Der S-Works 3.1-Motor im Specialized S-Works Turbo Levo 4 bekommt ein Power-Update und will nicht nur mit seiner Trail-Performance, sondern vor allem auch mit seinem starken Ökosystem punkten. Doch wie schlägt sich der S-Works-Motor im Vergleich gegen die starke Konkurrenz? Und was bringt das neue Update für Neuerungen?

Dieser Artikel gehört zu unserem großen Motoren-Vergleichstest 2026. Klickt hier, um alle elf getesteten Systeme, die neuesten Trends und umfangreiche Ergebnisse aus dem Labor und der Praxis zu lesen.

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S-Works 3.1 | 111 Nm | 850 W | 3,09 kg | Hersteller-Website

Kein neues Bike ohne neuen Motor – so jedenfalls bei Specialized. Mit dem Launch des neuen Turbo Levo 4 haben die Kalifornier gleichzeitig ihren neuen S-Works 3.1-Motor vorgestellt – wie schon beim Vorgänger-Motor 2.2 erneut in enger Kooperation mit Brose. Beim neuen 3.1-Motor verabschiedet sich Specialized jedoch vom anfälligen Riemen des alten Modells, was für mehr Zuverlässigkeit sorgen soll.

Neu: Erstmals teilt man den Antrieb in zwei Varianten auf – Specialized 3.1 und S-Works 3.1. Beide sind mechanisch identisch und unterscheiden sich nur softwareseitig. Mit dem jüngsten Software-Update legt Specialized noch einmal nach. Höhere Spitzenleistung und fein abgestimmte Motorcharakteristik für beide 3.1-Motoren. Doch reicht das, um die Benchmark zu setzen? Wie sich der Motor des Bike-Giganten gegen renommierte Motorenhersteller schlägt, lest ihr hier!

Der S-Works 3.1-Motor im Detail – Watt ever it takes

Was hat sich mit dem Power-Update geändert?

Der S-Works 3.1-Motor kommt – wenig überraschend – nur im neuen Specialized S-Works Turbo Levo 4 zum Einsatz. Die Drive Unit lässt den Tretlagerbereich recht massiv wirken und der Motor ist deutlich größer als ein Bosch CX, Avinox M1 oder MAHLE M40, bleibt aber noch deutlich kompakter und eleganter integriert als der wuchtige Pinion MGU.

Mit dem Power-Update liefert der S-Works 3.1 die zweithöchsten Leistungswerte im gesamten Testfeld, direkt hinter dem Avinox M1. Die Spitzenleistung steigt von 720 W auf 850 W, das maximale Drehmoment bleibt mit 111 Nm unverändert. Auch der leistungsschwächere Specialized 3.1-Motor profitiert vom Update: Statt 666 W leistet er nun bis zu 810 W und legt beim Drehmoment leicht von 101 Nm auf 105 Nm zu. Doch das Update bringt nicht nur mehr Power, sondern auch Feinschliff in der Motorcharakteristik.

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Mit den höheren Leistungsdaten wurden auch die Unterstützungsfaktoren der sogenannten Dynamic Micro Modes angepasst, während das Ausfaden der Unterstützung sanfter passieren soll. Dazu kommt ein überarbeiteter Motor-Speed-Signal-Filter, der Vibrationen und hochfrequente Geräusche bei Trittfrequenzen über 75 U/min reduzieren soll – außerdem wurde das Ansprechverhalten während des Nachlaufs verbessert.

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Mit einem Gewicht von 3,09 kg gehört der S-Works 3.1 zwar zu den schwereren Full-Power-Antrieben im Test – nur der Pinion MGU-Motor bringt noch mehr auf die Waage –, liegt aber nur rund 200 g über dem Bosch Performance Line CX. Verbaut wird der Motor im Turbo Levo 4, das zwei Akku-Optionen bereithält: einen großen 840-Wh-Akku sowie eine kleinere 600-Wh-Variante. Beide lassen sich superbequem seitlich entnehmen. Praktisch beim Laden oder Akkuwechsel unterwegs. Der optionale 280-Wh-Range-Extender erweitert die Gesamtkapazität noch einmal deutlich und kann sogar als einzige Energiequelle genutzt werden. So könnt ihr für kurze Feierabendrunden auch nur mit dem kleinen Zusatzakku starten.

Geladen werden die Batterien mit dem S-Works 12-A-Schnellladegerät. Das ist optisch zwar wuchtig und schwer, ist aber das einzige Ladegerät im Test, bei dem sich einstellen lässt, wie schnell und weit die Akkus geladen werden sollen. Zur Auswahl stehen die Modi Fast, Standard, Eco und 80 %, der die Lebensdauer des Akkus schonen soll. Im „Fast”-Modus lädt der Charger den 840-Wh-Akku in gerade einmal zwei Stunden auf und nimmt mit einer durchschnittlichen Ladeleistung von 7,3 Wh/min somit den ersten Platz vor dem Avinox und TQ ein. Für alle anderen Turbo-Levo-Modelle gibt es das kleinere und leichtere Specialized-Ladegerät mit 5-A-Ladestrom. Das lädt zwar langsamer, hat aber im Vergleich zu Konkurrenzsystemen, wie beispielsweise dem Bosch-Charger, immer noch ordentlich Power.

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Am Cockpit setzt Specialized auf eine minimalistische, kabelgebundene Remote mit gummierter Oberfläche. Sie ist griffig, robust und hochwertig verarbeitet. Positiv: die kompakte Bauweise und das breite Funktionsspektrum. Weniger gelungen ist hingegen die spärliche Beschriftung, durch die viele Funktionen zunächst verborgen bleiben – hier muss man sich etwas einarbeiten.

Über die Remote lassen sich die vier Unterstützungsstufen anwählen: Eco, Trail, Turbo und Auto. Letztere lässt sich zusätzlich feinjustieren in Auto- oder Auto+, je nachdem wie reaktiv der Automatik-Modus ist und die Unterstützung sich euch anpassen soll. Dazu kommen Micro Tune und Dynamic Micro Tune. Bei ersterem lässt sich die Motorleistung in 10-%-Schritten exakt anpassen, während Dynamic Micro Tune den Support dynamisch auf euren Input abstimmt. Sprich: Latscht ihr beim Antreten vor einem Sprint voll rein, gibt der Motor auch die volle Unterstützung frei. Das funktioniert auf dem Trail erstaunlich intuitiv und gibt euch viel Kontrolle über den Motor.

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Das schick ins Oberrohr integrierte Display ist eines der besten im Test, es bietet eine gestochen scharfe Darstellung und beeindruckt mit seiner Funktionsvielfalt. Über die App lässt es sich fast grenzenlos individualisieren, mit unzähligen Datenseiten und Layouts, die ihr nach euren Vorlieben zusammenstellen könnt. Die Specialized-App selbst setzt Maßstäbe und ist zusammen mit der Avinox Ride-App die beste im Test: intuitiv, logisch aufgebaut und vollgepackt mit Features.

Der digitale Motor-Lock funktioniert zuverlässig und lässt sich per PIN sperren oder automatisch entsperren, sobald ihr euch nähert. Der Alarmton ist hörbar, könnte aber noch etwas lauter sein. Eine Navigationsfunktion gibt es nicht, dafür aber eine umfangreiche und gut funktionierende Ride-Tracking-Funktion mit frei konfigurierbaren Datenfeldern. Alle Fahrmodi können unabhängig voneinander in Drehmoment, Motorleistung, Ansprechverhalten und Nachlauf abgestimmt werden. Wer keine Lust aufs eigene Tuning hat, wählt eines der drei vorkonfigurierten Profile: Universal, No Time to Waste oder Battery Friendly.

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Dazu kommen Features wie GPS-Tracking mit „Wo ist?“-Integration, Reichweitenprognosen und Kompatibilität mit Strava, Komoot, Garmin, Wahoo und Apple Health. Auch Herzfrequenzsensoren oder die Apple Watch lassen sich direkt koppeln – inklusive Live-Datenanzeige. Updates laufen bequem over the air und selbst Diagnose- und Serviceinfos wie Ladezyklen, Akkugesundheit oder Gesamtkilometer sind direkt einsehbar. Kurz gesagt: Keine App im Test bietet mehr Kontrolle, mehr Tiefe und gleichzeitig so viel Übersicht. Specialized liefert hier die durchdachteste und funktionsreichste App auf dem Markt.

Parameter Unsere Messung Herstellerangabe
Gewicht des Motors (kg) 3,09 kg
(nominelle) Akkukapazität (Wh) 814,9 Wh 840 Wh
Ladezeit von 0 auf 100 % SOC 2 h
Unterstützungsverhältnis (%) 400 %
Maximalleistung (W) 850 W
Maximales Drehmoment (Nm) 111 Nm
Reichweite* 21,8 km/h
Reichhöhe* 1.751 hm

*Die Werte wurden auf einer identischen Strecke mit durchschnittlich 8,5 % Steigung ermittelt – bei maximaler Unterstützungsstufe, einer konstanten Fahrerleistung von 150 W, einem Fahrergewicht von 72 kg sowie mit standardisierten Reifen: vorne MAXXIS HighRoller (DD, MaxxGrip) und hinten MAXXIS Minion DHR II (DD, MaxxTerra)

Der S-Works 3.1-Motor im Test

Der S-Works 3.1-Motor auf dem Trail

Im Vergleichstest positioniert sich der S-Works 3.1 als einer der ausgereiftesten Allrounder im Test. Der Motor zeigt sich auf dem Trail als kraftvoller und kontrollierter Antrieb. Seine Charakteristik lässt sich am besten mit den Worten: Konstanz, Kontrolle und Kraft beschreiben. Er erinnert weniger an ein nervöses Rennpferd, sondern eher an ein starkes Arbeitstier. Kontrolliert in der Kraftentfaltung und mit starkem Durchzug.

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Unten heraus agiert der S-Works 3.1 mit viel Drehmoment, ähnlich wie der Pinion MGU-Motor. Er reagiert feinfühlig auf Pedalinput und spricht sensibel an, doch anstatt seine Kraft schlagartig freizugeben, baut er sie gleichmäßig und kontrolliert auf. Das fühlt sich weniger impulsiv an als beim Avinox M1, der bereitwillig seine Leistung freigibt. Der Specialized bleibt gelassener, schiebt mit Nachdruck, aber nie hektisch.

Das sorgt für ein kontrolliertes Fahrerlebnis und eine hohe Traktion auf losem Untergrund oder technischem Terrain. Besonders auf langen Uphills oder ausgedehnten Touren zeigt der S-Works 3.1 Ausdauer. Selbst bei sinkendem Akkustand unterstützt der S-Works 3.1 noch mit voller Leistung und vermittelt das Gefühl, nie aus der Puste zu geraten. Nur wer auf steilen Rampen anfahren will, braucht etwas Eigenleistung, bis der Motor einsetzt und unterstützt. Das ändert sich auch bei unterschiedlichen Einstellungen der Modi nicht.

Der Nachlauf überzeugt auf technischen Passagen mit kräftigem und vorhersehbarem Schub und lässt sich per App fein abstimmen. Auch das Ausfaden der Unterstützung an der 25-km/h-Grenze funktioniert nach dem Update deutlich smoother als zuvor. In puncto Traktion zeigt sich der Motor von seiner besten Seite. Der Fuß klebt förmlich am Pedal und auch auf losem oder nassem Untergrund generiert man zuverlässig Vortrieb.

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Einziges Manko – selbst nach dem Update: Fährt man mit hoher Kadenz auf einen Hang zu, muss der S-Works 3.1 seine Unterstützung oben heraus etwas drosseln. Das ist zwar weniger auffällig als bei den Motoren von Shimano oder MAHLE, die in ein stärkeres Leistungsloch fallen, und zeigt sich auch nur bei sehr sportlicher Fahrweise mit hoher Kadenz, ist aber dennoch spürbar. Akustisch bleibt der S-Works 3.1 zurückhaltend, liegt aber leicht über dem Bosch CX-Motor. Mit dem neusten Update hat sich auch das Motorgeräusch etwas gesenkt und bei geringer Last brummt der S-Works 3.1 tief und angenehm, unter hoher Belastung wird er etwas präsenter, aber nie unangenehm laut. Bergab ist er nahezu lautlos und stört das Fahrerlebnis kein bisschen.

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Der S-Works 3.1-Motor auf dem Prüfstand

Auf dem Prüfstand konnten wir dem Motor bei der Kadenz von 75 U/min nur 92 Nm und damit 724 W entlocken. Seine maximale Leistung von 850 W wird der Motor vermutlich erst bei höherer Kadenz entfalten. Dabei war der Unterstützungsfaktor nicht der limitierende Faktor, der von hohen 690 % bei einer Fahrerleistung von 50 W bis 290 % bei 250 W reichte. Auffällig war aber das Drehmoment des Motors, welches ab 150 W Fahrerleistung 92 Nm nicht mehr überschreiten wollte und damit deutlich unter den vom Hersteller angegebenen 111 Nm lag.

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Beim De-Rating-Test hatte die Motorelektronik die Leistung nach 10 Minuten von gut 700 W innerhalb einer Minute auf 500 W gedrosselt und dort bis zum Testende belassen.

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Bei der Freifeld-Geräuschmessung zeigt sich der S-Works 3.1-Motor an Steigungen mit höherer Kadenz als einer der leiseren Motoren mit einem angenehm geringen tonalen Anteil. Allerdings singt er auf der Ebene mit mäßiger Kadenz um 600 Hz tonal und recht laut mit.

Tuning-Tipp für Hersteller: verbessertes Ansprechverhalten auf steilen Anstiegen

Für wen ist der S-Works 3.1-Motor, für wen nicht?

Der S-Works 3.1 steht für Traktion, Konstanz und Kontrolle. Sein lineares Ansprechverhalten sorgt für gleichmäßigen Schub, egal, wie lang oder steil der Anstieg wird. Dazu kommt das starke Specialized-Ökosystem mit Schnellladegerät, entnehmbarem Akku, Range Extender und einer App, die mehr Einstellfreiheit bietet als jedes andere System im Test. Wer will, kann den Charakter des Motors von entspannt bis sportlich feinjustieren, was ihn extrem vielseitig macht. Nicht sein Ding: Optik-Puristen, die auf eine besonders schlank integrierte Drive Unit stehen, könnten sich an den recht großen Proportionen stören.

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Fazit zum S-Works 3.1-Motor

Der S-Works 3.1 überzeugt vor allem mit enormer Anpassbarkeit und dank praktischer Features lässt sich der Charakter des Motors zudem fein abstimmen. Auf dem Trail punktet der Motor mit starker Traktion, konstantem Durchzug und souveräner Kontrolle. Ergänzt wird das im Alltag von einem Schnellladegerät, Range Extender und der besten App im Testfeld. Kleine Schwächen fallen nur bei sehr aggressiver Fahrweise auf, kosten aber eine Spitzenplatzierung. Unterm Strich ein durchdachtes, alltagstaugliches und extrem vielseitiges Motorsystem mit starkem Ökosystem in einem sehr starken Bike.

Tops

  • enorm hohe Anpassbarkeit des Motorsystems
  • starke Traktion
  • beste App & Konnektivität im Test
  • Schnellladegerät

Flops

  • etwas verzögertes Ansprechverhalten im technischen Uphill
  • recht massiver Motorbereich

Alle weiteren Informationen findet ihr auf der Website von Specialized.


Das Testfeld

Einen Überblick über diesen Vergleichstest erhaltet ihr hier: Was ist der beste E-Bike-Motor 2026? E-Bike-Motoren-Test mit 11 Modellen im Vergleich

Alle Motoren im Test:

Avinox M1, Bosch Performance Line CX Gen5, Bosch Performance Line CX-R, Bosch Performance Line SX, FAZUA Ride 60, Mahle M40, maxon Air S, Pinion MGU E1.12, Shimano EP801, S-Works 3.1, TQ HPR60

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Words: Benedikt Schmidt Photos: Peter Walker