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E-Bike-Anhänger – was gilt es zu beachten?

Ein E-Bike mit einem Anhänger zu verbinden, ist mehr als nur ein bequemer Schnelltransport. Es verbindet Nützliches, wie den Transport von Kindern, Hund oder Lasten, mit Nachhaltigkeit – das Auto kann getrost stehenbleiben. Wir haben ein Interview mit der Präsidentin des Anhänger-Herstellers Burley geführt und zeigen euch, was alles zu beachten ist.

Was ein Blick auf die Straßen bereits vermuten lässt, bestätigen regelmäßig offizielle Marktzahlen wie beispielsweise die des Zweirad-Industrie-Verbands (ZIV): E-Bikes erfreuen sich immer größerer Beliebtheit, der Absatz steigt rasant. Und auch Fahrradanhänger, für Kinder ebenso wie für Lasten, sind längst ein gewohntes Bild im Straßenverkehr. Es liegt also nahe, das Angenehme (Motorkraft und somit erhebliche Erleichterung beim Ziehen) mit dem Nützlichen (einfacher, sicherer und umweltschonender Transport von Kindern und Gepäck) zu verbinden.

Doch wer sein E-Bike zum Zugpferd macht, sollte beim Kauf und insbesondere vor und während der Fahrt einiges beachten. Sind Rad und Anhänger bzw. Trailer kompatibel? Welche Vorbereitungen sind nötig? Wie sieht es in punkto Fahrverhalten und Sicherheit aus? Antworten auf diese und weitere Fragen gibt Allison Coughlin, Firmenpräsidentin von Anhängerspezialist Burley, im Experteninterview.

Ein Blick auf die Straßen und offizielle Zahlen zeigen: Ein Fahrrad mit Elektroantrieb ist nicht mehr nur etwas für Senioren. Mittlerweile hat auch die jüngere Generation E-Bikes bzw. Pedelecs für sich entdeckt. Wie sehen Sie diesen Trend?

Allison Coughlin: Wir bei Burley sehen die wachsende Popularität von E-Mobilität beim Rad sehr positiv, denn die Nutzung von Anhängern wird mit einem E-Bike erheblich angenehmer. Ob Eltern, die ihre Kinder umweltschonend transportieren wollen oder sportlich Ambitionierte, die längere Touren mit viel Gepäck bewältigen – sie alle tun sich mit Elektroantrieb leichter, ganz unabhängig vom Alter.

Grundvoraussetzung ist natürlich, dass Rad und Anhänger kompatibel sind…

Allison Coughlin: … und, dass der Radhersteller das Ziehen eines Anhängers zulässt. Dies sollte man vor dem Kauf auf jeden Fall in Erfahrung bringen. Was die Kompatibilität betrifft: Wir bieten aktuell schon eine Reihe von speziellen Steckachsen in unterschiedlichen Größen an, welche die meisten am Markt erhältlichen E-Bike-Designs abdecken. Außerdem verfolgen wir natürlich die Trends für die Zukunft, um auch hier Lösungen parat zu haben.

Sicherheit und Handhabung spielen bei der Nutzung von Anhängern eine wichtige Rolle. Was ist bei einem E-Bike plus Anhänger zusätzlich zu beachten?

Allison Coughlin: Der Gesetzgeber in Deutschland sieht vor, dass Anhänger nur mit einem Pedelec bis 25 km/h Maximalgeschwindigkeit gezogen werden dürfen. S-Pedelecs sind also nicht dafür zugelassen. Beim Transport von Kindern gilt zusätzlich, dass der Fahrer mindestens 16 Jahre alt sein muss. Doch unabhängig von gesetzlichen Vorgaben sollte einem stets bewusst sein, dass mit einem E-Bike viel leichter höhere Geschwindigkeiten erreicht werden. Deswegen ist es wichtig, umsichtig und vorausschauend unterwegs zu sein, einen längeren Bremsweg einzukalkulieren und nur das Tempo zu fahren, mit dem man Bike und Anhänger zu jeder Zeit sicher handeln kann. Die von uns empfohlenen Geschwindigkeitsbegrenzungen beziehen wir ebenso auf die Nutzung eines E-Bikes: 24 km/h auf ebenen und geraden Straßen, 8 km/h in Kurven oder auf unbefestigten Wegen.

Welche Tipps haben Sie grundsätzlich für das Fahren mit Anhänger?

Allison Coughlin: Egal, ob herkömmliches Fahrrad oder E-Bike – ein Anhänger bedeutet zusätzliches Gewicht, wodurch das Rad anders und eventuell weniger schnell reagiert. Größere Steine, hohe Bordsteinkanten, scharfes Bremsen oder plötzliche Lenkbewegungen sollte man möglichst vermeiden. Darüber hinaus ist zu beachten, dass der Anhänger im Normalfall breiter ist als das Zugrad und dass er sich in Kurven um einen kleineren Radius dreht als der Radfahrer. Es muss also unbedingt genügend Abstand zu Hindernissen gehalten werden. Unser Tipp für Anhänger-Anfänger: Den Kinderanhänger vor der ersten Nutzung ohne Kinder, dafür aber mit Gepäck beladen und das Fahren sowie kritische Situationen wie das Passieren von Engstellen erst einmal in einem offenen und sicheren Terrain üben. Das kann z. B. auf einem leeren Parkplatz oder einem breiten Fahrradweg sein. So kann man sich in Ruhe an das ungewohnte Handling herantasten.

Für uns hat Sicherheit höchste Priorität. Wir haben deshalb auch eine Checkliste für das Fahren mit (Kinder-)Fahrradanhänger erstellt, die Interessierte gerne jederzeit einsehen können.

Monatlicher Sicherheitscheck – in der Übergangszeit häufiger:

  • alle Hardware-Teile wie Anhängerkupplung, Zugstange, Flex-Verbindung und Rahmen auf Schäden untersuchen
  • sicherstellen, dass die Bolzen festgezogen sind
  • Reifen auf Abnutzung und Risse checken
  • Räder hinsichtlich korrekter Auswuchtung und Schäden überprüfen
  • alle Stoffteile auf Risse, Abnutzung und fehlendes Material untersuchen

Vor jeder Fahrt sollten folgende Punkte beachtet bzw. überprüft werden:

  • korrekte Befestigung der Räder am Anhänger
  • Reifendruck prüfen
  • richtige Sicherung der Zugstange am Anhänger
  • ordnungsgemäße Befestigung der Anhängerkupplung am Fahrrad
  • korrekte Arretierung des Sicherungsstifts für Anhängerkupplung und Zugstange
  • festes Anbringen der Sicherungsriemen an Kupplung und Zugstange
  • Einhalten der maximalen Zuladung (bei Burley: 45 kg für Zweisitzer / 34 kg für Einsitzer)
  • Stützlast (Gewicht der Zugstange an der Kupplung) muss höher sein als 1 kg, darf bei voll beladenem Anhänger jedoch 9 kg nicht überschreiten
  • Ausstattung aller Passagiere mit einem Helm
  • ordnungsgemäßes Anschnallen des Kindes / der Kinder mit Hilfe des Sicherheitsgurts
  • Anbringen des Sicherheitswimpels
  • feste Installierung und Schließen des Verdecks
  • Funktionstüchtigkeit des Fahrrads, vor allem der Bremsen und Reifen

Abgesehen vom wichtigen Thema Sicherheit, zum Schluss noch eine praktische Frage, die sich viele stellen: Inwiefern beeinträchtigt ein Anhänger den Akkuverbrauch beim E-Bike?

Allison Coughlin: Der Verbrauch ist abhängig von der Last, die auf dem Akku liegt. Je höher das Gewicht, desto mehr Batterieleistung wird benötigt. Auch Gelände, Fahrbedingungen und Wetter können die Akkulaufzeit beeinträchtigen. Je nach Strecke (ob hauptsächlich eben, mit vielen Anstiegen, freie Fahrt oder Stadtverkehr mit viel Stop-and-go usw.) und Unterstützungsgrad ergeben sich Reichweitenverluste von einem Drittel bis zu zwei Dritteln. Grundsätzlich kann man sagen: Um den Batterieverbrauch möglichst gering zu halten, sollte man Fahrrad und Anhänger nicht mit zu viel Gepäck beladen, mit konstanter Geschwindigkeit ziehen und Steigungen vermeiden. Positiv wirkt sich natürlich ein geringes Zuggewicht, also ein leichter Anhänger aus. Unsere Kinder-Fahrradanhänger gehören zu den leichtesten auf dem Markt und wiegen dank ihres Voll-Aluminium-Rahmens, der trotz des geringen Gewichts hoch stabil ist, je nach Ausstattung nur zwischen 8,4 kg und 13,8 kg. Einzig das Modell Cub X, welches für besonders hohe Belastungen eine robuste Kunststoffwanne hat, bringt 17,2 kg auf die Waage. Für alle, die im Alltag sehr viel unterwegs sind oder längere Touren planen, empfehlen wir einen Ersatzakku. Damit geht man auf Nummer sicher!

Mehr Informationen zu Burley findet ihr unter burley.com

Je nach Einsatzzweck kann auch ein Offroad-Lastenrad wie das Riese & Müller Load 60 Touring GX eine echte Alternative zu einem herkömmlichen Anhänger sein.


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Words: Simone Giesler, PM Burley Photos: Burley