Ausgabe #014 Special

Kleinwagen oder Lastenrad – wir machen den Selbstversuch

Lastenräder erobern die hippen Innenstädte der Metropolen, auf dem Land sieht es leider anders aus. Das Auto gilt weiterhin als das komfortabelste Fortbewegungsmittel – doch verwechseln wir Komfort nicht einfach mit Träg- oder Faulheit? Wir haben den Selbstversuch Kleinwagen versus Lastenrad gemacht und zum Neid der trendigsten Innenstädter unsere Tour direkt auf der Wasserstraße fortgesetzt – mit einem mitgebrachten Stand-Up-Paddel!

Es ist ein Duell wie David gegen Goliath. Rein von den äußeren Werten her steht der Sieger in unserem Vergleichstest Fiat Panda vs. Riese & Müller Packster-Lastenrad schon im vornherein fest. Schließlich bekommt man für knapp 6.000 € einen gebrauchten Panda mit geringer Kilometerzahl, Platz für vier Personen und einem 70-PS-Motor, der die eigene körperliche Anstrengung überflüssig macht. Das ist in Sachen Preis-Leistung unschlagbar.

Das Packster 60 kann da auf den ersten Blick nicht mithalten. Schließlich ist es ja “nur” ein Fahrrad. Doch das E-Cargo-Bike hat es faustdick hinter den Ohren. Angetrieben wird es von einem kraftvollen Bosch Performance CX-Antrieb mit Dual Battery-Akku und satter 1000 Wh-Kapazität. Der 60 cm lange Laderaum bietet genug Platz für den Wochenend-Einkauf, ein bis zwei Kinder oder auch das Sportgerät. Besonders praktisch: Dank der variabel einstellbaren Lenker- und Sattelhöhe lässt sich das Packster im Handumdrehen an verschiedene Körpergrößen anpassen. Preislich liegt das Riese & Müller Bike je nach Konfiguration mit dem gebrauchten Panda ziemlich gleich auf – oder gar darüber.

Unser Vergleich hat bereits vor mehr als einem Jahr begonnen. An einem Tag, an dem Manu und Anne, zwei gute Freunde von uns, sich ihren Fiat Panda gekauft haben. In ihren Augen eine Vernunftsentscheidung. Als Ergänzung. Denn die beiden sind überwiegend mit einem VW T5 unterwegs, den sie mühevoll in einen Campingbus verwandelt haben. Der Panda ist nichts, worauf sie wirklich stolz sind, sondern ein Tool für den Job und Alltag: Morgens damit zur Arbeit fahren, nach Feierabend kurz zum See und am Wochenende die Einkäufe nach Hause bringen. In ihrem Bekanntenkreis hat der Panda bereits ordentlich für Häme gesorgt. Frotzelnd wird er z. B. „Elefantenrollschuh” genannt. Er passt einfach nicht zum sonst so sportiven und bewussten Lebensstil der beiden.

 Du bist was du fährst!

Variabel
Die Lenker- und Sattelhöhe des Bikes lässt sich innerhalb von Sekunden an verschiedene Fahrer anpassen. Perfekt!
Komfortabel
Die Federgabel filtert kleine Schläge erstaunlich effizient weg und sorgt für hohen Fahrkomfort. Dank der fest verbauten Lichtanlage sind auch Fahrten bei Dunkelheit kein Problem.
Riesig
Die Box des Packster ist 60 cm lang und bietet massig Stauraum. Riese & Müller bietet obendrein auch Kindersitze und verschiedene Cover für den „Kofferraum“ des Bikes an.

Liebe auf den ersten Blick

Schon bei der Lieferung der beiden neuen Riese & Müller Bikes sind Manu und Anne begeistert. Das schlichte, geradlinige Design des Packster und des ebenfalls gelieferten New Charger Mixte überzeugt. Die Zeiten, in denen Urban-Bikes nur was etwas für Omas waren, sind lange vorbei. Am nächsten Tag geht’s für Manu mit dem Lastenrad zur Arbeit. Die Strecke ist 6 Kilometer lang, sie wird im Panda auch mit der besten Musik aus den blechernen Boxen normalerweise nicht zum Highlight. Anders mit dem Packster: Helm auf, Antrieb an und los geht’s. Im herrlichen Morgenlicht geht es entspannt dahin. Die 25 km/h Schwelle ist in der Ebene schnell erreicht. Geht es leicht bergauf, schiebt der kraftvolle Bosch-Antrieb auch bei voll beladener Box ordentlich an. Sogar vermeintlich schweißtreibende Uphills sind mit dem dem Packster kein Problem. Die extra Minuten auf der wenig befahrenen Nebenstrecke auf dem Arbeitsweg nutzt Manu, um bei einer leichten Brise die Gedanken zu sammeln und den Tag bereits etwas zu planen. Einmal in der Arbeit angekommen, kann es auch schon losgehen. Die extra Portion Sauerstoff sorgt für wache Synapsen, der Look des Bikes auf dem Parkplatz für maximale Aufmerksamkeit bei den Kollegen. Komisch, nach dem Panda hat sich nie einer den Kopf verrenkt.

 Eyecatcher – mit einem E-Lastenrad zieht man noch immer alle Blicke auf sich.

 Stauraum ohne Ende! In die große Box passt der gesamte Wochenendeinkauf.

Helme Giro Aspect & Camden MIPS | SUPS Fanatic Diamond Air & Pure Air

Massig Platz für den Großeinkauf

Wie es sein Name vermuten lässt, ist das Riese & Müller Packster 60 ein echtes Raumwunder. Die 60 cm lange Box ist nicht nur groß, sie ist richtig groß! In ihr lässt sich problemlos eine Kiste Bier plus ein gesamter Großeinkauf verstauen. Alternativ kann man mit dem Packster auch zwei Kinder in die Kita bringen – was nicht ist, kann ja noch werden. Genial! Manu und Anne nutzen den Stauraum unter anderem für eine entspannte SUP-Tour am Chiemsee. Die beiden aufblasbaren Stand-Up-Paddle Boards von Fanatic passen problemlos in den großen Stauraum und auch für die zweiteiligen Paddel ist ausreichend Platz. Trotz des vielen Gepäcks ist das Rad noch schmal und agil genug, um in der Stadt schnell und effizient voranzukommen. Dort, wo Autos im stockenden Verkehr feststecken, cruisen sie einfach rechts am Radweg vorbei. Es benötigt zwar eine kurze Zeit, um sich an die Ausmaße des Bikes zu gewöhnen, doch bereits nach wenigen Metern läuft alles wie am Schnürchen. Zumindest bis zu dem Moment, in dem man eine Hand vom Lenker nimmt, um das Signal zum Abbiegen zu geben. Hier ist Körperspannung gefordert. Schneller als sie es mit dem Auto sonst schaffen, erreichen Manu und Anne den Seezugang und entladen die Fanatic-Surfboards aus dem Packster. Erst jetzt kommt der tatsächlich schweißtreibende Moment: beim Aufpumpen der Boards! Dann starten sie hinaus, auf den herrlichen Chiemsee. Im Vergleich zum Stand-Up-Paddeln ist einhändig Fahren mit dem Packster ein echtes Kinderspiel.

Was bedeutet Komfort eigentlich?

Bei Manu und Anne beschränkt sich Komfort nicht auf etwas „haben“, sondern ihnen ist es wichtiger, sich komfortabel zu fühlen. Das heißt konkret: eine gesunde Dosis Fortbewegung, das gute Gefühl die Umwelt weniger zu belasten und gleichzeitig die Gedanken im frischen Fahrtwind zu ordnen. All das resultiert in einem deutlich komfortableren Gefühl, als mit dem Kleinwagen im Stau zu stehen. Mit dem E-Lastenrad wird man zwar nicht die Welt retten, aber seine eigene Welt zumindest deutlich verbessern. Und so ist es auch bei Manu und Anne: Pandas finden sie noch immer super, allerdings nur noch die weiß-schwarzen Fellknäuel. Als Ergänzung zu ihrem Bus setzen sie in Zukunft lieber auf ein E-Cargo-Bike wie das Riese & Müller Packster 60. Wie bei David gegen Goliath – Köpfchen schlägt Muskeln!

Mehr Informationen zum Lastenrad findet ihr unter r-m.de


Dieser Artikel ist aus E-MOUNTAINBIKE Ausgabe #014

Das E-MOUNTAINBIKE Magazin erscheint auf Deutsch und Englisch im digitalen App-Format. Ladet euch jetzt die App für iOS oder Android und lest alle Artikel auf eurem Tablet oder Smartphone. Kostenlos!


Übrigens: Kennst du schon die E-MOUNTAINBIKE Print-Edition? Auf über 200 Seiten bietet sie dir Inspiration, eine riesige Wissensbasis sowie Tests der spannendsten und wichtigsten Bikes. Der Themenmix richtet sich gleichermaßen an erfahrene E-Mountainbiker und Einsteiger. Kaufberatung, Testberichte, Urlaubstipps, Reparaturhilfen, Firmenporträts, Trail-Knigge … die Liste der Artikel ist lang! Klicke hier für mehr Infos!

Text & Fotos: Christoph Bayer

Über den Autor

Christoph Bayer

Abwechslung – das ist für Christoph das Wichtigste. Sowohl auf dem Bike als auch bei seiner Tätigkeit für das E-MOUNTAINBIKE Magazin. Er koordiniert das Magazin und ist dort gleichzeitig Fotograf und Redakteur. Auf dem Rad trifft man ihn vor allem im alpinen Terrain an, wo er neben flowigen Trails auch gerne mal eng verwinkelte oder verblockte Strecken in Angriff nimmt.