27,5”, 29” oder MX – was ist am besten? Diese Diskussion wird heftig geführt, ob in Foren, beim After-Ride-Bier oder in nächtlichen Streitgesprächen zwischen Freunden. Wir öffnen zum Thema Laufradgröße die Büchse der Pandora und sehen uns die knallharten wissenschaftlichen Fakten an, um euch dabei zu helfen, für euer E-MTB die beste Laufradgröße zu finden.

Seit Anbeginn der Menschheit verstricken wir uns in Diskussionen. Soll das zottelige Mammut medium oder gut durchgebraten verzehrt werden? Evolution vs. Schöpfungsgeschichte, angeborene vs. anerzogene Entwicklung, und natürlich der Klassiker: Was war zuerst da, das Huhn oder das Ei? Auch die Bike-Industrie hat ihre eigene, endlose Diskussion: „Welche Laufradgröße ist die beste?“

Noch vor fünf Jahren war die Wahl der Laufradgröße denkbar einfach. 26”-Laufräder waren etabliert und 27,5”-er galten als die neuen Wunderkinder. 29″-Laufräder existierten zwar bereits, jedoch eher als Randerscheinung – eigenartigen und bärtigen kalifornischen Dudes vorbehalten. Spult man jedoch ein paar Jahre vor, sieht plötzlich alles ganz anders aus. In der Welt der analogen Bikes wurden 27,5”-er mittlerweile in die Ecke gedrängt und 29”-Laufräder haben die Kontrolle über den Großteil des Markts übernommen. Selbst die stolzesten Träger von T-Shirts wie „26 till I die“ fahren mittlerweile kleinlaut mit ihren 29ern herum und genießen insgeheim das geschmeidigere und laufruhigere Fahrgefühl.

Es wird Zeit, ein paar Dinge richtigzustellen. Was sind die Vorteile von 29” gegenüber 27,5”? Oder ist eine gemixte Laufradgröße sogar die beste Option für ein E-MTB?

Welche Laufradgrößen-Optionen gibt es?

Aktuell gibt es drei Laufrad-Konfigurationen auf dem Markt, die für E-MTB-Nutzer relevant sind. Die klassischen 26”-Laufräder sind mittlerweile verschwunden, abgelöst von 27,5”. Zu Beginn wurden die meisten E-MTBs mit 27,5”-Laufrädern angeboten, da diese bei korrektem Aufbau und mit identischen Speichen und Felgen stabiler sind als ihre 29er-Pendants. Mittlerweile gibt es jedoch auch jede Menge 29”-E-MTBs, die von den Vorteilen der größeren Laufräder, wie etwa dem geschmeidigeren Abrollverhalten, profitieren. Einige Hersteller, wie Canyon, FANTIC, MERIDA und andere, nutzen gemischte Laufradgrößen, auch Moto genannt, mit einem 29″-Laufrad an der Front für stabileres Lenkverhalten und verbesserte Überrolleigenschaften. Das 27,5”-Hinterrad hingegen ermöglicht kürzere Kettenstreben und macht das Bike wendiger und das Handling verspielter. Wie wirken sich die unterschiedlichen Konfigurationen auf das Fahrgefühl und Handling eines E-MTBs aus?

Der Durchmesser eures Laufrads ist nicht das, was auf der Seitenwand des Reifens steht

Seid ihr bereit für einen Matrix-Moment? Wenn ihr eure 27,5”- bzw. 29”-Felgen nachmesst, werdet ihr feststellen, dass deren Abmessungen nicht 27,5” bzw. 29” entsprechen – nicht einmal annähernd. Dieses Verwirrspiel geht zurück auf 26”-Laufräder, denn diese 26” bezogen sich genau genommen auf die ungefähre Größe des Laufrads mit einem installierten 2”-Reifen, und nicht auf das Maß der Felge. Seit dem Aufkommen moderner 29er fährt kaum noch jemand 2” breite Reifen, also wurde ein größerer 2,25”-Reifen für die Größenbestimmung verwendet. Wenn ihr also den tatsächlichen Durchmesser eurer Laufräder von Felgenbett zu Felgenbett messt, ausgehend von den offiziellen ETRTO-Abmessungen (European Tyre and Rim Technical Organisation), die den Innendurchmesser der Reifenwulst festlegen, dann werdet ihr herausfinden, dass 27,5”-Felgen und 29”-Felgen Abmessungen von 584 mm (23”) bzw. 622 mm (24,5”) besitzen. Der tatsächliche äußere Durchmesser eures Rads hängt also vom montierten Reifen ab, je größer der Reifen und je höher das Volumen, desto größer der Durchmesser. Beispielsweise besitzt ein 27,5″-Laufrad in Verbindung mit einem großvolumigen 2,8”-Reifen fast denselben Außendurchmesser wie ein 29″-Laufrad mit einem 2,4”-Reifen.

Welche Laufradgröße ist also die beste?

Aufgrund vieler Variablen innerhalb der Gleichung, wie Größe und Gewicht des Fahrers, Fahrstil, vorwiegend gefahrenes Terrain sowie Geometrie des Bikes, ist diese Frage unmöglich schnell zu beantworten. Allerdings können wir euch die Vorteile der unterschiedlichen Laufradgrößen aufzeigen. Denn wenn ihr alle Fakten kennt, dann werdet ihr in der Lage sein, eure eigene Entscheidung hinsichtlich der Frage zu treffen, welche Laufradgröße für euch die beste ist.

Ist ein kleineres Laufrad stabiler?

Die Laufräder eures E-MTBs müssen einer ganzen Menge Grobheiten standhalten, schließlich tragen sie euch über ruppigste Untergründe und haben dabei Kontakt mit jeder einzelnen Unebenheit auf dem Trail. Verglichen mit unmotorisierten Bikes sorgen das größere Gewicht und das Motor-Drehmoment eines E-MTBs für eine erhöhte Beanspruchung der Stabilität eures Laufrads. Im Vergleich der Laufradgrößen sorgt die stärkere Hebelwirkung durch die längeren Speichen bei einem 29″-Laufrad in puncto Kurvenfahrten, Bremsungen und bei Schlägen für eine höhere Beanspruchung hinsichtlich der Stabilität des größeren Rades. Vergleicht man identisch aufgebaute Laufräder (Felge, Speichen, Speichenspannung und Naben), dann sagt uns bereits die simple Physik, dass kleinere Laufräder durch die größere Speichen-Triangulation und die kleinere Hebelwirkung von Natur aus stabiler sind als größere Laufräder. Um das schwächere Stabilitäts-Gewichtsverhältnis zu kompensieren, müssen 29″-Laufräder entweder schwerer oder aus teurerem Material gefertigt sein, wie etwa Carbon.

Die Antwort: Fahrer am oberen Ende des zulässigen Systemgewichts bevorzugen möglicherweise die zusätzliche Sicherheit, die ein kleineres und stabileres 27,5″-Laufrad bietet. Da aber 29″-Laufräder mittlerweile auch von Downhill-Racern genutzt werden, können beide Laufradgrößen als robust genug für den Einsatz am E-MTB angesehen werden.

Bietet ein breiterer Reifen mehr Grip?

An dem Punkt, an dem euer Reifen Kontakt mit dem Boden hat, wird der „Fußabdruck“, den er dort hinterlässt, als Kontaktfläche bezeichnet. Die Größe und Form dieser Kontaktfläche wird von vielen verschiedenen Faktoren bestimmt, wie etwa Reifendruck, Aufbau des Reifens und den Dimensionen von Reifen und Felge. Je niedriger der Luftdruck, desto mehr kann sich euer Reifen deformieren und um das Terrain „herumwickeln“, über das ihr fahrt, wodurch sich die Kontaktfläche vergrößert. Grip und Reibung gehen Hand in Hand und daher gilt: Je größer die Kontaktfläche des Reifens, desto mehr Grip, aber auch umso mehr Reibung, weshalb der Rollwiderstand des Reifens erhöht wird.

Akzeptiert man einige Verallgemeinerungen, dann hat eine Veränderung der Laufradgröße weniger Auswirkung auf die Form und Größe der Kontaktfläche als man zunächst vermuten würde. Die relevantesten Faktoren hinsichtlich der Größe der Kontaktfläche sind der Luftdruck im Inneren des Reifens und das Gewicht, das auf den Reifen drückt. Schaut man sich die nackten Zahlen an, dann beträgt der Unterschied zwischen der Größe der Kontaktfläche eines 29”- und eines 27,5″-Laufradsatz lediglich 2–3%, bei gleicher Reifenbreite – eher unwahrscheinlich, dass dieser Unterschied auf dem Trail spürbar ist.

Doch was passiert, wenn man einen breiteren Reifen montiert? Ein Vorteil eines kleineren 27,5”-Laufrades am Heck eines E-MTBs ist, dass dort in der Regel genug Platz vorhanden ist, um einen breiteren Reifen zu installieren, etwa in 2,6″–2,8″. Die meisten E-MTBs bieten nicht genug Reifenfreiheit, um am Heck einen 29”-Reifen mit 2,8” Breite unterzubringen – üblich sind 2,5”. Wie bereits zuvor erwähnt, sind die Hauptfaktoren hinsichtlich der Kontaktfläche der Luftdruck im Inneren des Reifens und die Reifenbelastung, nicht jedoch die Breite. Wenn man die Breite des Reifens verdoppelt, aber Luftdruck und Reifenbelastung identisch bleiben, dann halbiert sich die Länge der Kontaktfläche. Die gesamte Kontaktfläche fällt damit nahezu gleich aus. Wenn der Luftdruck in dem breiteren Reifen jedoch verringert wird, dann vergrößert sich die Kontaktfläche. Das erhöhte Volumen eines breiteren Reifens erlaubt es euch, einen niedrigeren Luftdruck zu fahren, erhöht damit signifikant die Kontaktfläche und somit auch den Grip, der vom Hinterrad bereitgestellt wird.

Wie bei vielen theoretischen Modellen haben Berechnungen zur Größe der Kontaktfläche nur eine begrenzte Anwendbarkeit im echten Leben, da sie davon ausgehen, dass die Reifen kein Profil besitzen und auf flachem Untergrund rollen. In der Realität haben Reifenprofil, Karkasse und Materialhärte der verwendeten Gummimischung einen deutlich größeren Einfluss auf die tatsächliche Kontaktfläche und erhöhen oder reduzieren entsprechend Grip, Traktion und Rollgeschwindigkeit. Daher sollte man sich, anstelle bei der Laufradgröße über Grip und Rollgeschwindigkeit nachzudenken, stattdessen besser darauf konzentrieren, das entsprechend der äußeren Bedingungen geeignetste Reifenprofil auszuwählen sowie den passenden Luftdruck zu finden. Wir können hierbei mit unserem Reifen-Vergleichstest behilflich sein, der euch bei dem Prozess begleiten wird, die für euch richtige Reifenwahl zu treffen.

Die Antwort: Bei gleicher Breite und gleichem Luftdruck hat ein Reifen mit größerem Durchmesser eine nahezu identische Kontaktfläche im Vergleich zu einem Reifen mit geringerem Durchmesser. Für den Grip sind Reifenluftdruck und Reifenprofil stärker entscheidend. Ein breiterer Reifen mit niedrigerem Luftdruck führt – bei gleichem Profil und identischer Gummimischung – zu mehr Grip.

Beschleunigt ein kleineres Laufrad schneller?

Jeder, der schon mal auf einem Skateboard stand, bevor er unsanfte Bekanntschaft mit dem Erdboden gemacht hat, wird wissen, dass kleine Räder pfeilschnell beschleunigen. An dieser Stelle gilt es, eure Physik-Skills zu aktivieren. Wenn eine Masse frei um eine Achse herum rotieren kann (in unserem Fall rotieren Reifen, Felge und Speichen um die Radachse), muss ein Drehmoment angewandt werden, um den Drehimpuls zu ändern (das Rotations-Äquivalent zum linearen Impuls). Das erforderliche Maß an Drehmoment zur Beschleunigung eines Rades wird als dessen Trägheitsmoment bezeichnet. Das Trägheitsmoment spielt dieselbe Rolle für rotierende Körper wie Masse für linear bewegte Körper. Je größer das Trägheitsmoment, desto größer der Widerstand des Rades gegenüber Beschleunigung und Entschleunigung.

Das Trägheitsmoment eines Massenpunkts ist als Masse x Radius2 definiert. Das bedeutet: Ein kleinerer Laufraddurchmesser – eine identische Masse vorausgesetzt – wird das Trägheitsmoment verringern. Somit ist weniger Drehmoment nötig, um die Laufräder zu beschleunigen bzw. abzubremsen. In unserem oben verwendeten Szenario – mit identischen Laufrad-Aufbauten (Speichen, Felgen, Naben, Reifen) – resultieren die kürzeren Speichen sowie die kleinere Felge eines 27,5″-Laufrades in einem kleineren Radius und weniger Masse – das Trägheitsmoment verringert sich. Ein größeres Laufrad besitzt ein größeres Trägheitsmoment und beschleunigt daher bei gleichem Drehmoment langsamer. Doch ebenso wichtig: Es entschleunigt auch langsamer und hält seinen Schwung folglich effektiver, wenn alle anderen Faktoren gleich sind. Soweit also zur Wissenschaft dahinter, doch wie stark unterscheiden sich 27,5”- und 29″-Laufräder?

Nehmen wir als Beispiel zwei Laufräder eines führenden Herstellers, ein 27,5″-Laufrad mit einem kombinierten Felgen- und Reifengewicht von 1.430 g und ein 29″-Laufrad mit einem Gewicht von 1.530 g (der Einfachheit halber lassen wir das Gewicht von Speichen, Ventil und Nabe außen vor). Das 29″-Laufrad ist ca. 7 % schwerer als das 27,5″-Laufrad, und berücksichtigt man seinen größeren Radius, dann fällt das Trägheitsmoment des 29″-Laufrads ungefähr 20 % größer aus als beim 27,5″-Laufrad (mit vereinfachenden Annahmen). Dadurch lassen sich die 29″-Laufräder schwerer beschleunigen und benötigen mehr Input an den Pedalen, um schneller zu werden. Auf der anderen Seite bedeutet das höhere Trägheitsmoment, dass die 29”-Laufräder ihre Rotation besser beibehalten, was zu einem geschmeidigeren und laufruhigeren Fahrgefühl führt.

Doch das Trägheitsmoment ist nur ein Teil der komplexen Gleichung, wenn es darum geht, welche Laufradgröße am besten Geschwindigkeit hält. Für die Antwort auf diese Frage spielt nicht nur Rotations-, sondern auch Translationsenergie eine Rolle in der Gleichung. Ignoriert man ein gelegentliches Durchdrehen der Reifen, dann wird die Rotation eines Rades begleitet von einer translationalen Bewegung parallel zum Untergrund. Die Gesamtenergie des rotierenden Rades ist daher die Summe der Translations- und Rotationsenergie. Dröselt man die Zahlen ein wenig auf, dann wird deutlich, dass die Geschwindigkeit und Masse des Rades und nicht der Radius (sprich: die Laufradgröße) die gesamte Energie maßgeblich bestimmen. In unserem Fall, in dem das 29″-Laufrad schwerer ist als das 27,5″-Laufrad, halten die größeren Räder ihren Schwung daher effektiver.

Die Antwort: 27,5″-Laufräder könnten die bessere Wahl sein, wenn ihr auf Trails unterwegs seid, die häufige Geschwindigkeitswechsel erfordern. Auch für Fahrer, die mittels Pumpen gern Speed generieren, erfordert es weniger Energie, sie zu beschleunigen und abzubremsen. Doch wenn ihr häufig auf flowigen Trails unterwegs seid, bei denen es darum geht, Momentum beizubehalten, dann hält ein größeres 29″-Laufrad seine Geschwindigkeit effektiver.

Sorgt ein 29″-Laufrad für ein geschmeidigeres Fahrgefühl auf dem Trail?

Eines der gängigsten Argumente zugunsten von 29″-Laufrädern lautet, dass diese besser rollen. Doch stimmt das? Es ist wahr, ein Rad mit einem größeren Durchmesser bleibt weniger wahrscheinlich in einem Loch hängen und der größere Durchmesser hat außerdem zur Folge, dass der Kontakt mit dem Hindernis länger andauert. Das alles führt zu einem geschmeidigeren Fahrgefühl. Lässt man das Fahrwerk und die Deformation des Reifens für eine Sekunde außer Acht und konzentriert sich allein auf die Laufradgröße, dann gilt: Wenn ein Rad auf ein Hindernis trifft, dann formt es eine virtuelle Rampe – stellt euch das Ganze als Linie vor, die den höchsten Punkt des Hindernisses mit der Kontaktfläche des Reifens verbindet. Diese Rampe gibt die Richtung vor, in die das Rad sich bewegen muss, um nach oben und über das Hindernis hinweg zu gelangen, man nennt den entsprechenden Winkel auch Auffahrwinkel. Je steiler dieser Winkel, desto schwieriger ist es für das Rad, das Hindernis zu überwinden. Wenn wir das also in simpler Hinsicht betrachten – unter der Annahme, dass der Reifen sich nicht deformiert usw. – dann verschiebt ein größeres Laufrad seine Kontaktfläche weg vom Hindernis und reduziert somit den Auffahrwinkel und die Kraft, die benötigt wird, es zu überwinden. Für das Laufrad wird es also einfacher, nach oben und über das Hindernis hinweg zu rollen. Denkt an einen Einkaufswagen als extremes Beispiel: Selbst am kleinsten Bordstein bleibt man ruckartig hängen.

Ein 29”-Laufrad hat einen flacheren Auffahrwinkel als ein 27,5”-Laufrad, wenn es über Hindernisse rollt

Je größer das Hindernis, desto deutlicher fällt der positive Effekt eines größeren Laufrads aus. Verglichen mit einem 27,5”-Laufrad kann ein 29″-Laufrad diesen Auffahrwinkel um bis zu 5 % reduzieren. Auch wenn das nicht nach viel klingt – über Tausende von Schlägen pro Ausfahrt hinweg summiert sich das schnell zu geringerem Rollwiderstand und weniger Ermüdung auf dem Trail. Die natürliche Laufruhe eines 29”-Bikes wird noch gefördert durch die Position des Tretlagers, da dieses im Vergleich zu einem 27,5”-Laufrad weiter unterhalb der Radachsen sitzt und somit den Schwerpunkt im Verhältnis zu den Radachsen nach unten verschiebt. Am Heck eines Bikes kann die physische Größe eines voluminöseren 29″-Laufrads jedoch problematisch sein, da es im steilen Gelände den Abstand zwischen Fahrer und Laufrad reduziert. Wenn ihr in steilem Terrain bergab schon einmal einen Arschtritt von eurem Hinterrad bekommen habt, dann werdet ihr wissen, wovon wir reden.

Die Antwort: Bei identischer Reifenbreite und gleichem Luftdruck rollt ein 29″-Laufrad auf einem ruppigen Trail geschmeidiger und effizienter bergab als ein 27,5″-Laufrad.

Gibt es einen Gewinner?

Nun, da wir uns vor Augen geführt haben, wie die physikalischen Eigenschaften eines Laufrads die Art und Weise beeinflussen, wie es rollt, beschleunigt und auf Schläge reagiert, können wir auch besser verstehen, welche Laufradgröße möglicherweise am besten zu unserem Fahrstil passt.

Was spricht für ein 27,5″-Laufrad?

An den Eigenschaften eines 27,5″-Laufrads dürften vor allem Fahrer Gefallen finden, die Trails lieben, auf denen Wendigkeit und häufige Geschwindigkeitswechsel erforderlich sind. Bei identischen Felgen, Speichen und Naben ist ein 27,5″-Laufrad außerdem stabiler als ein 29″-Laufrad und daher besser für sehr schwere Fahrer geeignet. Am Heck ermöglichen 27,5″-Laufräder eine erhöhte Einbaubreite (ohne negative Effekte auf die Kettenlinie). Wer also nach maximalem Grip für technische Anstiege sucht, kann dabei breitere Reifen montieren und mit niedrigeren Luftdrücken fahren. Für kleinere Fahrer sind 27,5″-Laufräder außerdem leichter zu manövrieren und agiler.

Vorteile von 27,5”

  • beschleunigt zügiger
  • bremst schneller
  • mehr Platz für breitere Reifen = niedrigere Luftdrücke = größere Kontaktfläche = mehr Grip

Was spricht für ein 29″-Laufrad?

29″-Laufräder sind am besten geeignet für Fahrer, die nach größtmöglicher Laufruhe auf ruppigen Trails suchen und die unterwegs so viel Speed wie möglich mitnehmen wollen. 29″-Laufräder rollen effizienter über Hindernisse als 27,5″-Räder und behalten dabei mehr Schwung bei. Größere Fahrer profitieren zudem von einer besseren Balance mit den größeren Laufrädern, aber sie bieten auch für durchschnittlich große Fahrer viele Vorteile.

Vorteile von 29”

  • nehmen Schwung effizienter mit
  • besseres Überrollverhalten
  • geschmeidigeres Fahrgefühl

Was spricht für eine gemischte Laufradgröße?

Ein Laufradgrößen-Mix an E-MTBs mit einem 29”-Vorderrad und einem 27,5”-Hinterrad soll das Beste aus beiden Welten vereinen und ist in vielerlei Hinsicht ein guter Kompromiss für durchschnittlich große Fahrer, die nach einer vielseitigen Performance bergauf sowie bergab suchen. Das 29”-Vorderrad bügelt über Hindernisse auf dem Trail hinweg, während ein breiterer 27,5”-Hinterreifen maximalen Grip auf technischen Anstiegen bedeutet. Wer sich auf den steilsten Trails jedoch bessere Beweglichkeit und Downhill-Performance wünscht, dürfte mit einem 27,5”-Hinterrad in Standard-Breite und mit super stabiler Karkasse glücklich werden, da so massig Bewegungsspielraum für artistische Verrenkungen in Spitzkehren vorhanden ist.

Vorteile einer gemixten Laufradgröße

  • 29”-Laufrad an der Front verbessert das Überrollverhalten
  • breitere Hinterreifen für mehr Traktion
  • mehr Bewegungsfreiheit für den Fahrer auf steilen Trails

Sollte man ein Bike allein anhand der Laufradgröße auswählen?

Unsere Erfahrung hat uns gelehrt, dass man ein Bike niemals allein anhand eines einzelnen Parameters beurteilen sollte, wie etwa der Laufradgröße. Es gibt nicht die eine perfekte Laufradgröße für alle. Stattdessen stellt die Laufradgröße eine weitere Kenngröße dar, die man berücksichtigen sollte, wenn man ein E-MTB auswählen will, das am besten zum eigenen Fahrstil und den Erwartungen passt. Was das generelle Handling und die Fahrfreude eines E-MTBs angeht, muss man auch die Größe des Fahrers, das zu fahrende Terrain, den Federweg, das Design des Hinterbaus und die Geometrie des Bikes im Blick haben. Eine gute Quelle, um nach einem Bike zu suchen, das zu euch passt, sind unsere Vergleichstests – denn darin bewerten wir jedes E-MTB auch als Ganzes. Wenn es also darum geht, welche Laufradgröße die „beste“ ist, nun ja … . Genau wie bei der Frage nach dem Huhn oder dem Ei: Diese Diskussion wird wohl weitergehen.


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Text: Trev Worsey Fotos: Julian Lemme

Über den Autor

Trev Worsey

Trevor liebt Whisky, das Biken und alles dazwischen. Er wurde zwar in England geboren, fühlt sich aber als waschechter Schotte. Dementsprechend ist er nicht nur schlechtes Wetter gewöhnt, sondern ist auch ein echter Spezialist, wenn es um steile und anspruchsvolle Trails geht. Mit über 40 muss er sich eigentlich nichts mehr beweisen, kann jedoch trotzdem mit vielen jungen Wilden mithalten. Damit das nicht allzu sehr überhandnimmt, steht „Think about Brook“ auf seinem Oberrohr. Sein Sohn Brook wurde von Anfang an mit dem Bike-Virus infiziert. Gemeinsam mit seiner jungen Familie und den zwei Hunden sieht man Trevor fast ausschließlich draußen, sei es beim Biken, Graveln, Wandern, Surfen oder Kanu fahren – egal bei welchem Wetter. Ein echter Schotte eben.