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So macht ihr euer E-Mountainbike leiser

Ist euer E-MTB eine Bedrohung für die Menschheit? Verstecken sich Tiere und Pflanzen, sobald ihr euch nähert? Sagt Klapper- und Quietschgeräuschen „Auf Nimmerwiedersehen!“ und macht euer Bike leiser mit unseren Top-Tipps.

„In der Ruhe liegt die Kraft“, heißt es. Nichts ist nerviger, als wenn unsere Geräte merkwürdige Geräusche von sich geben – etwa das Knarren vom Armaturenbrett eures Autos oder das Quietschen am Schaltwerk eures E-MTBs. Auf die Dauer können diese eigentlich recht leisen Geräusche in eurem Kopf die Lautstärke einer Kettensäge entwickeln. Moderne E-Mountainbikes sind relativ simple Maschinen und abgesehen vom sanften Surren des Motors sollten sie quasi lautlos sein. Mit unserem Guide könnt ihr euer Rad leiser machen und die Ruhe genießen.

Wenn euer E-Mountainbike knarzt, klappert und quitscht, wird es Zeit dem Lärm an den Kragen zu gehen

Schluss mit klappernden Zügen

Dank Bremsen, Schaltung und Motor-Fernbedienung finden sich an eurem E-MTB jede Menge Züge. Wenn daraus ein unkontrollierter Kabelsalat wird, schlagen sie aneinander und das nervt. Doch das Problem ist leicht zu beheben: Befestigt lose Züge mit Isolierband oder Kabelbindern an den anderen und schon habt ihr alles unter Kontrolle. Prüft aber danach auf jeden Fall, ob ihr die Beweglichkeit eures Lenkers nicht versehentlich eingeschränkt habt.

Wenn eure Züge klappern könnt ihr sie mit Isolierband oder Kabelbindern verbinden

Schützt euren Rahmen an den Stellen, wo die Züge scheuern

Euch nervt das lästige „tock tock tock“, wenn Züge gegen den Rahmen schlagen? Ihr werdet es los, indem ihr an den entsprechenden Stellen Rahmenschutzfolie aufklebt. Das stoppt nicht nur den Krach, sondern schützt auch die Lackierung eures Rahmens vor Kratzern. Rahmenschutz könnt ihr in jedem gut sortierten Bike-Laden kaufen. Folgt den Zügen am Bike entlang und sucht die Stellen, wo sie gegen den Rahmen schlagen können. Dann verseht diese Stellen mit den Rahmenschutzaufklebern.

Wenn es Kontakpunkte zwischen Kabel oder Kette und eurem Rahmen gibt, sollet ihr den Rahmen unbedingt schützen

Good bye, Kettenschlagen!

Wenn ihr euch euren Rahmen anschaut, seht ihr, wie nah die Kette an den Kettenstreben verläuft. Auf unebenem Untergrund bewegt sich die Kette hin und her und schlägt gegen den Rahmen, was Lärm macht und den Lack beschädigt. Die meisten Bikes haben einen verstärkten Plastikschutz, der als Puffer dient, aber die Kette kann auch auf andere Stellen treffen. Ihr könnt euch einen Rahmenschutz kaufen oder ihr macht es wie die Profis und verwendet Scotch Mastic 2228-Klebeband als Polster.

Scotch Mastic 2228-Klebeband ist der Profi-Trick bei Kettenschlag

Checkt eure Schrauben

Hebt euer E-Mountainbike ein paar Zentimeter vom Boden hoch und lasst es fallen – hört ihr was? Ein metallisches Geräusch oder Rasseln? Dann ist relativ wahrscheinlich, dass irgendwas lose ist. Fangt beim Lenker an und checkt euer Bike durch: Erst die Vorderachse runter, dann nach hinten zum Sattel, runter zum Motor und schließlich die Hinterachse. Prüft bei jeder Schraube, ob sie richtig angezogen ist und kein unnötiges Spiel hat. Wackelt seitlich an den Rädern, der Kurbel und dem Hinterbau, alles sollte steif sein und nur minimal Spiel haben. Wenn ihr das Gefühl habt, es stimmt was nicht, geht zu eurem Bikeshop vor Ort und lasst euch helfen.

Überprüft ob alle Schrauben ordentlich angezogen sind, verwendet einen Drehmomentschlüssel wenn ihr unsicher seit

Prüft, ob Speichen locker sind

Angesichts der Extra-Power und des zusätzlichen Gewichts, das ein E-Mountainbike so mit sich bringt, müssen die guten alten Laufräder mehr ackern als je zuvor. Wenn ihr beim Fahren dieses Klimpern oder Rasseln hört, besonders in den Kurven, ist es höchste Zeit, die Speichenspannung zu überprüfen. Der Laufradbau ist für viele eine obskure Geheimwissenschaft, doch eine lockere Speiche zu diagnostizieren ist wirklich einfach: Beginnt beim Ventil und drückt jede Speiche gegen die nächste, und ihr werdet sofort merken, wenn eine locker ist. Wenn ihr eine findet und euch nicht wohl ist bei dem Gedanken, sie selbst zu zentrieren, dann ab in den nächsten Bikeshop.

Lockere Speichen werden in jeder Kurve Geräusche machen, überprüft ob die Spannung gleichmäßig ist

Probleme mit der Kette?

Sollte eure Kette umherpeitschen wie eine wild gewordene Schlange, dann habt ihr vielleicht ein Problem mit dem Schaltwerk. Prüft als Erstes, ob die Befestigungsschraube (also die Schraube, mit der das Schaltwerk am Bike befestigt ist) richtig angezogen ist. Dann überprüft, ob die Dämpfung richtig funktioniert; schiebt den Käfig Richtung Front, er sollte sich bewegen lassen, aber etwas schwergängiger sein als ohne Dämpfung. Wenn er ganz leicht schwingt, ist möglicherweise die Dämpfung kaputt oder nicht richtig aktiviert. Schließlich schaltet ihr vorne und hinten auf das kleinste Ritzel – wenn die Kette dabei lose runterhängt, ist sie zu lang und macht Krach beim Fahren. Wenn ihr nach all dem immer noch Probleme mit der Kette habt, kann euch eine Kettenführung zum Nachrüsten helfen.

Wenn ihr Probleme beim Schalten habt überprüft als erstes die Schraube am Schaltwerk

Gut geölt ist halb gewonnen

Die werksseitige Schmierung eures Bikes wird nach und nach vom Regen und beim Waschen weggespült, und wenn die beweglichen Teile trocken sind, beginnen sie zu korrodieren. Um das zu vermeiden, solltet ihr unbedingt darauf achten, in regelmäßigen Abständen zu schmieren. Jedes Mal, wenn ihr euer Bike wascht, solltet ihr danach die Kette vorsichtig säubern (ein wenig Seifenwasser reicht völlig aus) und ein hochwertiges Kettenschmiermittel auftragen. Viele Hersteller von Bike-Reinigungsmitteln bieten auch Schutzsprays an, die das Wasser abweisen und die Oberflächen schmieren. Seid aber vorsichtig, dass davon nichts auf die Bremsscheiben gelangt, denn es ruiniert die Beläge.

Gute Schmierung ist der Schlüssel zum Erfolg, lasst euer Bike niemals trocken laufen

Lasst eure Bremsen nicht zu Spaßbremsen werden

Testet eure Bremsen wie folgt: Hebt (während ihr nicht auf dem Bike sitzt) ein Laufrad nach dem anderen an und dreht es schnell. Wenn ihr ein reibendes Geräusch hört oder wenn das Rad schnell wieder zum Stillstand kommt, dann schleifen eure Bremsbeläge und der Bremssattel muss neu eingestellt werden. Löst hierzu die zwei Schrauben, mit denen der Bremssattel am Bike befestigt ist, ein klein wenig – nur so, dass der Bremssattel ein bisschen locker ist. Zieht dann fest am jeweiligen Bremshebel, um den Bremssattel richtig zu platzieren, und zieht die Schrauben wieder an. Dreht das Laufrad wieder und prüft, ob der Bremssattel nun richtig zentriert ist. Wenn das Problem weiter besteht, geht zum Bike-Laden eures Vertrauens.

Überprüft eure Bremsen, die Bremssättel sollten mittig positioniert sein und nicht schleifen

Trockene Flächen quietschen

Wo immer zwei trockene Metallflächen aufeinandertreffen, fangen sie an zu quietschen und zu ächzen. Das kann nicht nur beim Tretlager der Fall sein, sondern auch bei absenkbaren Sattelstützen, den Pedalachsen, Lenkern und Vorbauten und sehr häufig an den Sattelstreben. Wenn auch euer Bike unter nervigem Quietschen leidet, findet den betroffenen Bereich, entfernt das entsprechende Teil, säubert die Oberflächen, die Kontakt haben, tragt eine ganz dünne Schicht Montagefett auf, und schon fahrt ihr quietsch- und knarzfrei!

Das war’s! Wenn ihr alle diese Tipps umgesetzt habt, sollte euer E-Mountainbike ein mustergültiges Beispiel für leise, effiziente Fortbewegung sein. Wir freuen uns, euch auf den Trails zu sehen – und nicht zu hören!


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Text & Fotos: Trev Worsey

Über den Autor

Trev Worsey

Trevor liebt Whisky, das Biken und alles dazwischen. Er wurde zwar in England geboren, fühlt sich aber als waschechter Schotte. Dementsprechend ist er nicht nur schlechtes Wetter gewöhnt, sondern ist auch ein echter Spezialist, wenn es um steile und anspruchsvolle Trails geht. Mit über 40 muss er sich eigentlich nichts mehr beweisen, kann jedoch trotzdem mit vielen jungen Wilden mithalten. Damit das nicht allzu sehr überhandnimmt, steht „Think about Brook“ auf seinem Oberrohr. Sein Sohn Brook wurde von Anfang an mit dem Bike-Virus infiziert. Gemeinsam mit seiner jungen Familie und den zwei Hunden sieht man Trevor fast ausschließlich draußen, sei es beim Biken, Graveln, Wandern, Surfen oder Kanu fahren – egal bei welchem Wetter. Ein echter Schotte eben.