E-Mountainbikes werden oft anhand ihres Motors und Federwegs kategorisiert – fälschlicherweise. Haibike hat mit dem SDURO FullSeven LT und dem XDURO AllMtn zwei vielseitige Bikes mit gleichen Motoren und gleichem Federweg im Angebot. Wir erklären euch die Unterschiede und verraten euch, welches Modell für welchen Fahrertyp besser geeignet ist.

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Was bisher geschah…

Wer sich schon länger mit E-Mountainbikes beschäftigt, wird sich dieses Jahr etwas über die neuen Haibike-Modellbezeichnungen wundern. Bisher trugen bei Haibike alle Modelle mit Bosch-Motor den Namenszusatz XDURO, alle Bikes mit Yamaha-Motor hießen SDURO. Seit dem Modelljahr 2018 ist damit Schluss und Haibike ordnet die Modellpalette stärker nach Einsatzzweck. SDURO steht nun für Komfort-Modelle mit klassischen Geometrien und XDURO für sportliche Modelle mit modernen MTB-Geometrien, unabhängig vom verbauten Motor. Vereinfacht könnte man sich das neue Schema wie eine Aufteilung in SUVs und „echte“ Geländewägen vorstellen.

Duell im Hause Haibike

Mit dieser Namensgebung stehen die einzelnen Modelle wieder mehr im Vordergrund, der Motor wird zum Ausstattungsmerkmal. Das SDURO-Line-up beinhaltet alle Hardtails und die Fullys FullNine (100 mm Federweg), FullSeven (120 mm), FullSeven LT (150 mm) sowie die Damen-Modelle FullLife und FullLife LT. Das XDURO-Line-up spricht mit den Fullys FullSeven Carbon (120 mm), AllMtn (150 mm), Nduro (180 mm) und Dwnhll (200 mm), sowie den Fatbikes FatSix und Full FatSix sportivere Fahrer an.

Das Haibike XDURO AllMtn und SDURO FullSeven LT im Duell

Die Bikes mit dem breitesten Einsatzbereich sind zweifelsohne das SDURO FullSeven LT und das XDURO AllMtn. Das XDURO AllMtn gibt es in fünf Ausstattungsvarianten zwischen 3.999 € und 6.299 €, drei davon mit Yamaha PW-X-Motor, zwei mit Bosch CX. Beim FullSeven LT gibt es sogar sieben Modelle, zu Preisen zwischen 2.999 € und 5.199 €. Fünf der Räder werden von einem Yamaha-Motor angetrieben, die teureren setzen auf den kraftvollen Yamaha PW-X, die günstigeren auf den PW-SE. Zwei Varianten mit Bosch CX runden das Line-up ab.

 E-Mountainbiken kann so einfach sein – die Wahl des richtigen E-Mountainbikes ist allerdings eine ganz andere Geschichte.

Für diesen Vergleich haben wir das SDURO FullSeven LT 7.0 für 4.299 € und das XDURO AllMtn 7.0 für 4.499 € ausgewählt. Bevor wir uns die Unterschiede der beiden Haibike-Geschwister genauer anschauen, werfen wir zunächst einen Blick auf die Gemeinsamkeiten. Beide Bikes setzen auf den Bosch CX-Motor und den vollintegrierten PowerTube 500-Akku. Kontrolliert wird der Antrieb über das kleine Bosch Purion-Display. Beide Räder verfügen über das clevere Haibike Modular Rail System, mit dem verschiedene Zubehörteile wie Flaschenhalter, Tasche oder Schloss am Hauptrahmen montiert werden können. Sowohl das FullSeven LT als auch das AllMtn verfügen über 150 mm Federweg an Front und Heck, doch die Unterschiede in der Praxis sind größer, als man angesichts dieser Eckdaten vermuten würde.

Das Haibike SDURO FullSeven LT 7.0 im Detail

HAIBIKE SDURO FullSeven LT 7.0
150/1500 mm (v/h) | 25 kg | 4.299 €

Federgabel SR Suntour Aion 35 LO-R Lockout 150 mm
Dämpfer RockShox Monarch RT 150 mm
Bremsen SRAM Code R 200/180 mm
Schaltung Sram NX
Sattelstütze XLC AllMtn 120 mm
Vorbau Haibike Components TheStem 60 mm
Lenker Haibike Components TheBar 780 mm
Reifen Schwalbe Nobby Nic Evo 2,8″
Laufradsatz Naben: HAIBIKE Components TheHub Felgen: Rodi Tryp 35

Schluckfreudig
Der Hinterbau beider Haibikes ist auf Komfort ausgelegt und gibt den Federweg schnell und bereitwillig frei. Aktiven Fahrern fehlt es jedoch an Feedback.
Überfordert
Sobald das Gelände steinig und wurzlig wird, fehlt es den Schwalbe-Reifen am SDURO an Grip und Pannenschutz
Komfortabel
Die Sitzposition auf dem SDURO FullSeven LT ist eher aufrecht und sehr komfortabel

Die Geometrie des Haibike SDURO FullSeven LT 7.0

Größe S M L XL
Sattelrohr 400 mm 440 mm 480 mm 520 mm
Oberrohr 580 mm 600 mm 620 mm 640 mm
Steuerrohr 140 mm 125 mm 130 mm 135 mm
Lenkwinkel 67° 67° 67° 67°
Sitzwinkel 73° 73° 73° 73°
Kettenstrebe 465 mm 465 mm 465 mm 465 mm
Tretlagerabsenkung 0 mm 0 mm 0 mm 0 mm
Radstand 1175 mm 1193 mm 1214 mm 1234 mm
Reach 389 mm 413 mm 432 mm 450 mm
Stack 625 mm 612 mm 616 mm 621 mm

Das Haibike XDURO AllMtn 7.0 im Detail

HAIBIKE XDURO ALLMTN 7.0
150/150mm (v/h) | 25,52 kg | 4.499 €

Federgabel RockShox Yari RC Lockout 150 mm
Dämpfer RockShox Deluxe R 150 mm
Bremsen SRAM Code R 200/180 mm
Schaltung Sram NX
Sattelstütze XLC AllMtn 120 mm
Vorbau Haibike Components TheStem 60 mm
Lenker Haibike Components TheBar 780 mm
Reifen Maxxis Minion DHF/Maxxis Minion DHR II
Laufradsatz Naben: HAIBIKE Components TheHub Felgen: Rodi TR 40

Praktisch
Beide Bikes verfügen über das Modular Rail System, an dem sich z. B. ein Flaschenhalter oder Schloss montieren lässt
Die Gabel des HAIBIKE SDURO FullSeven LT 7.0 funktioniert super.
Überlegen
Die RockShox Yari im XDURO ist der SR SUNTOUR im SDURO deutlich überlegen
Griffig
Die MAXXIS Plus-Reifen bieten sehr viel Grip und guten Pannenschutz
Lang und flach
Beim XDURO AllMtn setzt Haibike auf eine längere und flachere Geometrie für mehr Abfahrtsperformance

Die Geometrie des Haibike XDURO AllMtn 7.0

Größe S M L XL
Sattelrohr 410 mm 440 mm 470 mm 500 mm
Oberrohr 575 mm 600 mm 625 mm 650 mm
Steuerrohr 115 mm 120 mm 125 mm 130 mm
Lenkwinkel 66° 66° 66° 66°
Sitzwinkel 75,07° 75,06° 75,05° 75,05°
Kettenstrebe 465 mm 465 mm 465 mm 465 mm
Tretlagerabsenkung -25 mm -25 mm -25 mm -25 mm
Radstand 1195 mm 1221 mm 1246 mm 1272 mm
Reach 409 mm 433 mm 457 mm 481 mm
Stack 621 mm 625 mm 630 mm 635 mm

Wie fahren sich die Bikes im direkten Vergleich?

Wie unterschiedlich beide Räder sind, wird schon beim Aufsteigen klar. Während man auf dem XDURO AllMtn leicht gestreckt Platz nimmt, sitzt man auf dem SDURO FullSeven LT deutlich aufrechter. Die Unterschiede der beiden Haibikes offenbaren sich bei einem Blick auf die Geometriedaten. Das XDURO verfügt über einen längeren Radstand (32 mm mehr), einen flacheren Lenkwinkel (66° statt 67°) und einen längeren Hauptrahmen (457 mm Reach statt 432 mm). Die Front des XDURO ist 14 mm höher, das Tretlager sitzt 25 mm tiefer. Beide Räder sind äußerst komfortabel, doch beim XDURO lastet mehr Gewicht auf den Armen, beim SDURO mehr auf dem Gesäß. Bergauf klettern beide Räder aufgrund des gleichen Antriebs nahezu identisch. Das leicht höhere Tretlager des SDURO bietet bei technischen Bergauf-Passagen etwas mehr Bodenfreiheit. Das XDURO dagegen erfordert im extremen Gelände bergauf eine etwas vorausschauendere Fahrweise, um nicht mit dem Pedal an einem Hindernis aufzusetzen.

In der Abfahrt hat dann das XDURO im technischen Gelände die Nase vorn. Bei ihm fühlt man sich als Fahrer mehr ins Rad integriert. Das vermittelt bei steilen Abfahrten mehr Sicherheit und gibt in Kurven aufgrund des tieferen Schwerpunkts mehr Traktion. Beim SDURO dagegen steht man als Fahrer eher oben drauf. Das hat ein minimal kippeligeres, aber auch etwas wendigeres Handling zur Folge. In engen Sektionen und bei schnellen Richtungswechseln ist das SDURO dadurch leichter zu steuern und erfordert weniger Kraft.

Die Stunde des XDURO schlägt bei schnellen Abschnitten mit vielen Wurzeln oder Steinen. Die RockShox Yari RC-Federgabel arbeitet dann deutlich effizienter und filtert Schläge souveräner weg als die SR SUNTOUR Aion 35 im SDURO. Das XDURO rollt auf griffigen MAXXIS Minion-Reifen in 2,8” und unterstreicht damit seine Ansprüche als echtes Gelände-Bike. Sie bieten ein deutliches Plus an Grip und sind obendrein pannensicherer als die Schwalbe Nobby Nics des SDURO. Dadurch fährt sich das Rad deutlich stabiler und laufruhiger. Leider ist die TRP-Bremse dem XDURO nicht gewachsen. Eine MAGURA MT5 wie beim SDURO wäre die deutlich bessere Wahl!

Bei der Hinterbauperformance sind sich beide Räder ähnlich. Sie sprechen beide feinfühlig an und geben den Federweg bei Hindernissen schnell frei. Das führt dazu, dass sie etwas an Feedback vom Untergrund missen lassen, sich im Gegenzug aber sehr komfortabel fahren.

Welches Haibike ist jetzt also für welchen Fahrertyp geeignet?

Das Haibike SDURO FullSeven LT ist die erste Wahl für alle, die ein komfortables Rad mit entspannter Sitzposition für lange Touren auf Forststraßen und einfachen Trails suchen. Dank der etwas kürzeren Geometrie lässt es sich sehr einfach steuern und fährt sich sehr gutmütig und berechenbar. Wie mit einem Porsche Cayenne kann man zwar theoretisch ins Gelände, wenn es aber richtig zu Sache geht, gibt es bessere Alternativen.

Hier kommt das Haibike XDURO AllMtn ins Spiel. Mit seiner robusteren Ausstattung und der laufruhigeren Geometrie richtet es sich an Fahrer, die bergab noch etwas mehr Gas geben möchten. Leider limitiert jedoch die schwache Bremse die Performance des Bikes.

Mehr Informationen auf haibike.com

Wir waren für diese Story in Monaco, denn hier gilt: Erlaubt ist, was gefällt. Zwei Bikes, zwei Fahrer, ein Ziel: eine gute Zeit mit dem E-Mountainbike! So ist am Ende wahrscheinlich egal, für welches der beiden Bikes man sich entscheidet, denn Riesenspaß machen beide.


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Text: Moritz Dittmar Fotos: Christoph Bayer

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