Haben wir verlernt, uns festzulegen?
Wenn Fortschritt zum Stillstand führt
Heute jagt eine Innovation die nächste. Kaum ist der neuste Avinox-Motor auf dem Markt, steht schon die nächste „Revolution” in den Startlöchern. Das Muster bleibt gleich, nur die Schlagzahl erhöht sich: neuer Motor, smartere Features, nächster Trend. Und mit jedem Launch schleicht sich dieselbe Frage leise ein: Ist das, was ich aktuell habe, überhaupt noch gut genug?
Oder anders gesagt: Haben wir verlernt, zu genießen, was wir bereits haben, und es richtig zu nutzen? Als Magazin sind wir Meister des Vergleichens – und das ist auch gut so. Nur wenn wir Produkte konsequent gegeneinander testen, trennen wir Marketing-Versprechen von echten Unterschieden und können euch zeigen, welches Bike oder Produkt zu welchem Fahrertyp und Einsatz passt.
Die neue Ausgabe kannst du ab sofort in unserer Magazin-App runterladen – natürlich wie immer kostenlos! Wer die App noch nicht hat, findet sie hier im App Store (iPhone/iPad) bzw. im Play Store (Android-Smartphones und Tablets) oder auf Amazon (Kindle).
Wahrscheinlich kennt ihr das selbst: Vergleichen. Recherchieren. Diskutieren. ChatGPT und Google fragen oder Foren nach dem letzten Detail durchsuchen, nur um absolut sicher zu sein. Wir können versuchen, Entscheidungen so lange zu optimieren und abzusichern, bis wir vergessen, sie überhaupt zu treffen. Noch einen Test lesen. Noch ein Video anschauen. Noch ein Datenblatt studieren. Und während wir noch überlegen, ob nächstes Jahr vielleicht der bessere Motor kommt, haben andere längst ihre ersten Abenteuer hinter sich – und genau davon handelt diese Ausgabe.
Mein Dad und seine drei besten Kumpel wollten eigentlich nur eine Nacht draußen verbringen. Keine epische Expedition, kein Survival-Abenteuer. Sie schwangen sich auf ihre Elektrogeschosse, kämpften mit modernen Zelten, machten auf fünf Kilometern mehr Drink-Stops als die Polizei erlaubt und stellten am Ende fest, dass Abenteuer weder perfekte Ausrüstung noch monatelange Vorbereitung brauchen. Die wichtigste Erkenntnis dieser Ausgabe stammt deshalb nicht aus unserem großen Zeltvergleich, sondern von vier Best Agern um die 70, die gemerkt haben, dass Komfort vor allem eine Frage der Einstellung ist.
Nicht anders ging es unserem Redakteur Benedikt an der North Shore. Er flog nach Kanada, um eine der legendärsten Mountainbike-Regionen der Welt zu erleben, traf dort Freeride-Legende Wade Simmons und einen 86-jährigen Trailbuilder, der bis heute täglich mit Schaufel und Schubkarre im Wald steht. Im Gepäck hatte er am Ende keine Diskussion über den leistungsstärksten Motor oder die modernste Geometrie, sondern die Erkenntnis, dass die besten Erinnerungen dort entstehen, wo Garagentore offenstehen, Menschen ihre Zeit teilen und jemand Trails baut, auf denen er selbst vielleicht nie wieder fahren wird.
Unser langjähriger Redaktionsfreund Erik wollte eigentlich nur ein neues Bike kaufen. Dann kam die EUROBIKE – und mit ihr die nächste Generation von Motoren, Getrieben und Zukunftsvisionen. Plötzlich ging es gar nicht mehr darum, welches Bike das richtige ist, sondern ob ein Kauf überhaupt noch Sinn ergibt. Sein Kommentar handelt deshalb nicht nur von Avinox, sondern genau von dieser Problematik: Was passiert, wenn Innovationen so schnell aufeinanderfolgen, dass Vorfreude durch Unsicherheit ersetzt wird? Wenn hochwertige Sportgeräte wie Mountainbikes beginnen, sich wie Wegwerfelektronik anzufühlen?
Diese Frage begleitet auch unseren großen E-SUV-Vergleichstest mit 13 der spannendsten Modellen am Markt. Natürlich haben wir alles bis ins Detail im direkten Vergleich getestet und analysiert und dabei auch einige gewagte Marketing Claims entzaubert. Aber wir wollten mehr als reine Messwerte, weshalb wir meine Mom, Freunde und Fahrer völlig unterschiedlicher Leistungsklassen auf die Bikes gesetzt haben – mit erstaunlichen Erkenntnissen: Trotz extrem starker Kandidaten haben wir uns ganz bewusst entschieden, keinen einzelnen Testsieger zu küren. Warum das die richtige Entscheidung war und was die Bikes wirklich draufhaben, erfahrt ihr im Artikel!
Und genau hier setzt auch unser Projekt mit MAHLE an. Statt uns zu fragen, welcher Motor der stärkste ist oder welches Datenblatt am meisten beeindruckt, haben wir die Reihenfolge einfach umgedreht und uns gefragt: Was wollen wir eigentlich mit einem Bike erleben? Die Antwort sind zwei Traumbikes auf derselben Plattform, die kaum unterschiedlicher sein könnten. Eines leicht, agil und kompromisslos auf Fahrspaß getrimmt, das andere bereit für Gepäck, lange Tage und Abenteuer ohne festen Rückkehrzeitpunkt. Gleicher Rahmen, gleicher Motor, aber zwei völlig unterschiedliche Ideen davon, was ein gutes E-MTB ausmacht. Lest die Story!
Die Zweirad-Einkaufs-Genossenschaft – ZEG – zu der unter anderem Marken wie Bulls gehören, beschäftigt sich mit einer ganz anderen Herausforderung. Nicht damit, noch mehr Fahrräder zu verkaufen, sondern damit, aus Fahrradkäufern wieder Fahrradfahrer zu machen. Eine erstaunlich einfache Idee und vermutlich eine der wichtigsten Aufgaben, vor denen unsere Branche heute steht.
In dieser Ausgabe stecken noch so viele weitere Storys und Vergleichstests, die darauf warten, von euch entdeckt zu werden. Wenn ich dieses Editorial mit einer Sache schließen will, dann mit dieser: Wir können uns über so vieles den Kopf zerbrechen, philosophieren und diskutieren, wer das beste Material hat. Am Ende zählt nie, was man hat, sondern was man daraus macht.
In diesem Sinne: Macht das Beste draus! Viel Spaß beim Lesen – und noch mehr Spaß draußen.
Cheers,
Robin Schmitt
Gründer E-MOUNTAINBIKE
Words: Robin Schmitt Photos: diverse






