Nicht jeder kann temperamentvolle spanische Hengste reiten. Beim neuen Mondraker ZENDIT drängt sich der Vergleich trotzdem auf: nicht, weil es seine Rider unsanft aus dem Sattel schickt, sondern weil das neue E-Mountainbike schon auf dem Papier die Muskeln spielen lässt. Wir haben die ersten News zum neuen Vorzeige-E-Mountainbike aus Spanien.

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Mondraker ZENDIT RR S | Avinox-Motorsystem | 170/165 mm (v/h) | 10.499 € | 22,9 kg in Größe M/L | Hersteller-Website

„Just ZENDIT!“ – mit diesem Slogan bewirbt der spanische Hersteller Mondraker sein neues E-Mountainbike, das zum Aushängeschild der Marke werden soll. Dafür kombinieren die Spanier ein vollständig integriertes Avinox-Antriebssystem mit einer Kinematik, die auf Learnings aus dem DH-Worldcup-Programm rund um das neue Summum zurückgeht und speziell für den Einsatz im E-Mountainbike angepasst wurde. Bei der Variabilität zeigt sich das ZENDIT flexibel: Per Flip-Chip lässt sich die Geometrie anpassen, ein zweiter in der Kettenstrebe ermöglicht auf Wunsch den Umbau vom Mullet-Setup mit 29 Zoll vorn und 27,5 Zoll hinten auf ein reines 29er-Setup – laut Hersteller, ohne die Geometriewerte zu verändern. Mehr dazu weiter unten.

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Bevor wir noch tiefer in die Technik einsteigen, bleibt zunächst der Blick auf das Gesamtpaket: Mondraker bringt das ZENDIT in drei Ausstattungsvarianten. Los geht es bei 8.499 Euro, für den Top-Spec werden 12.499 Euro fällig. Wie sich die einzelnen Modelle unterscheiden, schauen wir uns im Folgenden an. Mit 22,9 kg in der RR S-Variante will das Mondraker ZENDIT ganz sicher kein Statement in Richtung Ultra-Leichtbau setzen, wie es etwa ein AMFLOW PL Carbon tut. Das dürfte allerdings auch kaum der Anspruch gewesen sein – schon gar nicht, wenn eine FOX Podium an der Front steckt. Auch der Blick auf die Specs zeigt: Hier steht nicht das letzte Gramm im Fokus, sondern ein robustes Gesamtpaket mit klarer Performance-Ausrichtung. Dass ausgerechnet das günstigste Modell das leichteste im Line-up ist, passt da ins Bild.

Die Ausstattungsvarianten des neuen Mondraker ZENDIT

Mondraker bietet das ZENDIT in drei Varianten an. Das Wichtigste zuerst: Motor und Akku stammen bei allen Modellen von Avinox. Die Unterschiede liegen also im Detail.

Mondraker ZENDIT XR

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Beim ZENDIT XR, dem teuersten Modell im Line-up für 12.499 €, gehört das 12-A-Schnellladegerät von Avinox zum Serienumfang. Darüber hinaus unterscheidet sich die Ausstattung vor allem beim Dämpfer und bei den Bremsen: Hinten arbeitet ein FOX X2-Dämpfer, dazu gibt es eine FOX Podium mit GRIP X2-Kartusche. Beide Komponenten bieten zahlreiche Einstellmöglichkeiten und passen damit klar zum Highend-Anspruch des Bikes. Dazu gibt es die passenden Highend-Scheibenbeißer von SRAM: MAVEN Ultimate. Die richtige Übersetzung findet hier die elektronische SRAM X0 AXS Transmission. Exklusiv zusammen mit dem Dämpfer am XR: die elektronisch verstellbare RockShox Reverb AXS-Sattelstütze. In Größe M/L kommt sie allerdings nur mit 175 mm Hub. Auch die Reifenwahl gefällt uns: vorn ein Maxxis ASSEGAI in MaxxGrip mit DoubleDown-Karkasse, hinten ein Minion DHR II mit der haltbareren MaxxTerra-Mischung, ebenfalls in DoubleDown-Ausführung. Der Highend-Spec ist hier tatsächlich der schwerste, vertraut man den Angaben von Mondraker, mit 23,1 kg.

Mondraker ZENDIT RR S

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Beim ZENDIT RR S für 10.499 € fallen die Unterschiede zur 2.000 € teureren Top-Version überraschend klein aus. Im Wesentlichen fehlen hier der FOX X2-Dämpfer und das Schnellladegerät. Wer also auf den X2 und die elektronische Dropper Post verzichten kann, bekommt hier aus unserer Sicht das stimmigste Gesamtpaket. Gerade weil Mondraker hier auch eine FOX Podium an der Front spendiert. Schaltung und Reifen sind dabei dieselben wie im Top-Spec – sweet! Entgegen aller Logik wird es, umso weniger Geld man auf den Tisch legt, leichter: Mit der Version RR S kommt man auf 22,9 kg.

Mondraker ZENDIT RR

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Der günstigste Einstieg in die ZENDIT-Welt ist das Mondraker ZENDIT RR für 8.499 €. Hier bekommt ihr auf dem Papier ein solides Arbeitstier, müsst aber technische Kompromisse eingehen. Die SRAM MAVEN Base-Bremse bietet weniger Einstellmöglichkeiten, und die EXO+-Karkasse am Vorderrad wirkt bei einem Bike, das ruppige Trails angreifen will, etwas zu pannenanfällig. Ein Reifen-Upgrade direkt beim Kauf erscheint deshalb sinnvoll. Ansonsten bekommt man hier ein solides Fahrwerk von FOX mit einer 38 Factory-Federgabel mit GRIP X2-Kartusche und einem FOX FLOAT X-Dämpfer im Heck. Die Schaltung liefert SRAM mit der mechanischen S1000 als Einstiegsversion der Transmission. Laut Mondraker ist das RR mit 22,8 kg sogar das leichteste Modell im Line-up.

Der Vorzeige-Stallion – Das Mondraker ZENDIT im Detail

Beim neuen ZENDIT setzen die Spanier erstmals auf ein vollständig CNC-gefrästes Rahmen-Finish, das Kanten und Bohrungen nach dem Fertigungsprozess sauber nachbearbeitet – statt wie bisher auf Handarbeit zu setzen. Was beim ersten Blick kaum auffällt, in der Praxis aber umso sinnvoller wirkt: Die Leitungen laufen seitlich in das Steuerrohr. Das sieht nicht nur aufgeräumt aus, sondern ist auch für Selbstschrauberinnen und Selbstschrauber praktisch. Dazu kommt, dass die intern geführten Leitungen im Rahmen den Ein- und Ausbau der Dropper Post deutlich erleichtern.

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Abgerundet wird das Design von einem markanten, einteiligen Carbon-Rocker, der dem Zentrum des Bikes eine bullige Optik verleiht. Ebenfalls mit an Bord ist ein Fender, der Lager und Dämpfer zumindest vor dem gröbsten Dreckbeschuss schützen soll.

Bleiben wir am Heck des Bikes: Dort sitzt im vorderen Bereich der Kettenstrebe ein Flip-Chip, der für den Umbau auf ein Full-29er-Setup gedacht ist. Dabei wächst für das 29er-Hinterrad die Kettenstrebe um 7 mm. Laut Mondraker verändern sich die Geo-Werte dadurch aber nicht, egal ob 27,5- oder 29er-Hinterrad.

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Spannend ist in diesem Zusammenhang vor allem, dass Mondraker beim ZENDIT auf größenabhängig mitwachsende Kettenstreben setzt. Während Bikes in S–M/L mit 450 mm langen Kettenstreben kommen, wächst das Maß bei L und XL auf 455 mm. So sollen die Proportionen trotz zunehmender Reach- und Stack-Werte über die Rahmengrößen hinweg stimmiger bleiben.

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Noch mehr Spielraum bietet ein zweiter Flip-Chip in der unteren Dämpferaufnahme. Er dient der Feinabstimmung der Geometrie und bietet die Positionen „Standard“ und „Low“. In der Low-Einstellung flacht für maximale Abfahrts-Performance der Lenkwinkel ab und das Tretlager sitzt tiefer. Das eröffnet zusätzlichen Spielraum für Rider, die ihr Setup auf Fahrstil und Terrain abstimmen wollen.

Auf dem Datenblatt gibt sich das Mondraker ZENDIT bereits selbstbewusst: viel Federweg, variable Geometrie, ein aufwändig gefertigter Carbon-Rahmen und ein klar erkennbarer Highend-Anspruch. Ob das neue Vorzeige-E-Mountainbike der Spanier seine hohen Versprechen auch auf dem Trail einlösen kann, erfahrt ihr in unserem Test.


Words: Robin Ulbrich Photos: Mondraker

Wer schreibt hier?

Robin Ulbrich
Junior Editor

Robin Ulbrich ist bei 41 Publishing Spezialist für urbane Mobilität und technisches Produktmanagement. Als gelernter Meister im Fahrzeuginnenausstatter-Handwerk bringt er eine fundierte Werkstoffkenntnis in die Redaktion ein, mit besonderem Fokus auf ergonomische Schnittstellen, Materialeigenschaften und eine Verarbeitung bis ins Detail. Für die Magazine DOWNTOWN und E-MOUNTAINBIKE analysiert der leidenschaftliche Radfahrer aktuelle City- und Offroad-Trends. Neben seiner redaktionellen Tätigkeit nutzt er sein handwerkliches Know-how vor allem für tiefgehende Materialanalysen und praxisnahe Produkttests.

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