Ausgabe #013 Know How

So sichert ihr euer E-Mountainbike gegen Diebstahl

Teures E-Mountainbike, dickes Schloss – heißt das, mein Bike ist sicher? Wir erklären, warum ein Schloss alleine euren teuren Liebling nicht schützen kann, und geben Tipps, wie ihr es Dieben so schwer wie möglich macht.

Warum benötigt man gute Schlösser?

Jedes Schloss lässt sich knacken. Gerade deshalb ist es wichtig, sich durch Markenschlösser mit hohem Sicherheitslevel kostbare Zeit zu verschaffen. In der Regel brechen Diebe ihren Diebstahlversuch nach drei Minuten ab. Im Verhältnis zu günstigen Schlössern werden bei den teuren Modellen spezieller Stahl und hochwertige Schließzylinder verwendet. Dieses hohe Sicherheitslevel hat aber auch seine Schattenseiten: Schlösser mit hohen Sicherheitsstufen sind schwer, sie wiegen oft mehr als ein Kilo. Also ist wichtig, die Balance zwischen Sicherheit und Gewicht des Schlosses zu halten.

Sicherheitstipps

  1. Zu Hause: Auch in der eigenen Garage oder im Kellerraum sollte man sein E-Bike zusätzlich sichern. Was ebenfalls helfen kann: Den Akku zu entnehmen oder den Bosch-Display zu entfernen kann helfen – oder ihr stellt das Bike einfach mit ins Schlafzimmer.
  2. Biergarten: Wenn möglich, wählt einen Sitzplatz, bei dem das E-Bike in Sichtweite ist.
  3. Stadt: Stellt das E-Bike lieber an belebten Plätzen gesichert ab als in dunklen Seitenstraßen.
  4. Arbeit: Wer mit dem Rad zur Arbeit pendelt, sollte sich erkundigen, wo man es sicher abstellen und eventuell sogar laden darf. Viele Arbeitgeber bieten heutzutage gesicherte Räume mit Ladestation an – doch auch hier gilt: Bike abschließen!
  5. Doppelt hält besser: Zwei Schlösser sind besser als eines, da der Dieb nicht nur doppelte Arbeit hat, sondern auch mehr Zeit zum Knacken braucht.
  6. Anschließen:Sichert das E-Bike an Geländern oder langen Straßenmasten, die fest mit dem Untergrund verbunden sind – und checkt, ob der Gegenstand eurer Wahl auch wirklich geeignet ist, um das Bike dort anzuschließen. Drahtzäune können z. B. leicht aufgeschnitten werden. Alternative: mehrere Räder als Bündel zusammenschließen.
  7. Durch den Rahmen: Das Schloss immer durch den Hauptrahmen führen, denn ein Hinter- oder Vorderrad haben Diebe schnell ausgebaut! Mit den verbleibenden 10 % Bike (angekettetes Vorder- oder Hinterrad), die ihr dann noch vorfindet, könnt ihr leider nicht mehr heimfahren.

Diebstahlversicherungen, E-Bike-Versicherungen

„So etwas passiert mir nicht! Ich passe doch auf mein E-Mountainbike immer gut auf.“ Diese Aussage sollte in Anbetracht immer dreister und professioneller agierender Diebe niemand mehr treffen. Um nach einem Diebstahl das Bankkonto nicht für eine Neuanschaffung zu sprengen, gibt es Hausrat-, aber auch spezielle E-Bike-Versicherungen. Versicherer wie ENRA oder Krist zahlen nicht nur den Kaufpreis zurück; je nach Versicherung wird man bei Defekten sogar abgeholt und zu einem Fahrradhändler oder nach Hause gefahren.

So kann man sein E-Mountainbike versichern

  • Hausratversicherung (Versicherungssumme klären)
  • E-Bike-Versicherungen (Leistungen vergleichen)
  • E-Bike-Versicherungen mit Pick-up-Service („Rundum-sorglos-Paket“)

Sicherheit auch ohne Schloss?

Falls mal kein Schloss zur Hand sein sollte, ist Kreativität gefragt, damit das abgestellte Bike nicht gleich in den nächsten Sekunden entwendet wird. Glücklich kann man sich schätzen, wenn man sein Bike beim Shoppen mal eben mit in den Laden nehmen darf. Da das eher eine Seltenheit ist, geben wir ein paar Tipps, die es dem Dieb erschweren, das Bike im Handumdrehen mitzunehmen.

Alternative Tipps zur Diebstahlsicherung*

  • Vorderrad raus: So kann niemand mit dem Bike wegfahren
  • beide Steckachsen entnehmen: Auch hier wird das Losfahren erschwert
  • Gänge schalten: Beim losfahren rattert es erst mal
  • E-Bike-Akku entnehmen: So könnte das Bike für Diebe unnütz werden
  • Bikes mit dem Kinnriemen der Helme verbinden
  • mehrere E-Bikes zusammenstellen und die ersten beiden mit Kabelbindern aus der Werkzeugtasche fixieren

*Das E-MOUNTAINBIKE Magazin übernimmt keine Haftung für diese Angaben 😉

Fauxpas deluxe

Man kann sich unendlich viel Know-how über Schlösser und ihre Sicherheitsstufen aneignen. Aber es bleibt dabei: Nur wer sein Bike ordnungsgemäß an sinnvollen Orten sowie festen Gegenständen absperrt, macht es Dieben schwer.

Absolute No-Gos

  • Abschließen an niedrigen Begrenzungspfeilern
  • falsches Durchfädeln des Schlosses am Rahmen
  • Zahlenschloss-Code nach Abschließen nicht verdrehen
  • Schlüssel im Schloss stecken lassen
  • beim Kauf des Schlosses sparen

5 Fragen – 5 Antworten mit Torsten Mendel von ABUS Deutschland

Torsten Mendel ist seit 10 Jahren Marketing-/PR-Manager Mobile Security bei ABUS Deutschland. Er fährt selbst gerne Fahrrad und ist am liebsten auf einem Rennrad unterwegs.

1. Wie sperrst du dein Bike ab?
T. Mendel: Nicht abschließen, sondern anschließen ist die Devise. Wichtig ist, sein Rand an einem festen Gegenstand wie einem Zaun oder einer Laterne zu sichern. Hierzu nutze ich ein Faltschloss mit höchstem Sicherheitsstandard.

2. Benötigt man wirklich ein Zweitschloss?
T. Mendel: Ein zweites hochwertiges Schloss muss nicht unbedingt mit auf Tour genommen werden, da das Gewicht pro Schloss zwischen 1 und 2 kg liegt. Falls man aber zwei Schlösser dabeihaben möchte, sollte man sich unterschiedliche Schlosskategorien zulegen, da sich Diebe meist auf eine Schlossart spezialisiert haben. Ein stabiles Bügel- und ein Faltschloss sind eine gute Wahl, um den Dieb vom Klau abzuschrecken.

3. Wie viel sollte man für ein Schloss ausgeben?
T. Mendel: Im Durchschnitt sollte man für ein Schloss zirka 10 % des Radwerts kalkulieren. Bei E-Mountainbikes über 5.000 € fällt es aber schwer, den zehnten Teil nur für Schlösser auszugeben, da ein Schloss mit maximalem Sicherheitsstandard bei ca. 150 € liegt. Um die Sicherheit zu erhöhen, kann man sich also ein zweites hochwertiges Schloss zulegen.

4. Woran erkennt man ein sicheres Schloss?
T. Mendel: Markenschlösser wie z.B. von ABUS sind bei Dieben bekannt und schrecken sie zum Teil ab. Hersteller von Markenprodukten nutzen bei ihren Schlössern einen speziell gehärteten Stahl und kategorisieren ihre Schlösser zudem nach Sicherheitslevel. Wenn man ein schweres Schloss mit höchster Sicherheitskategorie kauft, kann man sicher sein, dass der Dieb sich lange zu schaffen machen muss, bis er das Schloss knackt. In der Regel brechen Diebe nach 3 Minuten ihren Diebstahlversuch ab.

5. Was ist das Schloss der Zukunft?
T. Mendel: Das „smarte Schloss“ ist derzeit in aller Munde. Es handelt sich hierbei für den Laien um ein normales Schloss. Die Besonderheit ist, dass der Schließmechanismus via Apps, über Bluetooth oder NFC bedient werden kann. Praktisch ist das u. a. für Familien. Ohne den Schlüssel zu besitzen, können mehrere Personen mit ihrem Smartphone und den erteilten Rechten das Schloss öffnen.
Über die Smartschlösser hinaus gibt es weitere Entwicklungen, wie das Faltschloss mit Alarmfunktion. Sobald sich das abgesperrte Schloss am Rad bewegt, ertönt ein schriller Ton. ABUS bietet darüber hinaus das Single-Key-System für E-Bikes an. Einfach beim Fachhändler eine sog. Gleichschließung bestellen. Dann benötigt man nur noch einen Schlüssel für sein Akkuschloss, Rahmenschloss, Zusatzschloss und ein evtl. Vorhängeschloss, z. B. für die Sicherung auf dem Heckträger des Autos.


Fazit

Diebstahlschutz ist für viele Biker ein sehr wichtiges Thema. Es geht aber nicht nur um die Art des Schlosses, sondern darum, sein E-Mountainbike möglichst effektiv zu sichern: Wird das teure Schloss bei einem Biergarten-Stopp durch den Bikerahmen und einen Maschendrahtzaun geführt, hilft es oft nicht viel – der Zaun kann ohne Probleme mit einer Beißzange durchtrennt werden. Eine Straßenlaterne ist definitiv die sichere Alternative. Blickkontakt zum E-Bike, mit dem Boden fest verbundene Masten oder abgesperrte Fahrradgaragen – je mehr Sicherheitshürden eingebaut werden, umso länger braucht ein Dieb, um das Bike zu stehlen. Idealerweise schrecken ihn diese Sicherheitsmaßnahmen sogar ganz ab. Falls es einen doch erwischt, ist es gut, ausreichend diebstahlversichert zu sein.


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Text & Fotos: Andy Rieger