Alt vs. Neu – Wie schlägt sich der neue Shimano EP8-Motor im Vergleich zum Vorgängermodell STEPS E8000? Wie deutlich sind die Unterschiede wirklich? Hat der neue Motor nur Vorteile oder gibt es auch Nachteile? Wir haben beide Motoren unter gleichen Bedingungen und in nahezu identischen Husqvarna-Bikes für euch getestet.

Shimano STEPS E8000 vs. Shimano EP8

Ein E-Bike-Motor ist nur so gut wie das Bike, in dem er steckt. Um Parameter und Einflussgrößen wie Hinterbaukinematik, Rollwiderstand, Sitzposition und Co. in den Hintergrund zu rücken und uns ganz auf den Fahreindruck der beiden Shimano-Motoren konzentrieren zu können, haben wir die Motoren in zwei nahezu identischen Husqvarna Mountain Cross-E-Mountainbikes getestet. Den neuen Shimano EP8 sind wir im 2021er Husqvarna Mountain Cross 7 mit 150 mm Federweg und 630-Wh-Akku gefahren. Analog dazu ist der Shimano STEPS E8000 in einem Husqvarna Mountain Cross 8 von 2020 verbaut. Beide Rahmenplattformen und der verbaute Akku sind ebenso identisch wie die von uns gewählte Reifenkombination mit einem 27,5” x 2,6” breiten Schwalbe Hans Dampf am Heck. Außer dem Motor ist das Laufradkonzept der größte Unterschied zwischen unseren Test-Bikes. Denn für 2021 setzt Husqvarna auf das MX-Konzept mit größerem 29”-Laufrad an der Front.

Faire Testbedingungen dank fast identischer Test-Bikes. Das Husqvarna Mountain Cross von 2020 mit dem alten STEPS E8000 und das 2021er-Modell mit dem neuen EP8.
Beim Setup haben wir penibel auf gleiche Bedingungen geachtet und sind die gleichen Hinterreifen mit identischem Luftdruck gefahren

Shimano EP8 – Leichter als sein Vorgänger
2,88 kg vs. 2,57 kg

Magnesium ist das neue Gold: Bosch und Brose haben es vorgemacht, ihre neuesten High-End-Motoren auf die Magnesium-Diät gesetzt und so ordentlich Gewicht im Gehäuse der Motoren eingespart. Auch Shimano setzt beim neuen EP8-Motor auf Magnesium statt wie bisher beim STEPS E8000 auf das schwerere Aluminium. Dadurch sparen die Japaner insgesamt um die 300 g Gewicht ein.

Der Shimano EP8 liefert mehr Drehmoment
70 Nm vs. 85 Nm

Mit der Steigerung des maximalen Drehmoments ist der neue EP8-Motor um 21 % kraftvoller als der vier Jahre alte STEPS E8000. Allerdings macht sich das auf dem Trail oftmals gar nicht bemerkbar. Denn wie bei fast allen E-Bike-Motoren liegt das maximale Drehmoment in vielen Situationen gar nicht an und der Motor erreicht seine maximale Leistung auch mit weniger Kraft.

Geschmeidiger und akkuschonend – Weniger Tretwiderstand
36 % weniger Widerstand

Der interne Tretwiderstand des EP8 wurde laut Shimano um 36 % reduziert. Das haben die Japaner durch eine Überarbeitung des Getriebes und neue Dichtungen der Lager erreicht, die alle weniger Reibung erzeugen. Ob es genau 36 % sind, konnten wir natürlich nicht klären. Aber auf dem Trail lässt sich beim EP8 kein Tretwiderstand feststellen, während der alte STEPS E8000 jenseits der 25 km/h einen spürbaren Tretwiderstand hat. Doch die reduzierte interne Reibung zeigt sich nicht nur jenseits der 25-km/h-Grenze positiv, sondern auch beim Akkuverbrauch.

Beim Wettrennen über der 25-km/h-Grenze hat der neue EP8 die Nase klar vorn: Der alte Motor raubt mit seinem spürbaren Tretwiderstand ordentlich Körner.

Leiser, aber lauter
Summen vs. Klackern

Zugegeben, die wahrgenommene Lautstärke eines Motors hängt immer auch mit dem Rahmen zusammen, in dem er verbaut ist. Immerhin agiert er als Resonanzkörper und kann das Summen des Elektromotors auch um ein Vielfaches verstärken. Doch genau dieses Summen ist beim neuen Shimano EP8-Motor deutlich leiser als bei seinem Vorgänger. Fährt man in der Ebene auf einem EP8 neben einem STEPS E8000-Motor, hört man fast ausschließlich die Motorengeräusche des E8000-Bikes. Dennoch ist der neue EP8-Motor in vielen Situationen lauter. Nicht weil er summt, sondern weil er klackert: Bauartbedingt kommt es beim internen Getriebe zu Klackgeräuschen, die bei einem Lastwechsel an der Kette entstehen – beim Ein- und Aussetzen der Unterstützung und beim Einfedern des Hinterbaus, z. B. bergab auf dem Trail oder wenn man über unebenen Untergrund fährt. Der feuchte Traum vom leisen Bike, dem viele ambitionierte Mountainbiker nachhängen, ist damit dahin. Ebenso wie die Bemühungen vieler Hersteller, durch fix verlegte Züge und clevere Lösungen für den Kettenstrebenschutz Ruhe am Rad zu erreichen.

Wir konnten es kaum glauben, aber ein Rütteln am Kettenblatt hat es bestätigt: Der neue Shimano EP8-Motor klackert, sobald Kettenkräfte das Kettenblatt rotieren.

Kleiner Motor ganz groß

Der neue EP8 ist um einiges kompakter als der STEPS E8000. Die Bike-Hersteller stellt das aber vor keine große Herausforderung, denn das Interface zwischen Rahmen und Motor – also die Anschraubpunkte – bleiben Shimano-typisch bestehen. So können die Bike-Hersteller ihre bereits entwickelten Rahmenplattformen weiter nutzen. Neue Hinterbaukinematiken und Rahmendesigns lässt der EP8 nämlich kaum zu, da er vor allem auf der Unterseite kleiner geworden ist. Auf dem Trail resultiert das in etwas mehr Bodenfreiheit, wodurch man mit dem neuen EP8 weniger häufig an Hindernissen aufsetzt.

Bei gleichem Interface zum Rahmen (obere Anschraubpunkte), konnte der neue EP8 vor allem im vorderen unteren Bereich abspecken. Dadurch bietet er mehr Bodenfreiheit.

Mehr Tuning

Jetzt, wo wir eure Aufmerksamkeit haben, kommen wir wieder zum Wesentlichen. Nein – auch mit dem EP8 ist an der gesetzlichen Geschwindigkeitsgrenze (25 km/h in Europa) Schluss. Wie auch schon beim alten STEPS E8000 lassen sich aber die Fahreigenschaften und die Charakteristik des neuen Motors feintunen im Sinne von anpassen. Die Setup-Möglichkeiten sind beim EP8 nun deutlich vielfältiger. So können in der E-TUBE PROJECT-App jeweils drei Parameter der Unterstützungsstufen Eco, Trail und Boost angepasst werden. Darüber hinaus lassen sich zwei Fahrprofile mit unterschiedlichen Setups auf das Bike spielen, damit auch auf der Tour zwischen zwei Motorcharakteristika gewechselt werden kann.

Motor-Tuning on the fly: Mit dem neuen Display kann zwischen zwei Fahrprofilen gewechselt werden.

E-Mountainbike trifft Smartphone – Mehr Connectivity

Auch in Sachen Konnektivität hat der neue EP8 die Nase vorn, denn er ist im Unterschied zum STEPS E8000 out of the Box mit der E-TUBE RIDE-App kombinierbar. Dafür benötigt der alte Motor einen speziellen Bluetooth-Dongle, wenn er mit dem STEPS E8000-Display ausgeliefert wurde. Das günstigere E7000-Display hingegen war schon seit jeher auch ohne Dongle mit der neuen App kombinierbar. Für so viel Verwirrung im Datenstrom und bei der Kompatibilität gibt es Punktabzug für den alten Motor. Lob gibt es dennoch für Shimano, weil die neue E-TUBE RIDE-App abwärtskompatibel ist und somit auch den älteren Motoren zur Verfügung steht. Hier ist der entscheidende Faktor das verbaute Display bzw. dessen Bluetooth-Konnektivität.

Wie schlägt sich der neue Shimano EP8-Motor gegen den alten STEPS E8000 auf dem Trail?

Messbare Richtwerte und Fakten aus dem Datenblatt sind das eine, doch was wirklich zählt, ist die Fahrleistung auf dem Trail. Kann der neue Shimano-Motor seinen über vier Jahre alten Vorgänger abhängen? Kann man ihn trotz gesteigertem Drehmoment noch kontrollieren und wie nervig ist die Geräuschkulisse tatsächlich?

Über vier Jahre liegen zwischen dem neuen und dem alten High-End-Motor von Shimano. Galt der STEPS E8000 bei seiner Vorstellung noch als revolutionär, war ein Update – wie auch unser großer Motoren-Vergleichstest zeigt – mehr als überfällig. Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass wir euch eine schnelle Antwort auf die Frage geben können: Ja, der neue EP8 ist auf dem Trail viel besser als der alte Shimano STEPS E8000.

Nicht erst seit dem Launch des neuen EP8-Motors merkt man dem STEPS E8000 sein Alter an. Der Generationenwechsel war mehr als fällig und ist geglückt!

Max und Felix haben bereits auf dem Trail ausgiebig über die Unterschiede im Ansprechverhalten der Shimano-Motoren diskutiert.

Im Detail lassen sich zahlreiche Verbesserungen in der Charakteristik des Motors feststellen: Egal in welchem Fahrszenario arbeitet der EP8 natürlicher und bringt, falls gewünscht, mehr Motorleistung geschmeidiger auf den Trail. Besonders deutlich wird das im Trail-Modus. Wie auch beim alten Motor erkennt der EP8 die Fahrsituation und regelt das Level an Unterstützung je nach App-Setup in den Grenzen von Eco bis Boost. Das Besondere: Durch eine Reduktion der „Fahrcharakteristik“ bei vollem Drehmoment lässt lässt sich der Trail-Modus noch progressiver einstellen. Dieses Feature können vor allem sportive Fahrer nutzen: Der Motor ruft in dieser Einstellung noch immer seine maximale Kraft ab, benötigt dafür aber noch mehr Eigenleistung am Pedal.

Bei so vielen Parametern, die sich per App programmieren lassen, hat das Testen zugegebenermaßen länger gedauert, als wir dachten …
Zum Glück hatten wir ein regendichtes Fahrerlager inklusive „Werkstattwagen“ vor Ort

Besonders an steilen Rampen und in technisch herausfordernden Passagen bergauf zeigen die beiden Motoren sehr große Unterschiede in ihrer Power. Vor allem das um 15 Nm gesteigerte Drehmoment lässt den EP8 beim Beschleunigen, unter großer Last oder bei niedrigen Trittfrequenzen – z. B. bei falscher Gangwahl – am alten Motor vorbeiziehen. Im Boost-Modus gibt sich der STEPS E8000 giftiger und schwerer zu beherrschen als der neue EP8. Der alte prescht oftmals ungewollt stark nach vorn, wodurch das Vorderrad steigen oder das Hinterrad durchdrehen kann. Mit dem neuen Motor lässt sich die Motorpower viel intuitiver und gefühlvoller dosieren, egal ob beim Anfahren oder auf besonders rutschigem Untergrund. Während der Boost-Modus beim alten Shimano-Motor nur auf der Forststraße sinnvoll ist, bietet der Modus jetzt auch für technisch besonders schwere und steile Trails eine kraftvolle Unterstützungsstufe.

„Wo bleibst du?“ Diese knifflige Passage hat Felix mit dem EP8 kurz vorher gemeistert. Max hat bergauf mit dem ungestümen Boost-Modus des alten Shimano-Motors zu kämpfen und muss absteigen.

Der Boost-Modus lässt sich mit dem neuen Shimano-Motor viel besser kontrollieren als mit dem alten. Obwohl er mehr Power hat, bringt der EP8 seine Kraft besser auf den Trail.

Auch wenn der neue EP8 den alten Motor auf dem Trail weit hinter sich lässt, muss er sich doch in der Disziplin „Geräuschkulisse“ geschlagen geben. Fast alle Hersteller versuchen fieberhaft, E-Mountainbikes leiser zu machen, wofür sie auf allerhand Tricks zurückgreifen: Vom speziell geformten Kettenstrebenschutz aus besonders weichem Kunststoff über spezielle Klemmungen und Führungen für die Züge im Rahmen bis hin zu speziellem Schaumstoff, der Resonanzkörper verkleinern soll – es kommen zahlreiche Methoden zum Einsatz. Doch all diese Mühen bringen nichts, wenn ein Motor nicht nur im Downhill, sondern auch an Bordsteinkanten oder auf Kopfsteinpflaster mitunter laut klappert. Und genau das tut der neue Shimano EP8. Schuld ist das neu gestaltete Getriebe. Es reduziert zwar den Tretwiderstand so weit, dass man ihn oberhalb der 25-km/h-Grenze nicht mehr wahrnimmt, reagiert aber mit lauten Geräuschen auf Erschütterungen und Kettenkräfte. Dieser Punkt geht also ganz klar an den alten Motor. Wir sind gespannt, ob und wie Shimano hier nachbessern wird.

Abgehängt: Mit Ausnahme der Klappergeräusche liegt der neue Shimano EP8 im direkten Vergleich mit seinem Vorgänger STEPS E8000 klar vorn!

Fazit

Der neue Shimano EP8-Motor ist in fast jeder Hinsicht besser als der alte STEPS E8000. Er vereint vermeintliche Gegensätze miteinander und ist sowohl kraftvoller als auch gefühlvoller. Sein natürlicher, sportlicher Charakter erreicht jetzt auch den starken Boost-Modus, wodurch technische Trails zum Spielplatz werden. Obwohl der neue Motor im Uphill um ein Vielfaches leiser und unauffälliger arbeitet, ist die Geräuschkulisse des EP8 störend.

Noch mehr Infos zum neuen Shimano EP8-Motor, zu Akkus, Displays, Software und Co. findet ihr ebenso wie alle bereits von uns getesteten Bikes in unserem großen Shimano EP8-Special (zum Test).


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Text: Felix Stix Fotos: Robin Schmitt, Felix Stix

Über den Autor

Felix Stix

Felix ist Testchef und unbestritten einer der besten Testfahrer der Welt. Mit seinem abgeschlossenen Sports-Engineering-Studium, exzellenten MTB-Skills, einer Bike-Guide-Ausbildung und seiner Liebe zur Technik hat Felix alles, was es für eine umfassende und faire Beurteilung von Bikes braucht. Seine legendären Vergleichstests sind international bekannt und gefürchtet und werden aufgrund der ausführlichen Erläuterungen und technischen Erklärungen gerne mal ein bisschen länger. Pro Jahr testet er weit über 100 Bikes, seine Spezialgebiete sind Reifen, Motoren, Fahrwerke – und im Winter auch Ski! Sein Know-how fließt in jeden unserer Tests mit ein und trägt so zur hohen redaktionellen Qualität bei.