Das Giant Reign E+ ist Giants erstes langhubiges E-Mountainbike. Steil und schnell bergauf, noch steiler und schneller bergab soll die Paradedisziplin des neuen Bikes sein. Wir haben das brandneue Giant Reign E+ 0 Pro in den französischen Alpen bereits für euch getestet.

Das brandneue Giant Reign E+ mit Ymaha PW-X2 Motor
Giant Reign E+ 0 Pro | Giant SyncDrive Pro/EnergyPak Smart 500 Wh | 170/160 mm (v/h) | 24,23 kg | 7.499 €

Mit dem Reign E+ gibt Giant Vollgas: Nachdem erst vor wenigen Tagen das Giant Reign 29 Race-Enduro-Mountainbike in Kanada vorgestellt wurde, folgt jetzt das elektrifizierte Pendant: Das brandneue Giant Reign E+ ist wie sein unmotorisierter Bruder für den harten Einsatz auf richtig anspruchsvollen Strecken konzipiert. Im Gegensatz zum nicht-motorisierten Reign gibt es das Reign E+ nur mit Aluminiumrahmen und lediglich mit 27,5” x 2,6” Bereifung. Es soll dank 170-mm-Federgabel und 160-mm-Federweg am Heck aber nicht minder potent sein. Beim Antrieb setzt Giant wie immer auf die Unterstützung von Yamaha und verbaut den Giant SyncDrive Pro, der technisch auf dem neuen Yamaha PW-X2 basiert. Eine Vielzahl neuer Sensoren ermöglicht den progressiven Smart Assist-Modus, der das Unterstützungslevel dynamisch an die Fahrsituation anpasst. An dieser Stelle wollen wir klarstellen, dass der neue Yamaha PW-X2-Motor im Vergleich zu seinem Vorgängermodell PW-X weder kleiner noch leichter wurde – wie fälschlicherweise bei manchen Kollegen zu lesen ist. Wir haben das 7.499 € teure Giant Reign E+ 0 Pro auf den super steilen und staubigen Trails rund um das französische Mountainbike-Mekka Morzine bereits getestet.

Das Giant Reign E+ 0 Pro im Detail

Wie es von Giant zu erwarten war, setzt der größte Radhersteller der Welt beim Reign E+ 0 Pro auf das Motoren-Know-How von Yamaha. Der SyncDrive Pro zieht seine Energie aus einem internen 500-Wh-Akku, der mit einem externen Range-Extender um weitere 250 Wh erweitert werden kann. Das 399 € teure EnergyPak Plus soll sich schnell und einfach an den Flaschenhalteraufnahmen im Rahmendreieck befestigen lassen. Giant setzt beim 24,23 kg (Größe L, ohne Range-Extender) schweren Topmodell Giant Reign E+ 0 Pro neben dem Motor auf weitere elektronische Helfer und verbaut die kabellose X01 Eagle AXS-Schaltung von SRAM und die RockShox Reverb AXS-Variostütze. Das Ergebnis ist ein super aufgeräumtes Cockpit. Auf ein Display verzichtet Giant bewusst und verbaut stattdessen die Ride Controle One Remote, die dank ANT+ jetzt auch mit einem Garmin oder anderen Bikecomputern kompatibel ist.

Dass das Giant Reign E+ auf Downhill-Performance ausgelegt wurde, zeigt die restliche Ausstattung. Am Hinterrad kommt ein MAXXIS HighRoller II in der super stabilen Double Down-Karkasse zum Einsatz, an der Front ist ein ebenfalls 2,6” breiter Minion DHF in der leichteren EXO+ Ausführung montiert. Das FOX Factory-Fahrwerk mit 36er Federgabel und FLOAT X2-Dämpfer ist über jeden Zweifel erhaben. Besonderes Highlight ist die SRAM CODE R-Bremse, die an der Front mit einer riesigen 220 mm Bremsscheibe kombiniert wird.

Federgabel FOX 36 Factory GRIP 2 170 mm
Dämpfer FOX Float X2 Factory 160 mm
Motor/Akku Giant SyncDrive Pro/EnergyPak Smart 500 Wh
Schaltung SRAM X01 Eagle AXS
Bremsen SRAM Code R 220/200 mm
Sattelstütze RockShoy Reverb AXS 100-170 mm
Vorbau Giant Contact SL 35
Lenker Giant Contact SL 35 Trail 800 mm
Laufradsatz Giant E-TRX 27,5″
Reifen MAXXIS Minion DHF EXO+/HighRoller II Double Down 2,6″
Gewicht 24,23 kg (Größe L)
zul. Gesamtgewicht 150 kg
Preis 7.499 €

Isst dicke Brocken zum Frühstück – Yummie!
Der FOX FLOAT X2 sorgt zusammen mit dem Maestro-Hinterbau für butterweiches Ansprechverhalten und ausreichend Endprogression
Es wäre so schön …
Giant verpasst dem Reign E+ einen ausreichend langen, weichen Kettenstrebenschutz, der das Kettenschlagen reduziert, aber nicht gänzlich verhindert
Keine Satteltasche
Die Reverb AXS-Sattelstütze funktioniert elektronisch und kabellos. Was aussieht wie eine Satteltasche ist der große Akku, der unterm Sattel sitzt.
Absolute Spitze
Die SRAM CODE R bietet mit der 220 mm großen Bremsscheibe maximale Bremspower bei exzellenter Modulation – damit könnte man auch einen LKW zum Stehen bringen!
Viel leiser
Im Vergleich zum Yamaha PW-X – wie er im aktuellen Giant Trance E+ zum Einsatz kommt – ist der neue SyncDrive Pro-Motor fast nicht zu hören
Mehrzweckhalter
Im Giant Reign E+ hat eine große Trinkflasche locker Platz. Alternativ kann auch das 250 Wh große Giant EnergyPak Plus montiert werden: Damit kommt man auf 750 Wh Akkukapazität und kann je nach Tour entscheiden, ob man den Zusatz-Akku mitnehmen will oder nicht.

Die Ausstattungsvarianten des Giant Reign E+

Giant bietet das Reign E+ in drei Ausstattungsvarianten zwischen 4.799 € und 7.499 € an. In Sachen Motor, Akku, Rahmen und Bereifung sind alle Varianten identisch. Alle Modelle setzen auf 170 mm Federweg an der Front und 160 mm am Heck, die von FOX-Federelementen kontrolliert werden. Sowohl beim 5.499 € teuren Reign E+ 1 PRO und dem Einstiegsmodell Reign E+ 2 Pro verzichtet Giant bei Cockpit und Laufrädern auf Carbon und setzt stattdessen auf hauseigene Aluminium-Komponenten. Die Variostütze kommt ebenfalls von Giant. Leider verzichtet Giant bei beiden Modellen ebenfalls auf die 220 mm große Bremsscheibe an der Front, die im Spitzenmodell Giant Reign E+ 0 Pro hervorragend funktioniert. Geschaltet wird bei den zwei günstigeren Modellen mit mechanischen 12-Gang-Schaltungen von SRAM und Shimano.

Die Geometrie des Giant Reign E+

Größe S M L XL
Sattelrohr 406 mm 445 mm 482 mm 507 mm
Oberrohr 595 mm 620 mm 645 mm 670 mm
Steuerrohr 100 mm 110 mm 120 mm 130 mm
Lenkwinkel 64,5° 64,5° 64,5° 64,5°
Sitzwinkel 76° 76° 76° 76°
Kettenstrebe 469,5 mm 469,5 mm 469,5 mm 469,5 mm
Tretlagerabsenkung 15 mm 15 mm 15 mm 15 mm
Radstand 1223 mm 1249 mm 1276 mm 1303 mm
Reach 430 mm 452 mm 475 mm 497 mm
Stack 592 mm 602 mm 611 mm 620 mm
Helm Giro Montara Mips | Brille Oakley Sutro | Shirt Ion Tee Scrub Select | Knieschoner Sweet Protection Bersuit Light

Das Giant Reign E+ 0 Pro auf dem Trail

Die Sitzposition auf dem neuen Giant Reign E+ ist ausgewogen, zentral und komfortabel. Lange Tage im Sattel überfordern weder den Hintern noch die Handgelenke, und dank des relativ steilen Sitzwinkels ist der Fahrer auch an steilen Rampen noch sehr zentral auf dem Bike positioniert. Beim Rollen in der Ebene wippt der Maestro-Hinterbau noch leicht mit. Geht es steiler bergauf und zieht der Motor ordentlich an der Kette, dann beruhigt sich der Hinterbau ein wenig, bleibt aber dennoch voll aktiv. So kann er auch unter Volllast auf kleinste Unebenheiten im Trail reagieren und generiert zusammen mit dem griffigen HighRoller II-Hinterreifen super viel Traktion. Der Reifen kann dank der super robusten DoubleDown-Karkasse nämlich mit relativ wenig Luftdruck gefahren werden und ist dabei dennoch wenig anfällig für Platten. Der neue SyncDrive Pro-Motor arbeitet im Vergleich zum Vorgänger deutlich leiser, stürmt aber noch immer bereits bei geringem Druck am Pedal nach vorne. Davon abgesehen entfaltet der neue Motor seine Kraft im progressiven Smart Assist-Modus sehr gefühlvoll und dennoch mit ausreichend Punch. Wechselt man aus dem Smart Assist-Modus in einen anderen Fahrmodus, schaltet man unweigerlich in den Off-Mode, sodass ein schneller Wechsel in eine der höchsten Unterstützungsstufen in steilen Rampen in der Praxis nicht mehr möglich ist. Blöd – aber die gute Nachricht lautet: Ist man einmal im Smart Assist-Modus, möchte man meistens gar nicht mehr den Modus wechseln!

Typisch Giant ist die Front des Reign E+ relativ niedrig. Deshalb haben wir gleich zu Beginn unseres Tests alle Spacer unter dem Vorbau montiert. So positioniert das Reign E+ seinen Fahrer mittig auf dem Bike. Der lange Hauptrahmen (475 Reach in L) bietet viel Bewegungsfreiheit, die leider allzu oft vom hohen Sattelrohr und der deshalb kurzen Sattelstütze mit nur 150 mm Hub begrenzt wird. Trotz dieser Einschränkung bietet das Giant Reign E+ dank seines flachen Lenkwinkels und dem traktionsstarken Fahrwerk viel Sicherheit auch in Steilstücken. Dazu trägt auch die SRAM CODE R mit 220 mm Bremsscheibe am Vorderrad bei. Sie liefert trotz guter Modulation enorme Bremspower und hält ihre Performance auch auf sehr langen Abfahrten konstant: endlich! Auf flowigen Trails zeigt sich das Giant Reign E+ 0 als Kurvenräuber mit ausgewogener Lastverteilung und gutem Grip an beiden Rädern. Das Herz des Bikes schlägt aber für ruppige, schnelle Trails: Laufen lassen und drüberbügeln, lautet die Devise. Das schluckfreudige FOX Factory-Fahrwerk und der ohnehin butterweiche Maestro-Hinterbau saugen auch große Brocken auf, ohne dabei durch den Federweg zu rauschen. Als Fahrer profitiert man von der Traktion und hohen Spurstabilität, ohne vom Untergrund isoliert zu sein. Die nervigen Geräusche der auf die Kettenstrebe schlagenden Kette informieren unnötigerweise, was gerade unterhalb der MAXXIS-Bereifung vor sich geht: Schade!

Auf dem Trail überzeugt das Giant Reign E+

Fazit

Mit dem Giant Reign E+ 0 Pro ist Giant das Debüt in der Klasse der langhubigen Baller-Bikes geglückt. Werden die Trails steil, verblockt und richtig anspruchsvoll, blüht das Giant Reign E+ 0 Pro erst so richtig auf und überzeugt mit seinem satten Fahrwerk vor allem bei Highspeed. Über Detailschwächen wie der unterdimensionierte Kettenstrebenschutz oder die kontraintuitive Bedienung der Motor-Remote sehen wir bei der sehr sinnvoll und robust gewählten Ausstattung gerne hinweg.

Tops

  • Top Fahrwerk
  • super standfeste Bremse
  • robuste Reifenkombination

Flops

  • Kettenstrebenschutz wenig effektiv
  • kontraintuitive Anordnung der Fahrmodi
  • langes Sattelrohr

Mehr Infos unter: giant-bicycles.com


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Text: Felix Stix Fotos: David Schultheiß & Felix Stix

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Über den Autor

Felix Stix

Durch meinen technischen Hintergrund habe ich mich zum inoffiziellen Leiter unserer Werkstatt gemausert. Hier bereite ich das Equipment für unsere Tests vor und checke die Bikes auf Herz und Nieren. Meine nerdigen Texte mit unzähligen Erklärungen stützen sich meist darauf, dass ich ein Produkt komplett zerlegt und wieder zusammengebaut habe…
Auf dem E-Mountainbike scheppere ich am liebsten über die richtig harten Downhillstrecken und bringe dabei mich und das Material an die Grenzen – oder darüber hinaus. Bergauf geht es eigentlich immer im "Turbo"-Modus, damit ich für die nächste Abfahrt fit bin.