Dieser Artikel gehört zu unserem großen Motoren-Vergleichstest 2026. Klickt hier, um alle elf getesteten Systeme, die neuesten Trends und umfangreiche Ergebnisse aus dem Labor und der Praxis zu lesen.

MAHLE ist kein Unbekannter – als großer Automobilzulieferer aus Stuttgart bringt man es mit, schon so manche Motorkomponente gesehen zu haben. In der Bike-Welt kennt man MAHLE unter anderem als maßgeblichen Mitentwickler der Motoren Specialized Levo SL 1.1 und 1.2 im Levo SL. Der M40 will aber mehr als ein Partnerprojekt sein. Er ist MAHLEs eigenständiges Debüt als Full-Power-Mittelmotor. Der Anspruch des deutschen Herstellers ist klar: Mit dem M40 wollen die Stuttgarter nicht nur mitspielen, sondern zeigen, dass sie in Sachen Leistungsdaten, Integration und Systemtechnik ernst genommen werden. Ob der Motor diesen Ansprüchen gerecht wird oder im Wettkampf mit seiner Konkurrenz ins Hintertreffen gerät, haben wir für euch getestet.
Der MAHLE M40-Motor im Detail – Erstlingswerk mit Extra-Schub
Für unseren Test stellt MAHLE eine eigene White-Label-Plattform bereit, die den M40-Mittelmotor trägt. Die Drive Unit fügt sich optisch für seine Leistungsklasse erstaunlich unauffällig in den Tretlagerbereich ein und gehört – wie der Avinox – zu den am besten integrierten Full-Power-Motoren im Testfeld. Der Motor bringt es laut Hersteller auf 105 Nm Drehmoment und bis zu 850 W Spitzenleistung. Mit einem Unterstützungsfaktor von bis zu 600 % zählt er damit auf dem Papier zu den kraftvollsten Systemen im Test und lässt sich am ehesten mit dem S-Works 3.1 vergleichen. Besonders beeindruckend: Mit nur 2,60 kg ist der M40 nach dem Avinox zudem der zweitleichteste Motor im Full-Power-Feld. Chapeau!
Beim Akku haben Bike-Hersteller die Wahl zwischen einem kompakten 534-Wh-Akku und einer großen 800-Wh-Variante. Einen Range Extender bietet MAHLE aktuell nicht an. Geladen wird mit einem 4A-Ladegerät, das den 800-Wh-Akku in 4 Stunden und 8 Minuten wieder füllt. Mit einer durchschnittlichen Ladegeschwindigkeit von 3,1 Wh/min liegt MAHLE damit im Vergleich auf einem starken vierten Platz, direkt hinter Specialized, Avinox und TQ.
Weniger überzeugend ist dagegen die Head Unit+, die im Oberrohr eingelassen ist und den Überblick über das Motorsystem behalten soll. Das 1,9”-Farbdisplay verschenkt durch seinen breiten Rand viel Fläche, bietet nur eine geringe Auflösung und wirkt im Design wenig eigenständig. Dafür zeigt das Display den Akkustand in Prozent sowie auf drei weiteren Slides die aktuelle Geschwindigkeit, Motor- und Fahreroutput und die aktuelle Fahrer-Kadenz an. Über einen gummierten Button lassen sich die Modi sowie die Seiten mit einem Doppelklick durchschalten.
Vergisst man aber, das Bike auszuschalten, bleibt das System dauerhaft an und geht nicht automatisch in den Standby-Modus. Durch langes Drücken beider Buttons gelangt man ins Untermenü, in dem man das Unterstützungsverhältnis sowie die Peak Power, das maximale Drehmoment, die Beschleunigung und den Nachlauf pro Modi einstellen kann. Unterm Strich wirkt die Head Unit aber wenig ausgereift.
Besser gefällt die MAHLE Duo Remote, die alternativ auch gegen die kabellose Trio Remote getauscht werden kann. Die gummierte Duo Remote bietet ein gutes haptisches Feedback und wirkt robust, hängt aber noch per Kabel am Motorsystem und sieht daher etwas klobig aus. Beim Wechsel der Modi ertönt ein akustisches Signal und zeigt so klar an, ob eine Unterstützungsstufe gewechselt ist.
Die MySmartBike-App ist die Schnittstelle zwischen Fahrer und MAHLE-System. Sie ermöglicht das Aufzeichnen von Rides, eine Reichweitenprognose und bietet eine Navigation für zuvor hochgeladene Routen, allerdings nur mit Netzempfang. Auch ein Herzfrequenzsensor lässt sich koppeln: Dann soll die Drive Unit die Unterstützungsstufen automatisch an euren aktuellen Puls anpassen und damit auf eure körperliche Belastung reagieren. Dafür müsst ihr einmal euren Maximalpuls hinterlegen. In der Praxis funktioniert das aber nur bedingt. Bei unserem Test mit einem angegebenen Maximalpuls von 200 bpm schaltete der Motor erst bei knapp 130 bpm in die mittlere Unterstützungsstufe und erst bei wirklich hoher Anstrengung und hohem Puls in die höchste.
Damit hören die Möglichkeiten aber leider fast schon auf. Wichtige Funktionen wie ein digitaler Motorlock fehlen und am kritischsten sehen wir, dass sich die Unterstützungsmodi oder der Nachlauf nicht individuell in der App und nur über das Display anpassen lassen. Das ist zwar einsteigerfreundlich, aber schränkt den Spielraum massiv ein und nimmt dem System die Flexibilität, die wir von modernen Motor-Ökosystemen erwarten. Unterm Strich wirkt die App solide, aber unausgereift und genauso geht es uns auch mit dem Display. Beide liefern Grundfunktionen, lassen aber zu viele Möglichkeiten liegen. Für einen Motor mit Premium-Anspruch ist das noch zu wenig.
| Parameter | Unsere Messung | Herstellerangabe |
|---|---|---|
| Gewicht des Motors (kg) | 2,60 kg | 2,5 kg |
| (nominelle) Akkukapazität (Wh) | 748,8 Wh | 800 Wh |
| Ladezeit von 0 auf 100 % SOC | 4 h und 8 min | – |
| Unterstützungsverhältnis (%) | – | 600 % |
| Maximalleistung (W) | – | 850 W |
| Maximales Drehmoment (Nm) | – | 105 Nm |
| Reichweite* | 22,3 km | – |
| Reichhöhe* | 1.739 hm | – |
*Die Werte wurden auf einer identischen Strecke mit durchschnittlich 8,5 % Steigung ermittelt – bei maximaler Unterstützungsstufe, einer konstanten Fahrerleistung von 150 W, einem Fahrergewicht von 72 kg sowie mit standardisierten Reifen: vorne MAXXIS HighRoller (DD, MaxxGrip) und hinten MAXXIS Minion DHR II (DD, MaxxTerra)
Der MAHLE M40-Motor im Test
Der MAHLE M40-Motor auf dem Trail
Schaltet ihr das Motorsystem ein, bietet euch der MAHLE M40 drei Unterstützungsmodi: Level 1, 2 und 3. Auffällig ist das beim Anfahren auf der Straße sehr sensible Ansprechverhalten. Schon leichter Druck aufs Pedal reicht und der Motor reagiert unmittelbar. Trotzdem lässt sich der MAHLE nach dem Anfahren präzise kontrollieren, vor allem in engen Spitzkehren auf dem Trail, wo sich das Bike einfach um die Kurve steuern lässt. Ganz anders zeigt sich der M40 aber beim Anfahren am Berg: Hier ist erstaunlich viel Eigenleistung nötig, bis die Unterstützung einsetzt. Zwar hilft die Automatic Hill Brake, dass das Bike auf steilen Rampen zurückrollt, doch das Zuschalten der Power kommt hier etwas zögerlich.
Im steilen Uphill mit höchstem Modus erinnert er an die Kraft eines S-Works 3.1, wenn auch mit etwas weniger Punch im unteren Drehzahlbereich. Der MAHLE-Motor schiebt mit viel Durchzug, bringt euch zuverlässig über Stufen und Rampen und wirkt dabei weniger natürlich als der Bosch CX oder Avinox, die ihre Leistung noch kontrollierter abgeben. Die Traktion auf dem Trail überzeugt und der M40 lässt das Pedal gut am Fuß kleben, sodass man auch in unebenem Gelände das Bike kontrolliert vorantreiben kann. Gerät man in technische Passagen, punktet der Dynamic Overrun. Selbst wenn ihr das Treten kurz aussetzt, schiebt der Motor angenehm weiter. Das gibt Sicherheit, wenn man sich im kniffligen Terrain an technischen Uphills probiert.
In anderen Fahrsituationen lässt der MAHLE M40 aber noch Spielraum für Verbesserungen: Fährt man mit hoher Kadenz im kleinen Gang auf einen steilen Anstieg zu, fällt der M40 in ein spürbares Powerloch und muss oben heraus die Leistung deutlich reduzieren. Auch das Ausfaden an der 25-km/h-Grenze endet recht abrupt. Und wie klingt das Ganze? Bergauf bewegt sich der MAHLE akustisch etwa auf dem Niveau eines Bosch CX: hörbar, aber nicht störend. Sobald es bergab geht, verändert sich der Eindruck allerdings. Hier klappert der Motor deutlich hörbar, was den ansonsten soliden Fahreindruck etwas schmälert.
Der MAHLE M40-Motor auf dem Prüfstand
Beim Prüfstandstest zeigte sich der MAHLE M40 bei einer Fahrerleistungen bis 200 W sehr zurückhaltend, indem er nur wenig Drehmoment spendierte und Leistung und Unterstützungsfaktor somit weit unter den möglichen Werten blieben. Zu Höherem war er nicht zu bewegen, sondern stieg mit Störung aus – nachdem er auf dem Trail unauffällig war, nehmen wir das als ein Problem der artifiziellen Prüfumgebung hin.
Dafür punktet der Motor in den gemessenen Bereichen mit sehr gutem Wirkungsgrad, wo er zusammen mit dem maxon an der Spitze des Testfelds steht.
Ebenfalls gut ist das Derating, bei dem es nach einer kontinuierlichen Reduktion um ca. 70 W in den ersten acht Minuten konstant bei hoher Leistung bleibt.
Bei den Vergleichen ist zu beachten, dass die Messungen nur bei geringerer Fahrerleistung von 200 W möglich waren.
Das Geräusch des MAHLE M40 ist auf der hochfrequenten Seite. Bei kleinen Drehzahlen ist er noch recht tonal und befindet sich im guten Mittelfeld der Lautstärke. Sobald es schneller bergauf geht, wird er multitonal bis rauschend und erinnert etwas an eine leise Turbine. Dabei ist er dennoch einer der leisesten Motoren im Feld und durchdringt das Hintergrundgeräusch eher durch seine hohe Tonlage.
Tuning-Tipp für den Hersteller: Eine bessere Head Unit+, mehr Funktionen in der App sowie dynamischere Unterstützungsstufen würden den MAHLE moderner und vielseitiger machen.
Für wen ist der MAHLE M40-Motor, für wen nicht?
Der MAHLE M40 ist spannend für Fahrer, die einen leichten, leistungsstarken Motor suchen und Wert auf schnelles Laden sowie eine direkte Kraftentfaltung legen. Rider profitieren von seinem sensiblen Ansprechverhalten und dem starken Durchzug. Weniger geeignet ist er dagegen für Trail-Enthusiasten, die ein natürliches Fahrgefühl, dynamische Fahrmodi oder eine maximale App-Individualisierung erwarten. Schade ist zudem, dass es aktuell noch sehr wenige Bikes mit dem M40 gibt, was die Auswahl und damit auch die Einsatzmöglichkeiten deutlich einschränkt.
Fazit zum MAHLE M40-Motor
Der MAHLE M40 ist ein spannender Einstieg der Stuttgarter ins Segment der Full-Power-Motoren. Mit Blick auf Leistung, Bauform und Gewicht muss er sich nicht vor den besten Antrieben im Test verstecken – im Gegenteil, er gehört zu den leichtesten und zugleich kraftvollsten Motoren seiner Klasse. Auf dem Trail kann er mit seiner Konkurrenz aber nicht ganz mithalten: Powerlöcher bei hoher Kadenz und das Klappern bergab verhindern eine Spitzenplatzierung. Dennoch ist der M40 ein solider, zukunftsweisender Motor, der zeigt, dass MAHLE das Potenzial hat, sich als ernstzunehmender Player im Markt zu etablieren – vor allem wenn App, Display, Fahrmodi sowie Fahrcharakteristik nachgebessert werden.
Tops
- feines Ansprechverhalten und gute Dosierbarkeit in Spitzkehren
- solide durchschnittliche Ladezeit
- starker Durchzug bergauf
- gutes Verhältnis von Gewicht zu Leistung
Flops
- Powerlöcher bei hoher Kadenz
- schwaches Display und funktionsarme App
Alle weiteren Informationen findet ihr auf der Website von MAHLE.
Das Testfeld
Einen Überblick über diesen Vergleichstest erhaltet ihr hier: Was ist der beste E-Bike-Motor 2026? E-Bike-Motoren-Test mit 11 Modellen im Vergleich
Alle Motoren im Test:
Avinox M1, Bosch Performance Line CX Gen5, Bosch Performance Line CX-R, Bosch Performance Line SX, FAZUA Ride 60, Mahle M40, maxon Air S, Pinion MGU E1.12, Shimano EP801, S-Works 3.1, TQ HPR60
Words: Benedikt Schmidt Photos: Peter Walker



