Das Haibike AllMtn 4 mit 625-Wh-Akku und Bosch-Motor kommt 2021 mit neuem Namen, ohne den Zusatz XDURO. Die Rahmenplattform ist jedoch gleich geblieben. Dank vieler Zusatzfeatures und Akkukonzept mit DualBattery-Option soll neben der Trailperformance auch die Tourentauglichkeit des E-MTBs für 5.299 € stimmen. Geht der Plan auf?

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Einen Überblick über diesen Vergleichstest erhaltet ihr hier: Das beste E-Mountainbike 2021 um 5.500 € – 7 günstige E-MTBs im Vergleichstest

Haibike AllMtn 4 | Bosch Performance Line CX/625 Wh | 160/160 mm (v/h)
25 kg in Größe M | 5.299 € | Hersteller-Website

Ganz klar ein Haibike! Mit dem massiven Look, Haibike-typischen Design- und Technik-Features wie dem Buckel im Oberrohr, dem schicken hauseigenen Kettenblatt und der passenden Kurbel, dem Horst-Link-Hinterbau und der kantigen Sitzstrebe zeigt das AllMtn 4 sofort, wer es ist. Auch das Modular Rail System kommt am Haibike AllMtn 4 zum Einsatz. An der Alu-Rahmenplattform hat sich im Vergleich zum Vorjahr nichts verändert, am Namen jedoch schon: Früher hieß es noch XDURO AllMtn, heute nur noch AllMtn. Mit der Namensänderung wurde auch die Lackierung überarbeitet. Unser oranges Bike ist zwar immer noch auffällig, aber der Paintjob ist deutlich ruhiger und cleaner geworden. Ein weiteres besonderes Feature ist der rotiert eingebaute Bosch Performance Line CX-Motor. Das ermöglicht Haibike, den 625-Wh-Akku niedrig einzubauen, und schafft gleichzeitig genug Platz für das Bosch DualBattery-System. Mit dem optional erhältlichen Zusatzakku auf dem Unterrohr sind dann 1.125 Wh möglich. Bei der Ladebuchsenabdeckung setzt Haibike auf eine eigene Lösung und integriert den Magneten für den Geschwindigkeitssensor pannensicher in die Bremsscheibe. Haibike konnte uns für diesen Test nur ein Bike in M zur Verfügung stellen, wir kennen das AllMtn 4 aber auch in L gut. In Größe M bringt es 25,00 kg auf die Waage und zählt zu den schwereren Modellen im Test. So bleiben nach Abzug des Bike-Gewichts vom zulässigen Gesamtgewicht gerade mal 95 kg für Fahrer, Rucksack und Equipment übrig. Wer mehr wiegt, kann Probleme mit der Gewährleistung und Garantie bekommen.

Die Ausstattung des Haibike AllMtn 4

Bei der Schaltung kommt am Haibike ein Mix aus Shimano SLX-Schaltwerk, SLX-Trigger und schwerer DEORE-Kassette zum Einsatz. Um die 160 mm Federweg kümmern sich eine RockShox Lyrik Select-Federgabel und ein RockShox Deluxe Select-Dämpfer. Gestoppt wird das AllMtn 4 von MAGURA MT5-Bremsen mit 200-mm-Bremsscheiben vorne und hinten. Leider sorgt der Bremshebel In Kombination mit dem Purion-Display für ergonomische Probleme – hier wäre ein Adapter nötig, damit man Remote und Vorderradbremse gut einstellen kann. Auf das 29” große Vorderrad und das kleinere 27,5”-Hinterrad zieht Haibike vorne einen MAXXIS Minion DHF 2,5” und hinten einen super breiten 2,8” Minion DHRII auf. Beide Reifen kommen in der dünnwandigen EXO-Karkasse und liefern wenig Pannenschutz. Bei der restlichen Ausstattung setzen die Schweinfurter auf hauseigene Komponenten: Der 780 mm breite Lenker, der Vorbau, die Sattelstütze und auch der Laufradsatz stammen von Haibike. Letzterer konnte in Sachen Haltbarkeit nicht überzeugen. Beim hinteren Laufrad waren bereits nach wenigen Trailkilometern alle Speichen locker und der Laufradsatz ging K.O. Die Montagequalität des benötigten Ersatzlaufrads war deutlich besser. Als Endkunde bleibt zu hoffen, dass es sich hier um eine Ausnahme gehandelt hat.

Das AllMtn 4 kommt mit den typischen Design- und Technik-Features und ist sofort als Haibike zu erkennen.

Verdreht
Haibike baut den Bosch-Motor nahezu hochkant ein und schafft so reichlich Platz für einen optionalen Zusatzakku auf dem Oberrohr. Insgesamt sind dann 1.125 Wh möglich.
Steil
Der steile Sitzwinkel positioniert einen zentral im Bike und macht das Haibike zu einem guten Kletterer.
Es werde Licht
Das AllMtn 4 ist bereits für eine Lichtanlage vorbereitet, die mit dem Hauptakku verbunden wird. Die kleinen Löcher im Bild sind die Aufnahme für das optionale Rücklicht.

Haibike AllMtn 4

5.299 €

Ausstattung

Motor Bosch Performance Line CX 85 Nm
Akku Bosch PowerTube 625 Wh
Display Bosch Purion
Federgabel RockShox Lyrik Select 160 mm
Dämpfer RockShox Deluxe Select 160 mm
Sattelstütze Haibike Components 120–150 mm
Bremsen MAGURA MT5 200/200 mm
Schaltung Shimano SLX 1x12
Vorbau Haibike Components TheStem 2 50 mm
Lenker Haibike Components TheBar 780 mm
Laufradsatz RODI TRYP/Haibike Components TheHub 29"/27,5"
Reifen MAXXIS Minion DHF/DHRII EXO 2,5/2,8"

Technische Daten

Größe S M L XL
Gewicht 25 kg
Zul. Gesamtgewicht 120 kg
Max. Gewicht Fahrer/Equipment 95 kg
Anhänger-Freigabe ja
Ständeraufnahme ja

Besonderheiten

Modular Rail System
Bosch DualBattery fähig


EXO passt nicht!
Der MAXXIS Minion DHRII in 27,5 x 2,8” ist in der dünnen EXO-Karkasse leider die falsche Wahl. Dadurch kann das Bike die Vorteile eines breiten Hinterreifens nicht optimal nutzen, denn um richtig niedrige Luftdrücke fahren zu können, braucht es eine stabilere Karkasse.
Einfach zu wenig
Die hauseigene Sattelstütze verfügt nur über 120 mm Verstellbereich und schränkt die Bewegungsfreiheit im Downhill daher unnötig ein. Ab Größe M sollten es mindestens 150 mm sein.
Wir haben zwei Laufradsätze gebraucht
Bereits nach wenigen Trailkilometern waren hinten alle Speichen locker und das Laufrad war reif für die Tonne. Der Ersatz, den Haibike geschickt hat, war von besserer Qualität und hat keine Probleme mehr gemacht.
Multifunktionaler Halter
Am Modular Rail System können der optionale Range-Extender, Trinkflaschen, Schlösser oder Werkzeugtaschen auf dem Unterrohr befestigt werden.

Die Sitzposition, Geometrie und Reichweite des Haibike AllMtn 4

Die Länge des AllMtn 4 ist mit einem Reach von 430 mm in Größe M (460 mm in Größe L) kompakt und der Lenkwinkel fällt mit 65° weder extrem noch konservativ aus. Der Sitzwinkel befindet sich mit 76° hingegen auf der steilen Seite. Als Resultat ist die Sitzposition auf dem AllMtn 4 modern und zentral. Wer bei diesem Bike zur kleineren Größe greift, um das agilere Handling zu haben, sitzt dafür gedrungen und verteilt in der Ebene viel Last auf den Händen. Wir kennen das Bike auch gut in Größe L, dann ist die Sitzposition in der Ebene aufrechter und entspannter, der Druck auf den Händen ist allerdings immer noch vorhanden. In beiden Größen lohnt es sich, den Sattel etwas zurückzuschieben. Auch wer mit dem optional erhältlichen Zusatzakku besonders lange Tage im Sattel möglich machen will, sollte daran denken.

Größe S M L XL
Sattelrohr 410 mm 440 mm 470 mm 500 mm
Oberrohr 567 mm 588 mm 620 mm 654 mm
Steuerrohr 115 mm 120 mm 130 mm 145 mm
Lenkwinkel 65,0° 65,0° 65,0° 65,0°
Sitzwinkel 76,0° 76,0° 76,0° 76,0°
Kettenstrebe 455 mm 455 mm 455 mm 455 mm
Tretlagerabsenkung 20 mm 20 mm 20 mm 20 mm
Radstand 1.194 mm 1.216 mm 1.250 mm 1.287 mm
Reach 410 mm 430 mm 460 mm 490 mm
Stack 639 mm 643 mm 652 mm 666 mm
Helm SCOTT Stego Plus | Brille SCOTT Shield | Hippack EVOC HIP POUCH 1l
Jacke SCOTT Explorair Light Dyro 2.5L | Hose SCOTT Trail Progressive | Schuhe Five Ten Kestrel Lace

Auf Touren und Flowtrails fühlt sich das Haibike AllMtn 4 im Test am wohlsten

Geht es steil nach oben, sitzt man auf dem Haibike mit steilem Sitzwinkel mittig und zentral im Bike. So erklimmt man Rampen einfach und folgt auf flowigen Pfaden dem eingeschlagenen Kurs, ohne viel arbeiten zu müssen – auch weil das Vorderrad am Boden klebt und erst bei richtig steilen Abschnitten am Steigen gehindert werden muss. Das Fahrwerk ist zwar nicht ganz so sensibel und traktionsstark wie am SCOTT Ransom oder Propain Ekano, dennoch ist das Haibike im technischen Gelände ein richtig guter Kletterer. Dabei ist es entspannt unterwegs und fühlt sich am wohlsten, wenn es Hindernisse und Stufen einfach überrollt. Für schnelle Linienänderungen und Richtungswechsel ist es zu träge. Die Kettenlinie am Haibike AllMtn 4 ist grenzwertig – im kleinsten Gang passt gerade noch so ein 5-Cent-Stück zwischen Reifen und Kette. Im technischen Gelände kommt es dann zum Kontakt und zu ungewollten Klappergeräuschen.

Das Haibike ist ein solider Allrounder und kann mit seinen Kletterfähigkeiten überzeugen. Hohe Geschwindigkeiten mag es allerdings nicht.

Tuning-Tipps: für mehr Sitzkomfort in der Ebene Sattel nach hinten schieben | längere Dropperpost

Bergab ist das AllMtn 4 in Größe M eher auf der verspielten als auf der laufruhigen Seite. Mit seinem einfachen Handling und dem Pop aus dem Fahrwerk macht es auf Flowtrails Spaß, durch Anlieger zu heizen, erfordert aber auch Körpereinsatz. Will man in die Luft, spürt man auch das hohe Gewicht und das lange Heck. In offenen Kurven und gemäßigten Trails ist es ausgewogen und leicht zu beherrschen. Trotz der hohen Front generiert es ausreichend Grip am Vorderrad, wodurch sich das AllMtn 4 auch gut für weniger versierte Fahrer eignet. Das Sicherheitsempfinden auf steilen und verblockten Trails gehört aber nicht zu seinen Stärken, da die Variosattelstütze mit nur 120 mm Hub (150 mm in L) die Bewegungsfreiheit nach hinten und unten deutlich einschränkt. Wird es so richtig schnell, sagt das Haibike klar: Stopp! Mit Highspeed über die Trails fegen ist nicht sein Ding, dazu fehlt es dem Bike an Laufruhe und Bewegungsfreiheit in alle Richtungen.

Fahreigenschaften

7

Agilität

  1. träge
  2. verspielt

Laufruhe

  1. nervös
  2. laufruhig

Handling

  1. fordernd
  2. ausgewogen

Fahrspaß

  1. langweilig
  2. lebendig

Motor-Feeling

  1. digital
  2. natürlich

Motor-Power

  1. schwach
  2. stark

Preis-Leistung

  1. schlecht
  2. top

Einsatzbereich

Forstweg

1

Flowtrail bergauf

2

Flowtrail bergab

3

Technischer Singletrail bergauf

4

Technischer Singletrail bergab

5

Downhill-Strecken

6

Fazit

Für Alpencrosser und sportliche Tourenfahrer, die steiles Gelände erklimmen und bergab nicht die krassesten Trails suchen, ist das Haibike AllMtn 4 eine gute Wahl – solange man inkl. Ausrüstung und Rucksack unter 95 kg wiegt. Mit seinen guten Allroundeigenschaften und dem einfachen Handling sind Einsteiger und Fortgeschrittene für viele Situationen auf dem Trail gut gewappnet. Die fragwürdige Laufrad-Qualität und die geringe Bewegungsfreiheit limitieren allerdings den Spaß und die Preis-Leistung.

Tops

  • Fahrspaß in Kurven
  • Modular Rail System
  • DualBattery-Option für lange Touren

Flops

  • Bewegungsfreiheit im Downhill
  • Qualität der Laufräder
  • geringe Zuladung

Mehr Informationen findet ihr unter haibike.com

Das Testfeld

Einen Überblick über diesen Vergleichstest erhaltet ihr hier: Das beste E-Mountainbike 2021 um 5.500 € – 7 günstige E-MTBs im Vergleichstest

Alle Bikes im Test: Canyon Spectral:ON CF 7 (Zum Test) | FOCUS JAM² 6.9 NINE (Zum Test) | Haibike AllMtn 4 | INFRONT IF-2.1 Fully (Zum Test) | MERIDA eONE-SIXTY 700 (Zum Test) | Propain Ekano AL 29 (Zum Test) | SCOTT Ransom eRIDE 920 (Zum Test)


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Text: Jonas Müssig Fotos: Jonas Müssig & Valentin Rühl

Über den Autor

Jonas Müssig

Eigentlich müsste es Dr. Müssig heißen – immerhin hat Jonas, kurz bevor er die Arbeit bei uns begonnen hat, seinen Doktortitel in der Chemie verliehen bekommen. Am Ende siegte aber Leidenschaft vor Wissenschaft. Das bedeutet natürlich nicht, dass Chemie keine Rolle mehr spielt. Schließlich lassen sich sein wissenschaftliches Know-how und seine langjährige Leidenschaft fürs (E-)Biken perfekt kombinieren. Auf der Jagd nach der perfekten Ride-Life-Balance findet man Jonas im Sommer auf den Trails und im Winter ganz gerne mal mit dem Backpack in Asien oder im Camper in Südeuropa.