Dieser Artikel gehört zu unserem großen Motoren-Vergleichstest 2026. Klicke hier, um alle elf getesteten Systeme, die neuesten Trends und umfangreiche Ergebnisse aus dem Labor und der Praxis zu lesen.

Fisch oder Fleisch? Android oder iOS? Full Power oder Light Assist? Warum nicht einfach das Beste aus beiden Welten verbinden? Das dachten sich vermutlich auch die Schweizer Entwickler von maxon, als sie vor der Entwicklung des AIR S standen.
Das Vorgängersystem „BIKEDRIVE AIR” konnte sich durch seine unauffällige Integration, sein niedriges Gewicht und das leise Fahrgeräusch auszeichnen – fristete aber durch die geringen Leistungs- und Drehmomentwerte ein Nischendasein.
Das soll sich nun mit dem neuen „BIKEDRIVE AIR S“ vollkommen ändern: Bei fast identischen Baumaßen haben die Schweizer es geschafft, fast das 3-fache an Leistung aus der schlanken Antriebseinheit zu kitzeln.
Mit 620 Watt Maximalleistung und 90 Nm maximalem Drehmoment soll die Neuentwicklung aus dem Light-Assist-Nischendasein des Vorgängers in die etablierte, massentaugliche Full-Power-Liga vorstoßen und dabei allen Vorzügen seines Vorgängers treu geblieben sein. Ob das gelingt? Inwieweit der leichte Schweizer Motor eines vollwertigen Full-Power-Antriebs würdig ist und welche Kompromisse man dabei (noch) eingehen muss – hier erfahrt ihr es. Übrigens: Wer mehr über maxon erfahren will, kann hier über unseren exklusiven Firmenbesuch lesen.
Der maxon BIKEDRIVE AIR S-Motor im Detail
Für den Test des Motorsystems hat uns maxon ein Instinctiv Ocelot 125 zur Verfügung gestellt. Schon auf den ersten Blick erinnert das niederländische Gefährt an ein waschechtes Light-Assist-Bike: Ein schlankes Unterrohr, dazu ein kompakter Tretlagerbereich, der nur erahnen lässt, dass sich dahinter ein Motor verbirgt – dass hier 90 Nm und 620 Watt abrufbar sind, erwartet wirklich niemand.
Das Instinctiv Ocelot könnte glatt noch als Bio-Bike durchgehen, wofür auch das sehr niedrige Gesamtgewicht von nur 17,66 kg mit den von uns verbauten MAXXIS-Einheitsreifen mit schwerer Doubledown-Karkasse spricht. Der sorgfältig auf Leichtbau getrimmte Custom-Aufbau trägt hierzu natürlich entscheidend bei, doch auch das maxon-System ist alles andere als ein Schwergewicht: Die Motoreinheit bringt gerade mal 2,03 kg auf die Waage und ist gekoppelt an einen 1,8 kg schweren 400-Wh-Akku.
Die Philosophie eines leichten und unauffälligen Auftritts wird auch im Cockpit konsequent weiterverfolgt. Die kabelgebundene Remote, die aus Metall gefertigt ist und beim Betätigen ein definiertes Klacken erzeugt, fügt sich nahtlos in das unauffällige Gesamtpaket ein. Im Oberrohr ist eine simple, aber leider nicht so hochwertig erscheinende Anzeigeeinheit integriert. Sie stellt mit Ladestand und Fahrmodi die wichtigsten Informationen dar und ermöglicht es, das System mit drei Buttons ein- und auszuschalten sowie durch die drei Fahrmodi zu wechseln. Die Anzeige bietet jedoch keine Möglichkeit, individuelle Werte anzuzeigen. Ein „vollwertiges” Display ist laut maxon bereits in Entwicklung.

Die Lenkerremote aus Metall hat eine angenehme Haptik und sieht schick aus.

Die schlichte Anzeigeeinheit symbolisiert Akkustand und Fahrmodus.
Bei der Akkuauswahl steht zum Start nur eine 400-Wh-Option bereit. Ein 2,8 kg schwerer 600-Wh-Akku soll zu einem späteren Zeitpunkt kommen. Bis dahin kann ein 1,6 kg schwerer Range Extender mit 250 Wh Akkukapazität Abhilfe leisten – das System muss zur Reichweitenmaximierung angeschlossen werden.
Zum Wiederaufladen gibt es beim BIKEDRIVE AIR S von Beginn an zwei Optionen: Ein 700 g schwerer 6A-Charger sowie ein 200 g leichter 2A-Charger bilden hier das Angebot. Der leistungsstärkere 6A-Charger soll den 400-Wh-Akku laut maxon innerhalb von drei Stunden von 0 auf 80 % und in vier Stunden von 0 auf 100 % aufladen. Unser Test konnte letzteres mit gemessenen 247 Minuten Ladezeit bestätigen. In der Ladegeschwindigkeit bedeutet das jedoch Schlusslicht: Mit durchschnittlich gerade einmal 105 Watt lädt das maxon-System mit dem 6A-Charger von 0 auf 100 %. Kein Problem zuhause, doch ungeschickt, wenn unterwegs in begrenzter Zeit nachgeladen werden soll. Der für unterwegs angedachte 2A-Charger liefert hier noch weniger.
maxon stellt jeweils zwei Apps für den Apple App Store und Google Play Store bereit: „BIKEDRIVE Connect” soll die App für Kunden darstellen und individuelle Motoreinstellungen innerhalb der Modi ermöglichen. BIKEDRIVE Service soll hingegen für Händler geeignet sein. Leider war die App zum Zeitpunkt des Tests noch nicht in Verbindung mit dem neuen AIR S-Motorsystem nutzbar.
| Parameter | Unsere Messung | Herstellerangabe |
|---|---|---|
| Gewicht des Motors (kg) | 2,03 kg | 2,00 kg |
| (nomielle) Akkukapazität (Wh) | 336 Wh | 400 Wh |
| Ladezeit | 247 Minuten | 240 Minuten |
| Unterstützungsverhältnis (%) | – | 400 % |
| Maximalleistung (W) | – | 620 W |
| Maximales Drehmoment (Nm) | – | 90 Nm |
| Reichweite* | 14,0 km | – |
| Reichhöhe* | 1.102 hm | – |
*Die Werte wurden auf einer identischen Strecke mit durchschnittlich 8,5% Steigung ermittelt – bei einer konstanten Fahrerleistung von 150 W, einem Fahrergewicht von 72 kg sowie mit standardisierten Reifen: vorne MAXXIS HighRoller (DD, MaxxGrip) und hinten MAXXIS Minion DHR II (DD, MaxxTerra)
Der maxon BIKEDRIVE AIR S-Motor im Test – Ein neuer Superlativ?
Der Maxon Bikedrive AIR S-Motor auf dem Trail – Fullpower-Motor für den sportlichen Fahrer?
90 Nm, 620 Watt und bis zu 400 % Unterstützungsfaktor – trotz des geringen Gewichts und der hohen Integration spielt der maxon-Motor auf dem Papier eher in der Full-Power-Liga. Aber fühlt sich das auf dem Trail auch wirklich so an?
Beim Einschalten des Systems ist von Full Power zunächst keine Spur – die Motorunterstützung ist standardmäßig auf „Off” gestellt. Wer Unterstützung haben möchte, muss diese erst aktivieren – entweder über die haptisch gelungene Remote am Lenker oder über die Anzeigeeinheit im Oberrohr. Anschließend erwacht der Motor zum Leben und klinkt sich sehr harmonisch und akustisch kaum hörbar im Antrieb ein. Zwei weitere Klicks nach oben rufen die höchste Unterstützungsstufe ab.
Verglichen mit anderen Light-Assist-Motoren fällt direkt das maximale Drehmoment von 90 Nm auf. Im Vergleich zum Bosch SX, der eine ähnliche Spitzenleistung hat, lässt sich eine hohe Leistung im maxon damit deutlich leichter bzw. früher abrufen, hält sich dabei aber akustisch stark zurück. Das maxon-System gehört zweifellos zu den leisesten Systemen überhaupt. Besonders im direkten Vergleich mit anderen Full-Power-Motoren sticht das geringe Antriebsgeräusch im Teillastbereich heraus. Erst bei Vollast, im steilen technischen Gelände, macht sich der AIR S dann akustisch stärker bemerkbar, wird aber nicht aufdringlich und surrt stets in einer angenehmen Frequenz.
Im Gelände erweckt der maxon AIR S damit den Eindruck eines Light-Motors auf Steroiden: Das Fahrgefühl bleibt durch die lineare Kraftentfaltung immer sehr natürlich geprägt, bietet aber in Schlüsselstellen die dann notwendige Motorleistung, um schwierige Uphill-Segmente zu meistern. Fit sein lohnt sich – je mehr Eigenleistung man gibt, desto spürbar mehr bekommt man zurück. Das verhilft zu einer sehr feinfühligen Dosierbarkeit, da sich die Motorleistung über die Eigenleistung präzise und vorhersehbar modulieren lässt.
Die Unterstützung des AIR S setzt smooth und gleichzeitig reaktionsschnell ein, bleibt dabei immer berechenbar und überrascht nicht durch unerwartete Leistungsschübe. Das verhilft dem maxon AIR S auf dem Trail auch zu einer starken Traktion. Der kurze, aber spürbare Nachlauf macht sich ähnlich wie bei Bosch-Systemen akustisch durch ein leichtes Freilaufrasseln bemerkbar. Für noch bessere Klettereigenschaften wäre ein etwas längerer Nachlauf allerdings wünschenswert.


Die Stärke des maxon liegt darin, wie harmonisch und natürlich er seine Leistung wirken lässt. Wer beim maxon alles herauskitzeln möchte, muss selber auf Drehzahl kommen:
Richtiges Full-Power-Feeling kommt hauptsächlich bei höheren Kadenzen und viel Eigenleistung auf. Der maximale Unterstützungsfaktor wird mit 400 % angegeben, in der Praxis mit niedriger Kadenz erhält man jedoch spürbar weniger Unterstützungsleistung als manch anderer Full-Power-Motor. Das bestätigt sich auch im Labortest, bei dem sich maximal 276 % Unterstützungsleistung bei einer Fahrerleistung von 150 Watt einstellen – vollkommen ausreichend, aber eben kein Powerhouse à la Avinox, der in diesem Szenario fast das Doppelte an Leistung ausgibt.
Das zeigt sich auch im Reichhöhentest: Dort erreichte der AIR S mit knapp 19 km/h eine erwartungsgemäß deutlich höhere Durchschnittsgeschwindigkeit im Vergleich zur leichten Konkurrenz von TQ, Bosch und FAZUA. Der Schweizer Motor schafft es im leichten Instinctiv-Bike sogar, einen Hauch schneller als die Bikes mit Bosch CX Gen5- und Shimano EP801-Motor zu sein!

Damit beweist der AIR S eine beeindruckende Dauerleistungsfähigkeit über den gesamten SOC-Verlauf. Auch die Effizienz beim Reichhöhentest ist auf Topniveau. Das Instinctiv erklimmt insgesamt 1.102 Höhenmeter – ein sehr respektabler Wert angesichts der hohen Fahrgeschwindigkeit und der geringen Akkukapazität. Trotzdem lässt sich die Physik nicht austricksen. Wer bis zu 620 W konstant aus einem 400-Wh-Akku zu ziehen versucht, wird den Akku unweigerlich in relativ kurzer Zeit leer fahren. Die limitierte Auswahl an Akkuoptionen lässt für diesen Fall derzeit noch Wünsche offen, was den Einsatzbereich und die Zielgruppe limitiert.

Auch bergab stört kein Klappern das Fahrerlebnis.
Der maxon BIKEDRIVE AIR S-Motor auf dem Prüfstand
Auch beim Uphill-Speed bei einer simulierten Steigung von 15 % überzeugt der AIR S mit zügigem Tempo und bestätigt den Eindruck aus dem Praxistest. Er liegt zwar hinter den meisten Fullpower-Motoren, aber noch vor dem MAHLE M40 und dem Shimano EP801.
Auch beim Unterstützungsfaktor bestätigt sich unser Eindruck aus der Praxis. Bei einer Kadenz von 75 U/min kommt der maxon AIR S nicht an die versprochenen bis zu 400 % Unterstützungsfaktor heran, sondern liefert hier maximal das 2,72-fache der Fahrerleistung. Die angegebenen maximalen Leistungs- und Drehmoment-Werte konnte der AIR S bei den Prüfstandstests nicht zeigen, auch wenn kein einzelner Wert an seine Grenze kam und damit eine weitere Kraftentfaltung beschränkt hätte. Geht da etwa noch mehr?
Bei der Antriebseffizienz ist der maxon der Spitzenreiter im Test. Er schafft es, in allen Situationen konstant hohe Wirkungsgrade zu erzielen. Die hohe Effizienz hilft auch beim 30-Minuten-Dauertest mit 250 W Eigenleistung. Trotz des hohen Integrationsgrades und der damit einhergehenden, fehlenden aktiven Kühlung, liefert der AIR S auch hierbei ein solides Derating-Verhalten. Erst nach etwa 12 Minuten Dauerlast zeigt sich ein erstes, kaum nennenswertes Derating. Nach knapp 20 Minuten wird die Leistung dann deutlich reduziert, bleibt aber immer noch auf dem typischen Leistungsniveau eines Light-Assist-Antriebs.
Tuning-Tipp für Hersteller: Das Ökosystem mit einer guten App und Display vollenden und langfristig schnellere Ladegeschwindigkeiten ermöglichen.
Für wen ist der maxon BIKEDRIVE AIR S-Motor, für wen nicht?
Seine Kombination aus viel Power und kleinem Akku macht nicht für jeden Sinn, trifft für manche jedoch voll ins Schwarze. Sportliche Fahrer, die leichte Bikes mit agilem Handling ohne das typisch satte, aber träge E-Bike-Feeling suchen und auch technisch anspruchsvolle Uphill-Passagen meistern wollen, finden im maxon einen perfekten Begleiter. Wenn eine ansprechende Integration und minimales Gewicht wichtig sind, gleichzeitig aber auch viel Leistung gewünscht ist, bietet maxon ein sehr überzeugendes Paket.
Wer hingegen regelmäßig lange Touren mit hoher Unterstützungsleistung anstrebt, dem fehlen beim maxon aktuell die passenden Akkuoptionen und eine praxistaugliche Ladegeschwindigkeit. Mit der angekündigten 600-Wh-Option sollte sich der mögliche Kundenkreis jedoch vergrößern. Die in Kombination mit dem Range Extender 850 Wh Gesamtkapazität reicht dann auch ohne Nachladen für längere Touren.
Fazit zum maxon BIKEDRIVE AIR S-Motor
Der maxon AIR S lässt das Light-Motoren-Segment leistungstechnisch weit hinter sich und kämpft stattdessen gegen Full-Power-Motoren aus der höheren Gewichtsklasse. Auch wenn Leistungsentfaltung und -abrufbarkeit bei niedrigen Kadenzen nicht ganz an die der schwereren Konkurrenz herankommen, bietet der Motor eine beispiellose Balance aus Gewicht, Integration und Power. Größtes Manko sind die Einschränkungen zum Launch des Systems. Das Potential ist jedoch riesig und verdient daher unsere Editors Choice.
Tops
- natürliches Fahrgefühl bei gleichzeitig hoher Leistung
- geringes Gewicht
- unauffällige Integration
- hohe Effizienz
Flops
- zu geringe Ladegeschwindigkeit
- App noch nicht nutzbar
- aktuell nur mit 400-Wh-Akku verfügbar
Alle weiteren Informationen findet ihr auf maxonbikedrive.com
Das Testfeld
Einen Überblick über diesen Vergleichstest erhaltet ihr hier: Was ist der beste E-Bike-Motor 2026? E-Bike-Motoren-Test mit 11 Modellen im Vergleich
Alle Motoren im Test:
Avinox M1, Bosch Performance Line CX Gen5, Bosch Performance Line CX-R, Bosch Performance Line SX, FAZUA Ride 60, Mahle M40, maxon Air S, Pinion MGU E1.12, Shimano EP801, S-Works 3.1, TQ HPR60
Words: Lars Engmann Photos: Peter Walker



