Mit dem SACHS RS betritt ein neuer Player die Bühne des boomenden Motorenmarkt. Hinter dem neuen Antrieb steckt das Start-Up Sachs Micro Mobility, ein Konglomerat aus den vier Firmen ZF, MAGURA, BFO und BMZ. Wir haben uns den Motor genauer angesehen und sind ihn auch im Gelände gefahren.

SACHS RS alle Infos zum neuen Motor
Kraftvoll, standfest und kompakt – mit dem SACHS RS betritt ein spannender neuer Player den Motoren-Markt.

Der neue SACHS RS Antrieb ist das erste Ergebnis der Firma SACHS Micro Mobility. Hinter dem Start-Up stecken vier große Firmen: ZF, MAGURA, BFO und BMZ. Der Motor soll viel Leistung über einen langen Zeitraum liefern (Stichwort „Derating“) und dabei sehr zuverlässig und möglichst kompakt sein. Doch die Eckdaten sind nur ein Faktor weshalb SACHS für Bike-Hersteller interessant sein könnte. Denn SACHS Micro Mobility sieht sich als Technologie Partner, der die Verantwortung für alle Komponenten rund um den Antrieb übernimmt. So bietet das Start-Up auch eine eigene Batterie und kümmert sich um passende Display-Lösungen, den Speed-Sensor uvm.. Dabei werden die Teile nicht zwangsläufig selbst hergestellt, doch SACHS Micro Mobility stellt sicher, dass sie alle gemeinsam funktionieren und ist bei einem Service-Fall auch der Ansprechpartner. Der Bikehersteller erhält dadurch mehr Freiheiten und kann sein Rad als Gesamtsystem entwickeln ohne durch ein starres System wie es z.B. Bosch bietet limitiert zu werden.

Der SACHS RS Antrieb im Detail

Der SACHS RS Motor soll sich durch eine hohe Leistung von bis zu 700 W und 110 Nm Drehmoment, bei bereits niedriger Trittfrequenz auszeichnen. Das von anderen Herstellern bekannte Derating (ein Herunterregeln der Leistung aufgrund von zu viel Wärme) soll bei ihm nicht auftreten. Damit wäre der Antrieb prädestiniert für den Einsatz an Lastenrädern aber auch an sportiven E-Mountainbikes.

Der neue Sachs RS besitzt 110 Nm Drehmoment und bis zu 700 W Maximalleistung.

Der Motor arbeitet mit einer Spannung von 48 V, wiegt rund 3,5 kg und besitzt verhältnismäßig kompakte Abmessungen. Er wird an drei Punkten mit dem Rahmen verbunden. Der Q-Faktor des Motors (die Breite der Kurbeln) ist mit 178 mm im Durchschnitt. Der SACHS RS verfügt über eine ISIS-Achse und kann mit Kettenblättern von 30–50 Zähnen gefahren werden. Die Leistung lässt sich in vier Unterstützungsstufen einstellen.

  • 48 V System für hohe Effizienz
  • hohes Drehmoment schon bei geringer Trittfrequenz (110 Nm, 700 W Spitzenleistung)
  • hochwertige Motorlagerung
  • intelligentes Hitzemanagement – kein Überhitzen
  • kein ungewolltes Derating
  • Motor voll via Software konfigurierbar
  • einfache Montage und einfacher Service
  • EN 15194:2017 – Safety BUS, Performance Level C etc.
Sachs bietet einen eigenen 650 Wh Akku an, Hersteller können aber auch andere Batterien verbauen
Auch beim Display hat der Bike-Hersteller freie Wahl und kann entweder auf bestehende Produkte zurückgreifen oder etwas eigenes entwickeln
Der Motor verfügt über alle gängigen Anschlüsse wodurch weder eine App-Anbindung noch verschiedene Display-Lösungen ein Problem sind
Der Q-Faktor des SACHS RS geht mit 178 mm in Ordnung. Ein Shimano STEPS E8000 liegt bei 177 mm, ein Bosch bei rund 180 mm.

Erster Test des SACHS RS

Wir hatten bereits die Möglichkeit den neuen SACHS RS-Motor auf einer rund einstündigen Tour am Gardasee zu fahren. Nach Angaben von SACHS Micro Mobility ist die Hardware des Motors fertig und die Serienproduktion startet Anfang Juni, allerdings arbeitet das Team momentan noch an der Software, wodurch sich auch unser erster Fahreindruck noch stark ändern kann.
Tritt man in die Pedale dauert es einen Moment bis auch der Antrieb seine Kraft bereitstellt, diese setzt nicht schlagartig ein, sondern nimmt progressiv zu. Bereits bei niedriger Trittfrequenz schiebt der Motor sehr kraftvoll an. Er besitzt spürbar mehr Power als Shimano, Bosch oder Yamaha, aber gefühlt nicht ganz so viel wie der TQ. Wir sind die Motoren allerdings nicht im direkten Vergleich gefahren. In einer hohen Unterstützungsstufe fliegt man mit dem SACHS RS jedenfalls den Berg empor.

Testfahrt des neuen SACHS RS
Wir hatten die Möglichkeit den SACHS RS auf einer Tour am Gardasee zu testen. Was dabei besonders auffiel – die enorme Leistung.

Trotz einer bewusst Motor-quälenden Fahrweise mit niedriger Trittfrequenz an einer steilen Rampe, konnten wir kein Herunterregeln der Leistung feststellen – allerdings war es mit ca. 15° C auch nicht sonderlich heiß und der Anstieg mit ca. 5 min eher kurz. Bei unrundem Tritt schaukelt sich der Motor aktuell noch auf – das soll mit einer angepassten Abtastung aber behoben werden. An der 25 km/h Schwelle fadet der Motor schon jetzt angenehm aus und besitzt darüber hinaus oder im ausgeschalteten Zustand einen nur geringen internen Widerstand. Der Motor arbeitet bei geringer Belastung leise, ruft man aber mehr Leistung ab, nimmt der turbinen-artige Sound zu. Wir empfanden die Geräuschkulisse allerdings nicht als unangenehm.

Der SACHS RS auf dem Trail
Bereits bei niedriger Trittfrequenz schiebt der SACHS RS kraftvoll an. Bei 25 km/h fadet er angenehm aus und besitzt darüber einen nur geringen internen Widerstand. Allerdings muss an der Software noch gearbeitet werden.

Unsere Meinung zum neuen SACHS RS

Da der SACHS RS-Antrieb noch keine finale Software besaß und wir ihn nur sehr kurz testen konnten, ist es natürlich viel zu früh für ein finales Fazit. Bei unserem Test bestach der Antrieb vor allem durch seine enorme Kraft schon bei geringer Trittfrequenz. Damit ist er ein spannender Kandidat für Bikes mit besonders hoher Leistung. Obendrein gibt SACHS Micro Mobility den Herstellern die Möglichkeit, den Antrieb sehr individuell in das jeweilige Fahrzeugkonzept zu integrieren. Was daraus entsteht? Wir sind gespannt!

Weitere Informationen findet ihr auf sachsmicromobility.com.


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Text & Fotos: Christoph Bayer

Über den Autor

Christoph Bayer

Abwechslung – das ist für Christoph das Wichtigste. Sowohl auf dem Bike als auch bei seiner Tätigkeit für das E-MOUNTAINBIKE Magazin. Er koordiniert das Magazin und ist dort gleichzeitig Fotograf und Redakteur. Auf dem Rad trifft man ihn vor allem im alpinen Terrain an, wo er neben flowigen Trails auch gerne mal eng verwinkelte oder verblockte Strecken in Angriff nimmt.