Das FLYER Uproc SL:X ist das erste Light-E-MTB der Schweizer Bike-Marke. Es kommt mit spannenden Eckdaten wie 130 mm Federweg (v/h), 29”-Laufrädern und Bosch Performance Line SX-Motor mit 400-Wh-Akku. Das neue Uproc SL:X will mit einem natürlichen Fahrgefühl überzeugen – wir haben herausgefunden, ob das gelingt.

FLYER Uproc SL:X 8.70 | Bosch Performance Line SX/400 Wh | 130/130 mm (v/h)
18,9 kg in Größe L | 7.499 € | Hersteller-Website

Die Uproc-Serie ist schon lange Bestandteil des FLYER-Portfolios. Anfang des Jahres haben die Schweizer das Full-Power-E-MTB FLYER Uproc X mit kraftvollem Bosch Performance Line CX-Motor vorgestellt, das auch an unserem großen E-Mountainbike-Vergleichstest teilgenommen hat. Nun wird es durch das erste Light-E-MTB ergänzt. Das FLYER Uproc SL:X kommt statt mit 150 mm Federweg wie die Full-Power-Boliden mit 130 mm Federweg (v/h). Es rollt auf 29”-Laufrädern und wird von einem Bosch Performance Line SX-Motor mit bis zu 55 Nm Drehmoment angetrieben, der von einem 400-Wh-Akku gespeist wird. Dabei setzen die Schweizer von FLYER auf einen Carbon-Rahmen. In der von uns getesteten 8.70-Ausstattungsvariante bringt es 18,9 kg auf die Waage und soll 7.499 € kosten. Das Light-E-MTB soll mit einem natürlichen Fahrgefühl punkten und mit seinem wendigen Handling für jede Menge Fahrspaß sorgen.

Das FLYER Uproc SL:X im Detail

Gerade Linien und Kanten bestimmen das Erscheinungsbild des FLYER Uproc SL:X. Der Dämpfer bildet eine gerade Linie mit der Sitzstrebe, die Teil des Flex-Pivot-Hinterbaus ist. Durch die Nachgiebigkeit der Sitzstreben kann auf ein zusätzliches Lager zwischen Sitz- und Kettenstrebe verzichtet werden. Was wiederum Wartung und Gewicht spart. Die Züge laufen entgegen dem Trend durch Kabelports in den Rahmen, was vor allem Heimwerker aufgrund der etwas besseren Wartungsfreundlichkeit freuen dürfte.

Das Prinzip der Flex-Stays macht die Sitzstreben durch eine spezielle Konstruktion und besondere Carbon-Lagen nachgiebig. Dadurch wird ein sonst benötigter Lagerpunkt überflüssig, der durch den Flex der Sitzstrebe ausgeglichen wird.
Die Züge laufen durch Kabelports in den Rahmen, was für eine etwas leichtere Wartung sorgt.

Der Vollcarbon-Rahmen ist in schickes Silber getaucht. Der Lack wird ab Werk von einer durchsichtigen Schutzfolie an den wichtigsten Stellen vor Beschädigungen geschützt. Am Hinterbau ist zusätzlich ein gut dimensionierter Sitz- und Kettenstrebenschutz angebracht, der für Ruhe am Heck sorgt und vor Lackschäden bewahrt. Damit aber nicht genug: Das Hauptlager wird am Übergang vom Hauptrahmen zum Hinterbau von einer Gummiabdeckung geschützt und verhindert, dass sich Steine in die Lücke verirren. Weitere clevere Details sind das Multitool im Steuersatz bei den Ausstattungsvarianten 8.70 und 9.50 und die MonkeyLink-Schnittstelle am Vorbau, an der man ein Licht einfach anklipsen kann, das durch den Haupt-Akku versorgt wird.

Durch die verschraubte Gummiabdeckung am Übergang vom Hauptrahmen zum Hinterbau werden Steine und der gröbste Dreck ferngehalten.
Im Steuerrohr versteckt sich bei den Modellen 8.70 und 9.50 ein Multitool.
Die Schweizer von FLYER verpassen dem Uproc SL:X eine MonkeyLink-Schnittstelle unter dem Vorbau. Hier kann einfach ein Licht angeklipst werden, das dann direkt vom Haupt-Akku gespeist wird – praktisch!

Der Bosch Performance Line SX-Motor ist formschön in den Carbon-Rahmen integriert und wird vollständig vom Cover aus Kunststoff umhüllt. Der Motor leistet bis zu 55 Nm Drehmoment und eine Maximalleistung von 600 Watt. Seine Energie zieht er aus dem fest verbauten 400-Wh-Akku im Unterrohr.

Der Bosch Performance Line SX-Motor ist äußerlich kaum zu sehen und wird von einem schwarzen Motor-Cover umhüllt.

Das heißt aber auch, dass ihr das Light-E-MTB in die Wohnung schleppen müsst, sofern ihr keine Steckdose am Abstellort habt. Dafür ist der eigens entwickelte Ladeport gut zugänglich über dem Motor im Sitzrohr platziert und überzeugt mit guter Haptik. Für mehr Reichweite lässt sich das FLYER Uproc SL:X mit dem PowerMore Range Extender um 250 Wh erweitern. Entscheidet man sich für die höherpreisigen Modelle 8.70 und 9.50, bekommt man den Range Extender kostenfrei dazu. Egal ob beim Kauf direkt dabei oder nachgerüstet, der Range Extender findet an den Anschraubpunkten des Flaschenhalters Platz – entweder das Plus an Reichweite oder genug zum Trinken, beides geht leider nicht.

Der Ladeport sitzt gut zugänglich am Sitzrohr. So lässt sich auch der Range Extender bequem einstecken, und das Kabel stört während der Fahrt nicht.

Die kabellose Bosch Mini Remote und der minimalistische Bosch System Controller kommen an vielen sportlichen E-MTBs zum Einsatz. Die wenigen Informationen sind völlig ausreichend und passen zur sportlichen Ausrichtung und zum cleanen Look des FLYER Uproc SL:X Light-E-MTBs. Wer dennoch mehr Informationen haben will, kann sich per Smartphone über die Bosch eBike Flow App verbinden.

Die kabellose Bosch Mini Remote überzeugt mit guter Haptik und trägt zum cleanen Erscheinungsbild bei.
Der Bosch System Controller überflutet einen nicht mit unnötigen Informationen und passt gut zum sportlichen Konzept des Light-E-MTBs.

Die Ausstattung unseres FLYER Uproc SL:X 8.70-Testbikes

Wir haben das FLYER Uproc SL:X 8.70 getestet. Es ist mit einem FOX-Fahrwerk ausgestattet, bestehend aus einer 34er-Performance-Federgabel an der Front und einem Float Performance-Luftdämpfer am Heck. In Sachen Trail-Performance und Einstellbarkeit können die Federelemente nicht ganz mit den Factory-Topmodellen mithalten.

Das FOX Performance-Fahrwerk bietet etwas weniger Einstellmöglichkeiten und geringere Trail-Performance im Vergleich zu den Factory-Topmodellen.

Die Gänge werden präzise durch die mechanische Shimano XT-Schaltgruppe gewechselt. Sie hat sich über die Jahre bewährt und verrichtet an unzähligen Bikes ihren Dienst. Ebenfalls aus der Shimano XT-Serie kommen die kraftvollen Vierkolbenbremsen, die auf 200-mm-Bremsscheiben zupacken und selbst auf langen Abfahrten für ausreichend Bremspower sorgen.

Mechanisch, aber bewährt: Die Gänge werden präzise von der Shimano XT 12-fach-Schaltgruppe gewechselt.
Die kraftvollen Shimano XT-Vierkolbenbremsen sind mit großen 200-mm-Bremsscheiben kombiniert.

Die Sattelstütze liefert OneUp in Form der neuen V3 mit 180 mm Hub in Größe L und sorgt damit für genügend Bewegungsfreiheit auf dem Trail. Das Cockpit besteht aus einem SATORI Ursa-Vorbau und einem Hayes ProTaper Carbon-Lenker mit einer Breite von 810 mm. Auf die DT Swiss HX1700 LS Alu-Laufräder sind Schwalbe-Reifen aufgezogen. Allerdings kommen die schwach profilierten Wicked Will-Reifen zum Einsatz, beide in der harten Speedgrip-Gummimischung und der pannenanfälligen Super Ground-Karkasse. Wir raten, die Reifen auf jeden Fall gegen ein gröberes Modell wie z. B. Schwalbe Nobby Nic mit robusterer Trail-Karkasse und weicherer Soft-Gummimischung upzugraden.

Die OneUp V3-Sattelstütze verfügt über 180 mm Hub in Größe L und sorgt für ausreichend Bewegungsfreiheit für den Fahrer.
Die Schwalbe Wicked Will-Reifen kommen beide in der pannenanfälligen Super Ground-Karkasse und der harten Speedgrip-Mischung.

FLYER Uproc SL:X 8.70

7.499 €

Ausstattung

Motor Bosch Performance Line SX 55 Nm
Akku Bosch PowerTube 400 Wh
Display Bosch System Controller
Federgabel FOX 34 Performance 130 mm
Dämpfer FOX Float Performance 130 mm
Sattelstütze One Up V3 180 mm
Bremsen Shimano XT 203/203 mm
Schaltung Shimano XT 1x12
Vorbau Satori Ursa 35 mm
Lenker Hayes ProTaper Carbon 810 mm
Laufradsatz DTSwiss HX1700 LS 29"
Reifen Schwalbe Wicked Will, Super Ground, Speedgrip 2,4"

Technische Daten

Größe S M L XL
Gewicht 18,9 kg
Zul. Gesamtgewicht 130 kg
Max. Gewicht Fahrer/Equipment 111 kg

Besonderheiten

Range Extender
Multitool
MonkeyLink

Tuning-Tipp: robustere Reifen mit gröberem Profil

Die verschiedenen Ausstattungsvarianten des FLYER Uproc SL:X

Das FLYER Uproc SL:X gibt es in vier verschiedenen Ausstattungsvarianten: 4.10, 6.50, 8.70 und 9.50. Alle Modelle kommen mit 29”-Laufrädern und Bosch Performance Line SX-Motor mit 400-Wh-Akku.
Das FLYER Uproc SL:X 4.10 markiert den Einstieg mit 5.799 € und kommt als einziges mit einem X-Fusion-Fahrwerk und TRP Slate Evo-Bremsen. Die Gänge werden mit der Shimano DEORE 12-fach-Schaltung gewechselt.
Beim Uproc SL:X 6.50 für 6.999 € werden die 130 mm Federweg von einer FOX 34 Rhythm-Federgabel und einem FOX Float Performance-Luftdämpfer verwaltet. Geschaltet wird hier schon elektrisch mit der robusten SRAM GX Eagle Transmission-Schaltgruppe, die der XX Eagle Transmission aus dem Topmodell in Sachen Performance in nichts nachsteht.
Das obere Ende des Portfolios bildet das FLYER Uproc SL:X 9.50 für 9.999 € und ist, wohin das Auge auch schweift, nur mit hochwertigen und prestigeträchtigen Komponenten ausgestattet. Bei der Schaltung greifen die Schweizer ganz oben ins Regal und verbauen SRAMs High-End-Schaltgruppe XX Eagle Transmission, und beim Fahrwerk kommen gold glänzende FOX Factory-Komponenten zum Einsatz. Außerdem setzt das Topmodell als einziges auf DT Swiss HXC1501-Carbon-Laufräder.

Die Geometrie des FLYER Uproc SL:X

Das FLYER Uproc SL:X gibt es in 4 verschiedenen Größen von S–XL und soll Fahrer von 155–195 cm abdecken. Das Light-E-MTB kommt mit einer moderaten Geometrie. Der Reach in Größe L beträgt 485 mm, und der Lenkwinkel fällt mit 65° weder besonders flach noch besonders steil aus. Das Sitzrohr mit 440 mm ist auf der kurzen Seite und bietet durch die Sattelstütze mit 180 mm Hub genügend Bewegungsfreiheit für den Fahrer. Die Kettenstreben von 453 mm wachsen über die Rahmengrößen nicht mit. Über einen Flip-Chip an der Dämpferanlenkung lässt sich das E-MTB in der Low- oder High-Position fahren. In der von uns gefahrenen Low-Position wird der Lenkwinkel etwas flacher und das Tretlager senkt sich geringfügig ab.

Größe S M L XL
Oberrohr 571 mm 605 mm 629 mm 664 mm
Sattelrohr 380 mm 400 mm 440 mm 480 mm
Steuerrohr 100 mm 110 mm 125 mm 135 mm
Lenkwinkel 65° 65° 65° 65°
Sitzwinkel 77,3° 77,1° 77° 76,8°
Kettenstrebe 453 mm 453 mm 453 mm 453 mm
Tretlagerabsenkung 38 mm 38 mm 38 mm 38 mm
Radstand 1.199 mm 1.234 mm 1.258 mm 1.294 mm
Reach 435 mm 465 mm 485 mm 515 mm
Stack 605 mm 614 mm 623 mm 637 mm

Was kann das FLYER Uproc SL:X auf dem Trail?

Startet man mit dem FLYER Uproc SL:X auf Tour, sitzt man angenehm kompakt im Sattel. Auch nach mehreren Stunden auf dem Bike bleiben Rückenschmerzen fern. Ist man auf flachen Forstwegen oder Radwegen unterwegs, lastet ein leichter Druck auf den Händen. Sobald es in den Anstieg geht, hat man dadurch aber genug Druck auf der Front und das Vorderrad steigt selbst an steilen Uphills nicht. Dabei schiebt der Bosch Performance Line SX-Motor in der stärksten Unterstützungsstufe deutlich kräftiger als andere Light-Motoren und man klettert die steilsten Rampen hinauf. Allerdings nur solange der Untergrund trocken und griffig ist. Öffnen sich die Wolken-Schleusen, generiert der straffe Hinterbau in Kombination mit den schwach profilierten Reifen nur wenig Traktion, und der Reifen kann die Kraft nicht auf den Boden übertragen.

Geht es oben in den Trail, steht man gut integriert im Bike. Durch die ausgewogene Balance zwischen Front und Heck muss man in offenen Kurven nicht aktiv auf die Front arbeiten, um den Grip am Vorderrad aufrechtzuerhalten. Das FLYER Uproc SL:X punktet vor allem auf Flowtrails mit viel Fahrspaß. Hier kann man durch das eher straffe Fahrwerk viel Geschwindigkeit generieren und durch Anlieger und Roller pushen. Wird der Trail rougher, steigt auch das geforderte Fahrerlevel. Das straffe Fahrwerk gibt Feedback vom Untergrund an den Fahrer weiter und fordert von unerfahrenen Ridern ein hohes Maß an Konzentration. Durch das wendige und agile Handling lädt das FLYER erfahrene Biker zum Spielen mit dem Trail ein. Schnelle Richtungswechsel von der Low- auf die Highline gehen leicht von der Hand. Gerade unter nassen Bedingungen wird das Bike aber von den schwach profilierten Reifen limitiert, die dem Einsatzzweck nicht ganz gerecht werden. Alle, die die meiste Zeit auf technischen Trails unterwegs sind, sollten auf einen Reifen mit gröberem Profil, robusterer Karkasse und weicherer Gummimischung upgraden.

Für wen ist das FLYER Uproc SL:X?

Das FLYER Uproc SL:X ist vor allem für sportliche Fahrer, die auf der Suche nach einem agilen Trail-Bike mit Motor-Unterstützung sind. Auf trockenen Flowtrails ist Spaß für Anfänger und Fortgeschrittene angesagt. Ist man die meiste Zeit auf technischen Trails unterwegs, sollte man ein gewisses Fahrerlevel mitbringen.

Fazit zum FLYER Uproc SL:X

Das neue FLYER Uproc SL:X Light-E-MTB sieht nicht nur schick aus, sondern integriert auch clevere Detaillösungen wie das Multitool im Steuerrohr oder die ab Werk aufgeklebte Schutzfolie. Bergauf spielt es seine Stärken vor allem auf weniger technischen und steilen Climbs aus. Auf dem Trail punktet es besonders auf flowigen Trails mit viel Fahrspaß. Wird das Terrain gröber, will es von einer erfahrenen Hand Richtung Tal gelenkt werden.

Tops

  • Tool im Steuersatz
  • cleaner Look
  • agiles Handling

Flops

  • Reifen werden dem Einsatzgebiet des Bikes nicht gerecht
  • erfahrene Hand im technischen Terrain nötig

Mehr Informationen findet ihr unter flyer-bikes.com


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Words: Mike Hunger Photos: Mike Hunger, Hersteller

Über den Autor

Mike Hunger

Von Slopestyle und Landschaftsfotografie, hin zu Enduro und Actionfotografie. Mike probiert gerne neue Dinge aus und hat eine Vorliebe für Action. Und Handwerk: So zieht es ihn mit seinem Syncro-Van, den er selbst restauriert und umgebaut hat, regelmäßig auf verschiedenste Roadtrips. Natürlich immer mit dabei ist sein Bike und seine Kamera, um die feinsten Trails von Italien bis in die Alpen unter die Stollen zu nehmen und die schönsten Momente festzuhalten. Durch seine Ausbildung als Industriemechaniker, seiner Erfahrung aus dem Radsport und seinen Foto-Skills kann er das Know-How perfekt in den journalistischen Alltag umsetzen und testet jetzt als Redakteur die neuesten Bikes und Parts. Als “Foto-Nerd” hält er außerdem die Tests fotografisch fest und sorgt im Magazin für geiles Bildmaterial.