Ein E-Mountainbike ist wie ein Paar Schuhe: Wenn es nicht passt, dann drückt es, schränkt ein und man hat gar keine Lust zu gehen. Dabei kommt es nicht nur auf die Größe und den Sitz an, sondern auch auf den Einsatzbereich. Wer würde auf die Idee kommen, mit High-Heels durch den Wald zu joggen oder mit Bergstiefeln eine Gala-Party zu crashen? Diese 13 Fragen solltet ihr vor dem Kauf eines E-Mountainbikes beantworten können.

Wofür möchtest du das E-Mountainbike hauptsächlich nutzen?

Der große Vorteil von E-Mountainbikes ist ihre Vielseitigkeit. Dank des kraftvollen Motors spielt das Thema Effizienz im Vergleich zu Rädern ohne Elektro-Unterstützung eine deutlich geringere Rolle. Selbst Räder mit schweren Reifen und viel Federweg meistern steile Anstiege problemlos. Dennoch sollte dir klar sein, wofür und wie du dein E-Mountainbike hauptsächlich nutzen möchtest. Große Unterschiede gibt es bei der Usability, Sitzposition, dem Fahrkomfort und der Alltagstauglichkeit; ebenso bei der Akkukapazität bzw. Reichweite und dem Gewicht.

So komfortabel wie ein Hollandrad, so sicher wie ein SUV

Du willst mit deinem E-Mountainbike zur Arbeit commuten, deine Einkäufe transportieren und Ausflüge in die Natur auf befestigten Wegen unternehmen? Du bist auch mal bei schlechtem Wetter unterwegs? Dann brauchst du ein wartungsarmes, robustes E-Mountainbike mit einer alltagstauglichen Ausstattung. Ein Hardtail, sprich ein Bike ohne Federung am Heck, aber mit Federgabel an der Front, eignet sich am besten. Clevere Optionen für Schutzbleche, Gepäckträger und Lichtanlage sind wichtig.

Biergarten oder Adrenalin? Schotterstraßen, Singletrails oder Alpencross?

Du möchtest mit dem E-Mountainbike vor allem Touren in die Natur unternehmen? Egal ob Schotterstraßen oder schmale Singletrails? Du willst ein tolles Outdoor-Erlebnis, neue Orte entdecken und für alle Eventualitäten gerüstet sein? Dann brauchst du ein voll geländetaugliches E-Mountainbike mit funktionalen, robusten, sicheren Komponenten und natürlich einem erstklassigen Handling. Je nachdem, ob du lange Tagestouren oder nur kurze Feierabendrunden fahren möchtest, ist die Akkukapazität auch wichtig. Worauf es im Detail zu achten gilt, erklärt unser großer Vergleichstest.

Bikepark oder Marathon? Zwei spannende E-Mountainbike-Alternativen für Biker, die das Extreme suchen.

Eine starke Motorunterstützung steht nicht auf deiner Prioritätenliste, dafür aber ein geringes Gewicht? Das FOCUS Raven² steht für eine neue Gattung von sehr leichten E-Mountainbikes, die eher Ausdauersportler als Adrenalin-Junkies anspricht.

Du hast keinen Bock mehr auf lange Liftschlangen im Bikepark oder möchtest die wahre Bedeutung von „Freeride“ erfahren? E-Mountainbikes können als Ersatz für Shuttles oder Lifte in Bikeparks dienen. Wenn du bereit bist, Abstriche bei der Bergauf-Performance in Kauf zu nehmen, sind Räder ab 180 mm Federweg für dich besonders spannend. Tests hierzu findest du auf unserer E-Mountainbike Test-Übersicht.

Wie viel Geld muss ich für ein gutes E-Mountainbike ausgeben?

Qualität hat ihren Preis – die einzige Ausnahme ist unser kostenloses App-Magazin. Für ein gutes Rad sollte man mindestens 4.000 € einkalkulieren. Wer an der falschen Stelle spart, zahlt oft drauf, da günstige Komponenten häufig schnell verschleißen oder kaputtgehen und dann ersetzt werden müssen. Gute Orientierung gibt unser Vergleichstest.

Fully oder Hardtail?

Es gibt eigentlich keinen Grund, ein Hardtail zu fahren. Es sei denn, man ist ohnehin nur auf gut befestigten Wegen oder in der Stadt unterwegs. Im Geländeeinsatz spricht einzig der günstigere Kaufpreis fürs Hardtail. In Sachen Komfort, Sicherheit, Traktion und Vielseitigkeit sind Fullys unschlagbar. Interessanterweise haben Bikes mit weniger Federweg keine größere Reichweite und fahren sich auch nicht besser bergauf – stimmt die Geometrie, hat man mit einem Bike mit mehr als 130 mm Federweg am meisten Spaß und im Uphill gar mehr Traktion. Und dabei ist es egal, ob man das Bike als SUV im Stadtdschungel oder im alpinen Bikepark einsetzt. Die klassischen Mountainbike-Kategorien zählen bei E-Mountainbikes nicht mehr. Bei E-Mountainbikes gilt: The bigger the better!

Welcher Motor ist der beste?

Für viele ist der Motor noch immer das Herzstück eines jeden E-Bikes – doch das stimmt nicht. Entscheidend für den Fahrspaß, den Komfort und die Sicherheit ist und bleibt das Gesamtkonzept des Bikes. Dennoch gibt es große Unterschiede bei den Modellen, eine Übersicht der verschiedenen Antriebe und ihrer Stärken und Schwächen findet ihr in unserem Motorenvergleichstest.

Welche Akku-Lösung ist die richtige für mich?

Vor dem Kauf sollte man sich klar darüber werden, wo man das Rad laden kann. Wenn sich in der Nähe seines zukünftigen Abstellplatzes keine Steckdose befindet, muss sich der Akku aus dem Rad entnehmen lassen. Manche Bikes haben einen fest integrierten Akku und fallen somit durchs Raster. Ein weiterer Vorteil herausnehmbarer Akkus: Muss man das Rad Treppen hinauftragen oder will es auch manchmal mit dem Auto transportieren, fällt das deutlich leichter.

Wie viel Akkukapazität benötige ich?

Aktuelle E-Mountainbikes haben eine Akkukapazität zwischen 250 und 1.000 Wh. Möchtest du kurze Feierabendrunden oder eher lange Tagestouren unternehmen? Die benötigte Kapazität hängt einerseits von der Länge und den Höhenmetern der Tour ab, andererseits von Unterstützungsstufe, Fahrergewicht und vielen weiteren Faktoren. Dementsprechend ist es nicht möglich, eine allgemeingültige Aussage über die Akkureichweite eines Bikes zu treffen. Herstellerangaben zur Reichweite oder die Labortests anderer Magazine sind mit großer Vorsicht zu genießen, da sie stark von der Realität abweichen können.

Grober Richtwert: Bei einem Fahrergewicht von 80 kg reicht ein 500-Wh-Akku für Mittelgebirgstouren auf Schotter- und Waldwegen im Tour-Modus für rund 40 km, im Turbo-Modus für gerade einmal 30 km. Bei Flachlandtouren mit vereinzelten Anstiegen schafft man 50 km im Tour-Modus. Das Team von Bosch bietet auf seiner Website einen sehr guten Reichweitenrechner, in dem man individuell viele Parameter einstellen kann und gute Anhaltspunkte erlangt. Wichtig ist: Wer weiter und länger fahren und einen Zweitakku im Rucksack mitführen will, sollte am besten zu einem Rad mit externem Akku greifen. Die Standardakkus sind kompakter und lassen sich besser verstauen. Einige Hersteller wie BULLS, Haibike, FOCUS und Riese & Müller bieten mittlerweile auch Räder an, bei denen sich ein Zusatzakku im oder am Rahmen befestigen lässt. Sie besitzen dann addiert eine Akkukapazität von 750–1.000 Wh.

Welche Laufrad- und Reifengröße soll ich wählen?

Bei E-Mountainbikes fürs Gelände hat sich 27.5+ als Standard etabliert: breit dimensionierte Laufräder, auf denen Reifenbreiten von 2,5 bis 3,0” montiert sind. Das zeigt auch unser Vergleichstest, bei dem alle Bikes über mindestens 2,5” breite Reifen verfügen. Für besonders große Fahrer sind 29”-Laufräder eine spannende Alternative. Allerdings sollten die Reifen dann auch mind. 2,4” breit sein. Einige Hersteller setzen neuerdings auch auf eine Kombination aus 29” am Vorderrad und 27.5+ am Heck – eine am E-Mountainbike sinnvolle Kombination aus präzisem Handling und hohem Grip, die in Zukunft sicher öfter zu sehen sein wird.

Auch für Trekking-Bikes bzw. E-Mountainbikes, die v. a. auf befestigten Wegen und Schotterstraßen zum Einsatz kommen, sind breite Reifen von Vorteil. Sie bieten mehr Grip, Komfort und Bremstraktion. Wir empfehlen mind. 2,1” breite Reifen für Trekkingbikes. Klassische schmale Trekking-Reifen sind gefährlich und deplatziert!

Alu- oder Carbonrahmen – was ist besser und sicherer?

Das Rahmenmaterial ist in erster Linie eine Frage des eigenen Budgets. Bisher sind Carbon-E-Mountainbikes im Schnitt über 1.000 € teurer als vergleichbare Alu-Modelle. Die Vorteile, die ein Carbonrahmen in Bezug auf die Fahrperformance bietet, sind eher gering. Ein guter Carbonrahmen kann ca. 500–600 g Gewicht sparen und steifer sein; das Gewicht ist bei E-Mountainbikes aber nicht so wichtig wie bei herkömmlichen Rädern. Außerdem gibt Carbon den Herstellern mehr Freiheiten im Rahmendesign und ermöglicht eine schönere, integrierte Formsprache. Nicht zu vergessen ist der Bling-Bling-Effekt bei vielen Carbonbikes. Die Kaufentscheidung für ein Carbon-E-Mountainbike ist daher aktuell vor allem eine emotionale.

Wie viele Gänge braucht ein E-Mountainbike?

Die Zeiten, in denen Mountainbikes 27 oder gar 30 Gänge hatten, sind längst vorbei. Moderne Räder mit und ohne Elektro-Unterstützung haben nur noch ein Kettenblatt in Front und setzen auf Schaltungen mit 8 bis 12 Gängen, die eine ähnliche Bandbreite abdecken, besser schalten und weniger fehleranfällig sind. Ist die Bandbreite der Kassette zu gering, fehlt an steilen Anstiegen ein leichter Klettergang.

Neu oder gebraucht?

Die Entscheidung hängt vom Einzelfall ab. Generell sind E-Mountainbikes aufgrund des erhöhten Eigengewichts und der Motorkraft deutlich höheren Belastungen ausgesetzt. Erfahrungsgemäß kommt es beim Antrieb, der Bremse und den Reifen deshalb zu hohem Verschleiß. Nach weniger als 700 km muss häufig bereits die Kette gewechselt werden, je nach Ausstattung der Bikes sind auch deutlich mehr Teile betroffen. Dennoch: Bei lupenreiner Service-Historie und einem jungen Alter des Bikes kann man gebraucht durchaus Schnäppchen finden. Achtet vor allem auf den Verkäufer, sein Know-how und darauf, welcher Fahrertyp er ist! Viele E-Mountainbikes werden ausschließlich auf der Straße oder auf sanften Schotterstraßen bewegt, wodurch sich der Verschleiß in Grenzen hält. Hier haben wir noch mehr Tipps zum Kauf eines gebrauchten E-Mountainbikes.

Wo sollte ich mein neues E-Mountainbike kaufen?

Die Frage sollte in diesem Fall eher heißen: Wo finde ich den besten Service?
Ein guter Bikehändler ist nicht automatisch ein guter E-Bike-Händler.
Der Händler des Vertrauens sollte E-Bike-spezifisches Know-how besitzen, beim Kauf eine individuelle Bike-Abstimmung und bei zukünftigen etwaigen Problemen einen guten Service bieten. Wer ein Schnäppchen in einem Ramschladen macht, verliert mittelfristig unter Umständen viel Geld durch teure Reparaturen oder sogar den Spaß an der Sache, weil das Bike nicht richtig eingestellt ist. Ein guter Händler sollte sich nicht nur um Wartungsarbeiten kümmern, sondern seine Kunden auch über die Software-Updates des Antriebs auf dem Laufenden halten. Die besten Fachhändler Deutschlands zeichnen wir mit dem Top100-Siegel aus.

Kann ich mein E-Mountainbike auch online kaufen?

Immer mehr Hersteller liefern E-Mountainbikes auch direkt bis an die eigene Haustür. Doch während einige die Räder verpackt in Kartons ausliefern und die letzten Handgriffe wie das Einstellen der Federelemente oder die Justage der Kontaktpunkte dem Kunden überlassen, bringen andere die Bikes persönlich vorbei bzw. nutzen lokale Servicepartner. Hier lohnt es sich auf jeden Fall, sich vorher ausführlich zu informieren. Tipp: E-Mountainbikes lassen sich auch über den Arbeitgeber als Dienstrad leasen – so kann man einiges an Steuern sparen.

Was ist das beste E-Mountainbike? Was die sinnvollste Ausstattung?

Dieser Punkt ist uns besonders wichtig: Vertraut auf unsere Testberichte, das ist der einfachste Weg zu einem guten Bike. Versprochen. Unsere Vergleichstests gelten branchenweit als die umfassendsten und ehrlichsten Testberichte – und wir nehmen auch bei den größten Anzeigenkunden kein Blatt vor den Mund. Denn wir wissen, dass Glaubwürdigkeit, Ehrlichkeit und Transparenz unsere wichtigsten Werte als Magazin sind. Würden wir das aufs Spiel setzen, würden wir nicht nur unsere Daseinsberechtigung verlieren, sondern auch euch unglücklich machen. Und das wäre verdammt schade, weil E-Mountainbiken einfach geil ist! Wenn ihr euch auch in anderen Magazinen zu eurer Kaufentscheidung erkundigt, lest also bitte zwischen den Zeilen und fragt euch, warum gewisse Punkte eventuell NICHT erwähnt werden. Was unsere Arbeit angeht: Auch wir sind nicht komplett unabhängig und fehlerfrei, aber wir sind definitiv ehrlich!

Ein allerletzter Tipp: Ein Bike zu kaufen ist nicht genug!

Keine Sorge, wir wollen euch kein zweites Bike aufschwatzen. Aber wir wollen euch die richtige Ausrüstung empfehlen: Dazu gehören außer einem ordentlichen Helm, einer Sportbrille, einem Rucksack und einem zeitgemäßen Outfit (denkt an die Gesundheit eurer Mitmenschen, Stichwort: Augenkrebs) auch die richtigen Pedale mit passenden Schuhen. Wer Klickpedale fahren möchte, sollte bereits Erfahrung mitbringen. Schließlich ist der „Scheiße-ich-komm-nicht-mehr-aus-dem-Pedal-raus“-Moment mit dem schweren E-Mountainbike noch, ja – beschissener. Wer mit dem Rad zur Arbeit fährt oder dort fährt, wo viele Fußgänger unterwegs sind, sollte zudem in Accessoires wie gute Lichter, Schutzbleche und eine dezente Klingel investieren – ja, es gibt auch schöne Klingeln!

In diesem Sinne: happy riding!


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Text: Christoph Bayer Fotos: Christoph Bayer, Valentin Rühl, Robin Schmitt