
Als Sattel hat man es schon nicht leicht: Man muss quasi jeden A…h ertragen und gerät trotz Schwerstarbeit oft direkt nach dem Losfahren schon wieder in Vergessenheit. Um das zu verhindern, hat dieses Bauteil am Rad nur drei Möglichkeiten: besonders gut sein, seinem Rider auf die Nerven gehen oder Schmerzen verursachen. Und davon müssen nicht nur das Hinterteil oder die Genitalien betroffen sein – ein unpassender Sattel kann auch zu Schmerzen in Händen, Knien, Füßen und dem gesamten Rücken führen. Die Zusammenhänge im menschlichen Körper sind da sehr komplex – das weiß jeder, der schon mal monatelang auf der Suche nach seinem Peiniger alles Mögliche an seinem Bike verändert hat, bis er am Ende vielleicht schon aus Verdruss doch noch den Sattel getauscht hat. Und siehe da: Oftmals liegt genau dort die Ursache allen Übels.
Der italienische Hersteller Prologo will mit seinem Proxim-Sattel gleich an zwei Stellen ansetzen: beim Komfort und beim Feature-Set. So soll sich der Proxim Altius besonders für Bikerinnen und Biker eignen, die mit ihrem E-MTB technische Anstiege erklimmen und dabei weder den Halt noch die Ergonomie aus den Augen verlieren wollen. Ein Sattel speziell für’s E-MTB? Diese Idee entstammt natürlich der Marketing-Abteilung. Aber E-MTB ist halt im Trend. Fakt ist aber auch, dass viele mit dem E-MTB deutlich steilere und anspruchsvolle Anstiege erklettern als mit dem analogen Bike. Und da kommt der Prologo Proxim Altius ins Spiel. Aber vorher noch ein kleiner Disclaimer: Ob wir einen Sattel als gut oder schlecht bzw. bequem oder unkomfortabel empfinden, muss in keiner Weise auf dich zutreffen. Kaum ein Bauteil ist mehr von individuellen Vorlieben und der Anatomie eines jeden Einzelnen abhängig wie der Sattel. Daher heißt es: Probefahren, Probefahren, Probefahren!
Prologo bietet den Proxim Altius nur in 155 mm Breite an. Mit 225 mm fällt der Sattel durchschnittlich lang aus. Bei unserem Testmodell handelt es sich um die Version mit Tirox-Rails, die laut Hersteller 216 g wiegt und 99 € kostet. Mit nur 69 € fällt die Variante mit Rails aus recyceltem Stahl (Re-Steel) sehr günstig aus. Das Mehrgewicht beträgt knapp 60 g – am E-Mountainbike sicher leicht zu verschmerzen. Bei der Farbwahl machen es uns die Italiener besonders leicht: Es gibt den Sattel lediglich in einem hellen, freundlichen Schwarz 😉
Der Prologo Proxim Altius-Sattel: Vorne breit, mittig hohl, hinten hoch – Was kann der E-MTB-Sattel?
Die spezielle Form des Prologo Proxim Altius sticht sofort ins Auge: optisch eher breit, mit einer Vertiefung in der Mitte und einer deutlichen Rampe am hinteren Ende. Von oben betrachtet sieht man, dass die seitlichen Flanken recht weit nach unten gezogen sind. Und was auch direkt auffällt: Das Obermaterial ist sehr glatt und glänzt im Tageslicht leicht. Um die hintere Kante läuft ein kaum erfühlbares Streifenmuster – ob es den Grip erhöht oder nur ein Design-Element darstellt, sehen wir gleich auf dem Trail.
Schon beim ersten Draufsitzen fallen zwei Dinge auf: Der Prologo Proxim Altius fühlt sich durch die Rampe am hinteren Ende anders an als „gewöhnliche“ Sättel und er will genau deshalb penibel eingestellt werden. Unser Tester Patrick fährt normalerweise einen SQlab 612, also einen eher flachen, vergleichsweise langen Sattel. Auch hier ist eine genaue Ausrichtung natürlich wichtig, aber kleine Abweichungen – horizontal wie vertikal – fallen zumindest für Patrick kaum ins Gewicht. Beim Prologo-Sattel hingegen resultieren schon minimale Änderungen in einem spürbar anderen Sitzgefühl. Nase weiter unten: Man rutscht nach vorne. Sattel zu weit vorne montiert: Die Erhöhung am Heck stört. Wenn man sich aber die Zeit nimmt und den Proxim Altius MTB-Sattel wirklich perfekt auf seine Anatomie und Vorlieben einstellt, fühlt er sich sehr komfortabel an. Dann kommt auch die Aussparung in der Mitte zur Geltung, die den empfindlichen Dammbereich entlasten soll. Im Vergleich zu anderen Sätteln besitzt der Prologo E-MTB-Sattel hier allerdings kein Loch. Vielmehr ist die Öffnung oben und unten geschlossen, sodass hier weder Wasser noch Schmutz hoch geschleudert werden können. Super gelöst! Aber auch hier gilt: Passt der Sattel nicht zum Hintern, hilft es nichts.
Der Prologo Proxim Altius-Sattel – Mit Rampe im Sattel besser die Rampe hoch?
Hat man erstmal die für sich perfekte Einstellung gefunden, verrichtet der Prologo Proxim Altius seine Arbeit so, wie man es von einem Sattel erwartet: unauffällig. Mancher wird vielleicht das sehr glatte Oberflächenmaterial bemängeln, das bei entsprechender Hose ein Herumrutschen auf dem Sattel begünstigt. Das ist aber ein sehr individueller Eindruck. Es mag durchaus Fahrerinnen und Fahrer geben, die genau diese Eigenschaft bevorzugen. Unser Tester Patrick ist normalerweise mit einem recht griffigen Sattel unterwegs, sodass ihm dieser Unterschied recht deutlich aufgefallen ist. Wir wollen das dem Sattel aber keinesfalls negativ auslegen.
Absolut positiv hingegen macht sich der Prologo Proxim Altius bergauf bemerkbar. Die Rampe am Heck des Sattels sorgt dafür, dass man nicht oder deutlich später das Gefühl bekommt, nach hinten zu rutschen, erst recht, wenn es richtig technisch und steil wird. Und hier spielt auch die glatte Oberfläche ihre Vorteile aus: Das Rad lässt sich auch im Sitzen so leicht dirigieren und der eigene Körperschwerpunkt gut verlagern. Wo man bei einem Sattel mit rauer Oberfläche also gegen einen Reibungswiderstand arbeiten muss, gleitet hier das Rad quasi unter dem Rider hin und her. Damit man dabei nicht die Kontrolle verliert, besitzt der E-MTB-Sattel an beiden Seiten tief gezogene Flanken, die es zudem ermöglichen, Druck mit den Innenseiten der Oberschenkel aufzubauen, um das Bike flink in eine bestimmte Richtung zu neigen.
Auch unser Tester Bene, der den Prologo Proxim Altius über Monate hinweg regelmäßig gefahren ist, kann dem Sattel und speziell dessen Heckrampe viel Positives abgewinnen. Dass die einzige verfügbare Breite perfekt für ihn passt, ist natürlich wieder sehr individuell. Die Tatsache, dass die Überhöhung am Heck des Sattels bergauf zusätzlichen Support bringt und man damit mehr Druck aufs Pedal bekommt, hingegen nicht.
Gut gefallen hat uns zudem der weite Verstellbereich der Rails, was eine sehr penible Einstellung des Prologo Proxim Altius MTB-Sattels in der Horizontalen ermöglicht. Wirklich überrascht hat uns der vergleichsweise günstige Sattel mit seiner Robustheit: Selbst nach einem Jahr unter den verschiedensten Bedingungen sieht der Prologo Proxim Altius fast aus wie am ersten Tag – Gebrauchsspuren und Kratzer sind quasi nur mit der Lupe zu finden. Top!
Fazit zum Prologo Proxim Altius Sattel
Ein Sattel mit einer Rampe am Heck – braucht’s das? Wir finden: ja! Wenn der Prologo Proxim Altius in der Breite passt, bekommt man einen sehr bequemen, lang haltbaren Sattel, der seine Stärken vor allem bergauf ausspielt. Die Erhöhung am hinteren Ende verhindert effektiv, dass man in steilen Climbs auf dem Sattel nach hinten rutscht. Der zusätzliche Support kann am Ende den Ausschlag geben, ob ihr die Schlüsselstelle im Sitzen schafft oder ob ihr aus dem Sattel gehen müsst – und dann vielleicht den Grip am Hinterrad verliert. Von uns daher Daumen hoch! Aber bitte, liebes Prologo-Team, nehmt noch ein oder zwei Breiten mehr ins Portfolio auf.
Tops
- hoher Komfort, wenn die Breite passt
- Rails mit weitem Verstellbereich
- Rampe gibt Support beim Climb
- robuste Verarbeitung
Flops
- nur eine Breite verfügbar
- kein Leichtgewicht
Mehr Infos unter prologo.it.
Words: Patrick Gruber Photos: Tim Eckermann


