Was ist denn jetzt los? Plötzlich ist die Unterstützung des Motors weg, die Schweißperlen treten auf die Stirn und das Display zeigt einen rätselhaften Fehlercode. Was will uns das E-Mountainbike in diesem Moment sagen und was muss man tun, damit die Tour doch noch gerettet werden kann?

Wer regelmäßig im Internet surft, kennt das Bild: „Fehler 404 – Seite nicht gefunden.“ Auch unsere E-Mountainbikes besitzen Fehlercodes, die sie immer dann anzeigen, wenn irgendetwas im System nicht ganz rund läuft. Diese Fehler können z.B. auftreten, wenn ein Sensor sich nicht ordnungsgemäß kalibrieren konnte, wenn eine Steckverbindung unterbrochen ist oder wenn etwas mit der Software nicht stimmt. Bevor wir jetzt gleich tiefer in die Fehlercodes der einzelnen Systeme einsteigen, verraten wir euch noch einige generelle Tipps, wie sich so manche Probleme im Handumdrehen lösen lassen:

  • Schaltet das Bike einmal komplett aus und nach ca. 10-20 Sekunden wieder an. Wie beim PC bewirkt ein Neustart manchmal schon Wunder.
  • Checkt den Akku: Ist er korrekt eingerastet und ausreichend geladen?
  • Sind alle Kontakte intakt? Checkt, ob das Display richtig eingerastet ist und überprüft die für euch zugänglichen Steckverbindungen.
  • Ist der Speichenmagnet verdreht oder verloren gegangen? Fehlt der Magnet, kann der Antrieb die Geschwindigkeit nicht richtig ermitteln und geht in ein Notlaufprogramm oder gibt gar keine Unterstützung mehr.

Sollten diese einfachen Maßnahmen nicht ausreichen, dann hilft eine Fehlercode-Analyse. Im Anschluss zeigen wir euch die verbreitetsten Fehlercodes und ihre Lösung.


Bosch

Der Bosch Performance CX ist der am weitesten verbreitete E-Mountainbike-Antrieb auf dem Markt. Die umfangreiche Bedienungsanleitung des eBike-Systems von Bosch listet 40 verschiedene Fehlercodes mit ihren Ursachen und möglichen Abhilfen auf. Wir haben Norbert Löns, Online Marketing Manager der Robert Bosch GmbH, zu den am häufigsten auftretenden Fehleranzeigen im Bordcomputer befragt. Glücklicherweise treten laut Norbert in der Praxis nur sehr selten vereinzelte Fehlermeldungen auf.

Fehlercode Ursache Abhilfe
430 interner Akku des Bordcomputers leer Den Bordcomputer wieder aufladen. In der Lenkerhalterung könnt ihr euren Bordcomputer über den eBike-Akku aufladen, oder ihr stöpselt ein Handy-Ladegerät in den USB-Anschluss des Bordcomputers.
431 Software-Versionsfehler Das System hat eine veraltete oder inkompatible Software-Version gefunden. Euer Bosch eBike-Händler kann mit dem DiagnosticTool die Software aktualisieren. Dazu benutzt er den Online-Zugang zum Bosch eBike-Server, um die korrekten Software-Dateien zu erhalten.
503 Fehler des Geschwindigkeitssensors Überprüft den Sitz des Speichenmagneten (optimal sind 8 bis 14 mm Abstand, parallel zur Strichmarkierung auf dem Sensor). Startet ggf. das System neu. Falls das Problem weiterhin besteht, kontaktiert euren Bosch eBike-Händler.
7xx Getriebefehler Ein Getriebefehler ist ein Problem mit eShift. Die Schaltung ist nicht richtig konfiguriert, deshalb arbeiten die Schaltung und das Bosch-Antriebssystem evtl. nicht richtig zusammen. Das Bosch-System zeigt den Fehler an, die Einstellung oder Korrektur muss an der jeweiligen Schaltung vorgenommen werden. Bitte beachtet die Betriebsanleitung eures Schaltungsherstellers.

Brose

Brose-Motoren werden in den E-Mountainbikes von Specialized, ROTWILD, FANTIC, BULLS und einigen anderen Herstellern verwendet. Brose bietet jedoch bislang im Gegensatz zu seinen Mitbewerbern Bosch und Shimano keine komplette Systemlösung aus Antrieb und Akku an, wodurch es keine einheitliche Fehlerdiagnose gibt. Jeder Hersteller verwendet individuelle Lösungen für Akku, Software, Bedieneinheit und Display, so Volkmar Rollenbeck, Product Manager e-Bike bei Brose.

Brose/Specialized

Bei den Levo-und Kenevo-Modellen vertraut Specialized auf den Brose-Motor und hat hierfür eine eigene Software entwickelt, die über die Mission Control-App konfiguriert werden kann. Da Specialized auf ein Display verzichtet, werden Systemfehler über das Blinken dreier roter LEDs an der Batterie angezeigt.
Blinken die drei roten LEDs, sollte man das Bike mit der Mission Control-App verbinden. Das rät Dominik Geyer, Global Business & Marketing-Manager für die Specialized Turbo-Modelle.
Dem Bedienfeld „Diagnose“ kann man dann die Details entnehmen und entsprechend agieren. Man kann außerdem mit einem Klick ein Diagnoseprotokoll erstellen lassen, das per Email direkt aus der App an den Händler des Vertrauens gesendet werden kann.
Eine der Achillessehnen des E-Mountainbike-Systems ist der Speichenmagnet bzw. sein korrekter Abstand zum Geschwindigkeitssensor. Diese häufig auftretende Fehlerquelle hat das Team von Specialized mittlerweile erfolgreich minimiert, indem es den SpeedSensor auf der Bremsscheibe angebracht hat.

Brose/ROTWILD

Bei E-Mountainbikes von ROTWILD ist die häufigste Fehlerquelle ein verdrehter Speichenmagnet. Das erklärt Stephan Koch, einer der Außendienst-Mitarbeiter. Außerdem können Steckkupplungen am Display durch Stürze o. Ä. herausgerissen werden. Sollte sich das Rad tot stellen, lohnt es, die Kupplungen einmal kurz zu überprüfen, bevor man zur weiteren Diagnose einen Fachhändler kontaktiert.

Panasonic

Der Schweizer E-Bike-Pionier FLYER setzt beim Antrieb als einer der wenigen Hersteller auf Panasonic. Wir haben Anja Knaus, Leiterin der Unternehmenskommunikation, zu den am häufigsten auftretenden Fehlermeldungen bei diesem Antrieb befragt.

Fehlercode Ursache Abhilfe
6833 Kommunikationsfehler Akku Prüft, ob die Akku-Anschlüsse verschmutzt sind und startet dann das System neu.
3318 Verbindungsfehler Remote Prüft die Anschlüsse und Verbindungen zur Remote.
351B RTC-Batterie leer Überprüft, ob die Uhrzeit korrekt eingestellt wurde, und startet das System neu. Falls der Fehler bestehen bleibt, kontaktiert euren FLYER-Händler.

Shimano

Der Shimano STEPS E8000-Motor ist nach dem Bosch-Performance CX der verbreitetste Antrieb auf dem Markt. Bei Paul Lange, dem deutschen Generalvertreter von Shimano, haben wir nach den häufigsten Fehlercodes dieses Antriebs gefragt. Michael Wild, Leiter Marketing/PR bei Paul Lange, nannte uns seine Top 3.

Fehlercode Ursache Betriebseinschränkung, wenn ein Fehler angezeigt wird Abhilfe
W013 Drehmomentsensor wurde möglicherweise nicht erfolgreich initialisiert Möglicherweise ist die Tretunterstützung geringer als normal bzw. fällt ganz aus. Nehmt den Fuß vom Pedal, drückt den Ein-/Aus-Schalter des Akkus und schaltet das System wieder ein. Wichtig: keine Belastung des Pedals während des Ein- und Ausschaltvorgangs.
W011 Fahrgeschwindigkeit kann nicht festgestellt werden Die Höchstgeschwindigkeit, bis zu der die Tretunterstützung bereitgestellt wird, ist möglicherweise geringer als normal. Prüfen, ob der Geschwindigkeitsaufnehmer ordnungsgemäß eingebaut ist und der Speichenmagnet die richtige Position hat.Der Abstand vom Geschwindigkeitssensor (Markierung beachten) auf der Kettenstrebe zum Speichenmagnet sollte zwischen 3 und 17 mm betragen.
W010 Temperatur der Antriebseinheit ist höher als beim normalen Betrieb Möglicherweise ist die Tretunterstützung geringer als normal. Jetzt heißt es warten, bis die Temperatur der Antriebseinheit gesunken ist. Die Unterstützungsfunktion sollte solange nicht benutzt werden.

TQ Drives

Ein neuer alter Bekannter im Motorenmarkt ist der TQ HPR 120S. Der Antrieb wird bereits seit einiger Zeit bei M1-Bikes verbaut – allerdings nur in geringer Stückzahl. Nun setzt jedoch auch der Branchenprimus Haibike auf den Motor aus dem bayerischen Alpenvorland. Da das Akku-Motor-System jedoch noch nicht in Serie ist, können wir hier derzeit noch keine Fehlercodes aufführen.

Yamaha

Der japanische Hersteller Yamaha gilt als Pionier in der Welt der E-Bike-Antriebe und produziert bereits seit 1993 in Großserie. Giant stattet seine E-Mountainbikes schon seit 2013 mit einem Yamaha-Motor aus. Seit 2014 verwendet Haibike für seine E-Bikes nicht mehr nur Bosch-Motoren, sondern teilweise ebenfalls Antriebssysteme von Yamaha.
Bei Yamaha ist es ähnlich wie bei Brose, der Bike-Hersteller kann das E-Mountainbike mit eigenem Display, Akku etc. ausstatten. Da der Bike-Hersteller nicht das komplette Antriebssystem von Yamaha verwenden muss, gibt es bei E-Mountainbikes mit Yamaha-Motor auch keine einheitlichen Fehlercodes. Wir haben deshalb im Folgenden die verbreitetsten Kombinationen zusammengestellt.

Yamaha/Giant

Der Fehlercode bei den E-Mountainbikes von Giant wird über blinkende Akkuindikatoren auf dem Display angezeigt. Im Falle eines Fehlers blinken zunächst alle Akkuindikatoren dreimal auf. Anschließend blinkt ein Indikator weiter, während alle anderen aus sind. Der blinkende Indikator zeigt das Problem an. Marc Kessing, Bike Media Relations bei Giant Deutschland, sagte uns, dass bei den E-Mountainbikes von Giant Störungen und somit die Anzeige von Fehlercodes sehr selten vorkommen. Lässt sich ein Fehlercode nach seiner Anzeige nicht umgehend beheben, sollte das Bike zum Fachhändler gebracht werden. Er kann über eine Bluetooth-Verbindung zum Bike eine genaue Fehlerauslese vornehmen.

Bei den neuen Trance E+ und Stance E+ Modellen verzichtet Giant bewusst auf ein großes Display. Stattdessen kommt die neue RideControl ONE-Fernbedienung zum Einsatz. Mit der kompakten Remote-Steuerung lassen sich die Fahrmodi bequem per Daumendruck wählen. LEDs informieren über die Fahrstufe und den Ladezustand des Akkus. Eine gesonderte LED, die zwischen dem Ein-/Aus- und dem Lichtknopf sitzt, leuchtet bei Fehlern auf. Da das Display eine Bluetooth-Schnittstelle besitzt, können wir uns sehr gut vorstellen, dass hier auch in Kürze eine App angeboten wird, mit der Fehler ähnlich wie bei Specialized angezeigt werden.

Fehlercode Ursache Abhilfe
A1 Motoreinheit (Sensorik) Schaltet das System aus und nach ca. 20 Sekunden wieder ein.
A2 RideControl-Bedieneinheit Prüft die Steckverbindung und tauscht sie bei Bedarf aus.
A3 Bluetooth Schaltet das System aus und nach ca. 20 Sekunden wieder ein. Besteht das Problem fort, muss die RideControl-Bedieneinheit ausgetauscht werden.
Schaltet auf jeden Fall andere Bluetooth-Geräte in der Nähe aus, um einen Kopplungseffekt zu vermeiden.
A4 EnergyPak Ladet den Akku auf und ladet euch gegebenenfalls ein Software-Update runter.
A5 Geschwindigkeitssensor Prüft die Verkabelung und die Stellung des Speichenmagneten. Eventuell muss der Sensor getauscht werden.

Yamaha/Haibike

Auch Udo Gründonner, Serviceleiter bei der Winora Group, nennt als häufigsten Fehler den verdrehten Speichenmagneten am Hinterrad. Beim Yamaha PW-X macht er sich im Display folgendermaßen bemerkbar:

  • SPD SNSR
  • CHK MAGNET

Dechiffriert lautet die Anzeige: Speedsensor und Magneten checken

Zeigt das Display diese Fehlermeldung an, sollte der Speichenmagnet auf seine korrekte Position überprüft werden. Ist die Positionierung trotz der Anzeige in Ordnung, muss euer Händler die Verkabelung und Steckverbindung checken.
Der Motor unterstützt euch beim Fahren zwar weiterhin aufgrund der programmierten Übersetzungsverhältnisse, er zeigt aber nicht mehr die Geschwindigkeit an.

Udo betont, dass das Antriebssystem von Yamaha sehr störungsarm sei und Fehler im Motor selbst extrem selten auftreten. Beim Anzeigen der Fehlercodes 31 bis 37 im Display betrifft der Fehler den Drehmomentsensor. Die Fehlercodes 38 und 39 zeigen einen Fehler am Tretkurbelsensor an.

Fehlercode Ursache Abhilfe
SPD SNSR/CHK MAGNET Der Speichenmagnet am Hinterrad ist verdreht. Wie auf dem Display beschrieben, sollte der Speichenmagnet auf seine korrekte Position geprüft werden.Falls diese in Ordnung ist, sollte vom Händler die Verkabelung und Steckverbindung geprüft werden.
31/32 Kabeldefekt zwischen Drehmomentsensor und Controller / Kabeldefekt zwischen Spule und Leiterplatte (Wackelkontakt, Kabel gelöst) Wenn das System keine Fehler entdeckt, kann es in den Normalbetrieb zurückkehren, nachdem die Stromzufuhr aus- und wieder eingeschaltet wurde. Ansonsten muss der Drehmomentsensor bzw. der Controller ersetzt werden.
3337 anormale Ruhespannung bzw. anormale Spannung im Betrieb Wenn das System keine Fehler entdeckt, kann es in den Normalbetrieb zurückkehren, nachdem die Stromzufuhr aus- und wieder eingeschaltet wurde. Achtung: Wenn das System mehrmals den gleichen Fehler entdeckt, kann es nicht in den Normalbetrieb zurückkehren, selbst nachdem die Stromzufuhr aus- und wieder eingeschaltet wurde.
Dann:

  • 1. die Bezugsspannung des Drehmomentsensors einstellen
  • 2. den Drehmomentsensor ersetzen
  • 3. den Controller ersetzen
38 Drehmomentsensor oder Tretkurbelsensor defekt Den Drehmomentsensor, den Controller oder die Antriebswelle ersetzen.
39 Kurzschluss oder Tretkurbelsensor defekt Den Controller oder die Antriebswelle ersetzen.

Das waren die gängigsten Fehlercodes – sie zu kennen, kann schnell und effektiv Probleme lösen. Eine Übersicht über alle Codes findet ihr in der Bedienungsanleitung eures Bikes. Am besten fotografiert ihr sie mit dem Smartphone ab, dann habt ihr sie immer dabei. Denn nichts ist ärgerlicher als irgendwo im Nirgendwo zu stecken und nicht zu wissen, wie man die motorunterstützte Tour fortsetzen kann. Wenn sich der Fehler nicht einfach lösen lässt, hilft leider trotzdem nur ein Gang zum geschulten Fachhändler. Wir wünschen euch ungestörte, pannenfreie Fahrt!

Dieser Artikel ist aus E-MOUNTAINBIKE Ausgabe #014

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Text: Manne Schmitt Fotos: Diverse

Über den Autor

Manne Schmitt

Als Daddy von Robin und Max-Philip bin ich der Mann der ersten Stunde und die „graue Eminenz“ im E-MOUNTAINBIKE Redaktions-Team. Mein erstes Rad-Rennen gewann ich im Grundschulalter beim Schulfest. Nach weniger erfolgreichen Versuchen im Fussball, fand ich über den Ausdauersport (Marathon) im Jahr 1989 meine Passion beim Biken! Für E-MOUNTAINBIKE setze ich meine Spürnase für exklusive News und Produktneuheiten, speziell „weniger bekannter Hersteller“ ein. Denn interessante Stories gibt es auch fernab vom Mainstream. Als Social-Media-Experte (ja, trotz meines Alters) unterstütze ich die Kommunikation und Verbreitung der Inhalte in erheblichem Maße und freue mich jedes Mal darüber digital gewonnene Freunde auch in der Realität zu treffen!