Dieser Artikel gehört zu unserem großen Motoren-Vergleichstest 2026. Klicke hier, um alle elf getesteten Systeme, die neuesten Trends und umfangreiche Ergebnisse aus dem Labor und der Praxis zu lesen.

Öl, Kette, Ritzel putzen. Darauf hat Pinion keine Lust mehr und verfolgt mit der MGU E1.12 eine klare Philosophie: Das Schaltwerk soll verschwinden und in den Motor wandern. Die Idee dahinter: weniger Verschleiß, keine Gefahr von abgerissenen Schaltwerken und weniger ungefederte Masse. Zwar sind aktuelle Schaltungen deutlich robuster geworden und profitieren von Standards wie UDH, wie SRAM mit ihren Schaltungen bewiesen hat. Dennoch bleibt das Schaltwerk ein exponiertes Bauteil, das ständig Schmutz, Steinen und Witterung ausgesetzt ist und hier im schlechtesten Fall auf Tuchfühlung geht. Im Motor integriert, ist die Schaltmechanik geschützt. Zudem verlagert sich das Gewicht vom Hinterrad in den Motorbereich. Das reduziert die ungefederte Masse am Bike und verbessert so die Arbeit des Fahrwerks. Ein Ansatz, den auch immer mehr Hersteller von analogen Bikes erkannt haben.
Für die Umsetzung setzt Pinion auf ein internes Getriebe aus zwei hintereinander geschalteten Zahnradsätzen mit robuster Stirnradverzahnung. Die Vorteile sind eine effiziente Kraftübertragung und ein robuster Aufbau, der laut Hersteller nur alle 10.000 km einen Ölwechsel braucht und sonst keine weitere Pflege benötigt. Zusätzlich erlaubt die Konstruktion Gangwechsel im Stand. Die getestete Pinion MGU E1.12 bringt es auf zwölf Gänge und eine Übersetzungsbandbreite von satten 600 %. Zum Vergleich: Eine herkömmliche Schaltung kommt auf etwa 520 %.
Um auch dem klassischen Verschleißteil Kette ein Ende zu bereiten, wird die MGU meist mit einem GATES Carbon Drive-Riemen kombiniert. Der läuft wartungsarm, ist im Falle eines Risses allerdings deutlich aufwändiger in der Ersatzbeschaffung und Montage als eine klassische Kette. Der dafür benötigte Riemenspanner fällt recht klobig aus, sitzt exponiert unter dem Riemenblatt und muss bei Aufsetzern als Erstes dran glauben. Mit rund zwölf erhältlichen E-MTB-Modellen, darunter das von uns getestete Haibike AllMtn CF 11, ist die Auswahl an Bikes mit MGU mittlerweile deutlich gewachsen. Und auch neue Player mit integriertem Getriebe drängen mit eigenen Systemen auf den Markt. Doch die Frage bleibt: Wie schlägt sich die Pinion MGU E1.12 auf dem Trail?
Die Pinion MGU E1.12 im Detail – Mehr Masse, mehr Möglichkeiten
Für den Test des Motorsystems hat uns Haibike ihr AllMtn CF 11 bereitgestellt, das den 800-Wh-Akku im Unterrohr entnehmen lässt. Die Pinion MGU E1.12 liefert auf dem Papier 85 Nm Drehmoment und bis zu 600 W Spitzenleistung. Damit bewegt sie sich auf Augenhöhe mit Motoren wie dem Shimano EP801 und reiht sich ins Mittelfeld der Full-Power-Motoren ein. Die Fahrerleistung übersetzt die Motor-Getriebe-Einheit mit einem Unterstützungsfaktor von bis zu 400 %. Mit 4,14 kg ist die MGU zwar der schwerste Motor im Testfeld, doch schaut man sich die ganze Gleichung an, zeigt sich ein anderes Bild.
Durch den Wegfall von Kassette (ca. 450 g), Kette (ca. 280 g), Schalthebel (ca. 100 g) und Schaltwerk (ca. 280 g) spart man rund 1,1 kg ein. Unterm Strich liegt die MGU damit nur leicht über dem Gewicht eines klassischen Mittelmotors inklusive Schaltung. Nutzt man statt einer mechanischen Schaltung eine elektronische, wie die SRAM GX Eagle AXS Transmission, kommt diese mit Schaltwerk, Controller und Akku auf knapp 1,3 kg und wiegt damit sogar etwas mehr.
Für alles drum herum hat sich Pinion mit dem Schweizer Systemintegrator FIT einen erfahrenen Partner ins Boot geholt. FIT liefert die Akkus in unterschiedlichsten Größen von 480, 700, 720, 800 bis 960 Wh sowie einen 535-Wh-Range-Extender. Damit lassen sich je nach Bike-Typ und Einsatzgebiet sehr unterschiedliche Setups realisieren – vom leichten Allrounder bis hin zum Reichweiten-Monster. Geladen wird entweder mit dem 6A-Schnelllader oder mit dem meist mitgelieferten FIT Standard Charger, der sich per Upgrade von 3A auf 4,8A beschleunigen lässt.
Auch bei den Bedienelementen ist FIT gefragt. Nach einem Update setzt Pinion auf das FIT Master Node-Display fürs Oberrohr. Das hochauflösende Display überzeugt durch schnelle Aktualisierung, etwa bei der Trittfrequenz, wirkt in der Praxis aber relativ klein. Gesteuert wird das Ganze entweder über die beiden Tasten unter dem Display oder über die kabelgebundene FIT Remote Pure am Lenker. Optisch erinnert diese stark an die FAZUA-Remote und bleibt haptisch hinter den Erwartungen zurück. Wenig klarer Druckpunkt, schwammiges Feedback und geringe Verarbeitungsqualität.
Die Konnektivität läuft über die FIT E-Bike Control App, über die sich das Bike koppeln lässt, was beim ersten Versuch per QR-Code funktioniert. Die App wirkt übersichtlich und bietet überraschend viele Funktionen. Fahrmodi können individuell angepasst werden – vom Unterstützungsfaktor über das maximale Drehmoment bis hin zur Dynamik (Elastizität) und der Schiebehilfe. Zusätzlich lassen sich Features wie Pre.Select oder Auto.Shift der MGU aktivieren und individualisieren. Auch ein digitaler Motorlock ist integriert. Damit lässt sich das Bike per App sperren und sogar schlüssellos entriegeln. Allerdings ist die Sicherheit begrenzt: Die Motorunterstützung fehlt zwar, aber das Bike lässt sich dennoch einschalten und Gänge durchschalten. Hier bieten andere Bikes deutlich sicherere Features wie zum Beispiel Alarmtöne oder lassen sich gar nicht erst einschalten.
Praktisch ist die integrierte Navigation, die mehrere Routenvorschläge anbietet und die Restreichweite direkt einbezieht. Offline funktioniert das Ganze aber nicht. Über Komoot lassen sich geplante Routen importieren und Fahrten können direkt in der App aufgezeichnet werden. Auch ein Herzfrequenzsensor kann gekoppelt und das Smartphone selbst kann als Display genutzt werden. Für Updates muss allerdings nach wie vor der Händler herhalten und Over-the-Air-Updates sind nicht möglich. Beim Laden bietet FIT eine Option für schonendes Laden auf 80 % sowie eine Schnellladefunktion – konkrete Ladezeiten im Schnellmodus fehlen jedoch.
| Parameter | Unsere Messung | Herstellerangabe |
|---|---|---|
| Gewicht des Motors (kg) | 4,144 kg | 4,100 kg |
| (nominelle) Akkukapazität (Wh) | 753 Wh | 800 Wh |
| Ladezeit von 0 auf 100 % | – | – |
| Unterstützungsverhältnis (%) | – | 400 % |
| Maximalleistung (W) | – | 600 W |
| Maximales Drehmoment (Nm) | – | 85 Nm |
| Reichweite* | 22,2 km | – |
| Reichhöhe* | 1.737 hm | – |
*Die Werte wurden auf einer identischen Strecke mit durchschnittlich 8,5% Steigung ermittelt – bei einer konstanten Fahrerleistung von 150 W, einem Fahrergewicht von 72 kg sowie mit standardisierten Reifen: vorne MAXXIS HighRoller (DD, MaxxGrip) und hinten MAXXIS Minion DHR II (DD, MaxxTerra)
Die Pinion MGU E1.12 im Test – Trail-Traktor?
Der Pinion MGU E1.12-Motor auf dem Trail
Nicht nur auf den ersten, sondern auch auf jeden Blick ist die Pinion MGU E1.12 der klobigste Motor im Test – der voluminöse Motorblock prägt das Erscheinungsbild eines jeden Bikes mit MGU E1.12. Sobald ihr im Sattel sitzt, fällt der Blick nicht mehr auf den massiven Motorblock, sondern auf die Remote am Lenker, die eure Schaltzentrale für die vier Unterstützungsmodi ECO, FLOW, FLEX und FLY ist. FLOW und FLEX sind dynamische Modi, die ihre Leistung an euren Fahrerinput anpassen. Der Charakter der MGU lässt sich am besten mit dem eines kraftvollen Traktors beschreiben, denn besonders in steilen Uphills spielt die große Übersetzungsbandbreite ihren Trumpf aus. Egal, wie steil der Anstieg ist, an der Übersetzung scheitert man nicht.
Der Motor schiebt mit viel Druck von unten heraus an und sorgt dafür, dass man auch steile Rampen hochkommt. An die Power des Bosch CX oder die Durchzugskraft des Avinox M1 reicht er allerdings nicht heran. Im Nachlauf arbeitet die MGU angenehm und schiebt gut nach, doch beim Ein- und Aussetzen der Unterstützung zeigt sie sich eher ruppig. Das wirkt manchmal ungestüm und wenig feinfühlig.
Beim Thema Geräusch erfüllt die Pinion leider das gängige Vorurteil: Im Test war sie mit Abstand der lauteste Motor. Vor allem als Fahrer nimmt man das deutlich wahr, während das Geräusch neben oder hinter dem Bike etwas weniger auffällt. Die Lautstärke hängt stark vom Gang ab: In den leichtesten vier Gängen ist die MGU besonders präsent und unter Last übertönt auch das hohe Surren des Motors die übrigen Fahrgeräusche deutlich.
Auch die Traktion des Motors überzeugt nicht in jeder Situation. Unter Volllast dreht das Hinterrad schnell durch, besonders in technischen Uphills wird es schwierig, die Kraft kontrolliert auf den Boden zu bringen. Problematisch wird es vor allem beim Wechsel der großen Zahnradpaare von Gang 4 auf 5 oder von 8 auf 9. Wer hier mit voller Kraft ins Pedal steigt, riskiert ins Leere zu treten, weil die MGU für diesen Schaltvorgang länger benötigt. Schade, denn genau die Gänge 4 und 5 nutzt man im Uphill besonders oft. Das erschwert die Dosierbarkeit der Leistung, zumal der Motor die Power sehr direkt und impulsiv freigibt, in manchen Situationen wirkt er dadurch fast zu wild. In allen anderen Gängen schaltet die MGU dagegen auch unter Volllast sauber, zuverlässig und vor allem ohne treten zu müssen.
Auch der Auto.Shift-Modus der MGU überzeugt. Dabei schaltet das System automatisch in den passenden Gang, basierend auf einer voreingestellten Wunsch-Trittfrequenz. Im erweiterten Auto.Shift.Pro-Modus könnt ihr jederzeit manuell eingreifen und den Schaltvorgang übersteuern. Ergänzt wird das Ganze durch die Pre.Select-Funktion, die beim Rollen automatisch den passenden Gang einlegt. Vor allem auf langen Touren oder schnellen Verbindungsstücken auf der Forststraße nimmt euch das spürbar Arbeit ab und sorgt für entspanntes Shutteln. Auf dem Trail raten wir von der Auto.Shift-Funktion ab, denn die Schaltvorgänge kommen oft zu spät und die MGU kann schlichtweg nicht vorausschauen, was als Nächstes auf dem Trail kommt.
Die Pinion MGU E1.12 auf dem Prüfstand
Im Labor zeigt die Pinion MGU bereits bei normaler Kadenz die vom Hersteller versprochenen Kennwerte und eine Unterstützung, die bei kleineren Fahrerleistungen hoch startet und erst abnimmt, wenn die Leistungsgrenze erreicht ist. Das messbare Drehmoment kann aufgrund der Lage des Getriebes nicht sinnvoll verglichen werden, jedoch entspricht der Vortrieb, den die Pinion MGU bei 75 U/min Kadenz und 20 km/h Geschwindigkeit dem Bike verleiht, einem Drehmoment von 80 Nm bei gewöhnlichen Motor-Konzepten.
Gute Power zeigt die Pinion MGU auch bei der Bergfahrt mit 15 % Steigung, wo sie sich gleich hinter den Powerhouses Avinox, Specialized und Bosch CX-R einreiht.
Im Dauertest setzt ein erstes Derating nach knapp 10 Minuten ein, wobei die Leistung langsam und asymptotisch auf stabile 400 W reduziert wird.
Der Geräuschpegel und Klang der MGU liegt in der Ebene im 9. Gang in der Mitte des Testfeldes, ist tieffrequent und wenig tonal, aber mit einer leichten Getriebe-Note. Bergauf bei ordentlich Drehzahl wird die MGU sehr laut, tonaler und die nagenden Getriebegeräusche werden dominant. Positiv aufgefallen ist uns der Wirkungsgrad, der trotz Getriebe und Riemenantrieb vor den Systemen von Shimano und S-Works liegt.
Tuning-Tipp für Hersteller: Ein schnelleres Schaltverhalten in den großen Zahnradpaarungen und eine bessere Dosierbarkeit würden die MGU deutlich trailtauglicher machen. Außerdem wären ein überarbeitetes Remote-Design mit besserer Ergonomie sowie eine bessere Geräuschdämmung ein echter Gewinn.
Für wen ist die Pinion MGU E1.12, für wen nicht?
Die MGU ist für alle interessant, die Wert auf Langlebigkeit, geringen Wartungsaufwand und eine große Übersetzungsbandbreite legen. Viel- und Ganzjahresfahrer, E-MTB-Pendler oder Abenteurer auf langen Touren profitieren am meisten von den Funktionen des Getriebemotors. Wer jedoch auf ein leises, besser dosierbares und feinfühliges Motorsystem Wert legt, sollte zu einer Alternative greifen.
Fazit zur Pinion MGU E1.12
Die Pinion MGU muss sich in Teilen den gängigen Vorurteilen geschlagen geben: Sie ist laut, optisch wuchtig, ABER keinesfalls schwerer. Gleichzeitig überzeugt sie mit minimalem Wartungsaufwand, enormer Übersetzungsbandbreite und hoher Zuverlässigkeit im Alltag. Auf langen Touren und im täglichen Einsatz spielt sie diese Stärken aus, während sie auf anspruchsvollen Trails aufgrund schwerer Dosierbarkeit und schwacher Traktion zurückfällt. Damit ist die Pinion MGU E1.12 kein Alleskönner, aber eine spannende Alternative für alle, die ein robustes, pflegeleichtes und langlebiges Antriebssystem suchen.
Tops
- geringer Wartungsaufwand
- hohe Übersetzungsbandbreite
- Schalten auch im Stand und unter Last möglich
- geringe ungefederte Masse
Flops
- hohe Geräuschkulisse in niedrigen Gängen
- zwei lange Gangsprünge
- impulsive Kraftentfaltung
- klobiger Riemenspanner
Alle weiteren Informationen findet ihr auf der Website von Pinion.
Das Testfeld
Einen Überblick über diesen Vergleichstest erhaltet ihr hier: Was ist der beste E-Bike-Motor 2026? E-Bike-Motoren-Test mit 11 Modellen im Vergleich
Alle Motoren im Test:
Avinox M1, Bosch Performance Line CX Gen5, Bosch Performance Line CX-R, Bosch Performance Line SX, FAZUA Ride 60, Mahle M40, maxon Air S, Pinion MGU E1.12, Shimano EP801, S-Works 3.1, TQ HPR60
Words: Benedikt Schmidt Photos: Peter Walker



