Nach einem von Problemen geprägten Start in den Markt hat FAZUA mit dem Ride 60 einiges an Boden gut zu machen. Die gute Nachricht: Aktuelle Chargen funktionieren zuverlässig und ein umfangreiches Software-Update verspricht verbesserte Fahreigenschaften. Schafft der Motor damit einen großen Schritt zurück ins Rampenlicht oder bleibt er trotz zuverlässiger Performance im Schatten seiner Konkurrenz? Wir haben den Ride 60 im Labor, auf Tour und im harten Trail-Einsatz getestet.

Dieser Artikel gehört zu unserem großen Motoren-Vergleichstest 2026. Klicke hier, um alle elf getesteten Systeme, die neuesten Trends und umfangreiche Ergebnisse aus dem Labor und der Praxis zu lesen.

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FAZUA Ride 60 | 60 Nm | 450 W | 2,04 kg | Hersteller-Website

Mit dem Ride 60 hatte der Münchner Motorenhersteller FAZUA ab 2022 alles andere als einen leichten Start: Wegen schlechter Zuverlässigkeit galt der Light-Assist-Motor aus Ottobrunn längere Zeit als das große Sorgenkind unter den E-Bike-Motoren. Doch wie wichtig Zuverlässigkeit ist, beweist unsere jüngste Leserumfrage. Deren Auswertung zeigte, dass Zuverlässigkeit beim Kauf eines E-Motors das wichtigste Kaufkriterium ist! Im hart umkämpften Motorenmarkt ist eine verlässliche Systemfunktion demnach DIE Grundvoraussetzung für Kundenzufriedenheit und langfristige Marktchancen.

Die aktuellen Chargen des Ride 60 haben sich in unseren Testbikes glücklicherweise ohne Probleme bewährt. Wer langfristig überleben will, muss allerdings deutlich mehr als nur ein zuverlässiges System bieten. Der Markt verlangt die neueste Hardware und stetige Verbesserungen – beispielsweise durch umfangreiche Softwareupdates. Das hat auch FAZUA erkannt und 2025 einige Neuerungen geliefert. Im März 2025 wurde ein Hardware-Update mit neuer Remote Control und einem neuen 480-Wh-Akku vorgestellt. Im Juni wurde zudem das umfangreiche Firmware-Bundle 12 veröffentlicht. Doch wie schlägt sich der frisch facegeliftete Ride 60 gegenüber der starken Konkurrenz?

Der FAZUA Ride 60 im Detail – Fahr zua!

Beim FAZUA Ride 60 sind Motor und Getriebe hintereinander angeordnet. Mit seiner daraus resultierenden länglichen Bauform fällt der FAZUA Ride 60 weniger kompakt aus als ein TQ HPR60, ist aber in den Abmessungen vergleichbar mit dem maxon AIR S und sichtbar kompakter als ein Bosch SX. Die 2,04 kg schwere Drive Unit verspricht ein Drehmoment von 60 Nm bei einer maximalen Leistung von 350 Watt im Rocket-Modus. Im Overboost-Modus sollen für maximal 12 Sekunden bis zu 450 Watt bereitgestellt werden können.

Für unseren Test haben wir den FAZUA Ride 60 im Santa Cruz Heckler SL unter die Lupe genommen. Das Rahmendesign des amerikanischen Light-E-MTBs ist nah am analogen „Bronson”. Dabei ist der FAZUA-Motor vollständig im Rahmen versteckt und ermöglicht ein unauffälliges Packaging. Lediglich auf der Non-Drive-Side lassen vier Schrauben die elektrische Kraftquelle im Inneren des Carbonrahmens erahnen.

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Im Unterrohr des Santa Cruz Heckler SL steckt ein fest verbauter Akku mit einer Kapazität von 430 Wh. Seit März 2025 gibt es einen neuen 480-Wh-Akku, der zwar 200 g schwerer ist, dafür aber dieselben Abmessungen wie bisher bietet. Damit ist ein Wechsel vom 430-Wh-Modell auf das neue 480-Wh-Modell plug & play möglich. Die neue Version gibt es sowohl herausnehmbar als auch als fest verbaute Lösung wie in unserem Testbike. Die Ladezeit von 0 auf 100 % SOC dauert knapp über vier Stunden. Das entspricht einer Ladegeschwindigkeit von nur 2,2 Wh/min – nur der maxon-Charger lädt weniger Energie pro Zeit in den Akku.

Neu ist auch die Remote namens „Mode Control“, die die viel kritisierte „Ring Control“ ablöst. Die neue Mode Control besitzt nun zwei Erhebungen, womit sich beide Bewegungsrichtungen sauber steuern lassen. Zudem lässt sich die Boost-Funktion nun über einen separaten Knopf betätigen. Insgesamt ist die neue Remote damit einfacher und in anspruchsvollen Fahrsituationen zielgenauer bedienbar. Nur die Haptik bleibt weiterhin mangelhaft – wir vermissen nach wie vor ein definiertes haptisches Feedback und ein hochwertiges Material oder zumindest eine gummierte Oberfläche.
Vorbildlich ist hingegen, dass die alte, viel kritisierte Ring Control nicht links liegen gelassen wurde. Sie hat ein Update erhalten, sodass auch Bestandskunden von einer besseren Funktion profitieren sollen.

Kein Update gab’s hingegen bei der Anzeigeeinheit. Der FAZUA LED-Hub, der den Akkustand mit LED-Punkten und die Modi über die entsprechende Farbe visualisiert, ist – insbesondere im Vergleich zum TQ-System – sehr rudimentär. Die farbigen LEDs sind zudem zu hell, was auf dem Trail in dunklen Passagen stört. Darüber hinaus fällt der LED-Hub gemessen am Informationsgrad relativ groß aus. Positiv ist jedoch die Funktion, dass der USB-C-Port unter der beweglichen Abdeckung versteckt ist.

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Die Anzeigeeinheit bleibt in puncto Wertigkeit und Informationsdarstellung hinter der Konkurrenz zurück.
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Die neue Lenker-Remote fühlt sich zwar spürbar besser an als zuvor, erreicht aber noch immer nicht das Niveau einer wirklich hochwertigen Haptik.

Umso überraschender ist hingegen die kostenlose App: Sie ist intuitiv, übersichtlich und verständlich aufgebaut. Das Design wirkt modern und aufgeräumt, auch wenn der Funktionsumfang im Vergleich zur Konkurrenz eher schlank bleibt. Praktisch: Neben Gesundheitsdaten des Ökosystems wie System-Kilometer, maximale Kapazität und Ladezyklen erstellt die App nach jeder Tour automatisch Fahrstatistiken. Wer mehr Überblick möchte, kann das Smartphone zudem als Display nutzen und sich während der Fahrt alle relevanten Werte klar und kompakt anzeigen lassen.

Die drei Fahrmodi Breeze, River und Rocket lassen sich per App anhand drei Parameter individualisieren: Unterstützungsverhältnis (also das Verhältnis von Motor- zu Fahrerleistung), maximale Motorleistung sowie die Dynamik, mit der der Motor auf Veränderungen in der Trittleistung reagiert. An den Funktionsumfang der Avinox Ride-App oder der von Specialized kommt das System dennoch nicht heran.

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Ansprechend gestaltet, intuitiv und mit guten Funktionen gespickt: Die FAZUA-App überzeugt.
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Over-the-Wire-Software-Update: Mit dem im Oberrohr befindlichen USB-C-Anschluss gelingen Software-Updates ohne den Händler des Vertrauens – aber nicht ohne Kabel.
Parameter Unsere Messung Herstellerangabe
Gewicht des Motors (kg) 2,036 kg 1,960 kg
(nominelle) Akkukapazität (Wh) 432 Wh 430 Wh
Ladezeit von 0 auf 100 % SOC 4 h 8 Minuten
Unterstützungsverhältnis (%) %
Maximalleistung (W) 350 (Boost-Mode kurzzeitig 450)
Maximales Drehmoment (Nm) 60 Nm
Reichweite* 17,6 km
Reichhöhe* 1.441 hm

*Die Werte wurden auf einer identischen Strecke mit durchschnittlich 8,5% Steigung ermittelt – bei einer konstanten Fahrerleistung von 150 W, einem Fahrergewicht von 72 kg sowie mit standardisierten Reifen: vorne MAXXIS HighRoller (DD, MaxxGrip) und hinten MAXXIS Minion DHR II (DD, MaxxTerra)

Der FAZUA Ride 60 im Test – Das große Comeback?

Der FAZUA Ride 60-Motor auf dem Trail

Unser erster Test vom Firmware-Bundle 12 war durchaus positiv. Wir konnten dem System ein besseres Anfahrverhalten und eine geschmeidige Dosierung bescheinigen. Zudem sind die Klackgeräusche des Motorfreilaufs behoben und auch das Ausfaden der Unterstützung an der 25-km/h-Grenze wurde merkbar angenehmer gestaltet. Auch das Einsetzen der Unterstützung erfolgt beim FAZUA Ride 60 sanft, begleitet von einer angenehm leisen Geräuschkulisse. Der TQ HPR 60 ist gefühlt zwar noch eine Stufe leiser, dennoch liefert FAZUA hier ein gutes Erlebnis.

Das Anfahren in steilen Anstiegen gelingt deutlich besser als beim Konkurrenten Bosch SX. Bei niedriger Kadenz und Eigenleistung fühlt sich der FAZUA zudem merklich kräftiger als der TQ HPR60 an. Hier macht sich der vergleichsweise hohe Unterstützungsfaktor bemerkbar. Das sorgt allerdings auch dafür, dass der Motor schneller an sein Leistungslimit von 350 Watt kommt. Mit steigender Eigenleistung erreicht man beim FAZUA früher den Punkt, an dem der Motor seine Leistung nicht mehr weiter steigern kann. Wie sich im Labor später zeigte, liefert der Ride 60 bereits bei 150 Watt Eigenleistung sein Maximum.

Wer Bedarf nach mehr Unterstützungsleistung hat, für den gibt es noch den Boost-Modus. Dank der neuen Mode Control lässt sich dieser Modus nun deutlich leichter aktivieren. Mit 450 Watt bietet er zudem ein deutliches Plus an Power, was auf dem Trail deutlich wahrnehmbar ist. Knifflige Uphill-Passagen gelingen mit spürbar mehr Schub und lassen sich einfacher meistern. Die neue KickOverrun-Funktion kann in diesen Situationen ebenfalls eine Hilfe sein, lässt sich aber leider nicht so spielerisch und intuitiv aktivieren wie der Nachlauf bei Bosch-Motoren.

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Der FAZUA Ride 60 auf dem Prüfstand

In der 30 minütigen Dauerfahrt bei Vollbelastung zeigte sich der FAZUA Ride 60 für 15 Minuten sehr konstant. Anschließend wird die Leistung nur leicht reduziert – ein gutes Ergebnis angesichts der Tatsache, dass der Motor vollständig im Rahmen verstaut ist und somit nicht von der Kühlung des Fahrtwinds profitieren kann. Das spricht für eine gute Effizienz, was auch zum Ergebnis beim Wirkungsgrad passt, bei dem sich der FAZUA Ride 60 im vorderen Teil des Mittelfelds befindet.

Anders sieht es bei der simulierten Bergauffahrt mit 15 % Steigung aus. Hier ist der FAZUA Ride 60 Schlusslicht im Test. Die Reichhöhenfahrt auf der Straße zeigt jedoch, dass der Motor im Dauerbetrieb bergauf schneller als ein TQ HPR60 ist, welcher nicht im Labor getestet werden konnte.
In puncto Geräusch ist der FAZUA Ride 60 unter allen Bedingungen einer der leistenden Motoren. Dazu kommt eine geringe Tonalität, hier ist er sogar Spitzenreiter.

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Tuning-Tipp für Hersteller: Modernes HMI entwickeln, um attraktives Bedienerlebnis zu schaffen.

Für wen ist der FAZUA Ride 60, für wen nicht?

Der FAZUA Ride 60 ist für alle, die ein einfaches, schnörkelloses System ohne viel Schnickschnack suchen. Ob Einsteiger oder Pro – die übersichtliche und ansprechend gestaltete App ermöglicht es beiden, ein gutes Motor-Setup zu finden. Der Ride 60 ist zudem für alle interessant, die leichte und agile E-Bikes mit leiser Motorunterstützung suchen. Wer ein kräftiges, stark unterstützendes Motorsystem sucht oder ein Display mit umfangreicher Informationsflut, sollte die Alternativen in Betracht ziehen.

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Fazit zum FAZUA Ride 60

Der FAZUA Ride 60 hat nach anfänglichen Problemen in jüngster Vergangenheit endlich zuverlässig funktioniert und durch sinnvolle Updates spürbare Verbesserungen in den Fahreigenschaften erzielt. Auch mit der neuen Mode Control hat FAZUA klare Verbesserungen erzielt. Zuverlässigkeit und State-of-the-art-Funktionalität reichen langfristig allerdings nicht aus, um im stark konkurrierenden und innovativen Motorenumfeld konkurrenzfähig zu bleiben. Da hilft auch die gelungene Smartphone-App nicht. Vor allem am schwachen HMI (Display & Remote) muss FAZUA noch arbeiten.

Tops

  • unauffällige Integration
  • leises Fahrgeräusch
  • hoher Unterstützungsfaktor
  • gelungene App

Flops

  • schwaches HMI
  • Zuverlässigkeit älterer Softwarestände
  • Software-Updates nur per Kabel

Alle weiteren Informationen findet ihr auf der Website von FAZUA.


Das Testfeld

Einen Überblick über diesen Vergleichstest erhaltet ihr hier: Was ist der beste E-Bike-Motor 2026? E-Bike-Motoren-Test mit 11 Modellen im Vergleich

Alle Motoren im Test:

Avinox M1, Bosch Performance Line CX Gen5, Bosch Performance Line CX-R, Bosch Performance Line SX, FAZUA Ride 60, Mahle M40, maxon Air S, Pinion MGU E1.12, Shimano EP801, S-Works 3.1, TQ HPR60

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Words: Lars Engmann Photos: Peter Walker