Schnäppchenjäger aufgepasst: Mit der jungen Marke INFRONT will der Ex-Mountainbike Profi Markus Bauer sportliche E-Mountainbikes mit Top-Ausstattung zu einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis anbieten. Ob das gelingt? Wir haben das 4.499 € teure INFRONT IF-2 Fully über unsere heimischen Trails gejagt und sagen euch, was es kann und ob sich der Kauf lohnt.

Bevor wir in den Testbericht einsteigen, möchten wir dich noch kurz auf unsere frisch erschienene Jahresausgabe hinweisen. Die E-MOUNTAINBIKE Print-Edition 2020 ist die ultimative Testbibel, mit der wir dir helfen das perfekte E-Mountainbike zu finden. Auf 250 Seiten im hochwertigen Print-Format findest du eine umfassende Kaufberatung und Tests von 35 Bikes sowie der 7 wichtigsten Motoren. Außerdem gibt es jede Menge Know-how, Tipps und die aufregendsten E-MTB-Trends. Hier klicken für mehr Infos oder direkt in unserem Shop bestellen!

INFRONT IF-2 Fully | Bosch Performance Line CX / 625 Wh | 150/150 mm | 29″/27,5″ (v/h) | 4.499 € | 26,5 kg (Größe XL) | Hersteller-Website

Nach seiner Karriere hat der Ex-Mountainbike Profi Markus Bauer die Firma INFRONT ins Leben gerufen. Wie bereits berichtet, ist das IF-2 Fully das erste Modell der jungen Bike-Schmiede aus Freiburg und soll sich mit 150 mm Fahrwerk von FOX, Bosch Performance Line CX-Motor mit 625-Wh-Akku, Shimano XT-Schaltung und SQlab-Komponenten an ambitionierte Fahrer richten. Mit einem Preis von 4.499 € ist das E-Bike deutlich günstiger als die meisten Modelle in unserem Budget-Vergleichstest, bei dem wir das beste E-Mountainbike unter 5.500 € gesucht und gefunden haben. Um den Preis niedrig zu halten, fokussiert sich INFRONT auf eine schmale Modellpalette und bietet das IF-2 nur in einer Ausstattungsvariante sowie vier Rahmengrößen an.

Muss man bei den 4.499 € für das INFRONT IF-2 Abstriche bei der Ausstattung machen?

Unser Budget-Vergleichstest hat gezeigt, dass man bei einem Preis unter 5.500 € oft Abstriche bei der Ausstattung in Kauf nehmen muss. Die Frage, wo beim INFRONT gespart wurde, drängt sich bei einem Preis von 4.499 € quasi auf. Auf den ersten Blick gibt es an der Ausstattung des Alu E-MTBs allerdings nur wenig zu kritisieren: FOX 36 FLOAT Performance, Bosch Performance Line CX-Motor mit 625-Wh-Akku, MAGURA MT5-Bremsen mit 203-mm-Bremsscheiben vorne und hinten, Shimano XT-Schaltung, NEWMEN EVOLUTION E.G.35-Laufräder, Schwalbe Eddy Current-Bereifung und Sattel, Lenker, Vorbau sowie Griffe von SQlab. In unserem Vorserienmodell ist noch ein FOX FLOAT DPX2-Dämpfer verbaut. In Serie kommt das Bike mit einem FOX FLOAT DPS-Dämpfer. Schaut man etwas genauer hin, fällt der geringe Hub der Kind Shock E30i-Sattelstütze auf: 75 mm in Größe S, 100 mm in Größe M bzw. L und 125 mm in Größe XL sind für moderne Verhältnisse deutlich zu gering. Die Kind Shock Lenkerhebel KG-SL Remote-Up schränkt die Anordnung am Cockpit ein und ist nicht intuitiv zu bedienen. Wir empfehlen eine intuitivere Remote nachzurüsten, am besten inkl. MAGURA Shiftmix-Klemme (Matchmaker). Die besten Modelle und das nötige Wissen für den Umbau findet ihr hier.

Genug Platz
Top – im Rahmendreieck ist Platz für einen Flaschenhalter
Bissig und gut dosierbar
Die MAGURA MT5-Bremsen kommen mit Zweifinger-Bremshebel und 203-mm-Bremsscheiben vorne und hinten
Eine gute Wahl
Die Eddy Current-Bereifung kann mit wenig Reifendruck gefahren werden, das bedeutet Grip en masse. Hier lohnt sich der Umbau auf Tubeless.
SQ-Lab Fans aufgepasst
Sattel, Griffe und Vorbau kommen aus dem Hause SQlab und können in unterschiedlichen Größen beim Kauf geordert werden. Dafür schaut ihr am besten direkt in Freiburg bei INFRONT vorbei und lasst euch bei der Größenwahl helfen. Alternativ könnt ihr euch für Sattel und Griffe ein Vermessungs-Kit zusenden lassen.
Passend gewählt
Die FOX FLOAT 36 Performance ist zwar nicht High End, steht dem IF-2 Fully allerdings gut und passt zum Einsatzgebiet des preisorientierten E-MTBs.
Nicht wie in Serie
Der Dämpfer ist gut vor Dreckbeschuss vom Hinterrad geschützt. Bei unserem Vorserienmodell kommt ein FOX FLOAT DPX2 zum Einsatz, in Serie wird hingegen ein FOX FLOAT DPS ohne Ausgleichsbehälter verbaut. Wie sich die Hinterbau-Performance dadurch ändert, können wir leider nicht genau sagen.

Infront IF-2 Fully

4.499 €

Ausstattung

Motor Bosch Performance Line CX 75 Nm
Akku Bosch PowerTube 625 Wh
Display Bosch Kiox
Federgabel FOX 36 FLOAT Performance 150 mm
Dämpfer FOX FLOAT DPX2 150 mm
Sattelstütze Kind Shock E30i 125 mm
Bremsen MAGURA MT5 203/203 mm
Schaltung Shimano XT 12-fach 10 – 51
Vorbau SQlab 8OX 70 mm
Lenker SQlab 3OX 780 mm
Laufradsatz NEWMEN EVOLUTION E.G.35 29/27,5"
Reifen Schwalbe Eddy Current Super Gravity 29″ x 2,4″/27,5″ x 2,8″

Technische Daten

Größe S, M, L, XL
Gewicht 26,52 kg
Zul. Gesamtgewicht 120 kg
Max. Gewicht Fahrer/Equipment 93 kg
Anhänger-Freigabe ja
Ständeraufnahme nein

Besonderheiten

Ergonomie Anpassung

In Anbetracht des Preises ist die Ausstattung des IF-2 der Hammer! Abstriche muss man lediglich bei der Integration der Antriebskomponenten und der Vario-Sattelstütze machen.

Einige preisbedingte Kompromisse muss man neben dem hohen Gewicht von 26,5 kg in Größe XL und der geringen Zuladung von 93 kg mit dem INFRONT allerdings eingehen. Die Integration des Bosch Performance Line CX-Motors ist nicht auf höchstem Niveau. Die Plastik-Abdeckung, die den Motor schützt, sowie das Plastik Akku-Cover machen keinen sehr hochwertigen Eindruck. Das Akku-Cover sorgt in unserem Vorserienmodell noch für eine erhöhte Geräuschkulisse. Hier hat INFRONT bereits nachgebessert, in Serie soll das Problem behoben sein. Zudem wird ein externer Speichenmagnet verbaut, der die Defektanfälligkeit des Antriebssystems unnötig erhöht. Am INFRONT IF-2 kommt das Standard Ladebuchsen-Cover von Bosch zum Einsatz, welches bekanntlich leicht abreißt und schnell verloren geht. Die meisten Hersteller setzen deshalb auf eine hauseigene Lösung, um die Ladebuchse vor Dreck zu schützen. Hier wurde bei INFRONT gespart.

Exponiert
Das Kiox-Display ist gut lesbar auf dem Vorbau montiert. Aufgrund der exponierten Lage ist es aber nicht optimal vor äußeren Einflüssen geschützt. Wir empfehlen, das Display mit der speziellen Schraube von Bosch zu sichern.
Funktional, aber nicht sexy
Der Motor ist von unten an den Rahmen geschraubt und wird von einem Plastik-Cover geschützt. Das Infront trägt den Motor bewusst zur Schau.
Bequem und gut erreichbar
Das Ladebuchsen-Cover befindet sich beim IF-2 auf dem Oberrohr. Dort ist es gut vor Dreck geschützt und zum Laden muss man sich nicht bücken. Allerdings braucht man meist eine Ablagemöglichkeit für das Ladegerät, sonst baumelt es in der Luft.

Kundenservice wird bei INFRONT großgeschrieben

Verkauft werden die INFRONT Bikes online, können aber auch direkt in Freiburg oder bei einem der aktuell 13 Partnern (u. a. LiveCycle) persönlich abgeholt werden. INFRONT ist der Service für seine Kunden wichtig, und so bieten sie euch nicht nur Sattel, Griffe und Vorbau in unterschiedlichen Größen, sondern helfen euch auch bei der Auswahl der richtigen Größe. Entweder persönlich, direkt vor Ort in Freiburg bzw. bei den Vertriebspartnern, oder per Postweg mit einem Vermessungs-Kit. Zudem könnt ihr euch direkt beim Kauf ein Schloss und eine Supernova V521s als Front-Lampe montieren lassen. Die Lampe wird dabei direkt an den Akku des E-MTBs angeschlossen und kann über das Kiox-Display gesteuert werden. Auch ein preiswertes Upgrade auf den Bosch Fast Charger ist möglich. Wie unser Test zeigt, spart euch das schnellere Ladegerät ca. 1,5 h bei einem kompletten Ladevorgang eines 500-Wh-Akkus. Ob das Upgrade sich lohnt, müsst ihr selbst entscheiden. Ihr wollt das Bike direkt Tubeless bestellen? Auch das ist kein Problem.

Die Geometrie des INFRONT IF-2 Fully

Der Reach (467 mm) und die Kettenstrebenlänge (450 mm) sind weder auf der sehr langen noch der kurzen Seite und der Lenkwinkel fällt mit 66,5° moderat aus. Der Sitzwinkel ist mit 74° flach und die Länge des Sitzrohrs ist mit 500 mm in Größe XL relativ lang. Fahrer, die gerne bewusst zur größeren Rahmengröße greifen, um ein längeres Bike zu fahren, bekommen hier schnell Probleme mit der begrenzten Bewegungsfreiheit aufgrund der Sitzrohrlänge.

Größe S M L XL
Sattelrohr 400 mm 430 mm 460 mm 500 mm
Oberrohr 617 mm 627 mm 637 mm 647 mm
Steuerrohr 110 mm 110 mm 110 mm 110 mm
Lenkwinkel 66,5° 66,5° 66,5° 66,5°
Sitzwinkel 74° 74° 74° 74°
Kettenstrebe 450 mm 450 mm 450 mm 450 mm
Tretlagerabsenkung 10 mm 10 mm 10 mm 10 mm
Radstand 1.204 mm 1.214 mm 1.225 mm 1.236 mm
Reach 440 mm 450 mm 458 mm 467 mm
Stack 618 mm 618 mm 622 mm 627 mm

Das INFRONT IF-2 im Test

Nimmt man auf dem INFRONT IF-2 Platz, fällt sofort die hohe Front und der relativ flache Sitzwinkel auf. Auf langen Touren, in der Ebene und bei mäßiger Steigung sorgt das für eine entspannte Sitzposition mit wenig Druck auf den Händen. Auf flachen Flowtrails macht das INFRONT IF-2 bergauf Laune, die Front hat immer genug Druck und das Bike geht da hin, wo es hin soll. Dabei generiert der Hinterbau reichlich Traktion und der 2,8” breite Schwalbe Eddy Current-Reifen sorgt für ordentlich Grip. So wird die Kraft des Motors effektiv auf den Untergrund übertragen.

Geht es allerdings steil bergauf, wird der Fahrer aufgrund des flachen Sitzwinkels weit hinten über dem Hinterrad positioniert, wodurch die Front des Bikes relativ früh ansteigt. Steile Rampen fordern reichlich Körpereinsatz, um das Vorderrad am Boden zu halten. Hier hilft es auch wenig, den Sattel weit nach vorne zu schieben. An steilen Rampen wünscht man sich mehr Gegenhalt vom Hinterbau, denn dann sackt das Heck mit FOX FLOAT DPX2-Dämpfer weg.

So fährt sich das IF-2 bergab

Neigt sich der Trail gen Tal, fällt sofort auf, wie einfach das IF-2 zu beherrschen ist. Das Handling ist intuitiv und gutmütig. Es ist immer ausreichend Grip auf beiden Laufrädern vorhanden und die Lastverteilung ist ausgewogen, wodurch das E-Bike selbst in offenen Kurven intuitiv gefahren werden kann und man stets sicher unterwegs ist. Obwohl Lenkimpulse präzise umgesetzt werden, ist das Infront IF-2 für schnelle Richtungswechsel zu träge – hier ist das hohe Gewicht von 26,5 kg deutlich spürbar. Bei hohen Geschwindigkeiten fehlt es etwas an Laufruhe, wodurch es nicht anspornt, Vollgas zu geben. Das IF-2 fühlt sich bei gemütlichen Geschwindigkeiten am wohlsten.

Das Infront ist einfach zu beherrschen und überzeugt mit einem intuitiven und gutmütigen Handling.

Wir sind das IF-2 nicht wie in Serie mit einem FOX FLOAT DPS, sondern mit einem FOX FLOAT DPX2 gefahren. Grund dafür waren Lieferprobleme des Seriendämpfers. Wie sich die Hinterbaueigenschaften durch den Dämpferwechsel verändern, können wir leider nicht sagen. Bei unserem Bike spricht das Fahrwerk feinfühlig an und filtert kleine Unebenheiten gekonnt raus, bei mittleren und großen Schlägen gibt es den Federweg schnell frei. Das ist zwar bei geringen Geschwindigkeiten komfortabel, bringt ambitionierte Fahrer bei höheren Geschwindigkeiten aber an seine Grenzen. Bei größeren Schlägen liefert der Hinterbau für aktive Fahrmanöver zu wenig Gegenhalt. Die Endprogression des Hinterbaus ist hingegen gut gewählt, auch bei Drops hatten wir keine Probleme mit Durchschlägen.

Auffällig
Das Akku-Cover hebt sich farblich vom Rahmen ab und ist dadurch optisch sehr präsent

Wird es steil, vermittelt das INFRONT IF-2 aufgrund der hohen Front viel Sicherheit. Auch hier ist das Bike leicht zu beherrschen und verzeiht Fahrfehler großzügig. Allerdings schränkt der Sattel den Bewegungsfreiraum auch bei komplett abgesenktem Sattel deutlich ein, wodurch das subjektive Sicherheitsempfinden besonders im steilen Gelände leidet. Fahrern mit langen Beinen hilft hier eine Vario-Sattelstütze mit mehr Hub. Auch Fahrer, die aufgrund der kompakten Geometrie zur größeren Größe greifen möchten, macht das lange Sitzrohr ein Strich durch die Rechnung.

Tuning-Tipp: Remote für die Vario-Sattelstütze

Für ambitionierte E-Mountainbiker, die rasanten Enduro-Fahrspaß suchen, ist das INFRONT nicht die richtige Wahl. Wer hingegen gerne auf ausgedehnten Touren und nicht im höchsten Trail-Speed unterwegs ist, findet mit dem Infront IF-2 ein einfach zu beherrschendes und komfortables E-Mountainbike. Es fühlt sich auf gemäßigten Trails so richtig zu Hause und auch Abstecher in anspruchsvolles Gelände macht es gelegentlich mit, solange man nicht nach der Bestzeit jagt.

Helm Smith Forefront | Jersey POC Essential Enduro Jersey | Hose POC Essential Enduro Jersey | Knieschoner POC Joint VPD System Knee | Fahrer Lukas Demmer

Unser Fazit zum INFRONT IF-2 Fully

Das 4.499 € teure INFRONT IF-2 Fully ist ein echtes Schnäppchen, zumindest dann, wenn man kein Baller-Bike für harte Trails suchst. Mit seinem intuitiven Handling und seiner komfortablen Sitzposition ist das Infront IF-2 Fully ein einfach zu beherrschendes E-MTB. Es richtet sich an preisorientierte Tourenfahrer, die auf Trails nicht mit Highspeed unterwegs sind. Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist top und die Ausstattung nahezu tadellos. Abstriche muss man bei der Verarbeitungsqualität und der Bewegungsfreiheit allerdings in Kauf nehmen.

Tops

  • intuitives Fahrverhalten
  • gutes Preis-Leistungs-Verhältnis
  • komfortabel

Flops

  • externer Geschwindigkeitssensor
  • geringer Hub der Vario-Sattelstütze
  • hohes Gewicht
  • geringes zulässiges Gesamtgewicht

Für weitere Informationen besucht Infront-Bikes.com


Endlich da: Die E-MOUNTAINBIKE Print-Edition 2020 ist die ultimative Testbibel, mit der wir dir helfen das perfekte E-Mountainbike zu finden. Auf 250 Seiten im hochwertigen Print-Format findest du eine umfassende Kaufberatung und Tests von 35 Bikes sowie der 7 wichtigsten Motoren. Außerdem gibt es jede Menge Know-how, Tipps und die aufregendsten E-MTB-Trends. Hier klicken für mehr Infos oder direkt in unserem Shop bestellen!

Text: Jonas Müssig Fotos: Felix Stix

Über den Autor

Jonas Müssig

Als Doktor der Chemie ist Jonas Experte in Sachen Akkus und Zell-Chemie und auch sein Weg in den Journalismus führte über die Wissenschaft. Den Traum eines jeden Chemikers – nämlich in international renommierten Wissenschaftsmagazinen zu publizieren – hat Jonas bereits erreicht. Als stellvertretender Chefredakteur von E-MOUNTAINBIKE hat er nun eine abwechslungsreiche Aufgabe gefunden, in der er seine vielseitigen Interessen, sein wissenschaftliches Know-how und seine langjährige Leidenschaft fürs (E-)Biken kombinieren kann. Auf der Jagd nach der perfekten Ride-Life-Balance findet man Jonas im Sommer auf den Trails und im Winter ganz gerne mal mit dem Backpack in Asien oder im Camper in Südeuropa.