
Der Qore Drive³ Peak by Brose ist kein unbeschriebenes Blatt, zumindest nicht für aufmerksame E-MTB-Fans. Bereits 2023 feierte der Antrieb sein Debüt auf der EUROBIKE. Dann wurde es erst einmal still um ihn, und im Frühjahr 2025 hatte er dann seinen ersten großen Auftritt im Specialized Turbo Levo 4 – wenn auch gut getarnt hinter eigenen Logos, hauseigener Software und angepasster Hardware der Kalifornier. Während Specialized den Motor umfassend auf eigene Bedürfnisse zugeschnitten hat – Modifikationen im Motor-Inneren sowie ein eigenes Ökosystem mit Display, Remote, Software und App –, feiert der Qore Drive³ Peak nun endlich auch offiziell seinen Solo-Release. Ist der Qore Drive³ Peak by Brose nur ein Spätzünder oder schon ein Auslaufmodell?
Mit 95 Nm Drehmoment, bis zu 600 W Spitzenleistung und einem Unterstützungsfaktor von 600 % klingt der neue Qore-Motor auf dem Papier nicht schlecht, aber alles andere als Benchmark-verdächtig. Doch reine Zahlen sind bekanntlich nur die halbe Wahrheit.
Die spannendere Frage lautet: Hat das Solo-Debüt von Brose noch Potenzial? Wie schlägt sich der Qore Drive³ Peak by Brose auf dem Trail? Und wie stark unterscheidet er sich im Fahrgefühl vom S-Works 3.1 Motor? Wir haben beide Motoren für euch im direkten Vergleich getestet.
Brose, Yamaha, Qore – Ein neuer Name für Brose-Motoren?
Qore by Brose ist die neue Markenbezeichnung für Brose, deren Bike-Geschäft durch Yamaha übernommen wird. Das Entwicklungsteam in Berlin und auch der Service sollen wie gewohnt erhalten bleiben. Die Marke Qore wird dabei für die Übergangsphase eingeführt und soll auch künftig beibehalten werden. Der Claim: Born to perform. Doch kann sich das Qore by Brose-Konzept durchsetzen?
Das Ökosystem des neuen Qore Drive³ Peak by Brose Motors im Detail
Qore bietet für Bike-Hersteller ein gesamtes Ökosystem an, aus dem die OEMs wählen können. Erste Bikes mit dem Qore by Brose Motorsystem gibt es von den Launch-Partnern Waldbike und Campus. Zum Test haben wir ein eigenes Qore by Brose Bike erhalten, welches nicht am Markt verfügbar sein wird. Es dient ausschließlich als Teileträger für das neue E-Bike-System, das aktuell aus folgenden Einheiten besteht:
- Qore Drive³ Peak Motor
- Batterien InTube 650 oder 800
- Bedieneinheit Allround Controller mit integriertem Display
- 4,5-A-Smart Charger
In unserem Testbike gab es eine Abdeckung für ein Display im Oberrohr. Dieses soll wohl erst 2026 auf den Markt kommen – zusammen mit einer Remote-Einheit ohne Anzeige und einer Slide-In-Batterie.
Der Qore Drive³ Peak by Brose Motor in Zahlen
Der Motor liefert 600 W Maximalleistung, ein Drehmoment von bis zu 95 Nm und hat ein Unterstützungsverhältnis von höchstens 600 %. Mit 2,9 kg Motorgewicht (laut Hersteller) ist er kein Leichtgewicht, sondern liegt im oberen Bereich der Full-Power E-Bike-Motoren. Zum Vergleich: Ein Bosch Performance Line CX Gen5 (100 Nm/750 W) wiegt 2,8 kg, der DJI Avinox M1 (105 Nm/1.000 W) hingegen nur 2,5 kg.
Brose verspricht eine präzise dosierbare, kraftvolle und harmonische Unterstützung. Von der Masse abheben soll sich der Qore Drive³ Peak by Brose Motor mit besonderen Features wie dem per Tastendruck aktivierbaren Punch Mode, dem sich dynamisch anpassenden One Mode und dem Wechsel zu einem leisen Stirnradgetriebe anstelle des in früheren Brose-Motoren verwendeten Riemengetriebes.
Das Akku-Package am Qore Drive³ Peak by Brose Motor
Zum Marktstart stellt Qore zwei In-Tube-Akkus zur Verfügung: den InTube 800 mit nominal 792 Wh und den InTube 650 mit 649 Wh Kapazität. Geladen werden die Akkus mit dem Qore Smart Charger, der drei Modi bietet, die sich über einen Button am Ladegerät wechseln lassen: Eco, Standard und Fast. Im Eco-Modus wird der Akku mit 2,5 A nur bis zu 85 Prozent geladen, was laut Qore die Lebensdauer der Batterie um das Dreifache verlängern soll. Für die 85-%-Ladung des 792-Wh-Akkus vergehen dabei rund 5,4 Stunden. Im Standard-Modus fließen 3 A, was eine vollständige Ladung des großen Akkus in etwa 6 Stunden und 45 Minuten ermöglicht. Im Fast-Modus lädt der Charger mit 4,5 A die große Batterie in 4 Stunden und 33 Minuten auf. Im direkten Vergleich bleibt das Qore-Ladegerät damit aber klar hinter der Benchmark, wie etwa dem Schnellladegerät von DJI, zurück, das den 800-Wh-Akku in nur rund 2 Stunden und 15 Minuten voll knallt. Zu einem späteren Zeitpunkt sollen für das 48-V-Motorsystem noch ein kleiner 500-Wh-Akku sowie ein Range Extender verfügbar sein.
Die Remote am Qore Drive³ Peak by Brose Motor
Die Bedieneinheit Control Allround mit 1,9”-Farbdisplay soll mit einer ergonomischen Gestaltung, Tasten mit ordentlichem Druckpunkt und einer intuitiven Menüführung punkten. Wir fanden die Remote allerdings recht klobig und für den Trail-Einsatz zu exponiert platziert, sodass sie bei einem Sturz schnell in Mitleidenschaft gezogen werden kann. Auch die Ablesbarkeit der Infos auf dem Display war bei hoher Lichteinstrahlung nicht sehr gut. Zudem fanden wir die Bedienung nicht immer intuitiv, aber dazu unten mehr.
Eine Bluetooth-Schnittstelle wird Over-the-Air Software-Updates auch ohne Händler-Besuch ermöglichen. Mit der App sollen Motoreinstellungen, Fahrtaufzeichnungen und Datenauswertung möglich sein. Die App-Funktionen konnten wir zum Testzeitpunkt noch nicht ausprobieren. Eine USB-C-Schnittstelle am Controller dient als Ladeport für euer Smartphone oder Licht und außerdem als Service-Port.
Die Fahrmodi am Qore Drive³ Peak by Brose Motor
Als Fahrmodi werden die bereits aus früheren Brose-Motoren bekannten Eco, Tour, Sport und Boost angeboten. Neu hinzu kommt der One Mode, der die Stärke der Unterstützung automatisch der getretenen Fahrerleistung anpasst. Ebenfalls neu ist der Punch Mode, der über die Seitentaste des Displays aktiviert und deaktiviert wird. Der Punch Mode unterstützt stärker als der Boost Modus und gibt die maximale Leistung besonders schnell frei.
Ist der Qore Drive³ Peak by Brose Motor der gleiche Motor wie der S-Works 3.1 Motor?
Laut Specialized ist die Hardware des Motors für das Specialized Turbo Levo 4 in einigen Punkten verändert im Vergleich zum Qore Drive³ Peak by Brose Motor. Das Getriebe etwa hat eine andere Übersetzung. Die Maximalleistung bei Specialized ist 720 W, beim Qore nur 600 W. Außerdem verwendet Specialized ein anderes Gehäuse und vergießt die Elektronik im Motor zum Schutz vor Feuchtigkeit und Vibrationen zusätzlich.
Besonders deutlich werden die Eigenentwicklungen von Specialized beim Blick auf die weitere Hardware. Das Display, die Remote, aber auch die App sind ganz klar auf die Zielgruppe der Performance E-Mountainbikes zugeschnitten. Das Display und die Remote von Specialized sind Welten von dem entfernt, was das Qore by Brose-System aktuell bietet. Doch wie ist es beim Fahrgefühl? Ab ins Gelände!
Wie schlägt sich der Qore Drive³ Peak by Brose Motor auf dem Trail?
Wirft man einen Blick auf den Motorbereich, stellt man fest, dass der Qore nicht der kompakteste Motor ist. Er fällt etwas größer aus als ein Bosch Performance Line CX oder Shimano EP801 und ist in etwa so groß wie der GIANT SyncDrive Pro2 von Yamaha.
Schaltet man den Motor an, lässt sich mit den Pfeiltasten zwischen den Fahrmodi Off, Eco, Tour, Sport, One Mode und Boost wechseln. Für den Punch Mode muss man die untere Seitentaste nach außen drücken und zum Deaktivieren nach innen. Die Bedienung braucht etwas Eingewöhnung und ist für den Trail-Einsatz alles andere als intuitiv. Die Belegung des Punch Mode auf die Pfeiltasten wäre die benutzerfreundlichere Lösung gewesen.

Fährt man mit dem Qore Drive³ Peak by Brose Motor an, spürt man deutlich, wann der Motor einsetzt, und auch das Entkoppeln an der 25-km/h-Grenze ist eindeutig und noch dazu eher unangenehm wahrnehmbar. Geht es direkt bergauf, zeigt sich der Motor kraftvoll, bringt die Power auf den Trail und liefert ordentlich Schub, der sich grundsätzlich gut dosieren lässt. Die Feinfühligkeit und das harmonische Fahrgefühl von anderen Full-Power-Motoren wie dem Bosch Performance Line CX oder DJI Avinox M1 erreicht der Qore aber nicht. Besonders im Boost-Modus reagiert der Motor eher ungestüm, was ein unruhiges Fahrverhalten mit sich bringt. Immerhin sorgt ein sinnvoll abgestimmter Nachlauf dafür, dass das Bike nach einem kräftigen Pedalimpuls noch weiterrollt. Das hilft beim Überwinden von größeren Stufen oder technischen Uphill-Passagen, wenn das Pedalieren kurzzeitig aussetzt.
Im Punch-Modus wirkt der Motor etwas übermotiviert: Schon das bloße Absetzen des Fußes auf dem Pedal reicht aus, um das Bike nach vorne schießen zu lassen. Zum Vergleich: Beim S-Works 3.1 Motor setzt die Unterstützung sanfter ein und blendet ebenso weich wieder aus. Das sorgt für ein deutlich angenehmeres und natürlicheres Ride-Feeling. Positiv: Der Geräuschpegel des Qore Drive³ Peak ist angenehm leise und vergleichbar mit dem S-Works 3.1 Motor oder dem aktuellen Bosch Performance Line CX Gen5 und so hält sich der Quore-Antrieb auf dem Trail akustisch angenehm im Hintergrund.
Qore Drive3 Peak by Brose im Vergleich zum S-Works 3.1
Sowohl mit dem Levo 4 S-Works als auch dem Qore by Brose-Testbike haben wir Reichhöhen-Analysefahrten auf der exakt gleichen Strecke mit gleichem Rider-Input unternommen. Im direkten Vergleich zeigt sich ein deutlicher Unterschied: Mit dem 792-Wh-Akku des Qore Drive3 Peak erreichten wir 1.900 Hm bei 18,8 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit, während das S-Works Turbo Levo 4 mit 840 Wh nur auf 1.605 Hm kam – allerdings mit deutlich höheren 23 km/h im Durchschnitt.
Ein Grund: Das Qore-Motorsystem drosselt die Motorleistung in den letzten 5 % der Akku-Kapazität auf 150 W, während das Levo bis zum Schluss mit voller Leistung unterstützt. Das senkt zwar die Endgeschwindigkeit beim Qore, steigert aber die Reichhöhe trotz kleinerem Akku um satte 19 % – wobei die unterschiedlichen Reifen hier sicher auch eine nicht unwesentliche Rolle spielen dürften.
Spätzünder oder Auslaufmodell? Neuer Qore Drive³ Peak by Brose Motor
Ja, wir könnten jetzt noch viel über weitere Fahrcharakteristika, Details, Eckdaten und Zahlen diskutieren. Dass der Qore Drive³ Peak by Brose keine Superlativ-Daten in Sachen Gewicht oder Power an den Tag legt, ist jedoch nicht sein eigentliches Problem. Das Problem ist, dass er das nicht hat, was Specialized hat: ein sinnvolles, intuitives und trail-taugliches Ökosystem. Selbst für den besten Motor gilt: Ein Motor ist nur so gut wie sein Antriebssystem – die Kombination von Akku-Konzepten, Remote, Display-Optionen, App- und Zusatzfeatures. Und hier hat der Qore Drive³ Peak by Brose leider nichts Konkurrenzfähiges im petto. Schade – denn so wird der bereits 2023 vorgestellte Motor nicht zum Spätzünder, sondern zum Auslaufmodell. Zumindest für den Trail-Einsatz. Für Trekking- und City-Bikes ist die aktuelle Display-Option vermutlich eher akzeptabel.
Wie groß der Unterschied sein kann, sieht man beim aktuellen Levo: super Remote, super Display, super App, Features wie Schnellladen und mehr. Selbst ohne Superlativ-Eckdaten ist das S-Works-System so eines der top Motorsysteme.
Ein weiteres Problem: Der Fusionsprozess mit Yamaha braucht seine Zeit, noch herrscht etwas Unklarheit, wie die Zusammenarbeit exakt aussehen wird – dahingehend kann man nicht erwarten, dass die Mühlen kurz- und mittelfristig schneller mahlen werden und die Entwicklung des Qore-Ökosystems im Punch-Modus durchstartet. Laut Yamaha ist die Übernahme von Brose darin begründet, mehr qualifizierte Arbeitskraft im europäischen Markt zu haben. Aus diesem Blickwinkel macht die Übernahme natürlich Sinn. Hoffen wir, dass die Fusion langfristig Früchte tragen wird!
Fazit zum Qore Drive³ Peak by Brose Motor
Der Qore Drive³ Peak by Brose ist ein solider Motor, kommt mit seinen technischen Eckdaten jedoch zwei Jahre zu spät auf den Markt. Aufgrund des für den Trail-Einsatz unpassenden Ökosystems wird er es schwer haben. Selbst der beste Motor ist nur so gut wie sein Ökosystem und das Bike, in dem er verbaut ist. Bei einem Motor, der sich in keiner Hinsicht von der starken Konkurrenz abhebt, ist das Ökosystem noch entscheidender. Die Daseinsberechtigung für den MTB-Performance-Einsatz sehen wir leider nicht, wenn dann für City und Trekking – es sei denn, das System ist preislich besonders attraktiv.
Tops
- kräftiger Motor mit guter Dosierbarkeit im One Mode
- geräuscharm
Flops
- ruckartiges Ansprechverhalten beim Ein- und Aussetzen der Unterstützung
Mehr Infos auf www.qore-system.de.
Words: Ben Karger, Benedikt Schmidt, Robin Schmitt Photos: Robin Schmitt



