Wer sind eigentlich diese E-Mountainbikerinnen und E-Mountainbiker, die breit grinsend und mit surrendem Mittelmotor durchs Leben cruisen? Unsere Leserumfrage 2025 hat’s gezeigt: 15.498 von euch haben geantwortet, und ehrlich, das Ergebnis ist ein wilder Mix aus Fakten, Widersprüchen und herrlich klaren Meinungen.
Wer ihr seid und wie ihr rollt
Glückwunsch, ihr werdet im Schnitt 1,5 Jahre jünger! 95 % Männer, im Schnitt 54 Jahre alt in der GSA-Region (Germany, Switzerland, Austria), und 55 Jahre international. Klingt insgesamt aber immer noch nach Lebenserfahrung, Werkzeugwand und vermutlich mehr Drehmoment als in mancher Ehe. Mehr als die Hälfte fährt schon länger als fünf Jahre E-MTB. Keine Early Adopter mehr, sondern gestandene E-Pioniere, die wissen, was sie wollen und was sie lassen.
Warum ihr fahrt – Zwischen Ausgleich und Abenteuer
Die Unterschiede zwischen dem deutschsprachigen Raum und dem Rest der Welt könnten fast nicht größer sein: Die einen suchen Zen, die anderen nur Grip und irgendwo dazwischen liegt vermutlich die Wahrheit. 66 % der GSA-Leserinnen und -Leser wollen Trekken, 62 % fahren einfach, um rauszukommen. International dominieren mit 70 % die, die ihr Bike als Fitnessstudio auf zwei Rädern sehen.
Hinweis: Es handelt sich hierbei um eine Multi-Antwort-Option. Die Werte aggregieren daher nicht auf 100 %, sondern geben an, wie viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer einer jeweiligen Antwortmöglichkeit zugestimmt haben.


International gespalten: Lieber Schotter als Asphalt
Eine große Mehrheit in GSA zieht mit Schotter, Forstwegen und flowigen Pfaden eher Terrain vor, das nicht per Definition zum Beuteschema eines E-MTBs gehört. Erstaunliche 7 % nutzen ihr E-MTB gar am liebsten auf Asphalt: vermutlich die E-SUV-Gemeinde. Während die deutschsprachige Community also vorzugsweise mit geregeltem Puls über Forstwege gleitet, ballert die internationale Meute über die Trails, als gäbe es dort Pokale zu holen. Fast die Hälfte (49,8 %) der internationalen Leserinnen und Leser wollen maximale Performance auf technischen Trails.
Trends 2025: Zwischen Neugier, Nerdtum und Nölen
Wir haben die Gelegenheit genutzt, euch zu allerhand aktuellen Trends in der E-Mountainbike-Welt zu befragen. Ein paar spannende Facts aus dieser Rubrik:
Selbstregulierung bis 750 W: Freiheit mit Ansage?
Heißes Eisen: Rüsten die Hersteller ihre Motoren immer weiter hoch mit der Gefahr, dass Gesetzgeber Regeln setzen, die am Ende niemand wollen kann? Oder schaffen sie einen Schulterschluss und regulieren sich nach eigenen Regeln, bevor es von außen geschieht? Die Leserschaft ist in etwa so gespalten wie die Industrie selbst: 37 % sind für eine Selbstregulierung der Hersteller, 26 % sind hingegen anderer Meinung, der Rest zuckt mit den Schultern. Klingt nach Stammtisch. Fakt ist: Das Thema spaltet. Eine vertiefende Einordnung findet ihr im Beitrag „Das Regulierungs-Dilemma der E‑Bike‑Branche“. Die gute Nachricht: Niemand ruft nach Fahrverboten. Zumindest noch nicht.


Getriebemotoren: Der heiße Scheiß oder zu heiß zum Anfassen?
Motor-Getriebe-Einheit klingt für viele noch nach Raumschifftechnik. Ein Drittel würde sich so ein System zulegen, international sogar 43 %. Aber fast genauso viele wissen gar nicht, worum es bei diesem Thema überhaupt geht. Und die Bedenken? Klar: zu teuer, zu schwer, zu neu. Willkommen im Club der vorsichtig Neugierigen.
USB-C: Ladebuchse der Liebe
Ihr liebt’s praktisch. 42 % feiern die Idee eines USB-C-Ladeports als super Zusatzoption, 26 % sagen: mir doch egal. International läuft’s ähnlich. Kurz: Ihr seid offen für Technik, solange sie nicht nervt. Dabei handelt es sich aktuell noch um eine theoretische Option – es gibt bislang keine E-MTBs mit USB‑C‑Ladeport, technisch wäre es aber möglich und einige Hersteller liebäugeln bereits damit. Typisch E‑MOUNTAINBIKE: Wir fragen den Trend ab, bevor er überhaupt auf dem Markt ist. Hier habt ihr es zuerst gehört!


ABS: Sicher ist sicher oder einfach überbewertet?
Mehr als die Hälfte von euch hat ABS noch nie ausprobiert, würde es aber dennoch gern mal testen. Andere winken ab: „Ich brauch kein ABS, ich hab Skills.“. Doch wenn’s um Sicherheit geht, kippt die Stimmung, ein Drittel glaubt, dass ABS das Fahren sicherer macht. Also: Vielleicht doch mal ausprobieren, bevor man sich aufs Bremsen verlässt. Mehr Hintergründe dazu findet ihr im Artikel „Bosch ABS Pro im Check“.
Operation am E-MTB-Herzen: Motoren
Bosch führt das Feld so souverän an, dass man fast applaudieren möchte: 50,5 % in GSA, 37,1 % international. Dahinter: Shimano, Brose, Specialized, Yamaha. Die alte Garde bleibt also stark. Doch Achtung: Avinox (DJI) rollt von hinten an, und wer die Szene kennt, weiß, wie schnell Newcomer etablierte Helden alt aussehen lassen können.
„Die Kunden wollen doch eh nur Power!“, – dieser Satz fällt in der Branche momentan sehr gern, wenn’s um die immer stärkeren Motoren geht. Doch unsere Daten zeigen: Das ist ein bequemer Mythos. Die Mehrheit wünscht sich keine Watt-Monster, sondern Motoren mit Charakter – leise, effizient, zuverlässig. Verlässlichkeit bleibt das wichtigste Kriterium, dicht gefolgt vom natürlichen Fahrgefühl. Erst danach kommt Drehmoment.
Übrigens bestätigen sogar die Fans des neuen Avinox-Antriebs, der in puncto Leistung die Speerspitze der aktuellen Full-Power-Motoren darstellt, diesen Trend: Sie stehen auf Power – aber mit Gefühl. Ihr Topkriterium ist hohes Drehmoment, klar. Aber direkt dahinter folgen Fahrgefühl, geringe Geräuschentwicklung und Effizienz – also Dinge, die Power zähmbar machen. Von blindem Leistungsrausch ist keine Spur.
Die Nachfrage nach Power ist real – aber nicht isoliert: Sie wird getragen von der Erwartung, dass neue Motoren gleichzeitig leiser, effizienter und intuitiver werden. Die Industrie kann sich also nicht ständig hinter der Ausrede „Die Kunden wollen halt Power“, verstecken. Die Szene will Intelligenz statt Muskelprotz, Feinabstimmung statt Faustkeil. Wer lautlos, harmonisch und zuverlässig liefert, gewinnt die Herzen.
Welche E-MTBs machen euch schwach?
Aktuelle Bike-Brands
CUBE regiert in GSA (18,9 %), international holt Specialized (26,2 %) den Thron. Klingt nach Kontinuität, aber wer genauer hinschaut, erkennt Bewegung im Markt.
Welche Features wären am nächsten Bike „nice to have“?
Ganz oben: Bike-Tracking (41,6 % / 51,1 %). Direkt danach Diebstahlschutz, Navigation, Beleuchtung und ja, USB-C schon wieder. Offenbar liebt ihr Kabel mehr als gedacht. Hauptsache, alles funktioniert, bevor ihr das erste Mal in den Wald rollt.
Welche Bike-Brand würdet ihr als nächstes kaufen?
Auf der Wunschliste stehen erneut Specialized, CUBE, Haibike – und Amflow, der Newcomer mit Avinox-Motor (DJI), schiebt sich aus oben genannten Gründen gar nicht mal so überraschend weit nach vorn.
Fazit: Reif, kritisch und trotzdem heiß auf Neues
Wer einmal Akku gerochen hat, kommt vom E-MTB-Leben nicht mehr los. Die Szene ist jedenfalls erwachsen geworden. Ihr wisst, was ihr wollt, hinterfragt Hypes und bleibt trotzdem neugierig. Bosch bleibt der Boss, aber Namen wie Avinox, Pinion MGU oder Amflow klopfen laut an die Tür.
Words: Jonny Grapentin Photos: Julian Lemme



