Das Cannondale Moterra Neo Carbon 1 soll der perfekte Alleskönner sein und will alle zufriedenstellen, vom Einsteiger bis zum ambitionierten Biker mit Erfahrung. Kann es auf langen Touren genauso überzeugen wie auf harten Trails und im Alltag? Oder sind Kompromisse auf dem Trail spürbar?

Bevor wir in den Testbericht einsteigen, möchten wir dich noch kurz auf unsere frisch erschienene Jahresausgabe hinweisen. Die E-MOUNTAINBIKE Print-Edition 2021 ist der ultimative Leitfaden für deine Suche nach dem perfekten E-Mountainbike. Auf 270 Seiten bieten wir dir eine umfassende Kaufberatung sowie Tests und Infos zu 35 Bikes und einen Vergleich der 8 spannendsten Motoren. Außerdem gibt es jede Menge Know-how, Tipps und die aufregendsten E-MTB-Trends. Hier klicken für mehr Infos oder direkt in unserem Shop bestellen!

Einen Überblick über diesen Vergleichstest erhaltet ihr hier: Das beste E-Mountainbike 2021 – 25 Modelle im Test

Cannondale Moterra Neo Carbon 1 | Bosch Performance Line CX/625 Wh | 160/160 mm (v/h)
24,06 kg in Größe L | 8.799 € | Hersteller-Website

Die Plattform des Cannondale Moterra Neo Carbon 1 geht unverändert ins nächste Modelljahr. Updates gab es vor allem bei der schicken silber-schwarzen Lackierung und dem Fahrwerk. Mit einem Bosch Performance Line CX-Motor und 625-Wh-PowerTube im Unterrohr setzt Cannondale auf das bewährte Antriebs-Package, verbaut aber einen super robusten Aluminium-Unterfahrschutz, ein verbessertes Ladebuchsencover und integriert den Geschwindigkeitssensor pannensicher im Ausfallende. Nach wie vor sitzt das Kiox-Display exponiert auf dem Vorbau. Direkt darunter wohnt ein Scheinwerfer: perfekt für Nightrides und zum Pendeln.

Die Ausstattung des Cannondale ist ein Kompromiss

Das 8.499 € teure Topmodell Cannondale Moterra Neo Carbon 1 setzt für 2021 auf ein RockShox-Fahrwerk mit 160 mm, der steifen ZEB Ultimate-Federgabel und dem Deluxe Select+ Dämpfer ohne Ausgleichsbehälter. Es bietet ein einfaches Setup und einen guten Kompromiss für Anfänger und sportive E-Mountainbiker. Gestoppt wird das 24,06 kg schwere Bike von einer standfesten MAGURA MT7 mit 220-mm-Scheiben vorne und 200 mm hinten. Bei ihr hat Cannondale bewusst auf die Shiftmix-Klemmen verzichtet, um eine bessere Ergonomie im Cockpit zu gewährleisten.

Fahrwerks-Tuning
An der Front hat Cannondale mit der RockShox ZEB ordentlich aufgerüstet. Am Heck kommt hingegen ein Dämpfer ohne Piggyback zum Einsatz, der auf langen Abfahrten schneller heiß wird.
Viel besser
Cannondale verlässt sich nicht auf das unzureichende Originalcover für die Ladebuchse und hat eine robustere und dennoch flexible Variante aus Gummi entwickelt. Super!
Upgrade empfohlen
Die hauseigene DownLow-Variostütze bietet mit 125 mm (M) bzw. 150 mm (L und XL) nicht nur viel zu wenig Hub. Auch die Remote ist eine wackelnde ergonomische Katastrophe. Wir empfehlen ein Upgrade auf ein anderes Modell.

Cannondale Moterra Neo Carbon 1

8.799 €

Ausstattung

Motor Bosch Performance Line CX 85 Nm
Akku Bosch PowerTube 625 Wh
Display Bosch Kiox
Federgabel RockShox ZEB Ultimate 160 mm
Dämpfer RockShox Deluxe Select+ 160 mm
Sattelstütze Cannondale DownLow Dropper 100–150 mm
Bremsen MAGURA MT7 220/200 mm
Schaltung SRAM GX/X01 Eagle 1x12
Vorbau Cannondale 1 50 mm
Lenker Cannondale 3 Riser 780 mm
Laufradsatz WTB KOM Trail i30 TCS 29"
Reifen MAXXIS ASSEGAI EXO/Minion DHRII EXO+ 2,6"

Technische Daten

Größe S M L XL
Gewicht 24,06 kg
Zul. Gesamtgewicht 150 kg
Max. Gewicht Fahrer/Equipment 125 kg
Anhänger-Freigabe Nein
Ständeraufnahme Nein

Besonderheiten

Supernova MINI 2 PRO-Lampe mit Fernlicht


Nicht trailtauglich
Das Moterra kommt serienmäßig mit der hervorragenden Supernova MINI 2 PRO – der besten Lampe im Testfeld. Der Schalter fürs Fernlicht ist allerdings magnetisch und fliegt aus der Halterung, sobald es auf dem Trail zur Sache geht.
Vorbildlich
Trotz Bosch-Motor sitzt der Geschwindigkeitssensor gut geschützt im Ausfallende und der dazugehörige Magnet hat es sich verdrehsicher an der Bremsscheibe bequem gemacht: top!

Schaut man sich die wackelige, kleine und schwer zu positionierende Remote der Sattelstütze an, ist das allerdings nicht perfekt gelungen: Obendrein liefert sie nur 150 mm Hub. Die Supernova MINI 2 PRO-Lampe mit Fernlicht sucht in diesem Vergleichstest ihresgleichen, verursacht aber eine unaufgeräumte Front mit ihren zusätzlichen Leitungen und dem – für ruppiges Terrain ungeeigneten – magnetischen Daumenschalter. Ein Mix aus SRAM GX- und X01 Eagle-Komponenten sorgt mit der größten 52-Zahn-Kassette für mehr als ausreichend Bandbreite der 12-fach-Schaltung. Der 2,6” breite MAXXIS ASSEGAI (EXO) an der Front und ein Minion DHRII (EXO+) am Heck sorgen zwar für ausreichend Traktion, aber nur für mäßigen Pannenschutz bei härterer Fahrweise.

Größe S M L XL
Sattelrohr 400 mm 430 mm 460 mm 510 mm
Oberrohr 587 mm 614 mm 638 mm 666 mm
Steuerrohr 100 mm 110 mm 120 mm 130 mm
Lenkwinkel 66,0° 66,0° 66,0° 66,0°
Sitzwinkel 75,0° 75,0° 75,0° 75,0°
Kettenstrebe 450 mm 450 mm 450 mm 450 mm
Tretlagerabsenkung 10 mm 18 mm 18 mm 18 mm
Radstand 1.184 mm 1.221 mm 1.247 mm 1.276 mm
Reach 430 mm 448 mm 470 mm 495 mm
Stack 585 mm 619 mm 629 mm 638 mm
Helm KED PECTOR ME-1 | Brille Adidas Evil Eye Halfrim | Rucksack Ergon BA 3 Protect | Shirt Fasthouse Fastline Slash | Shorts Fox Ranger Shorts | Schuhe Five Ten Trailcross Mid Pro | Handschuhe Roeckl MALIX

Eine Besonderheit liefert das Cannondale Moterra Neo bei der Laufradgröße: In der kleinsten Rahmengröße rollte es auf 27,5”- statt 29”-Reifen, um kleineren Fahrern ab 1,57 m ausreichend Bewegungsfreiheit zu bieten. Obendrein wurde die Kinematik des Hinterbaus den Rahmengrößen angepasst, um bei unterschiedlich schweren und großen Fahrern eine vergleichbare Fahrwerksperformance zu erzielen. Davon abgesehen liegt die Geometrie des Moterra im Durchschnitt des Testfelds. Einzig der Sitzwinkel ist nicht nur auf dem Papier (75°), sondern – mit zunehmendem Sattelauszug – auch auf dem Trail spürbar flacher. Das spielt dem Moterra allerdings auf langen Touren in die Karten, denn die Sitzposition ist komfortabel und bringt wenig Last auf die Handgelenke. Kombiniert man das mit dem sensiblen Fahrwerk und den relativ voluminösen Reifen, ist das Moterra auch auf langen Etappen komfortabel.

Die Supernova-Lampe mit Fernlicht ist ideal, falls die Tourenplanung nicht perfekt war oder die Cappuccino-Pause doch wieder etwas mehr Zeit in Anspruch nimmt. Beim Pendeln im Winter liefert ihr Fernlicht ein echtes Plus an Sicherheit.

Für alles und jeden – Das Cannondale Moterra Neo Carbon 1 auf dem Trail

Geht es bergauf, wird die Sitzposition vor allem für größere Fahrer hecklastig. Dennoch klettert das Cannondale solide und gutmütig bergauf. Dank des hohen Tretlagers sind Pedalaufsetzer eine Seltenheit, wodurch lediglich die Front aktiv belastet werden muss, um das Vorderrad am Boden zu halten. Dabei hilft der Hinterbau, der hoch im Federweg steht und dennoch viel Grip am Hinterrad liefert, um die 85 Nm des Bosch-Motors auch im kraftvollen Turbo-Modus auf den Trail zu bringen. Dadurch ist mit dem Moterra Neo Carbon 1 erst in steilen und engen Kehren Schluss.

Das Moterra Neo 1 ist ein Jedermann-Bike, das Alltagsnutzen, Trailabenteuer, Langstreckenkomfort und gutmütiges Handling vereint. Auf dem Trail kann es aber nicht ganz mit den sportivsten im Test mithalten.

Tuning-Tipp: Variostütze mit besserer Ergonomie und mehr Hub

Ebenso wie bei der Geometrie ist das Cannondale auch bergab ein sehr guter Kompromiss für fast alle Fahrer. Auf kaum einem anderen Bike fühlten sich alle unsere Tester vom Tourenfahrer bis zum ambitionierten Trailsurfer auf Anhieb so sicher. Denn das Handling des Moterra Neo ist, nicht zuletzt dank der ausgewogenen Lastverteilung, sehr einfach, gutmütig und berechenbar. In Kombination mit dem schluckfreudigen Fahrwerk sorgt das für viel Traktion auch in losen Schotterkurven oder beim Anbremsen in Steilstücken. Für besonders heftige Einschläge, super schnelle oder besonders schwere Fahrer liefern Dämpfer und Hinterbau aber zu wenig Reserven und Gegenhalt, um die Bremse richtig lange offen zu lassen oder aktiv mit dem Gelände zu spielen. Auch ganz verwinkelte Trails erfordern auf dem relativ schweren Moterra viel Körpereinsatz, sind aber auch für Einsteiger ohne perfekte Technik zu meistern.

Fahreigenschaften

7

Agilität

  1. träge
  2. verspielt

Laufruhe

  1. nervös
  2. laufruhig

Handling

  1. fordernd
  2. ausgewogen

Fahrspaß

  1. langweilig
  2. lebendig

Motor-Feeling

  1. digital
  2. natürlich

Motor-Power

  1. schwach
  2. stark

Preis-Leistung

  1. schlecht
  2. top

Einsatzbereich

Forstweg

1

Flowtrail bergauf

2

Flowtrail bergab

3

Technischer Singletrail bergauf

4

Technischer Singletrail bergab

5

Downhill-Strecken

6

Fazit

Das Cannondale Moterra Neo Carbon 1 überzeugt alle vom Tourenfahrer bis zum ambitionierten Trail-E-Mountainbiker mit seinem beachtlich breiten Einsatzbereich und seinen intuitiven, gutmütigen Fahreigenschaften. Mit den sportivsten Bikes im Test kann es auf dem Trail nicht ganz mithalten, positioniert sich dank hohem Langstreckenkomfort und nützlicher Alltagsfeatures wie der Supernova-Lampe aber als guter Allrounder.

Tops

  • breiter Einsatzbereich
  • einfaches, gutmütiges Handling
  • hoher Komfort

Flops

  • technischer Uphill
  • in engen Fahrsituationen träge
  • unaufgeräumte Kabelführung

Mehr Informationen findet ihr unter cannondale.com

Das Testfeld

Einen Überblick über diesen Vergleichstest erhaltet ihr hier: Das beste E-Mountainbike 2021 – 25 Modelle im Test

Alle Bikes im Test: Cannondale Moterra Neo Carbon 1 | Canyon Spectral:ON CF 9 (Zum Test) | CENTURION No Pogo F3600i (Zum Test) | CUBE Stereo Hybrid 140 HPC SLT Nyon (Zum Test) | CUBE Stereo Hybrid 160 C:62 SLT Kiox (Zum Test) | Ducati TK-01 RR (Zum Test) | FLYER Uproc6 9.50 (Zum Test) | FOCUS JAM² 6.9 NINE (Zum Test) | GIANT Trance X E+ 1 (Zum Test) | Haibike AllMtn 7 (Zum Test) | KTM Macina Kapoho Prestige (Zum Test) | Lapierre Overvolt GLP 2 Team (Zum Test) | MERIDA eONE-SIXTY 10K (Zum Test) | Mondraker Crafty Carbon XR (Zum Test) | Moustache Samedi 29 Trail 8 (Zum Test) | ROTWILD R.X375 ULTRA (Zum Test) | Santa Cruz Bullit X01 RSV Air (Zum Test) | SCOTT Ransom eRIDE 910 (Zum Test) | SIMPLON Rapcon PMAX (Zum Test) | Specialized S-Works Turbo Levo (Zum Test) | Specialized S-Works Turbo Levo SL (Zum Test) | STEVENS E-Inception AM 9.7 GTF (Zum Test) | Thömus Lightrider E2 Pro (Zum Test) | Trek Rail 9.9 X01 (Zum Test) | Whyte E-150 RS 29ER V1 (Zum Test)


Hat dir dieser Artikel gefallen? Dann würde es uns sehr freuen, wenn auch du uns als Supporter mit einem monatlichen Beitrag unterstützt. Als E-MOUNTAINBIKE-Supporter sicherst du dem hochwertigen Bike-Journalismus eine nachhaltige Zukunft und sorgst dafür, dass der E-Mountainbike-Sport auch weiter ein kostenloses und frei zugängliches Leitmedium hat! Jetzt Supporter werden!

Text: Felix Stix Fotos: Diverse

Über den Autor

Felix Stix

Felix ist Testchef und unbestritten einer der besten Testfahrer der Welt. Mit seinem abgeschlossenen Sports-Engineering-Studium, exzellenten MTB-Skills, einer Bike-Guide-Ausbildung und seiner Liebe zur Technik hat Felix alles, was es für eine umfassende und faire Beurteilung von Bikes braucht. Seine legendären Vergleichstests sind international bekannt und gefürchtet und werden aufgrund der ausführlichen Erläuterungen und technischen Erklärungen gerne mal ein bisschen länger. Pro Jahr testet er weit über 100 Bikes, seine Spezialgebiete sind Reifen, Motoren, Fahrwerke – und im Winter auch Ski! Sein Know-how fließt in jeden unserer Tests mit ein und trägt so zur hohen redaktionellen Qualität bei.