Shimano bleibt beim EP801 seiner Linie treu: natürlicher Fahrcharakter, gute Kontrolle im Tech-Terrain und clevere Di2-Funktionen. Gleichzeitig hinkt der Motor in Sachen Traktion, Software und Bedienung der Konkurrenz spürbar hinterher. Ist der Shimano EP801 noch konkurrenzfähig?

Dieser Artikel gehört zu unserem großen Motoren-Vergleichstest 2026. Klicke hier, um alle elf getesteten Systeme, die neuesten Trends und umfangreiche Ergebnisse aus dem Labor und der Praxis zu lesen.

EMTB Motor Vergleichstest Best eMTB Motor 2026 Test WEB 0737
Shimano EP801 | 85 Nm | 600 W | 2,68 kg | Hersteller-Website

Der 2022 vorgestellte Shimano EP8 des Typs DU-EP801 verlor in den letzten Jahren zunehmend an Marktrelevanz. Waren in unserem Vergleichstest 2023 noch acht Bikes mit Shimano-Motoren ausgerüstet, sind 2025 – bei einem Testfeld von ebenfalls 30 E-MTBs – nur noch vier bzw. 13,3 % der Bikes mit den Motoren des japanischen Giganten am Start. Und 2026? Da wird es vermutlich nicht besser aussehen. Wir gehen der Frage auf den Grund, woher dieser Abwärtstrend rührt und ob der EP8 noch ein konkurrenzfähiges Produkt darstellt.

Der Shimano EP801 im Detail – Altbekannte Vielfalt

EMTB Motor Vergleichstest Best eMTB Motor 2026 Test WEB 0959

Das aktuelle Spitzenmodell der Japaner hört auf den Namen EP8 und ist mit der Typenbezeichnung DU-EP801 bereits die zweite Iterationsstufe dieses Motorsystems. Dieses basiert weitestgehend auf dem Vorgänger, dem Shimano EP8 des Typs DU-EP800. Die DU-EP801 liefert mit 600 statt 500 W nicht nur eine höhere Maximalleistung – der EP8 der zweiten Generation soll vor allem über einen breiteren Trittfrequenzbereich stark unterstützen können, auch wenn das maximale Drehmoment bei 85 Nm unverändert geblieben ist.

Zudem unterscheidet sich die aktuelle Version des EP8 durch ein Konnektivitätsfeature: In Verbindung mit Shimanos Di2-Schaltungen werden die Funktionen FREE SHIFT und AUTO SHIFT ermöglicht. Mit der FREE SHIFT-Funktion können Gänge sowohl manuell als auch automatisch gewechselt werden, während nicht pedaliert wird. AUTO SHIFT geht noch einen Schritt weiter und ermöglicht selbstständiges Schalten unter allen Bedingungen, also auch während des Tretens. Sowohl FREE SHIFT als auch AUTO SHIFT sind hilfreiche Komfortfunktionen, insbesondere im Alltag.

Dank Magnesiumgehäuse bringt der Shimano EP8 nur 2,68 kg auf die Waage – damit ist er leichter als die Drive Units von Bosch und Specialized, aber schwerer als die leistungsstärkeren Motoren MAHLE M40 oder Avinox M1. Mit dem EP8 RS gibt es zudem einen weiteren Ableger, der jedoch ausschließlich im Orbea Rise verbaut ist. Auch wenn der Zusatz „RS“ es anders vermuten lässt: Beim EP8 RS handelt es sich um eine gedrosselte Variante, bei der das maximale Drehmoment von 85 auf 60 Nm gesenkt wurde.

Bei den Akkus zeigt sich das EP8-System flexibel: Shimano erlaubt offiziell die Nutzung von Drittanbieter-Akkus und bietet selbst 504- und 630-Wh-Optionen an. Für längere Touren lässt sich die Kapazität über einen 250-Wh-Range-Extender erweitern. Ein kompletter Ladevorgang des 626-Wh-Akkus dauert rund vier Stunden – die entsprechende Ladegeschwindigkeit von 2,7 Wh/min liegt damit im guten Mittelfeld.

Während die Motorhardware weitgehend modern wirkt, erreicht die Vielfalt der Bedienelemente nicht immer das Niveau der Konkurrenz. Die SC-E5003-Remote gehört weiterhin zu den verbreitetsten Lösungen, wirkt jedoch klobig, bietet eine ungenaue LED-Anzeige des Akkustands und enttäuscht bei der Ergonomie des Ein- und Ausschalters. Alternativ stehen die deutlich handlichere EM800-L-Remote sowie der unauffällige EW-SW310-Power-Switch im Oberrohr zur Wahl, die beide ergonomisch deutlich moderner auftreten. Beim Display reicht das Shimano-Portfolio vom farbigen SC-EM800 bis zum schlichten SC-EN600. Beide sind gut geschützt hinter dem Vorbau platziert und ausreichend ablesbar, fallen jedoch in puncto Auflösung und Informationsgehalt sichtbar hinter moderne Systeme von Avinox oder TQ zurück.

EMTB Motor Vergleichstest Best eMTB Motor 2026 Test WEB 0739 600x400
Das SC-EN600-Display ist gut geschützt neben dem Vorbau platziert, bietet aber nur beschränkten Informationsumfang.
EMTB Motor Vergleichstest Best eMTB Motor 2026 Test WEB 0743 600x400
Die SC-E5003-Remote fällt klobig aus und bietet zudem keine gute Ergonomie.

Ab Werk stehen drei Unterstützungsmodi – ECO, TRAIL und BOOST – zur Verfügung, die sich über die E-TUBE PROJECT Cyclist-App nach eigenen Vorlieben anpassen lassen. Shimano bietet dafür zwei Ebenen: Der übersichtliche Basic-Mode erlaubt die Anpassung von Power, Unterstützungscharakteristik und Ansprechverhalten in allen drei Modi. Wer tiefer einsteigen will, greift zum Fine-Tune-Mode. Dieser öffnet 15 fein abgestufte Unterstützungsstufen und umfangreiche Kennfeldparameter, erfordert jedoch etwas Einarbeitung und richtet sich eher an Rider, die Spaß daran haben, ihr Motorsetup bis ins Detail zu optimieren.

Was die App hingegen nicht abbildet, ist Navigation: Dafür braucht es die separate E-TUBE RIDE-App, die als zweite Anwendung installiert werden muss. Die geplanten Routen lassen sich zudem nicht auf das Display des Bikes übertragen – ohne Handy-Halterung oder Smartphone in der Tasche geht hier wenig. Insgesamt bleibt der EP8 damit ein Motor, der funktional zwar vieles richtig macht, im Detail aber zeigt, dass die Konkurrenz inzwischen ein deutlich moderneres Bedien- und App-Erlebnis bietet.

EMTB Motor Vergleichstest Best eMTB Motor 2026 Test WEB 0868
Parameter Unsere Messung Herstellerangabe
Gewicht des Motors (kg) 2,681 kg 2,7 kg
(nominelle) Akkukapazität (Wh) 583,2 Wh 626 Wh
Ladezeit von 0 auf 100 % SOC 4 h
Unterstützungsverhältnis (%) 325 % 410 %
Maximalleistung (W) 600 W
Maximales Drehmoment (Nm) 85 Nm
Reichweite* 20,2 km
Reichhöhe* 1.595 hm

*Die Werte wurden auf einer identischen Strecke mit durchschnittlich 8,5% Steigung ermittelt – bei einer konstanten Fahrerleistung von 150 W, einem Fahrergewicht von 72 kg sowie mit standardisierten Reifen: vorne MAXXIS HighRoller (DD, MaxxGrip) und hinten MAXXIS Minion DHR II (DD, MaxxTerra)

Der Shimano EP801 im Test

Der Shimano EP801-Motor auf dem Trail

Der Shimano EP801 zeigt sich auf dem Trail als kraftvoller Begleiter. Auch wenn er sich im direkten Vergleich etwas schwächer als ein Bosch CX der fünften Generation anfühlt, bleibt er ausnahmslos stark genug für nahezu alle (relevanten) Fahrsituationen. In engen Spitzkehren macht sich die feine Dosierbarkeit des EP801 bemerkbar.

Kadenzschwankungen werden gekonnt kaschiert, was die Fahrbarkeit deutlich erleichtert und auch für Einsteiger mit weniger rundem Tritt ein sicheres Gefühl vermittelt.
Das Abklingen der Motorunterstützung oberhalb der 25-km/h-Grenze fällt hingegen recht ruppig und deutlich spürbar aus. Bei sehr hoher Kadenz können Powerlöcher auftreten – der Motor steigt dann kurzzeitig komplett aus und lässt den Fahrer im Stich. Dieser Fall ist im Alltag nicht super relevant, zeigt sich aber bei technischen Anstiegen, wo der EP801 nicht mit der Speerspitze der Motoren im Test konkurrieren kann.

Schwächen leistet sich der Shimano EP801 auch bei der Traktion: Wenn es nass wird, hat man im Vergleich zur Konkurrenz schneller mit durchdrehendem Hinterrad zu kämpfen.
Geräuschseitig neigt der EP801 bergab zum Klappern. Je nach Rahmen und dessen Kinematik ist diese Problematik mal mehr, mal weniger stark ausgeprägt – im von uns getesteten Propain Sresh CF herrschte angenehme Ruhe.

EMTB Motor Vergleichstest Best eMTB Motor 2026 Test WEB 2349
EMTB Motor Vergleichstest Best eMTB Motor 2026 Test WEB 2116 600x400 EMTB Motor Vergleichstest Best eMTB Motor 2026 Test WEB 2053 600x400

Der Shimano EP801 auf dem Prüfstand

Dieser Motor machte alle Mühen, nicht vermessen zu werden. Offenbar bemerkte die Elektronik, dass ihre Ströme gemessen werden, und so konnten oft nur wenige Sekunden Fahrt vermessen werden, bevor der Motor abschaltete. Und so sind die gemessenen Werte auch nach unserer intensiven Gegenprüfung und Fehlerkorrektur mit Vorbehalt zu bewerten.
In der höchsten Unterstützungsstufe schiebt der EP8 bereits bei sehr geringer Fahrerleistung voll an und erreicht auch die angegebene Maximalleistung. Die Unterstützung startet somit bei hohen 893 % und reduziert bei hohen Leistungen auf immer noch 220 %.
In der 30 minütigen Dauerfahrt bei Vollbelastung zeigt der Shimano EP801 nach knapp über 10 Minuten einen kurzzeitigen Leistungseinbruch von 80 W, und fällt anschließend kontinuierlich bis auf magere 100 W ab.
Der Geräuschpegel bildet die hohe Anfangsleistung des Motors ab: Bei der Fahrt in der Ebene ist der Shimano der lauteste im Feld und ist dazu noch sehr tonal, also auffallend. Bergauf und bei etwas höherer Kadenz ist er dagegen am lauten Ende des Mittelfeldes, wenn auch immer noch eher tonal.

06 EP8 korrigiert 06 EP8

Tuning-Tipp für Hersteller: Beim Nachfolger-System eine bessere Remote und ein besseres Display entwickeln sowie die Traktionskontrolle optimieren. Geräuschentwicklung bergab eliminieren sowie mehr Funktionsumfang in der App.

Für wen ist der Shimano EP801, für wen nicht?

Der Shimano EP801 richtet sich an Fahrerinnen und Fahrer, die ein natürliches, fein dosierbares Fahrverhalten schätzen und viel Wert auf intuitive Kontrolle legen. Besonders in technischen Sektionen und engen Spitzkehren spielt der Motor seine Stärken aus: Er reagiert sensibel, verzeiht unruhige Kadenz und vermittelt auch weniger erfahrenen E-MTB-Ridern ein sicheres Gefühl.

Weniger geeignet ist der EP801 für Rider, die maximale Power, kompromisslose Traktion und ein modernes Bedien- und Anzeigeerlebnis erwarten. Powerlöcher bei hoher Kadenz, das abrupte Abschalten oberhalb von 25 km/h und die schwächere Performance bei Nässe können ambitionierte E-Enduro-Fahrer limitieren. Auch das teils deutliche Klappern bergab sowie die in die Jahre gekommene Remote- und Display-Ergonomie machen den Motor für Performance-Fans weniger attraktiv. Wer absolute Spitzenleistung sucht oder regelmäßig in anspruchsvollem, rutschigem Terrain unterwegs ist, findet bei der Konkurrenz die ausgefeilteren Systeme.

EMTB Motor Vergleichstest Best eMTB Motor 2026 Test WEB 2553

Fazit zum Shimano EP801 – Die Schwächen liegen im Detail

Der Shimano EP801 bietet immer noch ein gut funktionierendes Gesamtpaket mit intuitivem Fahrverhalten und netten Features, wie zum Beispiel der Automatikschaltung in Verbindung mit Shimanos hauseigenem Di2-Schaltsystem.
Der EP801 bewegt sich jedoch in keiner Kategorie an der Spitze – in den Details offenbaren sich kleine, aber entscheidende Abstriche wie beim Bedien- und Anzeigekonzept oder der Traktion, wo der EP801 weit hinter die starke Konkurrenz zurückfällt. Um die Marktrelevanz langfristig nicht weiter zu verlieren, sind neue Entwicklungen aus Japan dringend erforderlich.

Tops

  • intuitives Fahrverhalten
  • kraftvoller Durchzug
  • AUTO- und FREE SHIFT-Funktionen in Verbindung mit Shimano Di2-Schaltungen

Flops

  • Powerlöcher bei hoher Kadenz
  • Remote und Anzeige veraltet
  • Klappern bergab

Alle weiteren Informationen findet ihr auf der Website von Shimano.


Das Testfeld

Einen Überblick über diesen Vergleichstest erhaltet ihr hier: Was ist der beste E-Bike-Motor 2026? E-Bike-Motoren-Test mit 11 Modellen im Vergleich

Alle Motoren im Test:

Avinox M1, Bosch Performance Line CX Gen5, Bosch Performance Line CX-R, Bosch Performance Line SX, FAZUA Ride 60, Mahle M40, maxon Air S, Pinion MGU E1.12, Shimano EP801, S-Works 3.1, TQ HPR60

Motoren VT EMTB WEB 011 1

 


Words: Lars Engmann Photos: Peter Walker