
Die 2013 von Leo Kokkonen in Finnland gegründete Marke Pole Bicycles steht für radikale Innovation in der Bike-Szene. Mit ihrer außergewöhnlichen Geometrie – flacher, länger und auf maximale Laufruhe ausgelegt – erlangten die Bikes schnell Kultstatus. Einen echten Meilenstein setzte das Enduro-Modell Pole MACHINE, dessen CNC-gefräster Aluminium-Rahmen den Markt revolutionierte. Nach der Vorstellung des ersten E-Mountainbikes Pole Voima im Jahr 2022 und der zwei Jahre später folgenden Insolvenz startet der Gründer nun erneut durch: Mit dem neuen Pole Hiisi feiert Leo Kokkonen sein Comeback. Beim Hiisi ist uns kein Finger auf der “i”-Taste hängengeblieben. Hiisi bedeutet in der finnischen Mythologie ursprünglich einen heiligen Ort mit unberührtem Wald, später eine unvorhersehbare Kraft – laut der Website des Herstellers.
Statt Carbon: CNC-gefräster Rahmen aus massivem Aluminium
Pole Bicycles verfolgt beim Hiisi konsequent einen anderen Ansatz in der Rahmenfertigung.
Statt einen Carbonrahmen aus Asien zu beziehen oder auf klassische Rohrkonstruktionen mit Schweißnähten zu setzen, werden die einzelnen Rahmenelemente in Finnland aus massiven Aluminiumblöcken CNC-gefräst und anschließend mechanisch fixiert sowie mit einem Spezialkleber dauerhaft verbunden. Dadurch findet sich am gesamten Rahmen keine einzige Schweißnaht.


Dieses Verfahren ermöglicht einen hohen Automatisierungsgrad in der Produktion und sorgt gleichzeitig für eine sehr präzise Fertigung. Produziert wird vollständig im finnischen Jyväskylä, wo Pole über einen eigenen Konfigurator auch individuelle Ausstattungsoptionen anbietet. Das Hiisi ist in drei Rahmengrößen erhältlich und soll Fahrergrößen von 155 bis 198 cm abdecken. Durch eine kleine Änderung an der Dämpferaufnahme sind beim Hiisi Federwege von 152 bis 200 mm am Hinterbau möglich.

Pole wird den Alu-Rahmen in den drei Farben Raw Silver, True Gold und Hero Bronze anbieten.
Pole Hiisi – Ein Rahmen für mehrere Bike-Kategorien?
Die meisten Bikes werden anhand ihres Federwegs einer bestimmten Kategorie zugeordnet. Nicht so bei Pole: Mit dem Hiisi geht der Hersteller einen anderen Weg. Der Rahmen ist so ausgelegt, dass sich das Bike unterschiedlichen Einsatzbereichen und Anforderungen anpassen lässt. Leo erklärt uns, dass man zunächst eine Trail-Ausstattung konfigurieren und bei Bedarf – ohne Rahmenwechsel – vorne und hinten auf 200 mm Federweg umrüsten kann. Hinzu kommt die Wahl zwischen einem 29er-Setup oder einer Mullet-Konfiguration (29″ vorne und 27,5″ hinten).
Wie sich die Geometrie durch die drei verschiedenen Rahmengrößen, die unterschiedlichen Federwege (152 mm, 173 mm, 180 mm und 200 mm) und die Laufradgrößen verändert, könnt ihr auf der Pole-Website im Konfigurator nachvollziehen.


Das Emblem am Steuerrohr lässt keine Fragen offen. Pole Bicycles ist Made in Finnland.
Welchen Motor hat das Pole Hiisi?
Wir haben Leo Kokkonen gefragt, warum er beim neuen E-Mountainbike nicht auf einen Motor von Avinox, Bosch oder einem anderen etablierten Hersteller setzt, sondern auf den Schweizer Newcomer maxon Air S:
„Beim Motor waren uns Zuverlässigkeit und ein authentisches Fahrgefühl wichtig. Der maxon ist sehr leicht und fühlt sich natürlich an, ist aber dennoch leistungsstark und kompakt. Wir wollen mit dem Hiisi so nah wie möglich am puren Mountainbike sein!“

Der maxon AIR S (S steht für „Made in Switzerland“) ist mit 2,03 kg ein sehr leichter Full-Power-Motor mit 90 Nm und 620 W Maximalleistung, der sich von Größe und Gewicht in die Riege der Light-Motoren einreihen lässt. Zum Vergleich: Ein FAZUA Ride 60 hat 60 Nm, 450 W Maximalleistung und wiegt 2,04 kg, während der TQ-HPR60 mit ebenfalls 60 Nm und 350 W Maximalleistung ein Gewicht von 1,94 kg hat. Weitere Infos zum Schweizer E-Antriebsspezialisten findet ihr im Artikel über unseren Firmenbesuch bzw. unserem Test des maxon AIR S.


Dank des Konfigurators lässt sich das Hiisi nahezu frei auf den jeweiligen Einsatzzweck abstimmen.
Wie Leo sein Bike aufgebaut hat, seht ihr in den nachfolgenden Fotos:




Pole Hiisi fährt auch ohne Motor
Motor ausgebaut, Akku entfernt, den Manual Converter Kit eingebaut – und fertig ist das Enduro-Bike. Okay, Leo hat dafür allerdings noch einige weitere Anpassungen vorgenommen, bevor er von Finnland aus auf die Atlantikinsel Madeira geflogen ist, um mit seinem motorlosen Hiisi am 6-tägigen Enduro-Rennen teilzunehmen.



Fazit zum neuen Pole Hiisi
Mit seinem CNC-gefrästen Aluminium-Rahmen, dem flexiblen Konzept und dem leichten maxon-Antrieb hebt sich das Hiisi klar von der Masse aktueller E-MTBs ab. Statt maximaler Motorleistung oder möglichst großer Akkus setzt Pole auf Individualität, Fertigungsqualität und einen eigenständigen Charakter. Gerade deshalb dürfte das Hiisi vor allem Fahrer ansprechen, die bewusst nach Alternativen zum etablierten E-MTB-Mainstream suchen.
Mehr Information findet ihr auf der Website von Pole Bicycles.
Words & Photos: Manne Schmitt


