Das brandneue Specialized Turbo Levo Expert soll so vielseitig wie sein Vorgänger sein und mit noch agilerem Handling einem nicht motorisierten Trailbike ähneln. Hat es mit seinem stärkeren Motor, größeren Akku, neuen Carbonrahmen und unzähligen Detailverbesserungen vor allen anderen E-Mountainbikes das nächste Level erreicht?

Specialized Turbo Levo Expert FSR | 150/150 mm (v/h) | 8.199 €

Nachdem wir das neue Levo beim Presse-Launch in Kroatien gefahren sind, haben wir es für einen ausführlichen Test mit nach Hause genommen – dort musste es sich ruppigen, steinigen Trails sowie Flowtrails und ausgedehnten Touren stellen.

Die Ausstattung des Specialized Turbo Levo Expert

Mit 8.199 € ist das 21,45 kg schwere Specialized Turbo Levo Expert Carbon das zweitteuerste Levo-Modell. Dafür erhält man einen leichten Hauptrahmen aus Carbon, der mit einem Hinterbau aus Aluminium kombiniert wird. Der neue Rahmen wurde speziell an die 29” großen Laufräder angepasst. Der Specialized 2.1-Motor basiert auf dem Brose Drive S Mag-Antrieb und bietet bis zu 410 % Unterstützung bei 90 Nm Drehmoment. Bei den Spitzenmodellen S-Works und Expert wird der Motor von einem 700-Wh-Akku gespeist. Bei den günstigeren Modellen verbaut Specialized einen 500-Wh-Akku. Das Fahrwerk, bestehend aus einer RockShox PIKE und einem speziell abgestimmten RockShox Deluxe RT3, liefert vorne wie hinten 150 mm Federweg. Das von Specialized bekannte Auto-SAG-Ventil werden vor allem Einsteiger vermissen, die sich nun intensiver mit dem Setup befassen müssen. Zu unserer Überraschung verbaut Specialized anstelle der neuen SRAM Eagle die bewährte SRAM X1-Schaltgruppe mit 11 Gängen. Sie spart viel Gewicht und ist aufgrund des kraftvollen Motors für den Einsatz auf dem Trail bestens geeignet.

Federgabel RockShox PIKE RC 150 mm
Dämpfer RockShox Deluxe RT3 150 mm
Motor/Akku Custom Specialized 2.1 Brose Drive S Mag 700 Wh Turbo M2
Schaltung SRAM X1
Bremsen SRAM CODE R 200/200 mm
Sattelstütze Specialized Command Post 160 mm
Vorbau Specialized Trail 40/50 mm
Lenker Specialized Trail Alu 780 mm
Laufradsatz Roval Traverse 29
Reifen Specialized Butcher GRID 29″ x 2,6″
Preis 8.199 €

Der RockShox Deluxe RT3-Dämpfer kontrolliert das Heck des Levos souverän
SRAM CODE R mit 200 mm Scheiben vorne und hinten sorgen für Verzögerung
Der Specialized Butcher gräbt sich gut in losen Untergrund. Aggressive Fahrer wünschen sich aber eine stärkere Karkasse.
Nur 11 Gänge? Auf den ersten Testfahrten sind wir mit der Übersetzung gut zurecht gekommen.

Die Sitzposition auf dem Specialized Turbo Levo

„The power to ride more trails“ ist schon länger das Motto des Specialized Levo. Mit dem neuen 700-Wh-Akku sind noch längere Tage im Sattel möglich. Die Geometriewerte des Levo sind alles andere als extrem, wodurch auch die Sitzposition entspannt bis leicht gestreckt ausfällt. Obwohl der Sitzwinkel des neuen Levo mit rund 75° nicht sonderlich steil ist, lässt es sich entspannt und effizient pedalieren. Ein Grund dafür ist sicherlich auch die Abstimmung des Dämpfers, mit dem das Levo hoch im Federweg steht und nicht wegsackt.

Uphill mit dem Specialized Turbo Levo

Bergauf überzeugt das neue Specialized Levo mit seinem natürlichen Fahrgefühl. Dass ein ganzes Team von Softwarespezialisten mit der Motorsteuerung beschäftigt war, zeigt sich noch vor der ersten vollständigen Pedalumdrehung. Denn der Specialized 2.1-Motor setzt in der mittleren Unterstützungsstufe na- hezu unmittelbar, aber sehr gefühlvoll ein. Besonders beim Anfahren am Hang oder in kniffligen, verblockten Sektionen ist der Motor des neuen Levo dadurch sehr unauffällig. Dabei liefert er auch schon bei niedriger Trittfrequenz genug Power, um selbst steile Rampen zu erklimmen. Allerdings verlangt das Levo dann etwas Körpereinsatz vom Fahrer, um das Vorderrad am Steigen zu hin- dern. Der Hinterbau des Levo bügelt Unebenheiten effizient weg und lässt den Hinterreifen dadurch am Boden kleben. Das Resultat: Grip auch auf losem, steilem Untergrund.

In der höchsten Unterstützungsstufe liefert der neue Motor bisher ungeahnte Power, läuft jedoch etwas zu lange nach, sodass er auf dem Forstweg besser aufgehoben ist als auf dem Trail. Wer noch entspannter Richtung Gipfel klet- tern möchte, aktiviert den Shuttle-Modus, in dem sich die volle Unterstützung von 410 % mit weniger Körpereinsatz abrufen lässt. So „schiebt“ der Motor Fahrer und Bike nahe der 25-km/h-Marke nach oben. Allerdings gehen dabei das natürliche Fahrgefühl und jede Menge Akkukapazität verloren.

Das Specialized Turbo Levo Expert FSR auf dem Trail

Beim Handling ist das Specialized Levo die neue Benchmark, die es zu schlagen gilt. Das E-Mountainbike lässt sich trotz des schweren Akkus mit Leichtigkeit extrem präzise steuern und macht somit super viel Spaß auf dem Trail. Ebenso wie die Sitzposition lässt sich auch die Fahrposition im Downhill mit einem Wort bezeichnen: ausgewogen. Mit dem neuen Levo haben die Amerikaner kein super langes, schwer zu handelndes Abfahrtsmonster geschaffen. Dennoch ist der Fahrer sehr gut in das Bike integriert. Durch das niedrige Tretlager steht der Fahrer zentral im Levo, dank des tief nach unten gezogenen Oberrohrs bleibt aber genug Bewegungsfreiheit. Dabei bietet das Fahrwerk guten Gegen- halt und so lädt jede Wurzel und Kante zum Spielen mit dem Gelände ein. Bei härteren Fahrmanövern lässt die RockShox PIKE aber etwas Steifigkeit ver- missen – unserer Meinung nach wäre das Mehrgewicht einer Lyrik hier absolut gerechtfertigt.

Wer Hindernisse lieber überrollt, statt sie zu überspringen, wird vom neuen Specialized Levo ebenfalls nicht enttäuscht sein. Besonders bei schnell aufein- anderfolgenden Schlägen fühlt es sich deutlich potenter an als sein Vorgänger. Der Hinterbau ist so abgestimmt, dass er sich möglichst schnell von Schlägen erholen kann und dass das Levo hoch im Federweg steht. Ein Bügeleisen, das alle Unebenheiten verschluckt, ist das Levo aber nicht. Es informiert den Fahrer stets darüber, was unter den Reifen passiert, und absorbiert auch große Schläge kontrolliert.

Leider bietet der Specialized Butcher-Reifen in der Grid-Karkasse etwas wenig Pannenschutz für ruppige und steinige Trails. Platten sind die Folge. Dennoch generiert er in Zusammenarbeit mit dem Fahrwerk viel Traktion auf losem Un- tergrund. Der Wechsel von 27,5+ Reifen auf Pneus mit 29” x 2,6” macht sich vor allem für erfahrene Biker und besonders in Kurven bezahlt, da sich das Levo deutlich präziser und mit wenig Körpereinsatz bewegen lässt. Lediglich im Schräghang zeigt sich, dass 27,5+ Reifen doch etwas mehr Grip bieten. Oben- drein rollt das Levo nicht zuletzt dank der großen Laufräder auch durch ruppige Passagen verdammt schnell, wodurch das ohnehin geschmeidige Aussetzen des Motors an der 25-km/h-Schwelle auf dem Trail fast nicht spürbar ist. Auch wenn es noch schneller wird, bleibt das neue Specialized Levo kontrolliert und hält die Spur. Dabei liegt es satt auf dem Trail und bietet mehr als genug Reser- ven für plötzliche Überraschungen. So vermittelt es auch im steilen Terrain viel Selbstvertrauen und Sicherheit.

Fazit

Mit dem neuen Specialized Turbo Levo Expert haben die Amerikaner das bereits beste E-Mountainbike 2018 noch spürbar weiter verbessert. Trotz 29”- Laufrädern, kraftvollem, aber geschmeidigem Motor und riesigem Akku für noch mehr Reichweite sucht das agile Handling des Bikes seinesgleichen. Im Vergleich zum Vorgänger und den meisten anderen E-Mountainbikes ist das Levo vor allem eines: Next Level!

Auf der nächsten Seite bekommt ihr einen Überblick über alle Modelle des neuen Specialized Turbo Levo FSR.

Über den Autor

Felix Stix

Durch meinen technischen Hintergrund habe ich mich zum inoffiziellen Leiter unserer Werkstatt gemausert. Hier bereite ich das Equipment für unsere Tests vor und checke die Bikes auf Herz und Nieren. Meine nerdigen Texte mit unzähligen Erklärungen stützen sich meist darauf, dass ich ein Produkt komplett zerlegt und wieder zusammengebaut habe…
Auf dem E-Mountainbike scheppere ich am liebsten über die richtig harten Downhillstrecken und bringe dabei mich und das Material an die Grenzen – oder darüber hinaus. Bergauf geht es eigentlich immer im "Turbo"-Modus, damit ich für die nächste Abfahrt fit bin.