verschwunden, was die Dosierbarkeit verbessert – auch wenn diese in der Vergangenheit nicht unbedingt ein Problem war. An der grundsätzlichen Charakteristik und Power ändert sich nichts. Kein radikaler Neustart, sondern ein sinnvolles Feintuning, das eine der stärksten Gravity-Bremsen etwas runder macht.
Tops
- geringere Hebelkräfte
- kein spürbarer Losbrechmoment mehr
Flops
- OEM-Bremsen teils unsauber montiert/entlüftet
Alle weiteren Infos findet ihr auf der Website von SRAM.
Words: Peter Walker Photos: Sven Martin, Callum Wood



