Es ist egal, wie weit ihr fahrt oder wie schnell, oder wie schick euer Bike aussieht. Wenn ihr andere E-Mountainbiker wirklich beeindrucken wollt, gibt es nur eine Arena, in der ihr euch beweisen müsst: den Parkplatz.

Während alle noch im Auto nach fehlenden Schuhen suchen oder so tun, als würden sie verstehen, wie ihre Federung funktioniert, könnt ihr einen dieser 16 ziemlich nutzlosen Parkplatz-Tricks demonstrieren und euch damit euren rechtmäßigen Titel als „König des Parkplatzes“ sichern.

Der Wheelie

Der Wheelie gehört zu den Tricks, die man als Kind in 3 Minuten lernt, für die man jenseits der 30 aber mindestens 16 Jahre braucht. Auf einem E-Mountainbike ist er noch schwieriger, weil der Motor euch einen deutlichen Zusatzschub verpasst. Hier handelt es sich definitiv um einen der am schwersten zu erlernenden, aber zweifellos nützlichsten Tricks. Wenn man erst mal Kinder hat und ein Haus abbezahlt, kann es zwar schwierig werden, der besseren Hälfte zu erklären, dass man jetzt mal drei Stunden lang Wheelies üben muss. Aber wenn ihr dann vor den staunenden Augen eurer Buddys vorbeicruist, haben sich all die Diskussionen wirklich gelohnt.

Der Manual

Wenn ihr den Wheelie draufhabt, ist der Manual der logische nächste Schritt. Wenn ihr mehr als 10 m schafft, seid ihr ganz offiziell der König des Parkplatzes. Seht euch online um, es gibt eine Menge sehr gute Tipps, um Manuals zu lernen. Geht tief und zieht den Lenker beherzt mit gestreckten Armen nach oben. Gleichzeitig übt ihr mit den Füßen und der Hüfte Druck nach vorne aus, wodurch ihr das Bike nach oben drückt. Zu guter Letzt lehnt ihr euch zurück und kontrolliert mit der Hüfte und der Hinterradbremse den Kipppunkt. Zugegeben, eure ersten Versuche werden noch bescheiden sein, aber wenn ihr dranbleibt, werden aus winzigen Samen stattliche Bäume wachsen.

Der Track-Stand

Hier handelt es sich tatsächlich um einen sehr nützlichen Trick. Rollt langsam neben euren Freunden aus und dann balanciert einfach. Er braucht zwar wirklich viel Übung bis zur Perfektion, aber ein guter Track-Stand ist ein wichtiges Tool in eurem Fahrskills-Baukasten. Der Weltrekord für den längsten Track Stand liegt bei 132 Jahren, was natürlich höchst beeindruckend ist. Wenn ihr euren Track-Stand perfektionieren wollt, startet an einem leichten Anstieg. Dreht dort das Vorderrad leicht ein und balanciert mit den Pedalen. Wenn sich das Bike Richtung Hang neigt, wird es durch etwas Druck auf die Pedale aufgerichtet, wenn es gen Tal fällt, dann lasst es einfach etwas zurückrollen. Am Anfang ist es frustrierend, aber die Lernkurve ist sehr steil.

Die Handbremse

Driften ist kindisch und unreif und wir befürworten es überhaupt nicht. Aber falls ihr euch jemals in einer Situation wiederfinden solltet, in der ihr driften wollt, müsst ihr einfach nur nach unten zur imaginären Handbremse greifen, feste nach oben ziehen und somit das Hinterrad blockieren. Mit der Handbremse fühlt ihr euch wie ein 17-Jähriger im Winter auf einem Supermarktparkplatz.

Der Stoppie

Auch der Stoppie ist ein schöner Trick, und wenn ihr ihn mal raushabt, werdet ihr nie mehr einfach nur so auf den Trail rollen. Fangt bei niedriger Ausgangsgeschwindigkeit an und zieht die Vorderbremse. Das Hinterrad wird sich heben und wenn es sich zu hoch anfühlt, lasst ihr einfach die Vorderbremse los, dann fällt es wieder runter. Wenn ihr den Stoppie beherrscht, könnt ihr euch an den Rolling Stoppie wagen. Bei ihm betätigt ihr die Bremse nur so stark, bis das Hinterrad steigt und rollt dann weiter auf dem Vorderrad.

Der No-Leg-Stoppie

Ein „Old-Skool“-Trick, der nie aus der Mode gekommen ist. Wie ein guter Wein wird der No-Leg-Stoppie immer besser, je älter er wird. Heizt auf eure Kumpels zu, als wäre der Teufel hinter euch her, dann greift ordentlich in die Vorderbremse für einen schönen Stoppie und streckt die Beine in voller Pracht und Breite aus. Wenn ihr das hinkriegt, werden alle sofort versuchen, genauso cool zu sein wie ihr. Wenn nicht, dann ab zum Zahnarzt, denn ihr werdet ein paar neue Schneidezähne brauchen.

Der verrückte Hengst

Das ist eigentlich ein einfacher Trick, aber ihr braucht dafür Selbstsicherheit und auch ein bisschen Kraft. Der verrückte Hengst ist an sich nur ein schiefgelaufener Manual: Hebt das Vorderrad hoch Richtung eures Brustkorbs, spannt die Rumpfmuskulatur mit ein paar PS an und steht kerzengerade. Je größer und imposanter euer Hengst, desto besser die Wirkung. Hi Ho Silver!

Tokyo Driftin’: der Cutty

Mit dem Hinterrad zu driften ist auf dem Trail oft verpönt, kann auf dem Parkplatz aber unverschämt viel Spaß machen. Der Trick für einen erfolgreichen Cutty besteht darin, die Bremse NICHT zu benutzen. Cuttys muss man üben, man braucht richtig Tempo und muss das Hinterrad ganz bewusst zum Ausbrechen zwingen. Der Trick ist also nichts für zartbesaitete Gemüter. Steuert in eine Kurve und wenn das Hinterrad einlenkt, verlagert mehr Gewicht auf den Lenker, bringt das Heck mithilfe der Hüfte und der Füße zum Ausbrechen und schraaaaalp, ihr seid der King!

Offizier an Deck

Das ist der anspruchsvollste Parkplatztrick und wirklich nur was für echte Könner. Wenn ihr hier einen Fehler macht, landen eure Schienbeine auf den Pedalen und die Kronjuwelen auf dem Reifen. Wartet, bis eure Freunde alle bereit sind loszufahren, dann rollt über den Parkplatz und ruft aus vollem Hals „Offizier an Deck“, begleitet von einem ordnungsgemäß ausgeführten militärischen Gruß. Wenn ihr den Effekt voll ausreizen wollt, kommt zum Stillstand und tut, als sei nichts passiert. Falls niemand salutiert, brüllt: „Sie können die Wahrheit doch gar nicht vertragen!“, so wie Jack Nicholson in „Eine Frage der Ehre“. Dann fahrt nach Hause, und ihr werdet für immer eine Legende sein.

Der Burnout

Dank der Power von E-Mountainbikes stehen uns nun Möglichkeiten zur Verfügung, die man bisher nur in der motorisierten Welt gesehen hat: die berauschende Welt des Burnouts. Es ist wissenschaftlich bewiesen, dass man mit vorher angeheizten Reifen auf Abfahrten um 0,0 % schneller ist. Schaltet den Turbo-Modus ein, verlagert euer Gewicht schlagartig nach vorne, betätigt kräftig die Vorderbremse und tretet feste in die Pedale. Um einen noch besseren Effekt zu erzielen, macht ihr dazu noch lautstark Braap-Braap-Geräusche, etwa so wie ein Honda mit VTEC-Motor bei 8.750 Umdrehungen. Aber lasst auf keinen Fall die Bremse los, sonst knallt ihr sofort gegen irgendjemandes Bus!

Der Superman

Der Superman ist legendär, leicht zu versauen, extrem schwer zu erlernen. Es klingt so einfach: Bei Schrittgeschwindigkeit springt ihr von den Pedalen ab und schlagt hinter dem Bike die Hacken zusammen, der Länge nach in Superman-Pose ausgestreckt. Doch es erfordert übermenschliches Selbstvertrauen, sich komplett auszustrecken und dann wieder zurück auf die Pedale zu kommen. Unser Testfahrer hielt diese Position für 20 Sekunden – könnt ihr ihn schlagen?

Der Froome

Mit dem Froome spart ihr garantiert ganze Minuten bei euren Strava-Zeiten. Sobald ihr 25 km/h erreicht, greift ihr nach unten und schnappt euch die Gabelkrone, und schon seid ihr Super-Aero und könnt euch über eine wundersame Beschleunigung auf über 100 km/h freuen. Der Froome ist der ultimative Trick, wenn ihr mal einem Roadie auf einem steilen Anstieg begegnet – kriecht einfach in dieser Position langsam an ihm vorbei und er wird völlig niedergeschmettert sein angesichts eurer schieren Muskelkraft. Ach so, bitte fahrt niemals wirklich so auf dem Trail, ihr würdet ganz sicher sterben.

Der „Hab-ich-auf-YouTube-gelernt“

Wir haben alle schon einige von diesen unendlichen YouTube-Videos gesehen, in denen es darum geht, wie man Kurven perfekt lernt: „den äußeren Fuß runter“, „lenkt mit dem Bauchnabel“, „werft die Hüfte nach außen“, „lehnt das Bike nach innen“. Nehmt all diese wunderbaren Ratschläge und setzt noch einen drauf! Findet heraus, wie tief ihr Kurven wirklich fahren könnt. Kanalisiert euren inneren Low-Rider und drückt den Lenker in den Boden. Es gibt keine bessere Art, die Stollen an den Seiten völlig runterzufahren.

Der Cross-Legger

Fühlt sich grauenhaft an und ist wirklich super schwer zu machen. Der Cross-Legger folgt einem einfachen Prinzip, aber erfordert wirklich Können. Bei Schrittgeschwindigkeit springt ihr in die Luft und kreuzt über dem Lenker die Beine, dann landet ihr auf den Pedalen. Wenn ihr es falsch macht, erwartet euch das Land der schmerzenden Schienbeine. Ihr habt also nur zwei Möglichkeiten: supercool auszusehen und eure Freunde ordentlich zu verwirren, was da unterhalb eures völlig ruhigen Oberkörpers los ist, oder Neymar-Style die blutenden Schienbeine umklammernd auf dem Boden herumzurollen.

Der Titanic

Es gibt keinen dramatischeren Aufzug auf dem Parkplatz als den Titanic. Wenn ihr eure Wohlfühl-Geschwindigkeit erreicht habt, rutscht nach vorne zum Lenker und sichert euch dort mit den Hüften. Breitet die Arme aus wie Kate Winslet und schmettert ein paar Takte “Near, far, wherever you are, I believe that the heart does go on”. Am besten kommt es, wenn ihr in der Titanic-Position auf eure Kumpels zufahrt, absteigt, euch auf den Boden legt und verführerisch flüstert: „Ich möchte, dass du mich so zeichnest wie die Mädchen in Frankreich.“ Ihr werdet euch nie wieder selber Bier kaufen müssen.

Die Planke

Dieser Trick ist schwerer, als er aussieht: Ihr braucht die Rumpfstärke einer Bauchtänzerin, um eure Knie auf dem Sattel zusammenzuhalten, aber auch Arme wie Dolph Lundgren in Rocky IV, um euch auf dem Lenker abzustützen. Wenn ihr die Plank-Position erreicht habt, könnt ihr euch über maximale aerodynamische Vorteile freuen und werdet bald Bauchmuskeln aus Stahl haben. Oder einen Leistenbruch.

Disclaimer: Diese Tricks sollten nur von zertifizierten Idioten ausgeführt werden. Wir übernehmen keine Verantwortung für irgendwelche Verletzungen, die als Ergebnis solcher Dämlichkeiten auftreten. Passt auf euch auf, Kinder.


Dieser Artikel ist aus E-MOUNTAINBIKE Ausgabe #014

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Text & Fotos: Trev Worsey

Über den Autor

Trev Worsey

Trevor liebt Whisky, das Biken und alles dazwischen. Er wurde zwar in England geboren, fühlt sich aber als waschechter Schotte. Dementsprechend ist er nicht nur schlechtes Wetter gewöhnt, sondern ist auch ein echter Spezialist, wenn es um steile und anspruchsvolle Trails geht. Mit über 40 muss er sich eigentlich nichts mehr beweisen, kann jedoch trotzdem mit vielen jungen Wilden mithalten. Damit das nicht allzu sehr überhandnimmt, steht „Think about Brook“ auf seinem Oberrohr. Sein Sohn Brook wurde von Anfang an mit dem Bike-Virus infiziert. Gemeinsam mit seiner jungen Familie und den zwei Hunden sieht man Trevor fast ausschließlich draußen, sei es beim Biken, Graveln, Wandern, Surfen oder Kanu fahren – egal bei welchem Wetter. Ein echter Schotte eben.