CILO – die Schweizer Marke, früher bekannt für Rennräder, mischt heute im E-Mountainbike-Business mit. Mit 140/135 mm Federweg will das All-Mountain-Bike überall bestehen. Damit das nicht zur Tortur wird, unterstützt der Shimano EP801-Motor. Wir haben für euch getestet, wie sich das Bike fährt und ob sich der Preis lohnt!

Cilo Tanay eMTB Test 2025 Shimano EP801 WEB 1642
CILO Tanay HC1 | Shimano EP801/700 Wh | 140/135 mm (v/h) |
24,64 kg in Größe M | 9.999 € | Hersteller Website

Auf der EUROBIKE 2024 erstmals vorgestellt, sind die neuen Modelle der Schweizer Kultmarke CILO seit Anfang des Jahres 2025 beim Fachhändler erhältlich. Mit 140 mm Federweg an der Front und 135 mm am Heck soll sich das Tanay HC1 an Rider richten, die ein Bike für alles suchen – von langen, komfortablen Touren bis zu anspruchsvollen Singletrails. Dank 29”-Laufrädern soll es auf jedem Terrain performen.

Beim Antrieb setzt CILO auf den etwas in die Jahre gekommenen Shimano EP801-Motor. In Kombination mit dem 700-Wh-Akku bringt das Carbon-Bike 24,65 kg auf die Waage – nicht gerade ein Leichtgewicht. Preislich spielt das Tanay HC1 mit 9.999 € klar in der Premium-Liga. Ob das Bike seinem Anspruch gerecht wird und wie sich das Zusammenspiel aus Federwegskonzept und Motor auf dem Trail anfühlt, haben wir für euch getestet

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Das CILO Tanay HC1 im Detail – Mit Schweizer Präzision = Liebe zum Detail?

Tiefgezogenes Oberrohr, matte, aber dennoch auffällige Lackierung und ein Ausschnitt im Oberrohr: Das CILO Tanay HC1 will sich so aus der Masse der klassischen E-Mountainbikes abheben. Dabei soll das etwas tiefergezogene Oberrohr nicht nur für einen leichteren Aufstieg sorgen, sondern auch für eine markante Linienführung. Zusätzlich gibt es direkt vor dem Sitzrohr einen Durchlass im Oberrohr, der einen Blick auf den Dämpfer erhaschen lässt – ein Detail, das wir bisher nur vom Haibike AllMtn kennen, das am Tanay jedoch deutlich größer ausfällt.

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Weniger elegant wirken dagegen die insgesamt wuchtigen Rohrdurchmesser des Unterrohrs. Sie verleihen dem Bike eine massige Silhouette, was aber auch dem entnehmbaren Akku geschuldet ist. Immerhin kaschiert die edle Lackierung in „Mature Grape“, einem kräftigen Lila-Farbton, diesen Eindruck etwas – auch wenn sie uns eher an Pflaumen erinnert als an Trauben.

Am Cockpit verlaufen alle Leitungen direkt durch den Steuersatz in den Rahmen, was ein fast aufgeräumtes Bild ergibt, aber einige Hobbyschrauber weniger erfreuen mag. Dafür ist die Verlegung gelungen – auf dem Trail war zumindest kein Klappern zu hören.

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Der Kettenstrebenschutz fügt sich nicht nur optisch stimmig ins Rahmendesign ein, sondern verhindert zusammen mit dem Sitzstrebenschutz Kettenschlagen effektiv. Der Sitzstrebenschutz umschlingt zusätzlich den Schaltzug, sodass dieser nicht mit beweglichen Teilen in Kontakt kommt. Zudem gibt es einen kleinen Kunststoffschutz über der Aussparung zwischen Hauptrahmen- und Hinterbau – der Nussknacker-Effekt bleibt somit aus.

Das Shimano-Ökosystem im CILO Tanay HC1 – Old but Gold

Im aktuellen Wettrüsten der Motorhersteller hält sich Shimano zurück und setzt auf Bewährtes. Mit 85 Nm Drehmoment und 600 Watt Maximalleistung liefert der EP801 Werte, die vor zwei Jahren noch als Marketing-Highlight galten.

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Kombiniert wird der Motor mit einem 700 Wh starken Darfon-Akku, der per 6er-Inbus aus dem Unterrohr entnommen werden kann. Das Cover bildet mit dem Akku eine Einheit, während der Ladeport von einer Plastikabdeckung geschützt und gut erreichbar ist, sodass auch ein Laden direkt am Bike möglich ist.

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Am Cockpit ist das kompakte Shimano SC-EN600-Display geschützt hinter dem Lenker positioniert und zeigt die wichtigsten Fahrdaten an, wie Geschwindigkeit oder den gewählten Fahrmodus. Angesteuert wird es mit der minimalistischen Shimano SC-EN600L-Remote, die etwas hoch im Cockpit aufbaut, aber in Kombination mit dem Display gut funktioniert. Über die Shimano E-TUBE App lassen sich zusätzlich Motorcharakteristik und Fahrmodi individuell anpassen.

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Die Ausstattung des CILO Tanay HC1 E-Mountainbikes

Für 9.999 € erwartet man High-End-Parts an seinem Bike, ohne Kompromisse, keine Frage. CILO hat hier auch nicht enttäuscht – oder doch?

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Beim Fahrwerk auf keinen Fall! Denn hier kommen feinste Parts von FOX zum Einsatz, in goldglänzernder Kashima-Manier. An der Front arbeitet die 2024 FOX 36 Factory mit Grip X2-Kartusche und am Heck verwaltet der FOX FLOAT X Factory-Dämpfer den Federweg. Beide können mit sehr guter Trailperfomance überzeugen und bieten viele Einstellmöglichkeiten, um das Fahrwerk eurem Riding-Style anzupassen. Bei den Bremsen hat CILO nicht ganz ins oberste Regal gegriffen. Dennoch: Die Shimano XT ist fast baugleich mit dem Topmodell Shimano XTR und performt auf dem Trail ebenso gut, nur eben ohne Fokus auf Leichtbau.

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Die 12-Fach Shimano XT-Schaltgruppe übernimmt die Schaltvorgänge mechanisch und stellt einen guten Kompromiss aus Haltbarkeit und zuverlässiger Schalt-Perfomance dar. Als Laufräder hat CILO DT Swiss HX1700 Alu-Modelle verbaut, mit denen wir in der Vergangenheit gute Erfahrungen gemacht haben und die uns mit ihrer Langlebigkeit bisher überzeugen konnten. Bei dem veranschlagten Preis hätte man leichtgewichtige Carbon-Laufräder vermuten können, doch CILO fährt hier mit den bewährten Alu-Laufrädern von DT auf Nummer Sicher.

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Bei den Reifen kommen für das breite Einsatzgebiet passende Schwalbe-Modelle zum Einsatz: ein Magic Mary an der Front und ein Big Betty am Heck, beide mit der leichteren Super Trail-Karkasse und mit der ADDIX-Soft-Gummimischung. Für ein All-Mountain-Bike in dieser Federwegskategorie ist das durchaus passend. Wenn man allerdings ein etwas schwererer Fahrer ist oder es in Steinfeldern richtig krachen lassen will, sollte man sich zumindest am Heck eine Gravity-Karkasse zulegen. Für die optimale Sitzhöheneinstellung auf dem Trail sorgt die LIMOTEC H1-Dropper Post, die stufenlos verstellbar bis zu 230 mm Hub freigibt. Wie genau das funktioniert, lest ihr bei unserem Schwestermagazin ENDURO!

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CILO Tanay HC1

9.999 €

Ausstattung

Motor Shimano EP801 85 Nm
Akku Darfon 708 Wh
Display Shimano EN600
Federgabel FOX 36 FLOAT Factory GRIP 140 mm
Dämpfer FOX Float X Factory 135 mm
Sattelstütze LIMOTEC H1 230 mm
Bremsen Shimano XT 203/203 mm
Schaltung Shimano XT 1x12
Vorbau JD MTB 32 mm
Lenker Race Face Era Carbon 800 mm
Laufradsatz DT Swiss HX 1700 CL 29"
Reifen Schwalbe Magic Mary, Super Trail, Soft/Big Betty, Super Trail, Soft 2,6"

Technische Daten

Größe S M L
Gewicht 24,64 kg
Zul. Gesamtgewicht 135 kg

Besonderheiten

Flip Chip

Tuning-Tipp: Am Hinterrad für schwerere Fahrer → Wechsel auf Reifen mit Super Gravity-Karkasse

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Helm Troy Lee Designs Flowline SE | Brille Oakley Sutro | Hipack Evoc Hydro Pro 3 |
Shirt Troy Lee Designs Ruckus Ride Tee Eyez Safron | Schuhe Five Ten Freerider Pro | Handschuhe Troy Lee Designs Ace

Weitere Ausstattungs-Varianten des CILO Tanay

Der Einstieg in die Welt des Tanay beginnt bei 5.499 € für das Tanay HC4. Hier arbeitet ein SR Suntour RS25 EDGE Evo-Dämpfer zusammen mit einer FOX 36 Rhythm-Gabel samt GRIP-Kartusche, die spürbar hinter der Performance der Factory-Version zurückbleibt, dafür aber einfach einzustellen ist. Auch bei den Bremsen wurde die Ausstattung angepasst: Statt einer Vierkolbenbremse ist eine Shimano-Zweikolbenbremse verbaut – auf langen Abfahrten klar ein Nachteil. Die Laufräder stammen von Cross X19 und bestehen aus Aluminium.

Eine Stufe darüber positioniert sich das CILO Tanay HC3 für 6.999 €. Es bringt eine Shimano-Vierkolbenbremse an den Start und setzt auf einen FOX FLOAT Performance-Dämpfer, kombiniert mit derselben Rhythm-Gabel wie im Einstiegsmodell.

Die Geometrie des CILO Tanay HC1

Das Größenkonzept mit den Rahmengrößen S, M und L wirkt zunächst etwas begrenzt, soll aber durch die großen Reach-Abstufungen trotzdem viele Körpergrößen abdecken.

Der Reach reicht von 437 mm in Größe S über 472 mm in M bis hin zu 512 mm für das L-Modell. Die Kettenstreben fallen mit 452,9 mm vergleichsweise lang aus. Sitz- und Lenkwinkel orientieren sich klar an der All-Mountain-Ausrichtung: Mit 78,6° und 65,8° soll das Tanay HC1 eine gute Mischung aus Effizienz und Komfort im Uphill bieten, ohne den Abfahrtsspaß einzuschränken.

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Man muss schon ganz genau hinschauen, wo sich der Flip-Chip befindet.

Zusätzlich gibt es einen Flip-Chip im Link, der den Dämpfer mit dem Rahmen verbindet und den Lenk- und Sitzwinkel sowie die Tretlagerhöhe verändert.

Größe S M L
Sattelrohr 370 mm 400 mm 445 mm
Oberrohr 556,5 mm 599 mm 647 mm
Steuerrohr 100 mm 120 mm 140 mm
Kettenstrebe 452,9 mm 452,9 mm 452,9 mm
Tretlagerabsenkung 36 mm 36 mm 36 mm
Lenkwinkel 65,6° 65,6° 65,6°
Sitzwinkel 79° 78,6° 78,3°
Reach 437 mm 472 mm 512 mm
Stack 616 mm 634 mm 652 mm
Radstand 1200 mm 1244 mm 1293 mm

Das CILO Tanay HC1 auf dem Trail

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Rauf geht’s leicht! Dank des tiefgezogenen Oberrohrs schwingt man sich unkompliziert aufs Bike und findet sich direkt in einer aufrechten Sitzposition wieder. Hier fühlt man sich weitestgehend komfortabel, allerdings bringt der von uns getestete Reach von 472 mm ab etwa 1,82 m Körpergröße die Knie relativ nah an den Lenker. Kein Drama, aber es braucht eine kurze Eingewöhnungsphase. Insgesamt ist man gut ins Bike integriert und kann lange Tage im Sattel verbringen.

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Auf Forststraßen arbeitet der Hinterbau angenehm antriebsneutral: Er wippt kaum und überträgt die Energie von Motor und euren Beinen effizient in Vortrieb. Der Shimano-Motor unterstützt kräftig und gleichmäßig, einzig das spürbare Ausfaden an der 25-km/h-Grenze stört den Flow – hier fühlt man sich, als würde einem kurz der Rückenwind ausgehen. Bleibt man aber kontinuierlich am Treten, harmoniert die aufrechte, zentrale Sitzposition gut mit dem Antrieb. Selbst auf steilen und technischen Anstiegen bleibt die Front ruhig am Boden, ohne dass man aktiv Druck aufs Vorderrad bringen muss – stark! So wird das Tanay HC1 zu einem angenehmen Begleiter für lange Anstiege, egal ob auf endlosen Forststraßen oder in verwinkelten, technischen Uphill-Tracks.

Geht es bergab, steht man mit abgesenkter Dropper in einer leicht gestauchten, aber zentralen Position, die das Gewicht gut zwischen Pedal und Händen verteilt. Auf flowigen Trails mit langgezogenen Kurven und sanfter Neigung fährt sich das Rad stabil und spielerisch.

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Wird es steiler, kippt das Bild: Der steile Lenkwinkel von 65,6° sorgt für Überschlagsgefühle, sobald man sein Gewicht stärker nach vorne verlagert. Zwar bringt das mehr Grip an der Front, doch die Bremse will man in solchen Situationen nie ganz offen lassen. Leider ist auch beim CILO das Motorklappern beim Bergabfahren nicht eliminiert. So begleitet einen der Motor mit einer ständigen Geräuschkulisse, selbst auf der Abfahrt. In engen Kurven mit Gefälle fühlt man sich so auf dem CILO Tanay HC1 nicht ganz so sicher. Hier wird deutlich, dass das Bike eher auf längeren Touren wie auf anspruchsvollen Abfahrten unterwegs sein möchte. Daran ändert auch das solide Fahrwerk nichts, welches aber Unebenheiten nicht so großzügig wie bei einem Enduro-Bike schluckt und auch spürbar auf Reserven verzichtet, die man an einem E-Bike eigentlich nicht missen möchte.

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Hat man den Dreh raus, wie man das Tanay HC1 durch enge Kurven und steile Passagen fährt, ist das Rad ein guter Begleiter – selbst auf langen Routen, bei denen man die Trails noch nicht kennt. Aber Einsteiger könnten hier nicht direkt glücklich werden, da das Tanay HC eine erfahrene Hand erfordert, um über anspruchsvolle Trails zu fliegen. Auch das Gewicht macht sich gerade bei schnellen Kurvenwechseln bemerkbar und verwandelt das CILO nicht gerade in einen Kurvenräuber. Aber definitiv zu einem soliden Touren-Bike.

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Für wen ist das CILO Tanay HC1?

Das Tanay HC1 fühlt sich vor allem auf flowigen Trails und langen Touren zuhause. Für richtig ruppige Tracks fehlen ihm die Reserven vor allem im Federweg – hier stößt es schnell an seine Grenzen. Wer jedoch bereits Erfahrung im Sattel hat und gerne seine Limits austestet, kann dem Bike auch auf anspruchsvolleren Passagen einiges entlocken. Für Einsteiger, die sich in unbekanntem Terrain bewegen, ist es dagegen weniger geeignet.

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Fazit zum CILO Tanay HC1

Der ehemalige Schweizer Rennradbauer hat mit dem CILO Tanay HC1 ein solides Touren-Bike auf die Beine gestellt, das sich vor allem auf flowigen Trails und langen Tagen im Sattel zuhause fühlt. Wird es jedoch schneller und technisch anspruchsvoller, fehlen dem Bike die nötigen Reserven – hier braucht es eine erfahrene Hand, um auch schwierige Trails mit einem Grinsen zu meistern. Auch die Preisgestaltung ist nicht ganz ins Schwarze getroffen: Für einen fast fünfstelligen Betrag darf man in puncto Bremsen und Laufräder mehr erwarten. Unterm Strich passt die Ausstattung aber gut zum definierten Einsatzgebiet – ein ausgefallenes Touren-E-MTB, das sich bewusst von der ruppigen Trail-Fraktion abgrenzt.

Tops

  • entnehmbarer Akku
  • ausgefallenes Design

Flops

  • Motorklappern
  • hohes Gewicht
  • auf anspruchsvollen Trails fehlen Reserven

Mehr Infos auf Cilo-ebikes.com


Words: Robin Ulbrich Photos: Peter Walker