„Update verfügbar“… was auf dem Smartphone oft nervt, kann beim E-MTB ein echter Gamechanger sein. Denn moderne Software-Updates bringen längst nicht mehr nur Bugfixes oder kleine Verbesserungen, sondern verändern das Fahrgefühl grundlegend. Wir haben für euch alle spannenden Software-Updates verschiedener Hersteller zusammengefasst und sagen dir, warum du kein Update mehr verpassen solltest.

Software-Update? Ahhh, mach ich später … Kennt ihr das? Dann willkommen im Club der Digital-Verweigerer – und gleichzeitig zeigt sich hier die wohl unterschätzteste Einstellmöglichkeit des E-MTBs. Still und leise rollen die Updates von Bosch, Shimano, FAZUA, Specialized oder DJI aus. Und plötzlich verleiht euch das Bike ein ganz neues Fahrgefühl. Mehr Drehmoment, feinfühligeres Ansprechverhalten, bessere Reichweite … und das alles umsonst und nur durch ein paar Klicks.

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Aber hier kommt der Knackpunkt: Kaum jemand nutzt diese Updates. Oft wird nicht einmal nach dem Kauf das E-MTB mit der App verbunden. Und selbst wenn, dann verstaubt sie danach zwischen Wetter-Widgets und Schlaftrackern. Das volle Potenzial moderner Antriebe? Bleibt leider oft ungenutzt. Obwohl ein einfaches Update aus deiner Feierabendrunde ein neues Trail-Erlebnis machen kann – oder eben auch das Gegenteil: mehr Verbrauch und schnellerer Verschleiß.

Deshalb wird´s Zeit, genauer hinzuschauen. Welche Software-Features bringen echten Mehrwert? Und wie viel Kontrolle wollen wir eigentlich über die Charakteristik unseres Antriebs?

Wettrüsten – Der Kampf um die Zahlen

Höher, weiter, schneller! Die E-MTB-Motorenwelt scheint in olympischen Attributen gefangnen. Bosch, ZF, DJI und weitere Motorenhersteller heben ihre Leistungswerte fast im Monatszyklus an. Mehr Drehmoment, mehr Spitzenleistung inklusive einer Handvoll neuen Zusatz-Features. Der eine bietet 100 Nm, der nächste 111 und bald irgendwann 140. Weil´s geht.

Aber nochmal Klartext: Zahlen allein machen noch keinen besseren Motor. Und Trail-Performance lässt sich nicht in Newtonmetern messen, das hat auch unser großer E-Mountainbike Vergleichstest gezeigt. Entscheidend ist, wie und wo die Power letzen Endes auch ankommt, auf technischen Uphills oder Anstiegen mit losem Untergrund. Deshalb unser Appell: Lasst euch nicht blenden. Der beste Motor ist nicht zwingend der mit den höchsten Leistungswerten, sondern der, der seine Power kontrolliert auf den Trail bringt und einen dennoch kraftvoll nach vorne schiebt. Und erst ein starkes Ökosystem, zusammen mit guter Bedienung und hoher Connectivity machen das Motorsystem zum stimmigen Gesamtpaket.

Gleicher Motor. Gleiche App. Unterschied: Euer Kontostand

Was in der Automobilbranche längst üblich ist, ist nun auch im E-MTB-Segment angekommen: künstliche Leistungsbegrenzungen zur Produktabgrenzung, softwarebasiert. Denn die meisten E-MTB-Motoren können mehr, als sie aktuell leisten. Die volle Power, ob Drehmoment oder Spitzenleistung, wird allein über Software reguliert und das wird auch zur Produktabgrenzung genutzt. Gleicher Motor, verschiedene Klassen. So kann aus einem Update schnell ein Verkaufsargument werden. Oder sogar ein neues Modell.

Ein Beispiel: Specialized beschneidet bei manchen günstigeren Modellen per Software den gleichen Motor, der im Topmodell volle Leistung liefert. Das neue S-Works Turbo Levo 4 beispielsweise kommt mit satten 111 Nm Drehmoment und 720 Watt Spitzenleistung, während die günstigeren Versionen mit identischem Motor „nur“ 101 Nm und 666 Watt liefern.

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Auch Bosch nutzt bestehende Hardware mehrfach, die Unterschiede liegen fast ausschließlich in der Software. Drehmoment, Unterstützungsverhältnis, Charakteristik, selbst die Limitierung auf bestimmte Anwendungen, wie beim Speed-Pedelec oder Cargo-Bike – alles ist Coding-Sache. Egal ob Performance Line Speed, Cargo Line oder Performance Line CX, die Basis ist identisch.

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Das ist nicht unbedingt schlecht, im Gegenteil: Die Idee, bestehende Hardware per Software weiterzuentwickeln und in ihrem Einsatzzweck software-technisch anzupassen, ist sinnvoll und nachhaltig. Die Frage ist nicht, ob Leistung etwas kosten darf, denn ganz ehrlich: Ja, das darf sie. Das ist beim Auto ja nicht anders. Für den Sportwagen mit mehr PS zahlst du eben mehr als für den Kombi mit weniger. Die Frage ist eher, ob dieses Mehr an Leistung es auch wert ist?

Eine Übersicht über die neuesten Software-Updates von Bosch, DJI, FAZUA und ZF

Wir haben für euch die spannendsten kostenlosen Software-Updates von Bosch, DJI, FAZUA und ZF zusammengefasst. Hier kommt die Übersicht (Stand: Juli 2025):

  • Bosch Performance Line CX: Mehr Leistung und Drehmoment – Was bringt der neue eMTB+ Modus wirklich?
  • Bosch Performance Line SX: Neues Software-Update für den Light-Motor, inklusive eMTB+ Modus.
  • DJI Avinox M1: Boost-Dauer einstellen, Licht per App – und 1.000 Watt dauerhaft abrufbar?
  • FAZUA Ride 60: Neuer KickOverrun für technische Trails, was bringt der verlängerte Nachschub?
  • ZF CentriX: Mehr Leistung und drei neue Fahrmodi, das steckt im Update.

Was bringt das Bosch Performance Line-Software-Update MY26?

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In Sachen Leistung hat Bosch einen klugen und verantwortungsvollen Weg eingeschlagen und wir finden es sehr gut, dass Bosch die Leistungserhöhung nicht automatisch via Software-Update freigibt – denn selbst 750 Watt Maximalleistung braucht ein Großteil der Rider nicht, wie unsere Umfragedaten mit rund 17.000 Leser:innen zeigt.

Mit dem MY26-Software-Update hat Bosch auf die aktuelle Marktdynamik geantwortet, ohne über das Ziel hinauszuschießen: Die Leistungs- und Drehmomenterhöhung ist deutlich spürbar, aber der große Benefit ist die Traktionskontrolle im eMTB+ Modus, die sehr gut funktioniert. Ein smarter Move, dass die Kunden sich aktiv für die Leistungserhöhung entscheiden müssen, das schärft das Bewusstsein. Denn es gilt unbedingt, ein Wettrüsten zu vermeiden. Andernfalls wird die Headline unseres Think-Tank-Artikels wirklich wahr.

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Bosch Performance Line SX-Software-Update

Auch der Light-Assist-Motor der Schwaben, der Performance Line SX-Motor, erhält ein Update. Mit ihm lassen sich die werksseitig eingestellten 55 Nm und 340 % Unterstützung auf bis zu 60 Nm und 400 % Unterstützungsverhältnis upgraden – bei gleichbleibender Maximalleistung von 600 Watt.

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Fast noch interessanter als das Plus an Power: Mit dem Update erhält der SX auch den eMTB+ Modus. Nice! Damit soll der E-MTB Motor mehr Traktion, bessere Kontrolle und ein spürbar souveräneres Fahrverhalten in technischen Passagen bekommen.
Zwar konnten wir den SX mit dem neuen Modus und mehr Leistung noch nicht auf dem Trail testen, aber alle Infos zum Update findet ihr hier.

Direkt zum Artikel!

DJI Avinox M1-Software-Update via Avinox App-Version v1.2

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Mit dem Avinox-Update lässt sich die Leistung im Turbo-Modus dauerhaft auf 1.000 W anheben, auch die Boost-Dauer ist nun frei einstellbar. Zudem bringt das Update viele Personalisierungsoptionen für das Display und die Fahrmodi – inklusive Smooth Shift für SRAM X0 Transmission und kabellose Lichtsteuerung.

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Der kräftigere Boost-Modus ist beeindruckend, aber in der Praxis fahren wir meistens im Trail-Modus, mit dem der Motor ohnehin genug Power liefert. Das Motorsystem ist weiterhin effizient, super kraftvoll und gut kontrollierbar. Besonders gefällt uns die Individualisierbarkeit am Display.

Unsere Stellungnahme zum Update findet ihr hier!

FAZUA Ride 60-Software-Update: KickOverrun & mehr

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Insgesamt ist das Update Firmware-Bundle 12 ein spürbarer und nützlicher Fortschritt mit einem deutlich verbesserten Fahrgefühl. Der Motor spricht schneller und feinfühliger auf Änderungen des Fahrer-Inputs an, lässt sich gut dosieren und der KickOverrun hilft in technischen Uphills, trotz der anfänglichen Eingewöhnungszeit. Eine Over-the-Air-Update-Funktion via App hätte das Paket abgerundet, nichtsdestotrotz ein sinnvolles Update, das sich alle Ride-60-User installieren sollten.

Den ganzen Artikel gibt’s hier!

Neues ZF CentriX-Leistungsupdate auf 750 W und neue Fahrprofile

Bisher kam der CentriX auf 90 Nm und 600 Watt bei nur 2,5 kg Gewicht. Jetzt legt der ultrakompakte Antrieb nach: 105 Nm Drehmoment und 750 W Spitzenleistung. Auch bei der Software gibt’s Neues: Über die ZF Ride App lassen sich jetzt drei neue Fahrprofile aktivieren – für maximale Performance, nasse Bedingungen oder den Alltag.

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Klar: Konkurrenzfähige Leistungsdaten sind wichtig für die Marktposition. Doch am Ende zählen nicht die PS auf dem Papier, sondern die Power, die das System tatsächlich auf den Trail bringt – im Zusammenspiel mit dem gesamten Motoren-Ökosystem und seiner Zuverlässigkeit. Langfristig gilt: Mehr Leistung allein reicht nicht. Es braucht mehr als ein Plus“ an Leistung und Drehmoment! Wir sind gespannt auf den ersten Test.

Alle Infos zum ZF-Leistungsupdate

Erkenntnisse aus unseren Motoren-Benchmarking: Bosch CX Gen5 vs. DJI Avinox M1

Nach den jüngsten Updates der Motorenhersteller haben wir die Gelegenheit genutzt und sind mit allen Motorsystemen mit Software-Updates raus auf die Trails. Das sind die wichtigsten Erkenntnisse:

Traktions-Boost

Im ersten Vergleich konnte der DJI Avinox M1 den Bosch CX Gen5 noch klar in die Schranken weisen. Vor allem auf losem Untergrund und in technischem Terrain hatte der Avinox klar die Nase vorne. Er lieferte die Kraft deutlich geregelter ans Hinterrad, was für bessere Traktion sorgte.

Doch mit dem letzten Software-Update hat Bosch nachgelegt. Dank der Dynamic Control-Funktion im E-MTB+ Modus regelt der CX Gen5 jetzt so feinfühlig, dass er den DJI Avinox in unserem Back-to-Back-Test in Sachen Traktion geschlagen hat. Besonders auf verblockten Trails mit unterschiedlich viel Grip spielt der Bosch-Motor seine Stärke voll aus, sorgt für eine kontrollierte Uphill-Performance und schafft es, die Power noch geregelter ans Hinterrad abzugeben.

Mehr Strecke. Mehr Höhenmeter. Trotz mehr Leistung?

Wir haben das exakt gleiche Bike, das AMFLOW PL Carbon Pro, vor und nach dem Update über die identische Strecke mit dem gleichen Setup geschickt. Dazu: gleiche Außentemperatur (10°C), gleicher Fahrer sowie gleiche Durchschnittsfahrleistung (152 W).

Klingt eigentlich paradox. Aber nach dem Update legte das AMFLOW 17,71 km und 2.009 Höhenmeter im Turbo-Modus mit hochgesetzter Maximalleistung von 1.000 W zurück, bis der Akku vollständig leer war. Vor dem Update waren es nur 17,01 km und 1.912 Höhenmeter. Also 700 Meter und fast 100 hm Unterschied – und das auch noch schneller: Die Durchschnittsgeschwindigkeit stieg von 17,2 km/h auf 19,7 km/h an. Dass der DJI Avinox M1 nicht nur leistungsstärker, sondern auch effizienter geworden ist, zeigt, wie viel Potenzial in der Software steckt.

Klar ist: Software-Updates haben das Potenzial, dein Bike komplett zu verändern. Aber: Nicht jedes Update ist ein Fortschritt und euer E-MTB kann bei dem Mehr an Leistung unter verstärkten Verschleiß der Komponenten leiden. Unser Appell: Nutzt die App und lernt euren Motor kennen. Und entscheidet euch bewusst, für das was ihr wirklich braucht. Denn es geht nicht darum, ob dein Antrieb alles kann, sondern ob er zu euch und eurem Fahrstil passt. Fest steht: Im aktuellen Wettrüsten wird kein Hersteller freiwillig die Füße stillhalten. Das nächste Update kommt bestimmt.


Words: Benedikt Schmidt Photos: diverse