Das Giant Trance E+ 0 SX Pro ist Giants E-Mountainbike für’s Grobe, mit Federwegsreserven und abfahrtsorientierter Ausstattung lädt es zum Gas geben ein. Aber kann uns das Giant Trance E+ 0 SX Pro auch abseits der Downhillstrecken auf längeren Touren und flowigen Trails in Ekstase versetzten?

Giant Trance E+ 0 SX | 160/140 mm (v/h) | 24,54 kg | 5.999 €

Das 5.999 € teure Giant Trance E+ 0 SX Pro teilt sich den Rahmen mit seinem kleinen Bruder, dem Giant Trance E+. Die Ausstattung der SX-Version ist dabei mehr auf Abfahrt getrimmt. Mit 160 mm statt 150 mm Federweg an der Front, einem Stahlfederdämpfer im Heck und 27,5” x 2,6” Reifen soll das Bike deutlich potenter sein. Die Abfahrtsgene des Giant Trance E+ 0 SX Pro sind schon auf den ersten Blick ersichtlich. Der FOX Factory DHX2 Coil-Stahlfederdämpfer entlockt dem Maestro-Hinterbau 140 mm Federweg. Auch die speziell für Giant angefertigte MRP-Kettenführung unterstreicht Giants Anspruch an ein E-Mountainbike für ambitionierte Fahrer. In den Größen L und XL bietet der Hauptrahmen Platz für eine Trinkflasche, kleinere Fahrer müssen beim Giant Trance E+ 0 SX Pro leider leer aus.

Das Giant Trance E+ O SX Pro im Detail

Gabel FOX Factory 36 EVOL FIT4 160 mm
Dämpfer FOX Factory DHX2 Coil 140 mm
Motor GIANT SyncDrive Pro
Akku GIANT EnergyPak 496 Wh
Schaltung SRAM X01/GX Eagle
Bremsen SRAM Code R 200/200 mm
Sattelstütze GIANT Contact Switch-Remote 150 mm (Größe L)
Lenker Giant Contact SL 35 Trail 800mm
Vorbau Giant Contact SL 35
Läufräder GIANT AM Disc
Reifen Maxxis Minion DHF/DHRII 27.5×2.6″
Gewicht 24,54 kg (Größe L)
Preis 5.999 €

Beim Motor setzt Giant auf die Power von Yamaha und verbaut im Trance E+ 0 SX einen modifizierten Yamaha PW-X Motor mit einem voll integrierten 496 Wh-Akku. Mit der neuen RideControl ONE Remote setzen die Taiwanesen auf ein aufgeräumtes Cockpit und verzichten auf ein Display. Ladezustand und Unterstützungsstufe lassen sich an kleinen LEDs ablesen. Obendrein kann man mit der RideControl-App Trainingsziele überwachen und die Motorcharakteristik anpassen. Dank neuer Sensoren sind 80 Nm und eine Unterstützung von bis zu 360 % erreichbar. Im Vergleich zu vielen anderen Motoren am Markt schiebt der Yamaha-Motor schon bei niedrigen Trittfrequenzen extrem kraftvoll an. Bei langen Passagen auf der Forststraße kann der Motor somit viel Arbeit übernehmen und verleitet bergauf zum Cruisen.

An den SyncDrive Pro Motor muss man sich erst einmal gewöhnen… Dafür bietet er schon bei gemütlichem Fahren extrem viel Power.

Durchzugsstarkes Dieselaggregat
Der Giant SyncDrive Pro kommt von Yamaha und schiebt schon bei geringer Trittfrequenz ordentlich an. Tritt man schneller, geht ihm aber die Puste aus.
Kein Display – kein Problem
Mit der RideControl ONE-Remote verzichtet Giant auf ein Display. Trotzdem hat man alle notwendigen Infos immer im Blick. Vorausgesetzt die Sonne scheint nicht zu stark, denn dann lassen sich die LEDs nicht mehr ablesen.
Geführt und doch so laut
Die Kette wird zwar von einer Kettenführung auf dem Kettenblatt gehalten, gibt aber dennoch kräftige Laute von sich. Schuld daran, ist der viel zu kurze und harte Kettenstrebenschutz.
Traktion? Vorhanden!
Der FOX DHX2 im Maestro-Hinterbau spricht extrem feinfühlig an und bügelt alle Unebenheiten glatt.
Kabelsalat
Die Leitungen quetschen sich durch eine winzige Öffnung in den Rahmen. Wer hier mal etwas austauschen muss, braucht Geduld.

Die Geometrie des Giant Trance E+ O SX Pro

Größe S M L XL
Sattelrohr 406 mm 445 mm 482 mm 507 mm
Oberrohr 585 mm 610 mm 630 mm 655 mm
Steuerrohr 109 mm 109 mm 109 mm 109 mm
Lenkwinkel 66,5° 66,5° 66,5° 66,5°
Sitzwinkel 74° 74° 74° 74°
Kettenstrebe 470 mm 470 mm 470 mm 470 mm
Tretlagerabsenkung 15 mm 15 mm 15 mm 15 mm
Radstand 1184 mm 1210 mm 1231 mm 1259 mm
Reach 418 mm 442 mm 460 mm 479 mm
Stack 579 mm 584 mm 593 mm 611 mm

Das Giant Trance E+ O SX Pro auf dem Trail

Auf dem Giant Trance E+ 0 SX Pro nimmt der Fahrer entspannt Platz. Das breite Cockpit und der eher kompakte Hauptrahmen sorgen für eine angenehme Sitzposition. Trotz der langen Gabel mit 160 mm Federweg ist die Front Giant-typisch sehr niedrig, besonders bei den Rahmengrößen M und L. Schiebt man den Sattel weit nach vorne, um den flachen Sitzwinkel auszugleichen, lässt sich das E-Mountainbike effizient bergauf treten. Der Maestro-Hinterbau klebt das Hinterrad auch bei rutschigen Bedingungen an den Boden und ermöglicht ungeahnte Kletterpartien. Die niedrige Front erleichtert das Klettern im steilen und technischen Gelände.

Der Motor unterstützt fast verzögerungsfrei und macht das Anfahren in kniffligen Situationen zum Kinderspiel. Leider quittiert er deshalb auch schon das bloße Ablegen des Fußes auf dem Pedal mit starkem Ruckeln. Obwohl er nicht gerade mit natürlichem Fahrgefühl glänzen kann, bleibt er auf dem Trail jederzeit berechenbar und man behält die volle Kontrolle. Auf dem Trail erfordert die Charakteristik des Motors etwas Eingewöhnung, bei höheren Trittfrequenzen wird der Motor so ineffizient, dass die Leistung spürbar abfällt. Konkretes Beispiel: Anstatt vor einem Hindernis zum Schwungaufbau schnell in die Pedale zu treten, rollt man mit dem Trance E+ 0 SX Pro besser auf die Kante zu und lässt sich vom Drehmoment über das Hindernis „schieben“. Bei Belastungsspitzen fällt die Lautstärke auf, der Yamaha-Motor ist kein Flüsterantrieb.

Grip! Davon bietet das Giant Trance E+ 0 SX Pro mehr als genug. Trotzdem fühlt es sich sehr lebendig an und macht einfach Spaß.

Helm Giro Montaro Mips | Brille Smith Attack Max | Jersey ION Tee LS Scrub Amp | Shorts ION Scrub AMP | Knieschoner Leatt Airflex Pro | Schuhe Shimano AM9

Obwohl der Weg zum Gipfel mit dem Giant Trance E+ 0 SX Pro mehr als nur Mittel zum Zweck ist, schlägt sein Herz für die Abfahrt. Umso verwunderlicher ist die niedrige Front des E-Mountainbikes, die einige Eingewöhnungszeit erfordert. Im flacheren Gelände lässt sich das eher kompakte Bike dadurch trotz seines hohen Gewichts von 24,54 kg sehr einfach und lebendig bewegen.

Grip, Grip und noch mehr Grip. Hinterbau, Fahrwerk und Reifen des Giant Trance E+ 0 SX Pro harmonieren so gut, dass man sich über Traktionsprobleme keine Gedanken mehr machen muss. Obwohl der Hinterbau extrem feinfühlig auf Schläge reagiert, werden ausreichend Informationen vom Untergrund an den Fahrer weitergegeben. Auch die FOX 36 Factory-Gabel mit zwei Zentimeter mehr Federweg passt sehr gut zum Hinterbau. Trotz seiner Feinfühligkeit bietet das Fahrwerk ausreichend Pop, um an Kanten abzuspringen oder aus Anliegern zu pushen. In Kurven generieren nicht zuletzt die griffigen MAXXIS Minion-Reifen viel Traktion und lassen hohe Geschwindigkeiten ohne Probleme zu. Mit so viel Traktion nimmt das Giant Trance E+ 0 SX Pro auch groben Steinfeldern und rauen Trails ihren Schrecken. Lediglich bei aggressiver Fahrweise auf steinigen Trails neigen die Reifen durch ihre etwas zu schwache EXO-Karkasse zu Plattfüßen. Das Giant bleibt auch auf anspruchsvollen Strecken stets stabil und liegt satt auf dem Trail. Auf langen Abfahrten kommt die SRAM CODE R-Bremse ans Limit, brennende Hände sind die Folge.

Den Spagat zwischen Laufruhe in Wurzelfeldern und Verspieltheit auf flowigen Strecken meistert das Trance E+0 SX Pro problemlos. Sprünge, Anlieger und Wellen gelingen mit dem schweren und dennoch lebendigen Bike genauso spielerisch wie Stein- und Wurzelfelder. Erst im steilen Terrain kommt man mit dem Giant an seine Grenzen, das subjektive Sicherheitsempfinden leidet unter der tiefen Front und aktiven Fahrern bietet das kompakte Bike dann nicht mehr ausreichend Bewegungsfreiraum zum Ausgleichen.

Fazit

Das Giant Trance E+0 SX Pro ist alles andere als eine reine Abfahrtsmaschine. Mit seinem exzellenten Fahrwerk kommt es auf richtig harten und schnellen Strecken bestens zurecht. Aber auch bei niedrigeren Geschwindigkeiten und auf flowigen Abschnitten überrascht es mit einfachem Handling und großem Fahrspaß. Der kraftvolle Motor ist nicht für jeden, nimmt langen Anstiegen aber ihren Schrecken. In Sachen Verarbeitungsqualität und bei einigen Rahmendetails hätten wir uns aber mehr Detailliebe gewünscht.

Tops
  • Sensibles Fahrwerk mit Reserven.
  • Flaschenhalter kompatibel.
  • Aufgeräumtes Cockpit.
Flops
  • Hohes Gewicht.
  • Reifen mit zu schwacher Karkasse.

Mehr Infos findet ihr unter: www.giant-bicycles.com


Dieser Artikel ist aus E-MOUNTAINBIKE Ausgabe #015

Das E-MOUNTAINBIKE Magazin erscheint auf Deutsch und Englisch im digitalen App-Format. Ladet euch jetzt die App für iOS oder Android und lest alle Artikel auf eurem Tablet oder Smartphone. Kostenlos!


Hat dir dieser Artikel gefallen? Dann würde es uns sehr freuen, wenn auch du uns als Supporter mit einem monatlichen Beitrag unterstützt. Als E-MOUNTAINBIKE-Supporter sicherst du dem hochwertigen Bike-Journalismus eine nachhaltige Zukunft und sorgst dafür, dass der E-Mountainbike-Sport auch weiter ein kostenloses und frei zugängliches Leitmedium hat! Jetzt Supporter werden!

Words: Photos: Christoph Bayer