
Mit dem neuen ROTWILD R.EXC bleibt die deutsche Edelmarke ihrer Linie treu: technisch eigenständig, konsequent auf Performance getrimmt und outstanding, was das Preisschild angeht. Schon auf dem Papier wirkt das neue E-MTB wie die logische Weiterentwicklung des ROTWILD R.EX.
Besonders spannend ist dabei das Gesamtpaket aus dem neuen Avinox-Antrieb und dem hauseigenen Akku-System. Denn auch wenn das neue ROTWILD R.EXC nicht mehr das einzige Avinox-Bike mit entnehmbarem Akku ist – auch das neue AMFLOW PR Carbon setzt jetzt auf ein entnehmbares Akku-Konzept –, verfolgt ROTWILD mit dem eigens entwickelten 864-Wh-Akku weiterhin einen eigenständigen Ansatz. Gleichzeitig bleibt ein alter Kritikpunkt bestehen: Geladen wird nach wie vor mit einem 7-A-Ladegerät. Richtiges Schnellladen bleibt damit noch aus. Schon beim ROTWILD R.EX war das ein Thema. Aber zurück zum Herzstück des Bikes: Der neue M2S-Motor liefert eine maximale Leistung von 1.300 W und 150 Nm Drehmoment.
Fakt ist: Der Avinox-Antrieb sorgt aktuell ordentlich für Wirbel. Warum? Wir haben das System bereits über 5.000 km auf den Trails in Spanien, der Pfalz und in Italien bewegt – und dabei ordentlich gefordert. Alles, was ihr darüber wissen müsst, erfahrt ihr hier.
Klar ist: Mit 14.990 € für das ULTRA fährt das ROTWILD R.EXC preislich ganz vorne im Premium-Segment mit. Beim Gewicht liegt das Bike mit 23,2 kg laut Hersteller dagegen eher im Mittelfeld aktueller Avinox-Bikes. Die haben wir euch übrigens hier zusammengetragen.
Noch spannender als der Motor ist beim neuen ROTWILD R.EXC aber fast schon das Chassis. Denn mit dem neuen Rocker, Dropouts am Hinterbau und Modular Headset setzt ROTWILD voll auf Variabilität.
Über drei unterschiedliche Dämpferpositionen am Rocker lässt sich das Heck auf 160, 155 oder 145 mm Federweg abstimmen. Gleichzeitig verändert sich auch die Progression: 16 % in der Full-Travel-Position stehen für ein besonders sattes, traktionsstarkes Setup, 14 % sollen den ausgewogenen Mittelweg aus Gegenhalt und Schluckfreude liefern und 12 % in der Short-Travel-Einstellung mehr Support bringen.
Dazu kommen austauschbare Dropouts, die unterschiedliche Hinterbaulängen und Laufradkonfigurationen erlauben. ROTWILD setzt dabei auf proportional mitwachsende Kettenstreben je nach Größe: M rollt mit kurzem Hinterbau und 27,5”-Hinterrad, L mit mittlerer Kettenstrebenlänge und ebenfalls 27,5” hinten, während XL auf einen langen Hinterbau und 29” am Heck setzt.
Zusammen mit dem Modular Headset, das wir schon vom R.EX kennen, wird schnell klar, worauf ROTWILD hier abzielt: ein Bike, das sich möglichst präzise auf Körpergröße, Strecke und Fahrstil zuschneiden lässt. Die Geodaten lehnen sich dabei stark am R.EX an.
| Größe | M | L | XL |
|---|---|---|---|
| Oberrohr | 596 mm | 622 mm | 649 mm |
| Sattelrohr | 445 mm | 475 mm | 511 mm |
| Steuerrohr | 110 mm | 115 mm | 125 mm |
| Lenkwinkel | 63,6° | 63,6° | 63,6° |
| Sitzwinkel | 78° | 78° | 78° |
| Kettenstrebe | 436 mm | 448 mm | 460 mm |
| Tretlagerabsenkung | 15,5 mm | 15,5 mm | 30,5 mm |
| Radstand | 1.248 mm | 1.287 mm | 1.328 mm |
| Reach | 460 mm | 485 mm | 510 mm |
| Stack | 640 mm | 644 mm | 653 mm |
Die Ausstattung am ROTWILD R.EXC ULTRA

Hier arbeitet an der Front eine FOX Podium Factory Kashima mit 170 mm Federweg und der GRIP X2-Kartusche. Die 160 mm am Heck verwaltet ein FOX DHX Neo Live elektronisch. Wie das genau funktioniert, lest ihr hier bei unserem Schwestermagazin ENDURO.
Bei der Ausstattung spart ROTWILD nicht an Highend-Komponenten – auch nicht beim Antriebsstrang: Mit der Shimano XTR Di2 und der Shimano CS 9200-Kassette (10–51T) verbaut die Marke ein hochwertiges, klar performance-orientiertes Schaltpaket.
Die Shimano XTR-Vierkolben-Bremsen mit 203-mm-Scheiben runden das Paket ab – ein Setup, das in Sachen Standfestigkeit und Dosierbarkeit auf Top-Niveau liegt.
Bei den Laufrädern fällt die Wahl auf Crankbrothers Synthesis Enduro Carbon-Laufräder. Die Reifenwahl mit Schwalbe Tacky Chan Evo überzeugt vorne in Ultra Soft und hinten in Soft zwar in Sachen Gummimischung, doch bei der Trail-Karkasse macht ROTWILD einen Kompromiss, den man auf harten Tracks kritisch hinterfragen muss. Für ein Bike dieses Kalibers und Gewichts wäre eine stabilere Gravity-Karkasse sinnvoller, um das Pannenrisiko zu minimieren.
Wie gewohnt ist bei ROTWILD die in den Rahmen integrierte EightPins NGS 2.0 Dropper Post (bis zu 225 mm Hub in XL) an Bord.
ROTWILD R.EXC PRO
Das günstigere ROTWILD R.EXC PRO setzt bei der Ausstattung auf eine klar praxisorientierte und robuste Linie. An der Front arbeitet eine RockShox ZEB Select+ mit 170 mm Federweg, am Heck der RockShox Vivid Select+. Beide kommen aber in Sachen Performance nicht an die Ultimate-Varianten heran, zudem wird die Gabel noch mit der 3.1-Kartusche geliefert statt mit der neuen 3.2.
Im Unterstübchen bleibt wie auch bei der ULTRA-Variante das neue Avinox M2S-System samt dem 864-Wh-Akku.
Das ROTWILD R.EXC wirkt auf den ersten Blick wie ein robustes Highend-E-MTB – mit reichlich Power, hoher Variabilität und klarer Zielgruppe. Gleichzeitig erinnert vieles stark an das bekannte ROTWILD R.EX – nicht nur auf dem Papier, auch optisch. Ob die zahlreichen Verstelloptionen am Ende wirklich den entscheidenden Unterschied auf dem Trail machen, müssen sie erst noch beweisen – stay tuned für unsere Review.
Words: Robin Ulbrich Photos: ROTWILD


